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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-31 · 22 (31.5.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 364 Dr. JSlocb s MwcvenscvrM. Nr. 22 Herzl) alsbald die gemütliche und freundschaftliche Stimmung erweckte, welche bei allen Festteilnehmern während ihres ganzen Aufenchaltes in Wien andauerte und sie die Abreise immer toieber hinausschieben ließ. Am selben Tage fand die erste Verbauds-Vorturnerstunde statt, die vom Turnwart Pollak im Lokale des L Wiener Jüdischen Turnvereines abgehalten wurde und die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser Institution klar erwies. Das Verguügungsprogramm wurde durch das ungünstige Wetter leider sehr beeinträchtigt. Am nächsten Tage erfolgten eingehende Vorberatungen der Delegierten; abends fand das Verbands-Schauturnen statt, das in jeder Beziehung einen glänzenden Verlauf nahm. Es waren über 140 Turner und Turnerinnen erschienen. Die auswärtigen jüdischen Turnvereine hatten starke Riegen entsendet u. zw.: Bar Kochba, Berlin, Köln, Posen, Stettin, Samter, Graz, Prag, Bielitz, Proßnitz. Die beiden Wiener Vereine hatten 60 Turner und 16 Turnerinnen gestellt. Die Leitung oblag dem Verbands-Turnwarte Dr. Blum (Berlin), im Vereine mit dem I. Turnwarte des L Wiener Jüdischen Turnvereines Bürgerschullehrer Rudolf Pollak. Nach den gemeinsamen Stabfteiübungen, die trotz der großen Zahl der liebenden und der nur einmaligen gemeinschaftlichen Probe klappten und ein fesselndes Bild strammer, Mischer Jugend boten, gings an die Geräte. Zwölf starke Riegen turnten gleichzeitig an den verschiedensten Geräten unter stimmungsvoller Musikbegleitung und die Zuschauer, die den großen Saal des Arbeiterheims füllten, konnten sich nicht sattsehen an diesen vollendeten Darbietungen voll Kraft und Mut, Geschicklichkeit und Kunst. Der darauffolgende graziöse Damenreigen einer Riege der Turnerinnen des I. Wiener Jüdischen Turnvereines entfesselte nicht endenwolleuden, wohlverdienten Beifall. Hierauf fand ein Kürturnen am hohen Reck statt, woran sich die besten Turner aller Vereine beteiligten. Diese Einzelleistungen, bei deren bravouröser Ausführung mancher Zuschauer für die kühnen Turner erzitterte, zelten eine Höhe der turnerischen Ausbildung, die auch in der alten Deutsche« Turnerschast kaum zu überbieten wäre. „Gipfelturner" lautet wohl der Ehrenname, der diesen Musterturnern gebührt. Schließlich hotte sich die Kölner Riege in einer Sondervorführung komplizierter und effettvoller Stabübungen einen Separat-Erfolg, den diese erstklassige Riege ehrlich verdiente. Au dieses erste große Verbandsschauturnen der jüdischen Turnerschast, das mit Mimischem Beifalle und Hedadrufen ausgenommen wurde, schloß sich ein solenner Festkommers, bei welchem das Mttglied des I. Wiener Jüdischen Turnvereines Ingenieur Emil Fried die Festrede hiett, woran sich eine Ansprache des Vorsitzenden der Turnerschast Scholem (Berlin) und eine große Zahl schwungvoller Reden der Vertreter der Verbandsvereiue, sowie der gefinnungsgenöffischen jüdischen Organisationen schloffen. Mit einem Toaste Dr. I e r u s a l e m s (I. Wiener Jüdischer Turnverein) auf die jüdischen Mädchen und Frauen und insbesondere die Turnerinnen, auf welchen Fräulein cand. med. Donath (I. Wiener Jüdischer Turnverein) launig erwiderte, schloß der überaus gelungene Kommers, um noch einen kurzen Tanzstündchen Raum zu lasten, das eine Kraftprobe für die jüdischen Turnerinnen war; wollte doch jeder Turner seinen Tanz mü einer „Blauweißen" absolvieren und die Turner waren in vielfacher Ueberzahl. Bei Hellem Tage zogen die Turner heimwärts. Die Beratungen des Turnertages selbst nahmen den nächsten Tag in Anspruch; vertreten waren fast alle Verbandsvereine durch 30 Delegierte. In das Bureau wurden die Herren Scholem (Berlin), als erster, Dr. Werner (Wien) als zweüer Vorsitzender, Heilbrunu (Berlin), als erster und Löwenthal (Köln) als zwetter Schriftführer gewählt. Nach den ausführlichen Geschäftsberichten' des Ausschuffes der jüdischen Turnerschast, die einstimmig mit Dank genehmigt wurden, wurden die Referate erstattet und zwar von Wolfs (Berlin), über „die größtmöglichste Verbreitung des Turnens unter den Juden". Dieses besonders gründliche und interessante Referat behandelt vorerst Ursachen und Abhilfe der körperlichen Degenerierung der Juden, dann die Möglichkeit der Ausbreitung der jüdischen Turnbewegung, deren Stand in allen Staaten und die sympathische Stellungnahme hervorragender Juden zu derselben und lenkte insbesondere die Aufmerksamkeit auf die 40.000 bis 50.000 Schulkinder der Alliance, Jka und Hirschs Schulen, von deren Leitungen die wohlwollendste Förderung der Turnsache zugesagt wurde. Referent stellte eine große Anzahl von Anträgen zur Organisation der jüdischen Turnbewegung. Ein Kuratorium einflußreicher Juden aller Länder, daneben Landesausschüsse für Propaganda sollen konstituiert, ein alle 2 Monate erscheinendes Korrespondenzblatt soll die internationale Presse über den Stand der Bewegung auf dem Laufenden erhalten, endlich soll der nächste Zionistenkongreß mit der Turnfrage sich eingehend beschäftigen. Referat und Anträge fanden ungeteilte Anerkennung. Dr. Blum (Berlin) referierte über „Turnen ohne Turnhallen" wobei er alle modernen Systeme körperlicher Uebung besprach, wozu der Jüdische Turnverein Graz die Veranstaltung volkstümlicher Wetturnen beantragte, was auch angenommen wurde. Dr. Werner (Wien) erstattete in Vertretung B e r g e r's (Köln) dessen ausführliches und inhaltreiches Referat über „Propagierung der national-jüdischen Idee in den jüdischen Turnvereinen", welches u. A. den vom Turntage beschlossenen Antrag enthielt, ein Komitee zum Zwecke dieser Propaganda einzusetzen und wie das Referat Blums' vollen Beifall erntete. Endlich referierte Pollak (Wien) über „Herausgabe eines Leitfadens der Turnkunst für jüdische Turnvereine", wobei der Referent bereits die Disposition eines solchen vorlegte. An alle Referate knüpften sich eingehende, sachliche Erörterungen, die zur Annahme der Leitsätze des Referenten führten. Von den sonstigen Beschlüffen ist die alljährliche Abhaltung einer Verbandsvorturnerstunde, u. zw. im Jahre 1908 in Köln, die nächste Tagung der Turnerschaft 1909 in Berlin, die Unifizierung aller jüdischen Turnvereine in einer Stadt besonders zu erwähnen. An Stelle des abtretenden Verbandsausschusses wurde ein neuer Verbandsausschuß gewählt, da die bisherigen Mitglieder eine Wiederwahl aus beruflicher Verhinderung ablehnen mußten. Gewählt wurden: zum Vorsitzenden Dr. A r n d t, Schriftführer Dr. Z i r k e r, Turnwart Dr. B l u m, Kassier Herrmann und Beisitzer Dr. Franz Oppenheimer, sämtliche in Berlin, das neuerlich als Verbandsvorort bestimmt wurde. Der III. jüdische Turntag ist in jeder Hinsicht glänzend verlaufen und wird dazu beitragen, dem Gedanken der Verbreitung des Turnens unter den Juden neue Freunde und Förderer zu gewinnen und der Bewegung eine alle Länder umfassende Organisation zu schaffen. Wien. Professor E. Sellin, dessen Ausgrabungsarbeiten an der Stelle des alten Jericho mehrfach erwähnt wurden, ist, wie die „Neue Freie Preffe" mitteilt, nach Wien zurückgekehrt. Die Grabungen haben ein sehr erfreuliches Resultat ergeben. Ganz überraschend war die Erscheinung, daß alles, was bis jetzt gefunden wurde, auch in den obersten Schichten, bereits der vorisraelitischen, kananitischen Periode (2500 bis 1300 v. Ehr. G.) angehört. Die späteren Völker scheinen alle diesen Platz gemieden zu haben. Um so größer aber ist die Aussicht, hier endlich einmal eine Stadt mit einer rein und originell kananitischen Kultur aus dem Schutt wieder herauszuschälen. Systematisch wurde diesmal der nördlichste der sieben Hügel abgetragen. Er umschloß eine einzigartige gut konservierte, große kananitische, in drei Stockwerken aufgeführte, aus 17 Zimmern bestehende Burg. Sogar die Seitenwände der meisten Zimmer, die Oefen, die steinerne Treppe, die vom Parterre durch die Stockwerke auf das Dach führte, waren noch erhalten. Auf dem zweiten Hügel ist bereits die Ecke einer zweiten, scheinbar noch massiver gebauten Burg bloßgelegt.

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