Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Vlocb's MocbenscbrM. Sette 363 Streiter die Erzklerikalen — o du lieber Antisemitismus, du holder Ritter von der jüdischen Unmoral! Ein Stückchen der sauberen Waffenbrüderschaft aus Laibach: In Laibach haben die Deutschen zwar nichts zu suchen, dort stand dem christlichsozialen Slovenen Krigar der slovenischliberale Bürgermeister Hribar gegenüber. Maulhelden, wie die deutschnationalen Antisemiten einmal find, wollten fie den neuen Bundesgenossen zuliebe den Christlich-Sozialen durchdrücken und die Juden terrorifieren. Beides mißlang vollständig. Der Liberale wurde mit großer Majorität gewählt, für seinen Gegner stimmten voll 1000 Deutschen bloß 418. Die Wut darüber veranlaßte nun irgend einen schwarz-rot-gelb-gold-schwarzen Heilobruder, auf seinem moralischen Misthaufen ein Geschrei anzuftimmen und dem „Grazer Tagblatt", das man sonst für vornehm genug gehalten hat, daß es solche Eseleien ablehnt, folgende Notiz einzuschicken: „Laibach, 17. Mai. (Motten!) Die Reichsratswahl hat bei uns ganz merkwürdige Erscheinungen hervorgerufen. Wie die Motten flogen nun auch die hiefigen Juden auf und viele der Stimmzettel, die „Johann Hribar, Bürgermeister" trugen, sind von jüdischen Wählern abgegeben worden. Wir gönnen Herrn Hribar den Sukkurs aus Palästina. Die Herren find vom „Geschäft". und werden ihren Kandidaten jedenfalls nach sich eingewertet haben. Allein warum das „deutsche" Gemauschel, warum nicht windisch? Wie wäre es, wenn die Herren der Israelitischen Union doch den Stimmzettel hebräisch beschrieben, — da wüßte man wenigstens, wie man daran ist. Wenn man sich schon mit dem Dasein von Motten abfinden muß, so ist es beruhigend, zu wissen, wann und wo fie schwärmen. Nun, erklärt sich auch der Ursprung dieser großen Anzahl deutscher Stimmzettel, welche anfangs gerechtes Staunen hervorgerufen hatte über den Umfang, den die bürgermeisterliche Korruption in den deutschen Kreisen bereits angenommen haben mußte, — so wird die Zahl jener aus Dummheit oder Niedertracht zu Verrätern gewordenen deutschen „Schatten" etwas herabgedrückt. Freilich ein dürftiger Trost! Das nächstemal also, liebe Mitbürger mosaischer Konfession, wenigstens nicht deutsch gemauschelt auf dem Wahlzettel! Uebrigens wäre es jenen deutschen Kreisen, wo sich seit einiger Zeit gewässerte und ungewässerte Herrschaften bewegen, zu empfehlen, auch in diesem Sinne aufllärend zu wirken. Wir aber werden nun schon um unseres Pelzes willen mehr auf die Motten achten müssen." Was will denn der geistreiche Motten-Hottentottenjüngling mit seinem Pelz? Ist es vielleicht ein K. H. Wolfspelz? Dann soll er ihn doch mit Zucker einstreuen, dann kommt ihm kein anständiger Mensch mehr in die Nähe. Wir glauben aber, es handelt sich nicht um einen Pelz, sondern nur um ein Fell. Und da bitten wir die jüdischen Steuerträger und Wähler Laibachs, doch des Sprichworts zu gedenken, das mit den Worten schließt: — „das acht ich nicht". Uebrigens bespricht der „Slovensko Narod" die Affaire mit folgender Notiz: „Das „Grazer Tagblatt" bringt eine Zuschrift aus Laibach, in welcher die in Laibach wohnenden Juden geschmäht werden. Die Artikelschreiber des „Grazer Tagblatt" sollen schön ruhig und recht still sein, denn der letzte Binkeljude kann nicht so tief fallen, wie die breitmäuligen Los von Rom-Anhänger gefallen find, die jetzt ihren Liberalismus verunreinigt haben und sich den Klerikalen verkauften." Zu den Reichsratswahlen. Geehrte Redaktion! Ich gestatte mir, Ihnen folgende Daten der Reichsratswahlen zur Verfügung zu stellen, zum Beweise, wie in Orten, die auf jüdische Gäste in hervorragender Weise angewiesen find, gewählt wurde: In der Stadt Marienb ad erhielt der fortschrittliche Kandidat Hofrat Bachmann bei der Stichwahl 286 Stimmen (zumeist jüdische, weil es in Marienbad gegen 100 jüdische Familien gibt), der von den Christlich-Sozialen unterstützte Raffenantisemtt Schalk 745 Stimmen; in dem benachbarten Kurort Königswart Bachmann 111, Schalk 243 Stimmen. Daß Bachmann siegte, hat er nur der fortschrittlichen Gesinnung der Städte Plan, Tachau und Petschan zu verdanken. Ebenso hat Franzensbad für den Antisemiten Dr. Jäger und gegen den Sozialisten Müller gestimmt. Ein Schlußwort zu den Artikeln „Die Evolntions- und Deszendenztheorie nnd die jüdische Religionsphilosophie". *) Vom Dozenten Dr. D. Herzog in Prag. In dem letzten dieser Artikel, in welchem neben den den oben bezeichneten Gegenstand berührenden Tatsachen eigentlich alles Mögliche von den „alfonfinischen Tabellen" (deren Verfasser übrigens nicht Don Zag (Isaak) Iber Said, sondern (der Kantor) Jsak ibn Sid (Cid) genannt wird, vgl. Steinschneider, Hebr. Uebersetzungen, Berlin, 1893, Seite 617, und Graetz „Geschichte der Juden", VII S: 115) bis zur „Trächtigkeitszeit der Schlange" kunterbunt durcheinander gewürfelt wird, findet sich auch die Behauptung, daß für die in dem ersten Artikel dargelegte Sache der Nachweis gleichgiltig ist, ob Albo seine angeblich evolutionistische Idee den Arabern entlehnt hat oder nicht. Dem gegenüber muß festgestellt werden, daß in dem ersten dieser Artikel (Nr. 12, Seite 199, Spalte s.) folgendes wörtlich gesagt wurde: Gleichwohl muß es uns wundern, die ersten Anläufe zur „modernen Evolutions- und Deszendenzlehre" schon bei einem jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters zu finden. Ich meine Josef Albo. ..." Da nun für den, der Deutsch zu verstehen glaubt, diese Worte nichts anderes besagen können, als daß Josef Albo der Erste gewesen ist, der die Anläufe zur modernen Evolutions- und Deszendenzlehre wiffenschastlich fichergestellt, beziehungsweise begründet hat. so mußte dem entgegengehalten werden, daß Josef Albo die Stelle, auf Grund welcher ihm die Begründung dieser Theorie zugesprochen worden ist, überhaupt den Arabern entlehnt hat. Gleichzeitig aber wurde auch daselbst die Meinung ausgesprochen, daß die Araber den Griechen diese Theorie entlehnt haben, und kann es den Schreiber dieser Zeilen nur freuen, wenn er mit einem Manne wie Gomper^, unabhängig von demselben, zu gleichen Resultaten gelangt ist. Daß aber trotz „der seinerzeit allgemeines Aufsehen erregenden Aufsätze" des Herrn Dr. Plaeek alle diese aus griechischen, talmudischen, arabischen und jüdischen Quellen stammenden sogenannten evolutionistischen Ideen mit den von Darwin vorgelegten Hypothesen nichts zu tun haben, wird Jeder, der diese Literaturen und die Arbeiten Darwins auch wirklich kennt, zugeben müffen. Ob man an die Bedeutung Albos (Söaiy o’ öXt-jpj xs (ö&7]ts heißt es zwar in der Odyffee) glaubt oder nicht, ist gleichgiltig; ich befinde mich mit meiner Anschauung, um nur einen zu nennen, in der guten Gesellschaft Joels; ob aber der bedenklich nachhinkende Satz: (Graetz), der ja Professor war, geschmackvoll gewählt war, muß ich schon Anderen zur Entscheidung überlasten. Für die Wiffenschaft gilt der Satz des Horaz (Epist. I. 6, 67) : 8! guiä novisti rsetius istis, candidus imperti; si non, his ntere mecum. Korrespondenzen. III. Jüdischer Turntag. In der Zeit vom 19.—21. Mai d. I. fand in Wien der III. Jüdische Turntag statt. Derselbe wurde durch einen zwanglosen Begrüßungsabend des I. Wiener Jüdischen Turnvereines eingeleitet, deffen ausschließlich von Vereinsmitgliedern bestrittenes Programm (u. A. „Der Flüchtling von Theodor :r) Vfl. die Nummern 13, 14, 17 (S. 291 a) und 21 d. Jg.