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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-07 · 23 (7.6.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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SriteS86 wr. Lrocb's Mocbenscbrrrr. Nr. 23 Ausstellung 4m Royal Albert Hall gehalten hat, unter anderen Aufgaben einer zu gründenden jüdischen Akademie, eine encyklopSdische Bearbeitung der talmMschen Literatur erwähnt (Mountsschrift Bd. XXXVI p. 356). Welche Dienste ein solches Werk in dem Kampfe gegen Rohling und heute noch in den einzelnen Feldzügen gegen Dummheit und Verleumdung dem Iüdentume zu leisten berufen ist, braucht wohl nicht mit Nachdruck betont zu werden. Andererseits aber zeigt uns dieser sehnsuchtsvoll gehegte Wunsch, mit welchem Maßstab wir das Verdienst jenes Mannes messen müssen, der die Schande Rohlings von unserem Volke gewäht hat. Vor zwei Jahren hat Herr Frommer den Plan einer Real-Konkordanz der rabbinisch-talmudischen Literatur veröffentlicht (Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft. Bd. XXV, p. 349—56). Wie eS scheint, dürfen wir den Plan nicht ernst nehmen; bahnbrechende Forscher find übrigens aus ganz anderem Holze geschacht, sie treten nicht mit Plänen auf, sondern mit dem verarbeiteten Material. Diese Bestrebungen, das weitschichtige Material der talmudischen Literatur zu ordnen, reichen bis in das Altertum. Mit scharfem Blicke und bei genügendem Lichte gesehen, wird man noch die Spuren einer solchen Forschung schon in der Mischna und in dem Talmud erkennen. Die ersten selbständigen Hilfsbücher und Nachschlagewerke gehören jedoch der gaonäischen Periode an. Kaum waren wenige Jahrhunderte nach dem Abschluffe des Talmuds verfloffen, wurden solche Werke verlangt. Die gaonäischen Responsen liefern den Kommentar für diese Tatsache; beinahe jeder Gaon wurde um Erklärungen schwieriger Worte oder Ausdrücke angegangen. Von R. Zemach 6. Paltoi Gaon heißt es, daß er um 4632 ein alphabetisches Wörterbuch verfaßt habe, welches aber nur in wenigen, dürftigen Zitaten bekannt ist. (S. I. Rapoport Iw n nnbin S. 24') Joel Müller vermutet, daß die Gelehrten in Kairuwan, welche bereits zu jener Zeit " eine wiffenschästliche Erforschung des Talmuds austrebten, das Zustandekommen dieses Werkes veranlaßten (Einleitung der Responsen der babyl. Gaonim. Berlin 1891 p. 142). Diese Ansicht scheint umso wahrscheinlicher, weil ja die meisten Schriften, sowohl liturgischen, wie auch historischen Inhaltes, einem ähnlichen Umstande, einer Anfrage, ihre Entstehung verdanken, wie z. B. die Gebetritualordnung des Gaon Ameam oder der wichtige Brief des Gaon Serira. Kairuwan ist wohl der Ort, wo man fich für historische und philologische Arbeiten am meisten interessierte. R. Jakob be» Riss im aus Kairuwan war der erste, der die ungefähr aus dem VIII. Jahrhundert stammende Ordnung der Talmudlehrer erwähnt (vgl. Weiß *nöbn rra L 28), und sein Sohn R. Niffim war bemüht „mit einem Schlüssel den Talmud zu öffnen". Biel wichtiger als dieses war wahrscheinlich das lexikalische Werk R. Machirs, Bruder des R. Gersou, der ebenfalls eine solche Arbeit unternahm (s. Rapoport l. c. p. 26). Auf den Schultern dieser Männer steht R. Natan ben Jechiel, deffen Aruch Kohut bearbeitet hat. Später im XII. Jahrhundert lebte in Deutschland ein Mann, Jehuda ben Kalonymos ben Meir, deffen Gelehrsamkeit Männer wie Goldberg, Rabbinovitz und in jüngster Zeit kein geringerer, wie Abraham Epstein bewundert und anerfimnt haben, der ein großartig angelegtes Werk verfaßt hat, welches iu Oxford die Auferstehung erwartet. (A. Epstein: Das talmudische Lexikon, Breslau 1895 8. A. p. 6.) Alle diese übertrifft — an Umfang nnd Gelehrsamkeit — Jsak Lamprvnti mit seinem pnar nne. Letzterem schließt fich auch Verfasser einer neuen lexikalischen Bearbeitung des talmudischen Materials an, die hier besprochen werden soll. In der Entwicklung einer jeden Wissenschaft tritt notgedrungen die Zeit ein, welche eine Zusammenfassung und Sichtung des aufgehäusten Stoffes, die Darstellung des jeweiligen Standes der einzelnen Probleme, die systematische Anordnung des ganzen Forschungsgebietes lebhaft fordert. In der jüdischen Wissenschaft ist dieses der Fall! Aber wir wollen jetzt absehen von der Wissenschaft des Judentums im Allgemeinen und nur auf die talmMfche Literatur hinlenken. Welche find die Forderungen, die wir an ein solches Werk, dessen zwei Hefte uns vorliegen stellen müssen? Eine Encyklopädie muß vor allem den ganzen Stoff umfassen und verarbeiten. Die Vollständigkeit ist eine wichtige Bedingung, der wir aber nicht ganz entsprechen können. Die wissenschaftliche Behandlung und Besprechung der einzelnen Themata ist viel wichtiger und unerläßlich. Das erste und hauptsächliche Grundgesetz für jede wissenschaftliche Forschung ist, die Arbeiten der hervorgegangenen Geschlechter zu berücksichtigen; zweitens müssen die einzelnen Artikel methodisch bearbeitet werden. Obzwar wir ähnliche Realen cyklopädien haben, ich erinnere z. B. an solche zu Homer's Werken, so ist es doch mit der talmudischen Literatur anders bestellt. Jedoch können wir von einem Menschen nicht verlangen, daß er allen diesen Gesichtspunkten gerecht werde. Betrachten wir die ersten vorliegenden Hefte eines solchen Unternehmens! Der Fleiß und Sammeleifer des Herausgebers sind gewiß anerkennenswert und verdienen Lob; es ist nur im Interesse des Werkes, wenn wir die Methode einer Kritik unterziehen. Auf Einzelheiten können wir hier nicht eingehen; übrigens haben wir solche in ausführlichen Besprechungen in der vom verdienstvollen Tyrnauer Rabbiner herausgegebenen ungarischen Monatsschrift „Magyar. Rabbik" bereits veröffentlicht. Unbedingt notwendig ist es vor allem, in die Quellen der einzelnen Aussprüche im Talmud, u. zw. in die halachischen Midraschim sorgfältig einzudringen und das Verhältnis klarzustellen, was Herr Verfaffer zum größten Teile unterlassen hat. Aber nicht nur die Quellen sind sehr wichtig, sondern auch die Parallelstellen. Nur ein Beispiel hiefür: b. Berachot 16 a heißt es: rvzbuh xPk ma« p“np p« *vn Nun ist ja die Frage von selbst gestellt, es gibt ja noch so viele, die zu den Urvätern gehören und diesen Namen führen. Allein Semachot I. 14 hat die richtige Lesart, die jede Frage beseitigt, hier heißt es: pTp pK •ib *6« up« Allerdings..wird ein kritischer Forscher alle ^Gründe prüfen, oö diese Börajta ursprünglicher als die im Talmud, oder ob sie nach dem Talmud verbessert worden ist. Unangenehmer ist, daß der Verfasser in der einschlägigen Literatur nicht immer bewandert ist und er selbst natürlich die wichtigsten Fragen bei Seite läßt. Er zählt z. B.. die Ansichten pro und contra, im Artikel nia« mar auf, ohne auf die Ursache einzugehen, warum diese Idee so viele Anhänger gefunden hat und warum die Lehrer das Gegenteil gepredigt haben. Das hat ja seinen guten Grund. Der Forscher muß ja sofort an den Apostel Paulus denken, der nicht genug gegen diese Idee Hervorbringen konnte, jedoch haben die Anhänger dieser Idee auch wohl gewußt, warum sie in ihren Reden und Vorträgen dieselbe so oft erwähnten und mit Nachdruck betonten. Uebrigens ist das Material gar nicht vollständig, ich habe noch folgende Stellen notiert: für diese Idee Bereschit Rabba, K. 70, 5; Ebd., K. 71, 76; gegen 74, 10 und noch andere mehr. Belesene Beurteiler werden wahrscheinlich noch mehr finden. Am deutlichsten sieht man die fehlerhafte Methode des Verfassers bei dem Artikel: n»a a«. Verfasser scheint gar nicht zu ahnen, daß, abgesehen von Reifmann's kleiner Arbeit, eine ganz kleine Bibliothek sich mit dieser Frage beschäftigt, und es kann wohl als feststehend gelten, daß der “i"a a« nicht der Vorsitzende des Synhedrions und Gerichtshofes war, sondern der zweite in der Reihenfolge. Ferner, daß das Synhedrion in der Quaderkammer von dem gewöhnlichen Gerichtshof wohl zu unterscheiden ist. Dasselbe müssen wir vom Artikel, der den Traktat Abot bespricht, sagen, obwohl in beiden viel Material aufgehäuft ist und die Zusammenstellung über das Verhältnis der beiden Talmude zum Traktat sogar sehr schön und willkommen ist. Jedoch über Entstehungszeft und Verfasser dieser Sammlung hören wir nichts. Noch schlimmer ist es dem gleichnamigen Traktat des R. Natan ergangen, lieber die Bezeichnung des Anfanges des Achtzehn-Gebetes als rvan äußert fich der Verfasser nicht, ebenso unterläßt er eine wissenschaftliche Beleuchtung des Ursprungs und begnügt sich mit der Erwähnung der Stelle aus der Liturgie des Gaon Amram. Es wäre noch viel zu bemerken zu einzelnen Punkten sowohl, wie zu den Artikeln im Ganzen. Ich sehe übrigens, daß Herr Dr. Posnansky im Einzelnen auch (im o^iyn Nr. 18) Le-

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