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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-17 · 20 (17.5.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Dr. JSloc&’s MocdenscbrM, Sette 331 \ er hat meinen Sohn vom Militär befreit; trifft ihn bei dieser Tirade ein Bekannter und sagt, er habe keinen Sohn, geht er ganz einfach in ein anderes Wirtshaus mit einer anderen Tirade. Er erzählt z. B. er habe einen großen Prozeß gehabt und fürchtete ihn zu Verlieren, da wendete er sich an den Herrn, der einen großen Einfluß habe, und diesem seinem Einfluffe habe er es zu verdanken, daß er den Prozeß gewonnen habe. Wird ihm auch da die Unwahrheit nachgewiesen, da geht er halt in ein anderes Dorf und findet doch hie und da gläubige Zuhörer. Dies find die Wertzeuge des deutschnationalen Lagers. Der sozialdemokratischen Partei scheint das allgemeine Wahlrecht doch ein wenig zu früh gekommen zu sein. Es hat den Anschein, als ob fie nicht über genug redegewandte Leute verfüge. Sie hilft sich mit Wanderrednern, die in Wählerversammlungen mit viel Geschick ihre Kandidaten empfehlen. Am bequemsten hat es die christlich-soziale Partei. In deren Dienst hat sich rückhaltlos und offen der Klerus gestellt. Das Wirtshaus wird zur Kanzel, die Kirche zum Agitationslokal. Alle diese Wahlhelfer, sei es welcher Parteischattierung immer, haben die Pflicht, über die Stimmung eines Wahlortes Bericht zu erstatten. Dabei kommt es oft zu verblüffenden JrrtüMern. Es paffierte eben' einem Kandidaten der christlichsozialen Partei, einem ehrwürdigen Lehrer der Religion der Liebe, der Haß und Spott auf Andersgläubige schleudert, als Freund des Konkubinates gegen die Ehereform wettert, ein eigenes Malheur. Auf seiner Agitationsreise kommt er da in eine ihm von seinen Wahlhelfern als rein geschilderte Ortschaft, läßt vor einer zahlreichen Versammlung seine oft schon heruntergehaspelte Rede vom Stapel, bittet zum Schluffe, ihn zu wählen und zum Zeichen der Zustimmung die Hände in die Höhe zu heben. Lautlose Stille herrscht im Saale, aber kein Arm erhebt sich. Des Redners bemächtigt sich eine peinliche Verlegenheit, da erhebt sich ein Mann aus der Versammlungsmitte und ruft: »Ich gebe Ihnen meine Stimme, muß Ihnen jedoch sagen, ich bin ein Jude!?" Schön. Ein antisemitischer Ehrenmann. Herr Landesausschuß und Landtagsabgeordneter Bieloh l a w e k, der mit seinem Mandaten- und Stellenhunger jährlich ein sehr nettes Stück Geld verdient, mußte im Laufe einer Polemik mit seinem Gegenkandidaten Dr. Max v. Tayenthal selbst das öffentliche Bekenntnis ablegen, daß er sieben Jahre hindurch unter der kuriosen Angabe, daß er „Angestellter" einer Firma sei, sich die Vorteile der Gremialkrankenkaffa gesichert habe, denn Herr Bielohlawek ist während dieser Zeit auch nicht eine Sekunde wirklich Angestellter gewesen. Sowohl die betreffende Firma als auch der Herr Landesausschuß, Landtagsabgeordnete und Mandatsjäger Bielohlawek haben sich damit, wenn man das Kind beim rechten Namen nennt, bewußt der Falschmeldung und Irreführung einer behördlichen Institution schuldig gemacht, eine Handlungsweise, die unserer Anschauung nach vollkommen genügt, um die Skrupellosigkeit eines Mannes und damit seine Untauglichkeit zu einem öffentlichen Mandat zu erweisen. Herr Bielohlawek scheint selbst gar nicht im Unklaren über die Qualifikation seines Vorgehens zu sein, denn in seiner vom „Deutschen Volksblatt" veröffentlichten Erklärung versucht er nicht mit einem Worte die Korrektheit seiner Handlungsweise zu behaupten, sondern er meinte: „Ich tat daher, was viele andere tun", viele Christlich-Soziale wahrscheinlich. Hilfsaktion für Rumänien. Bei der „Israelitischen Allianz zu Wien" find bis 8. Mai zusammen L 130.489.72 zu Gunsten der Opfer der Judenexzesse in Rumänien eingelaufen, darunter folgende größere Spenden: S. M. v. Rothschild K 7000.—, Baron Max Springer K 3000.—, Brüder Böhm K 400.—, Brüder Neumann K 100.—; von auswärtigen Gemeinden sind folgende größere Sammlungsergebnisse eingelaufen: Kultusgemeinde Prag, 2. Sammlung K 400'.—, Graz, 3. Sammlung K 638.—, Krakau durch Herrn Tilles, 3. Sammlung K 579*32 (darunter Dr. Leo Ader, Dr. H. Judkiewiez, /Jakob Bober je L 50.—, Eduard Sternbach, P. Kahane je K 25.—, S. R. Landau, Dr. L. Merz, Dr. S. Ehrenpreis, S. S. Katzengold je K 20.— u. o.), Pilsen 2. Sammlung K 571.— (Moriz Roth L 100.- , Carl Ann, Jakob Bleier, Josef Hofmann. Brüder Weil je K 50, Simon Samler K 30.—. Jakob Hermann und Sigmnnd Kotlarzik je L 25.—), orth.-israel. Kultusgemeinde Ungvar durch Vilmos Mermelstein K 413.10, Czaslau durch Rabbiner Simon Hoch und Vorsteher Goldberger K 203.— (Lustig und Pick, Rudolf und Franz Meisel je K 20.— u. a.), Prag, B. B. „Praga" K 200.—, Nafica K 172.— (Max Fischer K 50.—, Julius Mannheim K 40.— u. a.), Marienbad K 100.—. Zu der in unserem letzten Spendenausweis verzeichneten Sammlung von Olmütz durch Herrn A. Baumgarten (Verein „Zion") im Betrage von K 1340. — (nach Abzug von 5 Perzent für den Nationalfond durch die Spender) haben beigetragen: R. Promavefi K 50.—, Aug. Munk K 30.—, Josef Markus K 25.—, Th. Baderle, I. & W. Brieß, Jul. Deutsch, Ad. Fried. Max Hickel, Leop. Hufferl, Rud. Stein je K 20.— u. a. Weitere Spenden erbeten und im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", I., Weihburggaffe 10 gegen Bestätigung oder per Postsparkaffenkonto Nr. 3152 dankend entgegengenommen. London. Ein Vertreter des „Jewish Chronicle" hatte mit dem zur Kolonialkonferenz hier weilenden kanadischen Premierminister Sir Wilfried Laurier ein Interview über die jüdische Einwanderung in Kanada, bei der der Minister eine der Gründung besonderer, spezifisch jüdischer Kolonien in Kanada sehr ungünstige Gesinnung zum Ausdruck brachte. Wir können, sagte der Minister, nicht dulden, daß die Juden eine besondere Organisation bilden. Wir werden das weder den Juden noch irgend einer anderen Gemeinschaft zugestehen. In jeder Kolonie muß, so erklärte der Minister, jedermann zugelaffen werden und gleiche Rechte erhalten. Eine Kolonie mit jüdischer Selbstverwaltung werde die kanadische Regierung nicht zulaffen. In Bezug auf die Einwanderung von Juden im allgemeinen äußerte Sir Wilftied: Wir würden fie als Einzelpersonen willkommen heißen. Kanada ist ein großes Land und hat Raum für jeden, der arbeiten will. Kanada steht jedem offen, der ins Land zu kommen wünscht. Aber ich muß sagen, daß wir nur Landwirte, Handarbeiter und Dienstboten zur Einwanderung ermutigen. Handwerker haben keine guten Aussichten in Kanada. Die Sitzung des Großen Aktionskomitees vom Sonntag den 5. Mai und den folgenden Tagen in Köln. Anwesend waren: David Wolffsohn, Köln; Prof. Dr. O. Marburg, Berlin; I. L. Greenberg, London; I. H. Kann, Haag; Dr. Bodenheimer, Köln; Josef Cowen, London; Berthold Feiwel, Köln; Dr. Friedemann, Wiesbaden; S. Goldreich, Johannesburg; H. Grünau-Grünzweig, Antwerpen; Dr. Hantle, Berlin; Dr. Jdelsohn, Petersburg; Bezalel Jaffe, Grodno; Leopold Keßler, Johannesburg; Johann Kremenetzky, Wieg; Dr. Sch. Lewin, Wilna; I. Moser, Bradford; S. Rosenbaum, Minsk; N. Sokolow, Köln; Dr. Tschlenow, Moskau. Mit beratender Stimme: I. Brutzkus, M. Feldstein, Dr. Katzenelsohn, Dr. Pasmanik, Dr. Arthur Ruppin, Berlin. Nach einer Sitzung des engeren Aktionskomitees, die erforderlich war, um die Uebertragung des Vermögens des „Jüdischen Nationalfonds" „Keren Kajameth Le Jisroel, Limited“ an das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds vornehmen zu können, eröffnete der Präsident Herr David Wolffsohn die Sitzung gegen halb 11 Uhr mtt einer längeren Ansprache. Sodann gab der Vorsitzende einen Bericht über seine Reise nach Südafrika und Palästina und betonte, welch gute Eindrücke er sowohl aus Südafrika als ganz besonders aus Palästina mit sich genommen habe. Er referierte sodann, indem er im Wesentlichen auf die Zirkulare des Engeren Aktionskomitees verwies, zusammenfaffend über die Tätigkeü des Aktionskomitees im verflossenen Jahre und gab seiner Freude über die

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