Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 19 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit- 312 Dr. Lioch's WochrnjchrM. m 19 ehrlich ist es, Jargonaufrufe an die Bevölkerung zu schicken und den Glauben zu erwecken, als ob es sich um eine jüdische Kandidatur handeln würde, unehrlich ist es, Getaufte und Konfessionslose in eine jüdische Körperschaft hereinzuschmuggeln und sich hiezu eines ungetreuen, gewissenlosen Helfers zu bedienen. Allein auch gewissenlos ist das Verfahren in diesem Wahlkreise, in welchem tausend jüdische Hausierer, tausende von jüdischen Armen wohnen. Dieser Wahlkreis ist die Stätte, in welcher jüdische Auswanderer auf der Durchreise sich niederlassen müssen, . bis für sie die Mittel zur Weiterfahrt beschafft sind. Me diese jüdischen Armen und Enterbten find angewiesen auf das Wohlwollen des seiner Majorität nach katholischen Bezirksrates. Wenn man nun diesen Wahlkreis zum Rufer im Streite für die freie Schule und Eherechtsreform macht, dann werden die Antisemiten, welche sich auf das Verdrehen gerade so gut wie die Ofnerianer verstehen, sagen: „Diese Juden wollen uns den Katecheten aus der Schule hinauswerfen, diese Juden mengen sich in katholische Angelegenheiten und verletzen das Ehesakrament. Hinaus mit Ihnen!" Waren diese Ofnerianer jemals auch nur Mitglieder einer jüdisch-humanitären Körperschaft? Haben sie auch nur einen Kreuzer für einen jüdischen Auswanderer gegeben? Haben sie sich zur Zeit der Pogrome nur gerührt? Zeigen Sie mir eine Allion, an der sie teilgeuommen hätten! Wir arbetteten Tag und Nacht in Zeiten der jüdischen Not und des Elends, während sie „in Freiheit" machten. In den Kellern lagen Mütter mtt ihren Säuglingen, llanke Greise. Wo waren da die Herren Ofnerianer? Und jetzt, wo es ein Mandat gibt, können sie auf einmal Jargon? Jetzt führen sie die Mafien zum Kampfe gegen die Kirche! Die Freiheit in allen Ehren, wer jedoch immer für die armen bedrückten Juden gearbeitet hat, wer die armen Auswanderer in den Kellern und Asylen ausgesucht hat, wer teilgenommeu hat an dem Mahle jüdischer Wohltätigkett für die berückten Juden, wem das Wohl und Wehe, der 6000 Juden des V. Wahlkreises am Herzen liegt, darf Dr. Ofner nicht wählen. Ms „einem beabsichtigten Versehen" wurden die 14 Beiräte und 60 MÜglieder des Wahlrechtskomttees nicht eingeladen, sagt der Herr Vorsitzende. 2 Stunden vor Beginn der heutigen Generalversammlung werden 200 Fremdlinge, deren Konseffion noch nicht fichergestellt ist — wir haben viele Getagte und Nichtjuden unter den aufgeuowwenen Mitgliedern — durch.in die Versammlung gebracht. Nach diesem „Versehen" und mit dieser Kouttebaude wird nun der Wille der jüdischen Bevölkerung gefälscht. Alten bewährten Mitgliedern der „Union" wird der Einttitt verwehrt, natürlich nur aus Versehen. In diesem Zusammeuhauge erscheine ihm die Ratifikation des Borstandsbeschlusses durch die Generalversammlung beispielsweise etwa so, als hätte ein Vorstand gestohlen und rufe zur Verteidigung das Diebsgesindel zusammen. (Die Wirkung dieses Beispiels dauerte etwa 20 Minuten, während welcher der Redner Gefahr lief, tätlich beleidigt zu werden. Hofrat Kuranda, Ortsschulrat Fuchs und Rabbiner Feuchtwaug vermögen endlich so etwas wie Ruhe herzustellen. Der Redner klärt sein Beispiel als solches auf, bringt dabei sofort neue Angriffe gegen die sonderbare Veranstaltung der heutigen Versammlung vor, worauf ihm der Präsident das Wort entzieht. Er gibt es ihm nach Intervention einiger Anwesender wieder, nun aber tritt Dr. Lifczis ab.) Dr. Miutz polemisierte nun in großer Erregung gegen den persönlichen Vorwurf, daß er seine zionistische Gesinnung geändert habe. Er habe mit Dr. Herzl gearbeitet und sei in der Kommission des ersten Kongresses gewesen, welche das Baseler Programm festsetzte. Er sei jedoch aus den offiziellen Körperschaften ausgeschieden, weil er damals schon zionistische Gegenwartsarbeit, namentlich in Oesterreich gefordert hätte. Auf diesem Wege seien ihm die Zionisten in jüngster Zeü nachgefolgt. Zu Fragen der Taktik könne er nur nach seinem Gewissen stimmen, und er halte die nationale Absonderung der Juden, namentlich .in den gemischtsprachigen Ländern für ein Unglück. Mit Entschiedenheit weise er deshalb jeden Angriff gegen seine persönliche Ehre zurück. Die Versammlung verläuft von jetzt ab verhältnismäßig ruhig. Der vom Vorstandsmitglied Herrn T e w e l e s verlesene Kassabericht wird genehmigt, nachdem Herr S. Bergmann, Druckereibesitzer, die Anregung gegeben hatte, der Vorstand möge bei der Repräsentation des Vereines stärker hervortreten. Es erfolgen die Wahlen in den Vorstand. Zur Wiederwahl sind ausgestellt die Herren: Julius Granichstädten, Richard T e w e l e s, Dozent Dr. H a j e k und Dr. Jakob O r n st e i n, welche auch gewählt wurden. Nun sprach der Präsident der „Union", Herr Siegmund Mayer, und befürwortete die Wahl Dr. Ofners.. Die Kandidaten Hofrat Kamill Kuranda und Dr. Ofner entwickelten darauf ihr Programm. Nach einer Agitationsrede des Herrn Dr. Bader für Dr. Ofner fand die Versammlung ihren Abschluß. Uede des Kandesfch«lra1es De. Gustav K-h« in der allgemeinen Wählerversammlung vom 6 Mai 1907 tut großen Saale des „Hotel Stefanie". Sehr geehrte Herren! ' . ■ In der vorigen allgemeinen Wählerversammlung, habe ich in knappen Zügen mein Programm entwickelt und mußte mich, da sich dasselbe auf sehr viele Gegenstände erstreckte,, über jeden einzelnen Punll mehr oder weniger kurz halten. Ich will mich heute auf zwei Punkte des Programmes beschränken, über die wirtschaftlichen Dinge und über die Schule sprechen, welche beide mir im Zusammenhänge zu stehen scheinen. Der Volksvertreter ist zwar nicht der Vertreter bestimmter abgegrenzter Interessen, der Vertreter eines Bezirkes, er muß aber doch in allererster Reihe, ohne damit die Jntereffen Anderer zu verletzen, für die Jntereffen seiner Gruppe eintreten. Er kann nicht allen Parteien ein Sträußchen bieten und wie dies so häufig vorkommt, sich mit allen gut verhalten wollen. In dem neuen Parlament werden die Agrarier durch eine mächtige Gruppe vertreten sein, der gegenüber die städtischen Interessen energisch zu wahren sein werden. Diese städtischen Interessen finden in Industrie, Handel und Gewerbe ihre Stützen und es müssen deshalb diese drei hauptsächlichsten Erwerbszweige der städtischen Bürger besondere Förderung, besonderen Schutz finden, nicht, wie dies bisher so häufig geschehen, durch beengende ungebührliche Fesseln eingeschränkt werden. Diese Erwerbszweige können aber nur dann blühen, wenn auch für alle diejenigen vorgesorgt wird, welche in denselben Mitarbeiten, die selbständige Kaufleute und Gewerbetreibende durch ihre Arbeit unterstützen. Die Fürsorge für Industrie, Handel und Gewerbe ist also nur dann eine richtige, wenn sie sich auch auf alle Mitarbeiter, also auf' die Handelsangestellten und Hilfsarbeiter erstreckt, da nur die treue Mitarbeiterschaft zufriedener Beamter und Angestellter die geschäftliche Hebung, der Unternehmungen bewirken kann. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Stellung der Handelsangestellten in Handel und Gewerbe eine nicht befriedigende ist. Zwar hat das Gesetz vom 16. Dezember 1906 für einen kleinen Bruchteil dieser Kategorie Vorsorge zu treffen, sich bestrebt, aber abgesehen davon, daß es sich doch nur um einen kleinen Bruchteil handelt, ist auch für diesen kleinen Perzentsatz durch dieses Gesetz eine besondere Beruhigung nicht geschaffen worden, umsoweniger, wenn erwogen wird, wann die. Wirkungen dieses Gesetzes ins Leben treten, wann dasselbe dM.'Jnjex-