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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-10 · 19 (10.5.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Llocb's Mocbenscbrm. Seite 317 lichen Stürme und Plünderungen durch Alarich (409) und bald darauf durch die Vandalen (455) in die neue Aera hinüberzuretten (worauf sich die Sombart'sche Hypothese stützt), muß als höchst unwahrscheinlich angesehen werden. Während die Völkerwanderung den hochentwickelten Kulturorganismus des weströmischen Reiches völlig zerscblug, dauerten im Oströmerreiche die wirtschaftlichen Zustände und insbesondere die Verkehrsverhältnisse der alten Welt gegen ein Jahrtausend ohne erhebliche neue Gestaltungen fort. Am Anfang des V. Jahrhunderts scheinen noch die Juden des Ostens Handel mit der indischen Küste getrieben zu haben, wie aus einer Stelle des Dichters Claudian zu vermuten ist.‘) Doch schon im VI. Jahrhundert befand sich so ziemlich der gesamte indische Handel in den Händen der persischen und arabischen Kaufleute?) Je später, desto mehr nimmt der jüdische Handel im Oströmerreiche ab. Das aussaugende Finanzsystem der byzantinischen Kaiser hatte ihn sicherlich ins Stocken gebracht. Bezüglich der Frage eines Herüberrettens jüdischer Kapitalien in die neubegründeten Staaten West- und Mitteleuropas wäre noch eine Vermutung möglich. Vielleicht unterhielten nach dem Verlust der byzantinischen Provinzen Palästina, Syrien und Egypten an die Araber die daselbst ansässigen Juden, welche, nachdem sich der Fanatismus des jungen Islam gelegt hatte, unter der Araberhrrrschaft ein großes Maß von Freiheit erlangten, Handelsbeziehungen mit dem westlichen Europa, vielleicht gründeten sie dort ihre Handelskolonien? Wäre dies der Fall, so könnte man mit gewisser Begründung in den mobilen Kapitalien der nach dem Westen Europas handeltreibenden morgenländischen Juden, welche gewiß auch die in West- und Mitteleuropa ansässigen Juden mit in den Handel hineingezogen hätten, die Grundlage für die weitere Kapitalbildung der mittelalterlichen Juden des Abendlandes vermuten. Jndeß geriet der Verkehr zwischen dem Osten und dem nördlichen Westen des Mittelmeeres schon in der Alten Welt seit der Verlegung der Regierung nach Konstantinopel sichtbar .in. Verfall, und. die neuen Herren, die Germanen, mußten erst neue Bedürfnisse empfinden lernen, ehe eine neue Nachftage die versandeten Handelsbeziehungen wecken konnte. Wie es also einerseits sehr unwahrscheinlich ist, daß sich in den auf den Trümmern des Weströmerreiches begründeten, agrikolen germanischen Staaten für die morgenländischen Juden im V. und VI. Jahrhunderte verlockende Absatzgebiete für orientalische Waren dargeboten hätten, so steht es anderseits fest, daß in den seit dem Ausgang des VI. Jahrhunderts mit dem Orient angeknüpften Handelsbeziehungen nicht morgenländische, sondern abendländische Kaufleute betätigt waren. Für die in den germanischen Gebieten ansässigen Juden muß es also eine andere Grundlage zur Kapitalbildung geben. Korrespondenzen. Erklärung. Bon verschiedenen glaubwürdigen Personen wird mir die Mitteilung hinterbracht, daß geflissentlich von „noblen Herren" die Mär verbreitet wird, als hätte ich mir durch den Rücktritt von der Reichsratskandidatur materielle oder moralische Vorteile irgend welcher Art erkaufen wollen. Zum Schutze meiner Ehre sehe ich mich gedrängt, vor der weitesten Oeffentlichkeit diese Ausstreuungen als schamlose Lüge und heimtückische Ehrabschneiderei zu brandmarken. Die Propaganda für meine Kandidatur im V. Wahlkreis, die Verbreitung von Flugschriften und mehreren Nummern der „Oesterr. Wochenschrift" in je 10.000 Exemplaren hat nachweislich über 4000 Kronen verschlungen. Beim Rücktritt von der Kandidatur habe ich selbst *) „Quidquid inane nutrit Judaicisque pingitur india velis“, vgl. Reinach, Fontes rernm iudaicaium I. 2) Kiesselbach Gang des Welthandels, p. 30. den Ersatz dieser Barauslagen weder verlangt, noch erhalten; geschweige denn sonstige andere „Vorteile" oder „Zusicherungen". Von der Reichsratskandidatur im V. Wahlkreis bin ich zurückgetreten, lediglich weil ich gegen einen Mann von der Vergangenheit und den unbestrittenen Verdiensten des k. k. Landesschulrates Herrn Dr. Gustav K o h n einen Kampf zu führen außerstande bin und weil ich Bedenken tragen mußte, einen spezifisch jüdischen Wahlbezirk durch Spaltung und Zwist innerhalb der gut jüdisch gesinnten Wählermaffen der schweren Gefahr auszuliefern, im kommenden klerikal-antisemitischen Parlament durch einen Mann vertreten zu sein, der uns mit der gefährlichen Verantwortlichkeit für antikirchliche Agitationen unseren Feinden gegenüber belastet. Wenn schlaue und bezahlte Wahlmacher das Märchen ersinnen, als hätten mich beim Rücktritt materielle Rücksichten irgend welcher Art geleitet, so habe ich für derlei Subjekte nur schweigende Verachtung. Wenn aber sogenannte „bessere Leute" dazu sich erniedrigen, Verleumdungen solcher Art weiterzutragen, so erkläre ich sie öffentlich für ehrlose Kerle, deren äußeres feineres Gewand die innere Gemeinheit und die korrupte Gesinnung nur schlecht einhüllt, die sich darum zu der Auffaffung, zu dem Glauben nicht aufzuschwingen vermögen, daß jemand für eine gefestigte Ueberzeugung die schwersten materiellen Opfer zu bringen fähig und bereit ist. Wien, 8. Mai 1907. Dr. Jos. S. Bloch Aerauszrber der „Grsterr. Wochenschrift". Israelitische Allianz z« Wien, I., Weihbnrggasse 1«. Hilfsaktion für die Opfer derJudenexzesse in Rumänien. Nachdem sich die verschiedenen großen Organisationen, die bei demHilfswerke in Rumänien mitzuwirken berufen find, untereinander verständigt hatten, fand am 5. Mai d. I. im Beratungssaale der Wiener Kultusgemeinde eine Sitzung statt. Vertreten waren: Die „Israelitische Allianz zu Wien", die „Alliance Jsraelite Universelle", Paris, die „Deutsche Konferenzgemeinschast der Alliance Jsraslite Universelle, Berlin, der „Hilfsverein der deutschen Juden", Berlin, die „Jewish Colonisation Affociation", Paris, der „Hilfsverein für die osteuropäischen Juden", Frankfurt a. Main, die englischen Hilfsorganisationen, durch den Hilfsverein Berlin, die Hilfskomitees für Rumänien, und zwar in Bukarest, Jassy, Botuschany, Galatz, ferner in Czernowitz, Jtzkany, Suczawa. Es wurden nach eingehenden Debatten nachstehende Beschlüsse einstimmig gefaßt: I. Die „Israelitische Allianz zu Wien" wird mit der Leitung des Hilfswerkes im Aufträge sämmtlicher großer Organisationen betraut. II. Es wird aus den einzelnen bestehenden Komitees für Rumänien eine rumänische Zentrale gebildet, die auf Verlangen der „Jsr. Allianz zu Wien" die Ueberprüfung der aufgestellten Schadenslisten vornimmt und alsdann diese geprüften Listen der „Jsr. Allianz zu Wien" zur Erledigung übergibt. Die Bildung der rumänischen Zentrale wird der „Jsr. Allianz zu Wien" und den Vertretern für Rumänien überlaffen. III. Die Versammlung erklärt sich bei den vorhandenen Mitteln, die benützt werden müssen, um die in Rumänien verbleibenden geschädigten Glaubensgenossen zu unterstützen, außerstande, die Auswanderung zu fördern, und sie sieht sich daher gezwungen, ausdrücklich vor Auswanderung zu warnen. IV. Die Hilfsorganisationen übersenden zu den gemeinsamen Fonds in Wien Beträge nach einem zu vereinbarenden Maßstabe. V. Es wird der „Jsr. Allianz zu Wien", sowie den einzelnen rumänischen Komitees gegenüber der Wunsch ausgesprochen, die Verteilung der Gelder an die Beschädigten alsbald vornehmen. Wien« Am 10. v. M. fand vor einem verstärkten Senate des Verwaltungsgerichtshofes eine mündliche, öffentliche Verhandlung unter Vorsitz des Senatspräfidenten v.Zenker und im Beisein der Hofräte K l e e b e r g, Baron Hock und Schimm statt. Gegenstand der Verhandlung bildete eine für die religiösen

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