Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021732--16404-3041222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 21 Dr. Llocb's MocbensebrlN. Helle 351 Beiräte folgende Herren: Rever. C. Lyons, Rev. A. Weinberg, Dr. K a r g und Messrs. H. Hurwitz, S. S a h a r i n, S. Jacobs, S. Herme r, I. Isen st ein und Davids. B a k u—K aukasus. Zu Ehren der Wahl des Herrn M. M. Tropp als Vorsitzenden der „Jto" im Kaukasischen Distrikt sammelten seine Freunde 850 Rubel für einen Fond zur Errichtung der ersten Schule auf dem autonomen jüdischen Territorium. A n a n i e v (Rußland). In Ananiev konstituierte sich neben dem bereits bestehenden Zweigverein der „Jto" ein weiterer Zweigverein, dessen Leiter der Stadtrabbiner B o nd a r e v, sowie die Herren L i n e tz k y und D r a b k i n find. Cherson. Die Herren Maguin, Segalovich und Dankelevich organisierten hier einen „Jto"-Verein. Odessa. Der Redakteur des Jto-Organes „Jewrehsky Golus", Herr Leon Paperin, befindet sich gegenwärtig auf einer Agitationstour im Ansiedlungsrayon, woselbst territorialistischeMassenversammlungen abgehalten werden. Die Vorträge des Herrn Paperin wurden überall mit großem Beifall ausgenommen und hatten allerorts Konstituierungen von Jto-Vereinen zur Folge. Der bevorstehenden Konferenz der russischen Territorialisten wird allgemein großes Interesse entgegengebracht. Wien. Wie uns aus Odessa berichtet wird, soll der Kongreß der russischen Territorialisten im Zentrum des Anfiedlungsrayons, und zwar in Wilna oder in Minsk stattfinden. Wien. Samstag den 25. Mai, um 8 Uhr abends, referiert Herr Dr. Hermann Kadis ch bei den Sozialisten- Territorialisten im „Restaurant zum goldenen Widder", II., Taborstraße, über „Die Bedeutung der Reichsratswahlen für das jüdische Proletariat". Die Gesinnungsgenossen werden um zuverlässiges promptes Erscheinen gebeten. Gäste willkommen. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten derChewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Silber st er n Von Arnold Schwarz K 10.—, Adolf Fischel und Frau 20.—, M. Sch. 20.—, Ludwig Kurz 20.—, Julius Straschmer K 20.—. Zusammen K 90.— . ' Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Braun: Von Jancsi A. Schwarzmann K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Professor Jakob Reif, Budapest: Von Sigmund Friedmann K 10.—. Wien (Trauung.) Dienstag den 28. d. M., um halb 4 Uhr nachm., findet im Tempel, II., Tempelgasse, die Trauung des Herrn Bola Guttmann, Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde, mit Fräulein Melanie Fantl statt. Wien. Kürzlich fand vor einem Senate des Verwaltungsgerichtshofes eine interessante Verhandlung statt. Ein gewisser Abraham Bardach in Lemberg besorgte bereits das Backen von Mazzes seit mehreren Jahrzehnten. Eines Tages nun untersagte der Magistrat der Stadt Lemberg dem Genannten das Backen von Mazzes, weil er nicht den Befähigungsnachweis als Bäcker erbringen konnte, denn er war weder durch drei Jahre Lehrling, noch durch zwei Jahre Gehilfe. Sämtliche dagegen ergriffenen Rekurse wurden von der k. k. Statthalterei Lemberg, wie auch vom Handelsministerium verworfen. Nun kam die Sache vor dem Verwaltungsgerichtshof. Dr. Karl Lifczis wies nach, daß das Backen von ungesäuertem Brot eine rituelle Institution bilde, für welche die strengsten Vorschriften vorgeschrieben sind. Ebensowenig wie der Schächter den Bestimmungen der Gewerbeordnung unterliegt, kann das Backen von Mazzes der Gewerbeordnung unterworfen werden. Vielmehr unterliegen diese Verrichtungen in Gemäßheit des Artikels 15 des Gesetzes von 1891, R.-G.-Bl. 152, den inneren Angelegenheiten der israelischen Religionsgesellschaft, deren selbständige Verwaltung letzterer zusteht. Auch das Kultusstatut über die Rechtsverhältnisse an den Kultusgemeinden begründen den Rechtsstandpunkt des Beschwerdeführers. Der Verwaltungsgerichts- Hof gab der Beschwerde statt und hob den Bescheid des Magistrates Lemberg als gesetzlich unbegründet auf und erklärte, daß das Backen von Mazzes den Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht unterliege. Wie». Sonntag den 26. d. M., halb 3 Uhr nachm.» findet im Seitenstetten-Tempel die Trauung des Fräulein Anna Rotier, Tochter des Kantors und Religionslehrers Herrn Adolf Rotier, mit Herrn Oskar Braun statt. Wien-Währing. Am ersten Schewuoth-Tage wurde dem Kommunal- und Retigionslehrer i. R. Herrn Heinrich PafchkeS anläßlich seiner vor einiger Zeit vollendeten 40jährigen Dienstzeit eure seltene Auszeichnung zuteil. Rabbiner Dr. Feuchtwang hat im Vereine mit dem geehrten Bethausvorstande diesem würdigen und verdienten Lehrer, der seit vielen Jahren den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen erteilte, die „Morenu" verliehen. Dieser seltenen Feier wohnten der gesamte Bethausvorstand, die Mitglieder der Chewra-Kadischa, deren beider Vorstandsglied der Herr Jubilar ist. die Mitglieder und Vorstandsdainen des Franenvereines, die Mitglieder der Lehrerschaft aus verschiedenen Bezirken, Schüler und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen, sowie ein überaus zahlreiches Publikum bei. Die Feier verlief in weihevoll gehobener Stimmung. Nach Vollendung des Gottesdienstes jedoch strömte Jung und Alt zum tiefgerührten Jubilar hin und brachte ihm ihre Glückwünsche dar. Wien. Der bekannte Posamentierwaren-Fabrikant David Salus feiert mit seiner Gemahlin Ernestine, geb. Kiß, Sonntag den 26. d. M. im engsten Familienkreise das Fest seiner 25 jährigen Ehe, aus welchem Anlaß dem Jubelpaar schon zahlreiche Glückwünsche dargebracht wurden. „Salome". Ueber die Gruppe der fünf Juden in der Pariser Aufführung der Straußschen Oper „Salome" macht Max Nordau in der „Neuen Freien Presse" einige kritische Bemerkungen, die, soweit sie dem Nachweis dienen sollen, daß die Darstellung von jüdischen Typen auf der Bühne immer mehr auf das Karrikaturenhafte herabgesunken ist, uns nicht ganz unbegründet zu sein scheinen. Nordau schreibt: Diese Episode ist auch eine Glanzleistung, hauptsächlich der Regie, aber nicht der Regie allein, sondern auch des Tondichters. Ehe die Juden auftreten, kündigt ein Gepolter und ein Geschnatter sie an, jener besondere hochtönige, schreiende Lärm, den man sprichwörtlich einer Judenschule zuschreibt und den man in der Stunde des regsten Geschäftes an der Börse hört. Dann stürzen die fünf Gestalten gleichzeitig wie losgeschoffen heraus und fingen eine näselnde, meckernde Weise, die etwas vom Singsang eines polnischen Synagogenvorbeters und vom alten Straßenruf eines Altkleiderhändlers an sich hat. Das hat Richard Strauß gut gemacht, so gut, daß Graf Pückler—Klein- Tschirne ihn an sein Herz drücken würde, wenn er ihm in den Wurf käme. Er hat das Judentum in der Musik tonmalend darstellen wollen, und es ist ihm trefflich gelungen, wie alles, was ein begabter Mann mit ganzem Herzen unternimmt. Die Regie hat dann das Weitere im Sinne der Straußschen Musik besorgt. Die fünf Juden haben krumme Nasen und dünne Zweispitzbärte. Sie gehen krummbeinig und plattfüßig. Sie wackeln und wiegen den Kopf und ziehen die Schultern hoch und fuchteln mit den Armen und gabeln mit den Fingern und klumpen sich zusammen und runzeln die Stirn und wölben die Lippen und mauscheln mit jeder Faser ihres Leibes, ihres Gesichtes, ihrer Kleidung. Denn sie -tragen, damit die Wahrheit vollständig sei, die lächerlich hohe Mütze des Eunuchen der „Entführung aus dem Serail" und den schlumpernden, flatternden Kaftan der ehemaligen Salzgrieslungerer. Mit einem Worte: Herrenfeld-Theater im Tragödienrahmen. „Heymann Levy auf der Alm" zwischen Herodes und dem Täufer. Habe ich erwähnt, daß die feinen Jüdinnen, wie in Berlin, so in Paris, von der „Salome" bis zur Bewußtlosigkeit begeistert waren? Wie auch nicht, nach der Füns-Juden-Episode!