Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 352 Dr. Llocv's MocbenscbrlN. Nr. 31 So schön sie ist, habe ich doch einige Bedenken gegen fie. Wenn ich Josephus Flavins glauben darf, waren die Juden des herodischeu Zeitalters keine karrikatularen Possenfiguren, sondern furchtbare Krieger, die den ersten Soldaten der Welt schwüle Stunden bereiteten. Titus lachte nicht über sie. Er kannte eben St. Houston Chamberlain noch nicht. Modern gebildete Männer wissen es besser. Und Richard Strauß, sein Regisseur, seine Judenquintettdarsteller sind modern gebildete Männer." Der VIII. Zionistische Kongreß. Der VIII. Zionisten-Kongreß findet von Mittwoch den 14. bis Dienstag den 20. August d. I. im Haag in „Hot Gobouw voor Kunst en Wetenschappen" statt. Richard Wagners Antisemitismus. In seinen „Erinnerungen an Richard Wagner" teilt der kürzlich verstorbene Prager Theaterdirektor Angelo Neumann einen vom 23. Februar 1881 datierten Brief Richard Wagners mit, dem er folgende Bemerkung vorausschickt: „Eine in Berlin damals sehr regsame antisemitische Agitation, die sich bemüht hatte, Richard Wagner als ihren Hauptapostel zu proklamieren, veranlaßte Georg Davidsohn, den verdienten Publizisten, dessen freundschaftliche Beziehungen zu Bayreuth wohlbekannt sind, ein Schreiben an mich zu richten. Darauf traf folgender Brief Richard Wagners ein: Geehrter Freund! Der „antisemitischen" Bewegung stehe ich vollständig ferne: ein nächstens in den „Bayreuther Blättern" erscheinender Aufsatz von mir wird dies in einer Weise bekunden, daß Geistvollen es sogar unmöglich werden dürfte, mich mit jener Bewegung in Beziehung zu bringen. Es wäre nicht übel, wenn Ihre — und unsere — Unternehmung durch Unfinnigkeiten der Art, wie sie jetzt in Berlin florieren, in eine vollständig schiefe Bahn geriete. Hofadel und Juden zugleich — und zwar aus lauter absurden Mißverständnissen — auf dem Halse zu haben, dazu sind unsere Nibelungen nicht bestimmt!" Teplitz-Schöuau. Ein schönes Pensionsfest begingen die internen, und externen Schülerinnen des hiesigen Mädchen-Pensionates R. u. C. Altschul in den prächtig geschmückten und überfüllten Lindenhofsälen. Die Feier wurde durch einen Prolog, gesprochen von Fl. Olla Lusti, eröffnet. Diesem folgte das dreistimmige Chorlied „Waldesgruß" von Theodor Rust. In dem von einer Schülerin des Pensionates reizend zusammengestellten Kinderspiel „Viel Lärm um nichts" wurde den kleinen Akteuren und der jugendlichen Autorin, Frl. Luise Lederer, seitens des Publikuurs aufrichtiger Beifall gezollt. Auch das zweiaktige Märchenspiel „Trotzköpfchen" fand allgemeine Bewunderung. Hierauf betraten die neckischen „Holländerbuben" die Bühne und entzückten das Publikum. Sehr chic und exakt nahm sich der vom Turnlehrer Herrn Hermann Vater eingeübte Turnreigen aus. In dem stimmbegabten Frl. Liese Katz begrüßte das Auditorium eine ehemalige Pensionärin. Das französische Theaterstück: „La vieille Cousine“ bot den Mitwirkenden Gelegenheit, ihr schauspielerisches Talent aufs beste zu verwerten Md Mademoiselle Marie Julien, welche es verstand, das Stück mit so vortrefflichem Gelingen einzuüben, konnte ein gut Teil des gezollte:: Beifalls für sich in Anspruch nehmen. Die englische Produktion war diesmal durch den verständnisvollen Vortrag des Gedichtes: „Abou- Ben-Adhem and the Angel" durch Frl. Grete Pick vertreten. Eine eigenartig originelle Tendenz hatte der komische Einakter „Eine Konferenz im Jahre 2000"; die darin beteiligten Elevinnen Frls. Martha Klemperer, Bertha Leiner, Luise Lederer, Elsa Pick als begeisterte Frauenrechtlerinnen, ferner ein Automat (Frl. Grete Pick) und ein Mechanikus (Frl. Marianne Siebenschein) wurden von den Zuschauern stürmisch gerufen. Die vortreffliche Gesangsmeisterin Frau Henriette Felsmann hatte das Singspiel „Das Mädchen aus der Fremde" einstudiert. Den Glanzpunkt des Festes bildete das feenhaft ausgestattete und von dem Regisseur Herr Franz Etterich einstudierte Finale aus der „Puppenfee". Einen großen Anteil an dem guten Gelingen der einzelnen Piecen hatten die Pensionatslehrerinnen Frau Henr. Feltzmann, Frls. Grete Pereles, Anny Fiedler, Frl. Maria Freund, Mademoiselle Marie Julien, Miß Sybil Penny, sowie Mustklehrer Herr Johann Kaldarar. In erster Reihe aber ist der Erfolg der schönen Feier den wochenlangen, Mabläffigen Bemühungen der Pensionatsvorsteherin Frl Karla Altschul zu danken. Die Feier schloß nach Absingung der Volks - Hymne mit einem flotten Tanzkränzchen. Dem wohltätigen Zwecke, dem das Fest galt, dürfte ein ansehnlicher Betrag zufließen. Luhatschowitz. Dr. Siegfried Frankl, ehemaliger I. Sekuudararzt am Stephaniespital in Wien, wurde an Stelle des verstorbenen Dr. S p i e l m a n n zum Badearzt in Luhatschowitz ernannt. Dr. Frankl ist der einzige jüdische Arzt im Kurorte. Anspiß. Bei der hier flattgehabten Kultuswahl wurde Herr Julius Knöpfmacher zum Vorsteher gewählt. Als Stellvertreter wurde Herr Heinrich B e h r i s ch und als Beirat Herr Max C s u c s k a gewählt. Anläßlich der jüngst erfolgten Neukonstituierung des Bezirksschulrates wurde der Vorschlag des gewesenen Kultusvorstehers Herrn Heinrich Behrisch, denselben zum Bezirksschulräte zu ernennen, behördlich genehmigt. Juden als Ackerbauer. Es verlautet, daß Fürst Schaumburg-Lippe auf seiner Veröczer Herrschaft in Kroatien 12.000 rumänische Juden ansiedeln wolle. Dieses Projekt wird in Agram entschieden mißbilligt und die Intervention der Landesregierung dagegen angerufen, welche in einem solchen Falle auf Grund des neuen Parzellierungsgesetzes dagegen Vorgehen kann. Berlin. Unter der Ueberschrift „Ein rituelles Kolonial-Diner" schreibt die „Vossische Ztg.": „In London soll demnächst die erste Schiffsladung koscheren australischen Fleisches eintreffen, aus welchem Anlasse, wie die „Tribüne" meldet, die Firma E. Barnett u. Komp., die sich mit der Lieferung koscherer Nahrungsmittel befaßt, ein Festmahl zu veranstalten gedenkt, zu dem sie schon jetzt den in London weilenden Ministern der britischen Kolonien Einladungen zugestellt hat. Das Ereignis ist in der Tat von einiger volkswirtschaftlicher Bedeutung. Ehe man so weit kam, mußten schwerwiegende konfessionelle Bedenken überwunden werden, da es nach den orthodoxen Gesetzesbestimmungen den Juden verboten ist, Fleisch von Tieren zu genießen, die vor mehr als sechs Tagen der Schlachtung zugeführt worden sind. Dementsprechend hatte sich die Londoner orthodoxe Kultusbehörde hartnäckig geweigert, selbst solches ausländisches Fleisch an dem im Ursprungslande alle rituellen Formalitäten vollzogen waren, zum Genüsse für die Gemeindemitglieder zuzulassen. Um hiermit einen Wandel herbeizuführen, wandte sich die Firma Barnett u. Komp, an den orthodoxen Gemeindeausschuß zur sanitären Ueberwachung der rituellen Schlachtungen, dessen Vorsitzender Sir Samuel Montagu ist, und dem Einflüsse dieser Körperschaft gelang es, von der Kultusbehörde die Ermächtigung zum Verkauf und Genuß australischer Fleischkonserven zu erwirken, wobei natürlich die Bedingung gestellt wurde, daß die Schlachtung der Tiere und die Verpackung des Fleisches unter entsprechender Aufsicht der orthodoxen Behörden Australiens geschieht und daß die Konservenbüchsen zur Sicherheit die Siegel dieser Behörden tragen. Schon in diesem Monat wird nun die erste Schiffsladung solchen Fleisches erwartet, und die Minister sollen, wie gesagt, an der ersten festlichen Kostprobe teilnehmen." Feuilleton. „Das RassrnvornrteU". Vortrag des Herrn Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, gehalten am 1. März 1907 im Festsaal des Gremiums der Kaufmannschaft in Wien, im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. (Schluß.) So lange Sklavenarbeit nur in der Naturalwirtschaft besteht, ist sie verhältnismäßig harmlos, sowohl für die Sklaven selbst, die auf dieser Stufe eine ganz leidliche Existenz haben, als auch für die Gesellschaft im Ganzen. Sobald aber ein geldwirtschaftlich entwickelter Markt sich gebildet hat, verwandelt sich die Natural-Sklavenwirtschaft in die kapitalistische Sklavenwirtschaft, das heißt in eine Wirtschaft, in der die Arbeitskraft der Sklaven zur Versorgung eines Marktes exploitiert wird. Das ist zunächst ein für die Sklaven selbst im höchsten Maße verderblicher Umschwung. Denn in der Naturalwirtschaft wird ihre Arbeitskraft nur mäßig angespannt, entsprechend dem doch ziem-