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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-31 · 22 (31.5.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Llocd's Mocdenscbrtn. Seite 3si Vom Zakrmarkt des Lebens. „Eine Perle aus Prof. Masaryks Wahlbezirk." Prag. 27. Mai 1907. (Original-Bericht.) Mit welchen Waffen die Wahl des Professors T. G. M a s a r y k bekämpft wurde, beleuchtet folgendes Flugblatt, welches die Klerikalen massenhaft durch die Pfarrhöfe des ganzen Wahlbezirkes Profeffor M a s a r y k's verbreiteten: Christen! Männer! Bürger! Gewerbetreibende! Frauen! Wählet nichtMasaryk und verhelfet nicht zu seiner Wahl! Früher war er ein Deutscher, jetzt spielt er sich auf einen Cochon hinaus! Er liebt nicht sein Vaterland, er liebt nicht uns, die Söhne und Tö.chter tschechischer Mütter! Er verteidigte den Juden Hilsner, welcher das Blut eines Christenmädcheus vergossen hatte, und machte dem ganzen tschechischen Volke eine Schande in Europa. Masaryk war schon einmal Abgeordneter und nach zwei Jahren mußte er sein Mandat niederlegen, weil er sich nicht vertragen konnte mit den anderen Abgeordneten. M a s a r y k mochte man in ganz Böhmen nirgends zum Abgeordneten haben. Soll also unsere Stadt, sollen wir mährische, aufgeklärte Bürger denjenigen wählen, welchen man aus Böhmen sozusagen hinausgejagt hat? Bürger! Ein Intelligenzler, ein Prager, sagte: „Wir staunen über Euch hier. In Prag würde kein Obstweib am Markt den Masaryk anspucken — und Ihr wollt ihn dort zum Abgeordneten wählen!" Masaryk ist der Kandidat der Juden; sie lassen sich alle seinetwegen in den tschechischen Wahlkataster eintragen, um ihremPatrone Masaryk zum Siege zu verhelfen. Bürger! Frauen! Tschechen! Könnt Ihr die Juden Euere Freunde nennen? Seit jeher waren sie gegen unseren Glauben, gegen unsere Sprache, gegen unser Volk — sie graben langsam, aber sicher das Grab auch unseren Gewerben, sie haben unsere Märkte beherrscht, drängen sich in unsere Aemter — nun, saget selbst — Christen! — war der Jude jeEuerFreund? Und wolltetJhrihnen zum Abgeordnetenmandate verhelfen?!? Masaryk will die Religion aus den Schulen hinauswerfen! Seine Fortschrittler lehren, die religiöse Erziehung verderbe die Kinder. Seine Fortschrittler lehren, der Priester sei ein Feind der Kinder, weil er sie angeblich durch die Religion schlecht erziehe. Frauen! Mütter! Väter! Ihr, die Ihr Euer Familienleben als das teuerste Gut hütet, Ihr, die im Familienkreise die glücklichsten Stunden Eures Lebens gelebt habet — lasset es nicht zu, daß.M a s a r y k gewählt werde, der die Trennung der Ehe anstrebt und dadurch aus den Männern Sklaven der Weiberlaunen, aus den Frauen Sklaven der Männerwillkür und aus den Kindern Vater- und mutterlose Waisen machen will. Väter! Mütter! Täglich knieet Ihr vor dem Kruzifix und lehret Eure Kinder zum Gekreuzigten beten, in Ihm sehet Ihr das Heil Euerer Seelen, Er ist Eure Erhöhung, Er ist Eure Liebe — siehe da! — und Masaryk spricht über Christus in lästerhaften Worten, er bestreitet seine Gottheit, er verlacht die Verzeihung der Sünden, er verwirft die Wunder, er verwirft die göttliche Gnade, — kurz, er ist kein Christ. Ihr wollet doch nicht den Reichsrat zu einem religiösen Kampfplatze machen! Daher wählet nicht Masaryk! 1. Wer sein Vaterland und seine Sprache liebt, der wählet Masaryk nicht. 2. Wer einen geraden, herzlichen und aufrichtigen Charakter liebt, der wählt Masaryk nicht. 3. Wer seinen Glauben liebt, der wählt Masaryk nicht. 4. Wer seine Gattin liebt, der wählt Masaryk nicht. 5. Welche Frau ihren Gatten liebt, die arbeitet nicht für M a s a r y k's Wahl. 6. Welcher Vater seine Kinder liebt, der wählt Masaryk nicht. 7. Welche Mutter ihre Kinder liebt, die arbeitet nicht für M a s a r y k's Wahl. 8. Wer an Christus glaubt, der wählt Masaryk nicht! 9. Wer beichtet und betet, kann Masaryk nicht wählen. 10. Wer sein Gewerbe liebt, der wählt Masaryk nicht. 11. Wer den Gewerbestand achtet, der wählt nicht Masaryk, aber Alle diese wählen und setzen fich für die Wahl des Gewerbetreibenden, des Christen und Patrioten, des Führers der mährischen Gewerbetreibenden Wilhelm Povondra aus Kremsier ein! Der Sieg ist unser, Heil Povondra!" Wir erhalten verläßliche Nachrichten darüber, daß die A gi t ati o n g e g e n M a s a r y k f ü r das Geld der mährischen Hierarchie geführt wurde. Die Wahl des Professors Masaryk ist fteilich für die führenden klerikalen Kreise Oesterreichs die größte Sensation der Stichwahlen. Vorstehenden Bericht entnehmen wir dem Prager „Czas" vom 24. Mai 1907. Diese Illustration der klerikalen Agitationsmanier verdient tatsächlich verewigt zu werden, fie ist wohl das Höchste, was in diesem Genre seit Jahrzehnten selbst in Oesterreich geleistet wurde. Wir können mit Genugtuung nur dem „Czas" beipflichten, der nach Masaryk's Wahl erklärte, Prof. Masaryk und sein bester und tüchtigster Parteigenosse Professor Dr. D r t i n a wiegen allein eine ganze tschechische Partei im neuen Parlament auf. Tatsächlich repräsentieren diese zwei tschechischen Univerfitätsprofessoren den Freifinn und Fortschritt im tschechischen Volke aufs Glänzendste und ihre Wahl bedeutet ficher einen namhaften Gewinn für das österreichische Abgeordnetenhaus. „Der deutschfreiheitliche Block". Das „Grazer Tagblatt" präludiert den Prager Verhandlungen betreffend die Bildung eines deutschfteiheitlichen Blocks mit folgenden Bemerkungen: „Wir glauben, in jeder deutschfteiheitlichen Gruppe Männer zu sehen, die diese Partei brauchen kann. Ausgeschlossen müssen im vorhinein die Juden sein. Man wird zwar von einem Dr. Groß oder Dr. Skedl keinen Antisemitismus fordern können, aber kein Mitglied der neuen, auf freiheitlicher Grundlage ruhenden deutschen Partei darf in der Betätigung des praktischen Antisemitismus und in der Propaganda dafür gehindert werden. Wir können noch viel mehr, als dies die Polen bei ihrem Zusammenschlüsse in eine nationale Gruppe tun werden, die vollständige Auftechterhaltung der deutschnationalen Grundsätze fordern. Sie werden fich auch zuerst auf jene Grundgedanken der nächsten sozialen Arbeit einigen können, deren wir dringend bedürfen. Trotz aller in die Augen springenden wirtschaftlichen Unterschiede in der deutschfteiheitlichen Gruppe muß auf nationalfreiheitlichem Boden jene wirtschaftliche Ausgleichung für das ganze Volk zustande kommen; denn keinen farblosen „deutschen Klub" schlimmen Angedenkens wollen wir, sondern eine fich mit Kraft ausbildende Partei, die fich den Namen einer deutschsozialen Partei ehrlich verdienen soll. Somit wird der sogenannte „deutschfreiheitliche Block" einen antisemitischen Charakter tragen. Die Wiener „liberale" Presse läßt Trompetenstöße erschallen, um die Bildung dieses sogenannten „fteiheitlichen" Blocks zu fördern. Wird man mit den Getauften Dr. Redlich und Doktor Licht Nachficht üben? Die Herren Hoftat Hock, Dr. Kuranda und Dr. Ofner erhielten keine Einladung zur Beratung der deutschen Abgeordneten; fie find Mandatare jüdischer Wählerkreise und deswegen wird der Bann über fie verhängt. Die Wiener jüdischen Wähler,

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