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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-17 · 20 (17.5.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Dr. JSlocb’s Mocdenscvrtn. Seite 329 Diners und Soupers, dazwischen Matinees, Schauspiele, Opern und Konzerte zu absolvieren hat — der Gesandtendienst scheint dies alles zu erfordern — nach einer Spazierfahrt zuweilen eine alte Freundin, die Gräfin Fontenille besucht, um so recht bürgerlich mit ihr zu Plaudern. Man hört förmlich den Kleinstadtbürger, der, durch die Straßen des Städtchens gehend, einer alten Bekannten zuruft: „Guten Morgen, Frau Nachbarin! Na, was gibt's denn Neues?" Und die Frau Nachbarin weiß immer etwas Neues; und der Herr hört gespannt zu, was die Dame zu berichten weiß. Und zu Hause angekommen, schreibt dann der Neuigkeitsforscher Hohenlohe über seine Freundin Fontenille ins Notizbuch, daß „diese Dame ihrer Personalkenntnis wegen eine sehr schätzenswerte Bekanntschaft" sei. Der gehässige Ton, den Hohenlohe oft anschlägt, sobald er von den Juden spricht, hat für uns nichts Ueberraschendes; das sind wir Juden in Deutschland mehr wie anderswo von Jugend an gewohnt, wofür ja spricht, daß wir in Staunen geraten, wenn wir aus amerikanischen Berichten vernehmen, daß ein jüdischer Bürger bei dem Präsidenten der Republik ohne Förmlichkeiten empfangen und von diesem mit einem Händedruck nach der Audienz bis zur Tür geleitet wird, dieweil es hierzulande geradezu als ein großes Ereignis erscheint, wenn ein ungetanster Jude einmal von einem gekrönten Haupte empfangen wird. Halten wir das Milieu im Auge, in dem der Fürst herangewachsen, in dem er sich zeitlebens bewegt hat, und vergessen wir nicht den eingebornen und in adeligen Kreisen von jeher traditionell gebliebenen Judenhaß, so werden wir seine Aeußerungen über die Juden nicht so tragisch nehmen. Dürfen wir doch auch andererseits nicht übersehen, wie schonungslos der ehemalige Reichskanzler sich über seine Standes genossen in seinen Memoiren ausspricht, wie respektlos er von den hohen Herrschaften, mit denen er spazieren und auf die Jagd geht, in den Boudoirs sich „harmlos" unterhält, oder, wenn „alles beduselt ist", mit sarkastischem Lächeln nach Hause geleitet, im Theater ihre erklecklich vielen Fehler aushorcht und dann mit dem Behagen eines dem llaut-ssout liebenden Feinschmeckers ihre Niederträchtigkeiten wie ihre Lächerlichkeiten fein säuberlich in sein Tagebuch einschreibt. Und diese adelige und gefürstete Umgebung bot ihm Memoirenstoff für zwei dicke Bände! Und wie die Juden darin ausgezeichnet sind, sei hier nun wiedergegeben. Seite 98, Bd. 1, heißt es in seinen Aufzeichnungen: Am 15. Oktober waren miltärische Uebungen auf dem Exerzierplatz bei Wilna. Die Uebungen der Infanterie waren schon vorüber als ich ankam. Sehr komisch war es, als eine Batterie gegen die Zuschauer angeritten - kam, abprotzte und feuerte. Das aus Juden bestehende Publikum schrie „au weih!" Die überall aufgestellten Arbeiter begrüßten den Kaiser mit Hurrahrufen. Eigentümlich war in Wilna das Hurrah der Juden, das ganz dem Blöcken der Schafe glich. Daß sie trotz ihrer loyalen Demonstrationen von der Polizei vielfach gestoßen und geprügelt werden, versteht sich umso mehr, als ich nie ein unverschämteres Publikum gesehen habe, als diese polnische Juden, die sich überall wie wilde Tiere Hinstürzen, auch wo sie gar nicht hingehören. Seite 15. Es gibt philosophische Sozialpolitiker, die uns das Wort entgegenhalten werden: die Deutschen sind ein Kulturvolk, weniger berufen zur äußeren Geschichte der Welt, als zur Pflege: der geistigen Entwicklung und zur Lösung der großen Fragen der Menschheit. Wer sich damit tröstet, dem wünschen wir die Resignation der Juden. Denn auch die Juden waren ein Kulturvolk. Zu dieser Resignation haben wir es noch nicht gebracht. Wir glauben, daß das deutsche Volk noch nicht so tief gesunken, um sich mit dem Bewußtsein, ein Kulturvolk zu heißen, über seine politische Machtlosigkeit zu trösten. Freitag, den 21. August (1862). (Frankfurt.) Heute morgen in den Abgeordnetentag, der in einem schönen Saale des sogenannten Saalbaues abgehalten wird. Schultze-Delitzsch hielt eine sehr schöne Rede, die aber besser für eine Volksversammlung gepaßt hätte. Einige andere Redner waren unter aller Kritik widerwärtig, so ein deklamierender Jude Fischer aus Breslau, ein Herr Becker und einige andere Unbekannte. In höchst bezeichnender, lakonischer Kürze, als handle es sich um ein angekündigtes Volksfest, schreibt Hohenlohe am 16. Juni 1866 in München in sein Buch: München, den 16. Juni 1866. Heute abend ist, wie Stauffenberg erzählt, hier Judenkrawall angesagt. Seite 120, Band II, erzählt der Fürst, da er nach Paris gehen soll, von einer Unterredung mit dem Journalisten Landsberg (?), in deren Verlauf er sagt: „Die Juden sind avertiert, daß ich ihr Feind sei . ., was Landsberg bestritten hat." Bei einem philosophischen Gedankengang mit Rudolf Lindau über Spinoza sagte Lindau: „Damit kommen wir zum Jehova der Juden", worauf der Fürst entgeguete: „Warum nicht?" Seite 234. Ich habe anderthalb Stunden bei Bleichröder gesessen und hörte seine talmudische Weisheit an. . . Was mir bei dem ganzen Gespräch unangenehm war, ist daß Bleichröder doch Einfluß in handelspolitische Fragen bei Bismarck zu. haben scheint. Er tut, als wenn er mitregierte, trotz seiner demütigen Versicherungen. . . . Mir scheint, als ob die eigennützige, jüdische Handelspolitik Bleichröders an dem Sturze Delbrücks und an manchen unreifen Finanzprojekten der neueren Zeit schuld wäre. Seite 236. Salisbury, der mir bei Tisch gegenüber saß, hat einen merkwürdigen Kopf, hohe Stirne, regelmäßige Züge, langes Haar, Vollbart und dabei den Ausdruck des Gedrücktseins. Beacvnsfield mißfällt mir stets mehr; ein scheußliches Judengesicht... Seite 307. Heute um 11 Uhr war ich beim Kaiser ... Wir kamen dann auf die Judenfrage. Der Kaiser billigt nicht das Treiben des Hofpredigers Stöcker, aber er meint, daß die Sache sich im Sande verlaufen werde und hält den Spektakel für nützlich, um die Juden etwas bescheidener zn macken. Seite 308. Paris, 5. Dezember 1880. Heute früh besuchte mich Gambetta. . . Beim Weggehen erwähnte Gambetta die bevorstehenden Wahlen in Deutschland und meinte: Die Fortschrittspartei hat sich durch ihre Haltung in der Judenfrage bei den unteren Volksklassen geschadet, denn di-se haßten die Juden, er wisse das aus dem Elsaß. Seite 232. Den 19. Dezember 1882. Heute bei Hirsch auf der Jagd im Park von Versailles. Ich fuhr mit N. Potocki, Hirsch mit dem Duc de Peuthievre und dem Herzog von Koburg. Ein rechtes Zeichen der Zeit: der Enkel Louis Philipps jagt bei dem deutschen Juden Hirsch in Versailles. Es regnete, als wir hinausfuhren. Dann wurde es gut, und die Jagd war sehr unterhaltend. Als Statthalter in Elsaß-Lothringen (seiner ersten Reise durchs Land) schreibt Hohenlohe am 5. Juni 1886 von seinem Empfang in der Stadt und feinem Besuche der katholischen und protestantischen Kirche: „Zuletzt fuhren wir nach der Synagoge, wo der Sänger einen langen hebräischen Gesang anstimmte, worauf der Rabbiner eine Rede hielt, die ich beantwortete." Gelegentlich der Reise des Kronprinzen, im Gefolge des Kaisers, durch Elsaß-Lothringen nach Metz — der Kaiser war wegen Unwohlseins in Straßburg , geblieben — erwähnt der Statthalter kurz, daß er mit dem Kronprinzen die Synagoge besuchte. Seite 344:- Heute Unterredung mit Baron Cohn, der ein bayrisches Großkreuz zu haben wünscht. Nach Tisch — beim Kaiser — kam Baron Cohn zu mir und erzählte von seinen Geschäften für den Kaiser.

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