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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-24 · 21 (24.5.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Setts 348 BLoüL's 21 solche, die nach Diktat des PolenkLubs zu reden oder zu schweigen haben. Wir aber brauchen Vertreter, die nur auf die Interessen ihrer Wählerschaft Rücksicht zu nehmen haben, die nicht Herrn Abrahamovicz fragen müssen, wenn sie antworten sollen. Wir brauchen keine Ruthenenfeinde, uns hat der Polenklub gar nichts zu befehlen und dies umsoweniger, als er die Kandidaturen von Antisemiten in jüdischen Wahlbezirken aufgestellt hat, wenn er sich auf den Bezirkshauptmann verlassen konnte. Doch ist es nur zum Teil gelungen, die Rechte der Juden gegen den Polenklub zu behaupten. Immerhin werden einige Wortführer von Rang und Ruf im Wiener Parlament einziehen, meist Kandidaten der zionistischen Partei, jedenfalls genügend viele und genügend starke Männer, um den vorgeschlageneu „jüdischen Klub" zusammen mit den jüdischen Vertretern der Bukowina nicht nur zu gründen, sondern ihm auch Bedeutung geben zu können. Ihre Wirksamkeit und chre persönliche Aufopferung wird von dem Bewußtsein angespornt werden, daß die Parole „die Juden für die Juden" von unseren galizischen Brüdern unter den schwersten Opfern in die Tat umgesetzt wurde. Die Wähler dieser Männer haben dem ganzen Judentum Oesterreichs einen großen Dienst geleistet, indem sie eine Schar verachteter politischer Mitläufer zu einer respektierten, weil ehrlichen und stolzen Kampfpartei erhoben haben. Die „Oesterreichische Wochenschrift" kann sich bescheiden rühmen, nach Kräften auf dieses Ziel hingearbeitet zu haben. Vielleicht wird dieser jüdische Klub für manchen im Abgeordnetenhause wirkenden Juden der Magnet sein, von welchem er in Momenten jüdischer Not augezogen wird. Wir wissen ja ganz gut, wie viel oder wie wenig unsere Vertretung durch andere Parteien wert ist. Namentlich die Inhaber der beiden Wiener Mandate als eines jüdischen Besitzstandes sollten eine enge Annäherung an den jüdischen Klub suchen. Schon deßwegen, weil die wirklich Deutsch- Freisinnigen im Reiche ihren wahren Wert für uns durch ihre neueste Wahlparole gezeigt haben, indem sie das Deutschtum über den Freisinn stellen und aus Mandats- Hunger mit den Christlich-Sozialen Zusammengehen, statt mit den Sozialdemokraten. Da wütet man so lange gegen den schwarzen Feind, bis mau ein Mandat braucht. Auf diese Art wird die starke Macht der Christlich-Sozialen noch bedeutend anschwellen und wir können uns bei der sattsam bekannten und unverschämten Manier dieser Sorte Politiker aus die Notwendigkeit von energischem Widerstand gefaßt machen. Wir werden durch die wackere Haltung der galizischen Juden dazu befähigt sein und haben die beste Hoffnung auf das Kind der letzten Wahlen: das aktive Judentum. Die Evolution«- und Deszendenztheorie «nd die jüdische Religionsphilosophie. Von Rabbiner Stark, n. Nachdem bereits von zwei Seiten Bemerkungen zu meinem Unter obiger Ueberschrist in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienenen Artikel gemacht worden sind, sehe ich mich veranlaßt, nunmehr selbst meinen Artikel durch eine Bemerkung zu ergänzen. Zum Schreiben des Artikels wurde ich, wie aus dessen Einleitung für jeden Leser hervorging, durch einen Bericht über drei vom Jesuitenpater Wasmann in Berlin gehaltene Vorträge veranlaßt. Der Bericht in den Blättern hat nämlich derart gelautet, als wenn Pater Wasmann, Gott weiß, welchen Freisinn durch sein Zugeständnis, daß die christliche Lehre der Behauptung von der verwandtschaftlichen Abstammung des Menschen mit dem Tiere sich nicht entgegenstellen wird, falls die Wissenschaft unwiderlegliche Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptung erbringen werde, bekundet hätte. Ich wollte nun zeigen, daß im Judentume solcher Freisinn stets vorhanden war und daß man dort überhaupt derartigen Theorien kein großes Gewicht beigelegt und der Auffassung und Erklärung biblischer Erzählungen den fteiesten Spielraum gewährt hat. Zur Begründung dessen habe ich auf Aldos ausführliche Auseinandersetzung über Evolution, die mir selbstverständlich seit vielen Jahren bekannt war, hingewiesen. Ob Albo das, was er an der betreffenden Stelle ausführt, selber erdacht oder aus arabischen Quellen geschöpft hat, war für die Sache, um die es mir zu tun war, gleichgiltig. Die strenggläubigen Rabbinen und jüdischen Gelehrten, auf die ich mich berief, haben ja nicht die arabischen noch weniger die griechischen Philosophen sondern das Buch Jkkarim gelesen und an dem, was Albo über Evolution auseinandersetzt, nicht allein keinen Anstoß genommen, sondern es, weil es eben Albo und nicht etwa ein arabischer oder griechischer Philosoph sagt, für echt jüdisch und mit der Lehre des Judentums vollkommen übereinstimmend gehalten. Ob Albo auf eigenen Füßen steht oder auf Stelzen geht, darüber mich auszulassen, lag für mich die Notwendigkeit nicht vor. Auch glaube ich jetzt noch nicht, daß Albo gar so unbedeutend ist und so ganz unselbständig bei der Abfassung seines jedenfalls vielgelesenen Werkes vorgegangen ist. Ebenso wenig aber auch, daß alle diejenigen, die bisher über Albos Religionsphilosophie geschrieben haben, mit der einschlägigen arabischen und griechischen Philosophie nicht vertraut gewesen sind, insbesondere glaube ich das nicht von Grätz, der ja Professor war. Daß die jüdischen Religionsphilosophen vieles aus arabischen Quellen geschöpft und die Araber ihrerseits wiederum von den Griechen gelernt haben, das ist allerdings ganz richtig und wird von Niemandem bestritten und bezweifelt. Ja, selbst die Evolutionstheorie, die Albo den Arabern entnommen, ist tatsächlich griechischen Ursprunges. Wie mir nämlich von befreundeter Seite mitgeteilt wurde, hat Professor Gompertz in seinem epochalen Werke „Die griechischen Denker" nachgewiesen, daß die Ausgänge zur modernen Evolutionstheorie schon bei den vorsokratischen griechischen Philosophen zu finden sind. Was die Bemerkung in der dieswöchentlichen „Wochenschrift" betrifft, so ist es ganz richtig, daß es viele Aussprüche im Talmud und den Midraschim gibt, welche als Beweise für die Evolutionstheorie und verwandtschaftliche Abstammung des Menschen mit dem Tiere angeführt werden könne». Allein so klar und deutlich und besonders so ausführlich wird diese Theorie doch nirgends auseinandergesetzt als im Jkkarim, und darum habe ich auf Albo hingewiesen. In einenr denselben Gegenstand behandelnden Aufsatze, den ich einem politischen Tagblatte, in welchem ich die Berichte über Wasmanns Vorträge gelesen, zugesendet und dessen Aufnahme mir von der betreffenden Redaktion zugesichert worden, was aber nicht geschehen ist, (gerade die liberalen Blätter nehmen nicht gerne für die Religion oder Wissenschaft des Judentums plaidierende Aufsätze auf, um nicht als „Judenblatt" verschrieen zu werden) habe-ich in der Tat, obgleich Dr. Placzeks diesbezügliche Aufsätze mir unbekannt waren, außer auf Albo auch auf die talmudischen Lehrer hingewiesen, insbesondere auf den Ausspruch (Berachat 61 a und Erubin 18 a) daß der erste Mensch ursprünglich gleich den Tieren einen Schwanz gehabt und diesen erst später verloren habe. Diesen Ausspruch tat einer der hervorragendsten Talmudlehrer Rab oder Samuel. Ein solcher Ausspruch wäre auch der von dem ursprünglichen Verkehre zwischen Adam und den Tieren. Freilich kann man solchen Aussprüchen wiederum andere entgegenhalten, welche der Evolutionstheorie geradezu widersprechen. So z. B. den von der blendenden Schönheit des ersten Menschenpaares. Selbst die Schönheit des Patriarchen Jakob, der dem Talmud als der schönste Mensch galt, soll nichts im Vergleiche mit Adams Schönheit gewesen sein, und Eva war von solch blendender Schönheit, daß selbst Sarah von deren großer Schönheit die Königin Esther nur einen kleinen Teil besessen, ihr gegenüber wie ein Affe ausgesehen habe; und noch andere ähnliche Aussprüche (vide B. Mezia 84 a und B. Bathra 58 b). Mit Rücksicht darauf und eingedenk des talmudischen Ausspruches: tkufaatu merubbah lo thufastu habe ich selbst die deutliche Auseinandersetzung Albos nur als „erste Anläufe" bezeichnet, zumal ich persönlich durchaus nicht für die, wenn auch nur leibliche Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen schwärme und nur dartun wollte, daß selbst, wenn das der Fall wäre, das Judentum davon ganz unberührt bleibt. Daß die Mischnah- und Talmudlehrer mit den Naturwissenschaften, besonders mit der Pflanzen- und Tierkunde, vertraut waren, beweisen am besten die Traktate, die zu den Ordnungen Seraim und Kadaschim gehören. Ebenso steht es fest, daß einzelne von ihnen selbstständige Beobachtungen und Experimente auf den bezeichnten Gebieten angestellt haben. So z. B. hat R. Simon b. Chalafta nicht allein durch Beobachtung sich überzeugen wollen, ob die Ameisen wirklich, wie Salomo in seinen Sprüchen behauptet, keinen Fürsten und Gebieter haben, sondern auch mit einem Huhne, dem alle Federn, auch die Flaumfedern, ausgerupft worden waren (nach der Lehrmeinung des R. Juda in der Mischna ist ein solches Huhn nicht mehr lebensfähig und trefah) so lange experimentiert, bis es neue Federn bekommen hat; auch hat er einem Huhne, dessen Fuß verrenkt war, ein Stäbchen eingesetzt, mittelst dessen es gehen konnte; ein anderer wiederum hat einem Schafe, aus dessen Luftröhre ein Stück entfernt worden war, eine Kanüle eingesetzt, mittelst der es atmen konnte (Cholin 68 b). Auch Rab, Samuel Md R. Chanina haben selbständige Beobachtungen angestellt. Im Allgemeinen jedoch galt der Grundsatz, daß es am besten sei, den alten Ueberlieferungen Glauben zu schenken (siehe das.). R. Simon b. Chalafto, der sich auf die Aussagen anderer allein nicht verlassen wollte, wurde Askan bidwarim, so viel mir der Praktiker oder Experimentator genannt. (Rabbath Lev. c. 22.)

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