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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-10 · 19 (10.5.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 314 Dr. JSlocb s MocdenscvrLtt. Nr. 19 Mädchenschule ausgeschrieben werden. Was geschah? — Auch da wurde ein Schulleiter bestellt, auch dieser hatte die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß mehr katholische Kinder die Schule besuchen und jüdische Kinder ausgeschult oder sich neumeldende nicht ausgenommen werden. Diejenigen Eltern, die auf ihrem Rechtsstandpunkt beharrten, setzten im Rekurswege die Aufnahme durch; andere, die sich Laufereien ersparen wollten, gaben ihre Kinder in andere. Schulen. Mittlerweile wurden zu gleicher Zeit allmälig Parallelklassen aufgehoben, wurden die beiden Schulen auf zusammen 15 Klassen gebracht und dann konnten, dem Gesetze gemäß, beide Schulen unter eine Leitung gestellt werden. — Es war also der Erfolg erzielt, daß nicht zwei jüdische Oberlehrer, sondern eventuell nur Einer für die Schule zu bestellen sei. Nachdem es endlich dahin gebracht worden war, daß diese 15 Klaffen im letzten Jahre eine katholische Majorität ergaben, konnte der nahezu 80jährige Oberlehrer ruhig pensioniert werden und es wurde der Konkurs für einen katholischen Oberlehrer ausgeschrieben, mit der Begründung, daß die Mehrzahl der Kinder katholischer Konfeffion sei. Nachdem das Gesetz einem 5jährigen Durchschnitt vorschreibt, wurde im Rekurswege diese Ausschreibung beanständet. Der Landesschulrat hob diese Konkursausschreibung auf und erklärte, daß die Konkursausschreibung erst nach einer Reihe von Jahren erfolgen müßte, da die Schule jetzt eine neue Organisation habe, die alten Verhältniffe nicht mehr maßgebend find und erst das Resultat nach einigen Jahren abgewartet werden muß. Auch dagegen wurde an das Ministerium der Rekurs ergriffen und der Landesschulrat beauftragte den Bezirksschulrat mit der Vorlage aller Akten. Seicher ist beiläufig ein Jahr verstrichen. Auf — wenn ich mich recht erinnere — 14 Urgenzen, war bis vor kurzem, vielleicht bis zur Stunde die Befolgung des Auftrages nicht erfolgt und der Landesschulrat hat keine Machtmittel, diese Befolgung zu erzwingen. So stehen die Verhältniffe bei uns. Geehrte Herren! Die Schlüffe aus all diesen Ausführungen^ zu ziehen, überlaffe ich Ihnen selbst; ich meine, daß es so nicht bleiben kann. Bevor ich schließe, möchte ich noch wenige Worte über mich sprechen, obwohl ich zu den Menschen gehöre, die nicht gerne von sich sprechen, wiewohl ich wahrhaft keinen Grund habe, mich über mich auszuschweigen. Ich bin es aber der fortschrittlichen Partei schuldig, die mich kandidiert hat, über mich zu sprechen. Bei dieser Kandidierung hat gewiß auch der Umstand mitgewirkt, daß das Zentral-Wahlkomitee der Ansicht war, daß dasselbe mit der Aufforderung an mich, der ich nie kandidierte, in die Reche der Mandatswerber zu treten, die Absicht verband, in diesem zerklüfteten Wahlkreis Ordnung und Einigkeit herzustellen, den Wahlkampf in der liberalen Partei zu beendigen, wie ihm ja dies durch die Nominierung des Kandidaten für das Kaiviertel gelungen ist. Der angestrebte Erfolg war nur teilweise eingetreten. In selbstloser Weise sind Gemeinderat Klebinder und Dr. Bloch, von denen jeder große Chancen hatte, den Wünschen des Zentral-Wahlkomitees entgegengekommen; nichtsdestoweniger besteht der Kampf weiter, und da scheine ich wirklich ein sehr unbequemer Gegner zu sein. Da ich zu jenen Menschen gehöre, in deren Vergangenheit und Gegenwart, ich darf es mit Stolz sagen, sich kein Makel findet und man etwas wirklich Böses mir nicht nachsagen kann, mußte zu Kunststücken gegriffen werden. Als solche gelten und galten die Ausstreuungen, daß ich als kranker, alter, gebrechlicher Mann, infolge der gegnerischen Machinationen, mein gegebenes Wort, auszuharren, brechen werde, von der Bewerbung um das Mandat, das ich nicht gesucht habe und mit welcher Aufgabe ich vor 3 Wochen beehrt wurde, zurücktreten werde, oder gar zurückgetreten bin. Meine Herren! Sie sehen mich vor Ihnen stehen, ich habe einen weißen Bart, aber ich meine, daß ich es vorläufig noch mit Herren aufnehme, die schwarz sind und ich wiederhole neuerlich, daß ich bis zum letzten Momente im Wahlkampfe ausharren werde, und daß, wenn ähnliche Gerüchte Ihnen zu Ohren kommen, Sie ein für alle Male wissen mögen, daß sie unwahr find. Ich bin umsomehr entschlossen, auszuharren,' als sich in letzter Zeit häßliche Dinge ereignet haben, deren Besprechung ich mir für ein andermal und anderen Ortes Vorbehalte. Es wird aber auch kolportiert, daß ich mich nie um Politik gekümmert habe, ein Neuling sei — daß dies unwahr, ist in den weitesten Kreisen und auch vielen von Ihnen bekannt. Ich habe mich seit Jahrzehnten nicht bloß um die politischen Verhältnisse gekümmert, sondern ich habe vielfach, wenn auch freilich in öffentlich unauffälliger Weise, in die politischen Verhältnisse eingegriffen. Es ist aber auch gleichgiltig. Ich habe bisher immer meinen Mann gestellt und werde, es auch weiter tun. Und endlich kommt der Hauptschlager. Ich sei Vizepräsident der Kultusgemeinde. Und wer, sehr geehrte Herren, erhebt dieses Bedenken — etwa die Christlich-Sozialen, deren Bekämpfung in meinem Kreise mir, schon als Jude, Lebensaufgabe war und ist, oder die liberalen Christen dieses Wahlkreises, die doch durch ihre vornehmsten Mitglieder mich zur Kandidatur einluden? Nein. Eine Gruppe von Menschen, die teils noch Juden find, weil sie als solche geboren wurden, teils aber ihr Judentum schon über Bord geworfen und unter Nachsicht vom Glauben das väterliche Erbe verzehren. Und war der rühmlich bekannte Steudl, diese Jncarnation des Freisinns, deshalb kein würdiger oder entsprechender Volksvertreter, weil er das weltliche Haupt der evangelischen Kirche gewesen? Oder würde vielleicht heute ein Presbyter der evangelischen Kirche für ein Reichsratsmandat untauglich sein, oder war der große Staatsmann und Parlamentarier Ignaz Kuranda, für diese Tätigkeit deklassiert, weil er zugleich Präsident der israelitischen Kultusgemeinde gewesen? Ich maße, sehr geehrte Herren, mir nicht an, mich mit mit Kuranda oder Stendl, in Bezug auf die Qualifikation, auf gleiche Stufe zu stellen, aber in Bezug auf mein Ziel stehe ich den Herren'nicht " nach, und ich hoffe, Ihre Erwartungen zu beftiedigen, wenn mir das Glück wird, daß Sie mir am 14. Mai Ihre Stimme zuwenden. Ich wurde nicht als Vizepräsident kandidiert, nahm als solcher auch nicht das Mandat an, aber feststehen muß, wie ich meine, in der Anschauung aller ehrlichen Menschen und insbesonders meiner Glaubensgenossen, daß diese meine Stellung umso weniger von Uebel sein kann, als in das neue Haus nur sehr wenige einziehen werden, die insbesonders auch das Interesse meiner gedrückten Glaubensgenossen zu vertreten in sich den Beruf fühlen werden. Wenn Sie, sehr geehrte Herren, mit den vorgebrachten Ausführungen, sowie mit dem am 25. April entwickelten Programm einverstanden sind, dann bitte ich um Ihre Stimme, bitte Sie aber auch, Ihre Freunde zu bestimmen, ihre Stimmen auf mich zu vereinigen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Die Uerteilimg des jüdische« Vermögens am A«sga«ge des Altertums.*) Wie gestaltete sich die wirtschaftliche Betätigung der Juden in und außerhalb Palästinas nach der Zerstörung des Tempels? Eine völlige Verarmung der palästinischen Juden nach diesem Zeitpunkt dürfen wir uns nicht denken. Die hadrianischen Verfolgungsdekrete, der niedergeworfene Aufstand der Juden unter Bar-Kochba (132—135) waren jedenfalls von keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Folgen gewesen. Nach dem furchtbaren Aderlaß auf den Trümmern Jerusalems und Betars muß *) Aus der soeben im Verlage Wilhelm Braumüller erschienenen Abhandlung von Ignaz Schipper: „Anfänge des Kapitalismus bei den abendländischen Juden im früheren Mittelalter", deren Besprechung wir uns Vorbehalten.

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