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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-10 · 19 (10.5.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 Dr »locb’s Mocdenscbrtn. Seite 319 Vielleicht bringt er es dadurch zum Kolonialminister & la Dernburg. Die jüdischen Bankiers geben fiir hohen Profit der bankrotten russischen Regierung Geld für neue Judenmetzeleien, der Freisinn unterstützt mit jüdischem Geld die antisemitischen Kandidaten, religionslose Juden lassen sich und ihre Kinder aus Charakterlosigkeit taufen, heucheln christliche Religion und betteln schließlich hochstehende Personen an, die Pathenstelle zu übernehmen." Ueber das hessische „Judenpatent" wird der „Frankfurter-Zeitung" geschrieben: «Heuer werden es 60 Jahre, daß eines der wichtigsten Ereignisse für die jüdische Bevölkerung der Stadt Mainz und der Provinz Rheinhessen geschah, nämlich die Aufhebung des sogenannten Judenpatents. Dieses von der israelitischen Bevölkerung als überaus drückend empfundene Patent war durch ein Dekret Napoleons I. vom 17. März 1808 vorläufig auf zehn Jahre in Frankreich eingeführt worden. Nach Ablauf dieser Zeit wurde es dort als aufgehoben erklärt, blieb aber in Rheinhessen durch eine Verordnung vom 13. März -1818 mit mannigfachen Veränderungen in Kraft. Diesem Patente zufolge mußte jeder jüdische Kaufmann, jeder Israelit, der in die Lage kam, ein Geschäft abzuschließen, „sich von dem Verdachte des Wuchers reinigen und von drei Behörden (dem Gemeinderat, dem Konsistorium und der Provinzialbehörde) nacheinander jedes Jahr ein Zeugnis darüber erbitten, daß er kein Wucherer sei und daß er noch kein unerlaubtes Geschäft abgeschlossen hatte." In welch herab' würdigende und entehrende Lage hierdurch jeder rechtliche Mann gebracht wurde, welche Gelegenheit zur Schürung des Hasses, der Feindschaft und des Geschäftsneides unlauteren Elementen geboten wurde, liegt auf der Hand. Einem der geachtetsten und tüchtigsten Mainzer Bürger damaliger Zeit, dem Obergerichtsrat und Kammermitglied Glaubrech, gebührt das Verdienst, seine jüdischen Mitbürger in Stadt und Land von den ungerechten Bestimmungen des „Judenpatents" befreit zu haben. In seinem Berufsleben hatte er vielfach Gelegenheit, die Härten und Bedrückungenkmnen -zu "lernen,- die -jenes -Gesetz im Gefolge hatte, und bereits im Jahre 1832 beantragte er im Vereine mit den Mainzer Abgeordneten Kertell und Trommler im Landtage die Aufhebung des Dekrets, anfangs allerdings ohne Erfolg. Erst im Jahre 1847 erfolgte die Aufhebung des „Judenpatents". Die Freude der jüdischen Bevölkerung in Mainz und ganz Rheinhessen über die Befreiung von diesem drückenden Joch war unbeschreiblich. Um dem Gefühle der Dankbarkeit auch äußeren Ausdruck zu geben, wurde eine Dankadresse an Glaubrech abgesandt, die von den Vorständen sämtlicher israelitischen Gemeinden Rheinhessens unterzeichnet war." Zur Wahlbewegung. Prag, 4. Mai. Die Festtage, welche während des Kaiserbesuches in unserer Landeshauptstadt geherrscht haben, find verrauscht; Alles wendet sich wieder der gewohnten täglichen Beschäftigung und den Wahlarbeiten zu. ^Der erst seit zirka zwei Monaten bestehende „Svaz pokrokovych Zidü proCechy a Morava v Praze“ („Bund der fortschrittlichen Juden für Böhmen und Mähren in Prag") hat an den letzteren bereits recht lebhaften Anteil genommen und die am 27. April veranstaltete Protestversammlung gegen die Kandidaturen Dr. B a x a s und Breznovskys gab der tschechischen Oeffentlichkeit ein recht beredtes Zeugnis dafür, daß es dem „Svaz" sehr ernst um die Durchführung der sich gestellten Aufgaben ist. Auf der Prager Altstadt kandidiert die jungtschechische Partei Dr. Klumpar, die Radikalen dagegen Dr. Baxa und die Sozialdemokraten Dr. H o u s e r. Für die Untere Neustadt ist offizieller Kandidat der Jungtschechen L. I. 0 e ch gegen Breznovsky, der sich selbständig um ein Mandat bewirbt. Die beiden genannten offiziellen jungtschechischen Kandidaten find anerkannt achtbare Leute, welche den jüdischen Wählern infolge ihres bisherigen Auftretens vollkommen sympathisch find. Ueber Dr. Baxa und seinen Freund Breznovsky brauchen wir des Näheren inchts zu sagen. Die erwähnte Protestversammlnng, zu der sich an 500 Wähler eingefunden hatten, verlief überaus würdig und war deshalb bemerkenswert, daß auch Dr. Baxa dieselbe besuchte, mm den Juden zu erklären, daß er während seiner Tätigkeit als Abgeordneter nichts gegen die Juden rmternommen habe und im Jahre 1897 nicht nur nicht zu den Hetzern, sondern vielmehr zu den Beschwichtigern und Beruhigern der plündernden Pöbelhaufen gehörte. Ueber sein Auftreten im Polnaer Prozeß schwieg er wohlweislich. Sämtliche Redner aus den Kreisen der Prager Juden belehrten jedoch Dr. Baxa und die Anwesenden eines Besseren und speziell der gewesene Landtagsabgeordnete und jetzige Stadtrat Dr. Scharf stellte seinen „Kollegen" in das gehörige Licht und die überwiegende Mehrheit der Wähler dürfte nach seinen glänzenden Ausführungen der Weisung^ des „Svaz", ihre Wahlzetteln für Dr. Klumpar und L. I. 6 e ch abzugeben, gewiß Folge leisten. Von der Empfehlung der sozialdemokratischen Kandidaten wurde deshalb Abstand genommen, weil solche in den erwähnten zwei Bezirken keine Aussicht auf einen Sieg haben. Die eventuelle Abgabe der Stimmen für dieselben hätte nur eine Zersplitterung derselben und vielleicht doch eine Möglichkeit für das Durchkommen der beiden erwiesenen Judenfeinde Dr. Baxa und Breznovsky zur Folge. Gegen die Kandidaturen Dr. R e ö e k (Smichov), Dr. Lang (Tabor), V. N. K l o f a c (Hohenmauth) und Freßl (Pilsen) leitet der „Svaz" unter den tschechischen Juden gleichfalls eine energische Agitation ein. Berlin. Das Deutsche Bureau der Alliance Israeli re Universelle stellt uns folgende Mitteilungen zur Verfügung: Die aus dem Bezirk Vaslui ausgewiesenen rumänischen Juden haben an den Minister nachstehendes, von einem Bukarester Advokaten verfaßtes Gesuch gerichtet: „Die Unterzeichneten, von den israelitischen Bewohnern der Landgemeinden des Bezirks Vaslui beauftragt, bringen ehrerbietigst zu Ihrer Kenntnis, was folgt: Die Bürgermeister unserer Wohnorte haben uns Verordnungen zugestellt, in denen wir aufgefordert werden, unfern Herd-binnen einer Frist von 1—5 Tagen zu verlassen. Unter uns find nicht wenige, die in ihren Wohnorten geboren find, die dem Militär-Rekrutierungsgesetz Genüge geleistet haben, weder für sich noch für ihre Verwandten irgend einen auswärtigen Schutz genießen. Einige von uns stehen noch unter den Fahnen, andere endlich zählen ihren Aufenthalt in ihrem Wohnort nach Dutzenden von Jahren. Die traurigen und tiefbedauerlichen Vorkommnisse, die das Land soeben durchgemacht hat und die die Herzen aller feiner Kinder haben bluten machen, stehen noch Jedem vor Augen. Wir alle haben durch die jüngsten Ereignisse moralisch und materiell schwer gelitten. Wir wollen die Frage der Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit der gegen uns ergriffenen Maßnahmen nicht erörtern; wir bitten Sie nur, anzuerkennen, daß eine Maßnahme der erwähnten Art — die Ausweisung — die nicht treffen sollte, die alle ihre Pflichten gegenüber dem Staat erfüllt und selbst ihr Blut für ihn hingegeben haben. Nach Beendigung der Mobilisation haben mehrere unter uns bei der Rückkehr in ihren Wohnort den Ausweisungsbefehl vorgefunden. Wir bitten Sie inständigst, Verfügung dahin zu treffen, daß die Ausweisungen aufgehoben und Untersuchungen anbefohlen werden. Sollte sich ergeben, daß Staatsrückfichten Maßnahmen der erwähnten Art gegenüber friedlichen und treuen Bewohnern des Landes, in dem sie erzogen worden find, notwendig machen» so bitten wir Sie, uns zum mindesten einen Aufschub von sechs Monaten zu gewähren, damit wir unsere Angelegenheiten ordnen können. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Gefühle hoher Gerechtigkeit, von denen Sie erfüllt find, nicht gestalten werden, daß eine ganze Bevölkerung binnen einer nach Stunden zählenden Frist den Weg in die Verbannung einschlagen und damit die Früchte eines ganzen Lebens voller Arbeit verlieren soll. Wir find überzeugt, daß Sie unseren Vorstellungen Gehör schenken und darnach handeln werden.

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