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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-07 · 23 (7.6.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 878 Dr. Llocb's Mocbenscbrln. Nr. SS Der Verein zur Abwehr des Antisewitismns hat an Baron Hock, anläßlich dessen erfolgter Wahl in den Reichsrat, nachstchendes Begrüßungsschreiben gesendet: Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr Baron! Das große Wiener Ereignis, der Ausgang der Reichsratswahlen, veranlaßt uns, der Freude, vor allem aber der unbegrenzten Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Nicht laut und oft genug kann es hinausgerufen werden, daß die Regenerierung des fortschrittlichen Gedankens in Wien, dieser Hochburg des Klerikalismus, wesentlich Ihr Werk, daß der Durchbruch der freiheitlichen Gesinnung zum größten Teil Ihrer unermüdlichen Tätigkeit, hochzuverehrender Herr Hofrat, zu danken ist! Ohne diese seit Jahren mit bewunderungswürdiger Ausdauer und Liebe einem durchaus idealen Ziele zustrebende Arbeit hätten wir nie hoffen dürfen, unsere lethargischen Mitbürger zu einer so folgenreichen Umwandlung zu bringen. Die Größe des eben vollbrachten Werkes wird aber erst dann anschaulich, wenn man die Partei und ihre Hintermänner, gegen welche der ungleiche Kampf begonnen ward, in Betracht zicht, jene zahlreiche, sich volkstümlich gebärdende und geschlossene Maffe, deren Macht nicht sowohl im „Volke", als vielmehr im Pöbel und hauptsächlich in den mit den größten Privilegien ausgestatteten Klaffen wurzelt. Wenn nun die gigantische Arbett des Loslösens von diesem skrupellosen, wohldisziplinierten und -subventionierten Haufen, bezw. von ihren zu einem Machtfattor emporgekommenen Führern gelungen ist, so — wir wiederholen es — verdankt Wien, verdankt Oe st erreich seine geistige Wiedergeburt in erster Linie Ihrem unerschrockenen Vorgehen, von dem Sie sich in keiner Weise durch noch so niedrige Schmähungen und sogar Drohungen abbringen ließen: Ew. Hochwohlgeboren werden kommenden Generationen ein weithin leuchtendes Vorbild der Seelengröße und Charakterstärke abgeben, die ethische Bedeutung Ihrer rastlosen Arbeit aber wird, gleichwie bei jeder wahrhaft großen Geistestat, Hauptsächlich den nachfolgenden Geschlechtern zugute kommen, ohne daß die Nutznießer sich der ungeheuren hiezu erforderlichen Mühe auch nur bewußt werden! Der ergebenst Unterzeichnete Vereinsvorstand beglückwünscht Euer Hochwohlgeboren aufrichtig zu der erfolgten Wahl in den Reichsrat, welche umso höher anzuschlagen ist in Ansehung der bekannten von gegnerischer Seite angewendeten Mittel zu deren Verhinderung. Er beglückwünscht aber auch sich selbst, Zeitgenosse eines Ereigniffes zu sein, das endlich den klaren Willen der Bevölkerung kundgibt, sich das heiligste Gut, die freie Entwicklung des jugendlichen Geistes in den Schulen, nicht wegstehlen zu laffen. Die erhabene Begeisterung, die Euer Hochwohlgeboren für alles Ideale, vornehmlich für das Recht beseelt und eine so hehre Entrüstung gegen das Unrecht erzeugt, erweckt im ergebenst Unterzeichneten Vereinsvorstand die Hoffnung, daß diese selbe Triebfeder auch ferner Vorhalten werde, um ein schmachvolles Uebel beseitigen zu helfen, das, aus dem gleichen Motive des niedrigsten Eigennutzes und der Beschränktheit entsprungen, unser Vaterland in einer geradezu mittelalterlichen Rückständigkett versunken erscheinen läßt. Tiefe Schamröte bedeckt uns bei dem Gedanken, daß im 19., sogar noch im 20. Jahrhundert mit der dummdreisten Tendenzlüge des Ritualmordes gerechnet werden muß, daß ein Mensch sett Jahren im Kerker schmachtet für ein Verbrechen, das er ebensowenig begangen hat, wie jener unglückliche Jude in Trient im Jahre 1475, der es mit der furchtbarsten Folter und sodann mit dem Tode büßen mußte, daß sein christlicher Prozeßgegner ein Christenkind ermordete, um ihn mit Hilfe eines nie fehlenden Hetzkaplans des Ritualmordes beschuldigen zu laffen! Wir vermögen es gar nicht zu faffen, daß heute noch, nachdem dieser Fall und ähnliche gerichtsaktenmäßig festgestellt worden, nachdem sogar Päpste wiederholt gegen das Absurde des Ritualmordes sich ausgesprochen, Wesen in menschlicher Gestalt auf Grund höchst lückenhafter Beweise, offensichtlich tendenziöser Darstellungen und Verdrehungen einen Mitmenschen des schwersten Verbrechens für erwiesen erklären können. Mag aber für diese mehr der Suggerierung unterlegenen, als nach Ueberzeugung handelnden „Männer aus dem Volke" die geringere Bildung und Intelligenz als mildernder Umstand geltend gemacht werden, dann fällt umso schwerer der Vorwurf auf jene zurück, die in schamlos unverhüllter Weise ihre niedrige Wühlarbeit systematisch betrieben, im Gegenteil durch ihr Wissen verpflichtet gewesen wären, — mindestens aber schon auf Grund der Analogie mit den ehemaligen „Hostienschändungen", die heute denn doch abgetan sind — kalmierend einzuwirken. Die ergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung richtet an Ew. Hochwohlgeboren die innigste Bitte, sich im neuen Hause der ausgezeichneten, durch Dr. Jul. Ofner in der letzten Sitzung des vergangenen Parlaments eingebrachten Interpellation über die Revision des Prozeffes Hilsner annehmen und den Gegenstand nicht mehr zur Ruhe kommen lassen zu wollen. Aus dem großen moralischen Uebergewicht, das eine Kundgebung von so hochgeschätzter und gefürchteter Seite an sich besitzt, im Verein mit der Unterstützung kongenialer Männer, glaubt sie die Hoffnung schöpfen zu dürfen, daß es doch endlich gelingen werde, ein so himmelschreiendes Unrecht gut zu machen — gleichwie es seinerzeit dem unerschrockenen Vorkämpfer gegen die Ritualmord-Lüge und die damit verbundenen Fälschungen gelungen ist, den Hauptagitator, einen Lehrer der christlichen Religion, zum schmählichen Rückzug zu zwingen. Es läßt sich sodann — durch die endgiltige Beseitigung dieser niedrigsten aller bewußten Verleumdungen — erwarten, daß die Feindschaft gegen eine geistig hochstehende Minorität einem unserem Jahrhundert entsprechenden Verhältnisse Platz machen, daß an Stelle der auf Verdummung und Verrohung abzielenden Verhetzung ein auf gegenseitige Achtung begründetes Benehmen treten werde. In aufrichtiger Verehrung ergebenst DerVorstanddesVerei ne s zur Abwehr des Antisemitismus." Wien, im Mai 1907. Die erste Schwalbe. Verehrliche Redaktion! Auf den Mitgliedskarten des Deutschen Schulvereines ist als Obmann Dr. Gustav Groß unterfertigt und habe ich sofort meinen Austritt angemeldet, was ich meinen Glaubensgenossen, welche diesem Vereine angehören, ebenfalls empfehle. Ein alter Abonnent. Wahlmißbräuche. Im Wahlkreise des Herrn Dr. Bloch wurde ein gewisser Zimmermann gemäß kaiserlicher Verordnung vom 20. April 1854, R.-G.-Bl., 96 („Prügelpatent") von der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Rava zur Strafe des Arrestes in der Dauer von drei Tagen verurteilt, und als er die Beschwerde dagegen anmeldete, wurde ihm bedeutet, daß dieselbe keine aufschiebende Wirkung habe. Zimmermann hat sonach die Strafe im Gerichtsarrest verbüßt und wurde am Abend des Wahltages auf freien Fuß gestellt. Der Anlaß zu dieser Strafverfügung war folgender: Im Gemeindeamte in Rava wurden die Wähler bei Zustellung der Wahllegitimation gefragt, ob sie für Doktor Starzynski stimmen wollen, und da wohl niemand opponierte, wurden die Stimmzettel mit der Stampiglie „Dr. Starzynski" versehen. Zimmermann verlangte vom Bürgermeister die Abstellung dieses echt galizischen Vorganges, wurde hinausgewiesen und, als er nicht steiwillig ging, der Bezirkshauptmaunschaft zur Abstrafung überstellt. Die Verurteilung konnte sonach nur gemäß § 12 al. b des obigen Gesetzes erfolgen, nämlich, weil Zimmermann sich angeblich „gegen einen Gemeindevorsteher bei Vollziehung eines

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