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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-31 · 22 (31.5.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 22 Dr JBioeDs Mocoenscbrttr. Seite -67 Geld und Wertsachen. So überfielen die Soldaten in Gegenwart eines Offiziers einen Juden Wolf, den sie während des Gebetes mit seinen vier Kindern überraschten, schleppten ihn in den Zimmern umher und schlugen mit den Flintenkolben auf ihn los. Einen anderen Juden, R o m a n o v i z, der sich aus dem brennenden Hause retten wollte, verstümmelten die Soldaten, schleppten ihn in's Hospital und töteten ihn dort. In ähnlicher Weise ermordete man 32 Menschen, darunter ein vierjähriges Kind, einen 72jährigen Greis und 7 Frauen. Verwundet wurden über hundert Menschen. Die Soldaten haben etwa 30.000 Kugeln abgefeuert. Um den Pogrom irgendwie zu rechtfertigen, stellten seine Urheber die Behauptung auf, die Stadt Siedelce sei von Revolutionären überfüllt gewesen, die einen bewaffneten Aufstand vorbereiteten, die Hauptwache beschossen hätten u. s. w. Aber im Laufe von 36 Stunden haben die zwei Regimenter Soldaten bei der allgemeinen Durchsuchung weder ein Waffenlager, noch einen einzigen bewaffneten Bürger gefunden, das ist Beweis genug, daß tatsächlich keine Revolutionäre zugegen waren. Die Revolverschüsse in der Nähe der Hauptwache sind, wie die gerichtliche Untersuchung ergeben hat, von der Hauptwache aus abgefeuert worden und nicht von der Straße her. Dies alles geschah am 26. August v. I. Am Tage darauf lud.Oberst Tichanowsky einige Vertreter der Stadt zu sich und verkündigte ihnen, daß er die ganze Stadt vernichten würde, falls man ihm „die Waffen der Revolutionäre" nicht sofort ausliefere. Kein Flehen half. Die Bitte, Frauen und Kinder aus der der Vernichtung geweihten Stadt entfernen zu dürfen, blieb ungehört. Später verhaftete man die geladenen Stadtvertreter. Herr Tichanowsky bezeichnete sogar das Haus, von wo her angeblich die Revolutionäre das Militär beschossen hätten. Im betreffenden Hause fand sich aber nur ein altes Ehepaar. Nichtsdestoweniger setzte das Militär das Schießen fort. Nach dem Pogrom, als die lokalen Behörden die Hauptschuldigen völlig unbestraft und frei ließen, richteten die Vertreter der Stadt eine Beschwerde an den Minister des Innern, der antwortete, daß die „Schuldigen" bestraft werden würden. Statt einer Strafe erhielten aber die schuldigen Offiziere und Mannschaften eine öffentliche Danksagung seitens des Warschauer General-Gouverneurs. Keiner wurde vor Gericht gezogen." Soweit die Begründung der Interpellation, der zahlreiche Dokumente und Aktenstücke beigegeben sind. Vermischtes. Die Trauung des Oberkantors Bela Gnttmann. Dienstag den 28. d. M., 7*4 Uhr nachmittags, fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Oberkantors BÄa G u t t m a n n mit Fräulein Melanie F a n t l statt. Lange vor Beginn der Trauungszeremonie war der große, festlich beleuchtete Tempel von einem vornehmen Publikum dicht gefüllt und gab Zeugnis von der großen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der verehrte Bräutigam in allen Kreisen erfreut. Unter den erschienenen Trauungsgästen bemerkte man u. A. Den Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern und den beiden Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und Baurat Ritter v. Goldschmidt, den gesamten Bethausvorstand, die Beamtenschaft der Wiener israelitischen Kultusgemeinde mit den beiden Sekretären kaiserl. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, fast sämtliche Rabbiner und Kantoren aller Tempel Wiens, Abordnungen vieler humatärer Vereine, die Vorstände zahlreicher Frauenvereine, Vertreter der Schriftsteller-, Theater- und Kunftwelt usw. Nachdem die vereinigten Chöre des Leopoldstädter wie des Stadttempels unter Professor S u I z e r's trefflicher Leitung einen Festchoral mit Orgel- und Harsenbegleitung zum wirkungsvollsten Vortrage brachten, rezitierte Erster Kantor Jurberger wirkungsvoll das Ma-tauwu, worauf Rabbiner Dr. S ch m i e d l an das Brautpaar eine herrliche, alle Zuhörer erhebende Traurede hielt, in welcher er die Macht des Kunstgesanges in beredten Worten würdigte. Die kantorale Trauungszeremonie vollzog Oberkantor Josef Singer, assistiert von den beiden Tempelchören mit Orgel- und Harfenbegleitung in vorzüglichster Weise. Nach der Trauung fand im großen Festsaale des „Hotel de l'Europe" die Gratulation statt. Es ist unmöglich, die große Anzahl der erschienenen Gratulanten oder auch nur von den vielen guten die besten Namen einzeln aufzuzählen. Nach vielen Hunderten langten aus Nah und Fern Glückwunschtelegramme ein, so von Baron Albert Rothschild, David Ritter von G u t m a n n, Adolf Ritter v. Sonnenthal, den Reichstagsabgeordneten Sandor P ü l u , V i s o n t a y , Leopold Pollak von Parnegg, Negierungsräte N e u m a n n, P. Sch l a g, Karl und Stephan v. Auspitz, Kammervirtuosen Alfred G r ü n f e l d, Profeffor Dr. N. Grün, Präsidenten der Budapester israelitischen Kultusgemeinde Hofrat K o h n e r, vom Präfidium der ungarischen israelitischen. Landeskanzlei Doktor Mezei, königl. Rat Sig. B r e i t n e r, von fast sämtlichen Rabbinen und Kantoren aus Oesterreich-Ungarn und dem Auslande, von zahlreichen hiesigen und auswärtigen Humanitären Vereinen und Gesellschaften und vielen Anderen. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den k. k. Oberfinanzrat Dr. Benjamin Rappaport, Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, zum k. k. Hofrat allergnädigst zu ernennen geruht. Wien. (Verlobung.) Frl. Regine Schlesinger, Tochter der Frau Rosa Schlesinger, Inhaberin der rühmlichst bekannten jüdischen Verlagsbuchhandlung Josef Schlesinger, Wien, hat sich mit Herrn David L ö w b e e r, Fabrikanten aus Nagy-Tapolcsany, verlobt. Wien. Am 23. d. M. sprach eine Deputation, bestehend aus dem Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner, den Herren Dr. Z o l l s ch a n und M. Hamme r, im Ministerium des Innern bei Freiherrn v. Bienerth vor, um in Angelegenheit der galizischen Wahlterrorismen, die im Bezirke Buczaes den Kulminationspunkt erreichten, zu intervenieren. Die Deputation sah wegen der Kürze der noch zur Verfügung stehenden Zeit davon ab, auf eine Erörterung der vielen einzelnen Mißbräuche einzugehen, und bat den Minister bloß, dahingehende Direktiven zu erlassen, daß die Stimmzettel den Wählern, die zum großen Teil Analphabeten find, u n ausgefüllt und wenigstens einen halben Tag vor der Wahl ausgefolgt würden. Der Minister erwiderte, er sei wohl darauf aufmerksam gemacht worden, daß die politischen Behörden in einigen Bezirken Galiziens, von der sonst üblichen Gepflogenheit abweichend, die Stimmzettel erst während des Wahlaktes selbst ausfolgen wollen, er sehe auch ein, daß dieses Vorgehen unpraktisch sei und dem Geiste des Gesetzes nicht entspreche, der Wortlaut desselben sei jedoch bezüglich dieses einen Punktes so unklar, daß ihm irgendwelche Einflußnahme unmöglich sei. Sapienti sat. Wien Die Leitung der seit dem Jahre 1868 bestehenden Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, II., Schiffamtsgaffe 15, gibt bekannt, daß sie sich, einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, entschlossen hat, im nächsten Schuljahre einen Vortragszyklus für Frauen und Mütter zu veranstalten, welcher nebst Vorträgen über Erziehung im allgemeinen praktische Anweisungen über die häusliche Beschäftigung kleiner Kinder umfassen soll. Nähere Auskünfte erteilt bereitwilligst die Direktion. Wie«. (Wiener Akademische A^ltiduelliga? Die neue Nummer der Zeitschrift dieses rührigen akademischen Vereines ist soeben erschienen, enthaltend Beiträge von Ellen Key. Julius Stettenheim, dem Referenten des Justizausschusses des ungarischen Abgeordnetenhauses Dr. Gießwein, dem Prüft-

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