Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-03 · 18 (3.5.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021729--16355-3041170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 18 Dr Llocb's Mocdenscbrm, Seite 805 In der ersten sind talentvolle Jünglinge, die im Auslande Kunst-Mittelschulen bereits besucht haben, ausgenommen worden und dazu ist eine vorbereitende Klasse für hiesige Jünglinge, welche Talent besitzen, aber keine Möglichkeit gehabt, Kunstschulen zu besuchen, eröffnet worden. Diese werden dann im „Bezalel" und seinen Filialen, die er mit der Zeit in ganz Palästina eröffnen wird, als Lehrer und Musterzeichner angestellt werden. Die Zahl der Schüler dieser Abteilung ist komplett und werden daher vorläufig keine neuen Schüler ausgenommen. Für die Kunstgewerbebranche sind derweil drei Ateliers arrangiert und zwar: Teppichknüpferei sür Frauen, Gipsgießerei und Steinhauerei für Männer. In der Teppichabteilung gibt es keinen Platz mehr für neue Schülerinnen, denn außer den schon Arbeitenden haben sich einige hundert Frauen und Mädchen für dieselbe gemeldet. Derselbe Fall ist auch mit der Gipsgießerei. Für die Steinhauerei wird noch eine gewisse Zahl von Schülern nach folgenden Bedingungen ausgenommen werden: Der Betreffende soll mit sich eine Summe von 150 Frcs., ein Zeugnis von einem Arzte wegen seiner Gesundheit und von einem Verein wegen seiner Aufführung mitbringen. Es ist auch beschlossen worden, mit der Zeit neue Ateliers für mehrere verschiedene Kunstgewerbefächer einzurichten, wo neue Schüler und Schülerinnen Aufnahme finden werden. Dies alles aber hängt von den Mitteln unseres Institutes ab. Wir werden auch, falls die Mittel es erlauben, im „Bezalel" eine freie Kunstakademie einrichten, wo unsere jungen Talente eine europäische Kunstbildung genießen und dazu sich einen modernen jüdischen Geist aneignen werden, damit sie jüdische Künstler im vollen Sinne des Wortes sein sollen. Meine letzten Worte schreibe ich als Antwort für die, welche mich anfragen, womit sie dem „Bezalel" helfen können, daß sie wissen, daß wir nur eins benötigen und zwar: Mittel! Mit Zionsgruß und vorzüglichster Hochachtung Prof. Boris Schatz. Feuilleton. --Das RalsenvornrteU". Vortrag des Herrn Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, gehalten am 1. März 1901 im Festsaal des Gremiums der Kaufmannschaft in Wien, im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Meine Damen und Herren! Vor ungefähr zwei Jahren fand ich in einer und derselben Nummer der „Vossischen Zeitung" zwei Anekdoten über das berühmte Werk Chamberlains „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Nach der einen Erzählung hatte Kaiser Wilhelm II. einem Amerikaner, dem er die Ehre erwiesen hatte, ihn bei sich zu empfangen, ein Exemplar dieses Werkes mit dem Wunsche geschenkt, es unter seinen Landsleuten verbreitet zu wissen. Die andere Anekdote handelt gleichfalls von einem Fürsten, nämlich von dem österreichischen Erzherzog Ludwig Salvator. Der bekannte Gelehrte, über das gleiche Werk interpelliert, hatte sich recht verächtlich über seinen Wert ausgesprochen. Da haben Sie, meine Damen und Herren, den Unterschied zwischen dem Dilettanten und dem Gelehrten. Der Dilettant — der deutsche Kaiser ist in diesen Dingen Dilettant — hat sich günstig über das Werk ausgesprochen, der Gelehrte hat es, und wie ich glaube mit Recht, verworfen. Was ist die Rassentheorie? Wenn sie eine wissenschaftliche Lehre sein will, so kann sie nichts anderes sein, als eine geschichtsphilosophifche Theorie, als ein Versuch, den Gang der Weltgeschichte zu erklären. Nur als solche hat die Raffentheorie ein Recht darauf, daß sich die Wissenschaft für sie interessiert. Und zwar kann es sich hier nur um die Geschichte im engeren Sinne handeln, das heißt um die Geschichte der kulturtragenden, das heißt der weißen und allenfalls der gelben Rasse. Die anderen Raffen, als im Wesentlichen ungeschichtlich, stehen hier nicht in Frage. Es fällt also zum Beispiel nicht in unseren Betrachtungskreis, ob der Neger die volle Kulturhöhe erreichen kann, die der weißen Raffe beschieden ist. Nicht als ob ich diese Frage von vornherein verneinend beantworten wollte! Denn die Höhe der Staatsbildung, die die Negervölker in Dahomey, in Aschanti, in Uganda erreicht haben, war nicht viel niedriger, als diejenige, die die Perser zur Zeit des Cyrus oder das Deutsche Reich unter den Karolingern erreicht haben. Die Unterschiede, die sich finden lassen, können erklärt werden aus den beträchtlichen Unterschieden in den sogenannten Traditionswerten, die dort und hier auf die Entwicklung eingewirkt haben. Den Negerstaaten fehlten die reichen Kultureinflüffe, die die Perser von Babyloniern und Affyrern, die Deutschen von Römern und Griechen übernommen hatten. Trotzdem läßt sich nicht mit Sicherheit behaupten, daß diese mächtigen Negerstaaten nicht auch allmälig zu „europäischen" Kulturstufen aufgestiegen sein würden. Aber die Geschichte hat nicht gewollt, daß die Frage zur Entscheidung kam. Die europäische Invasion hat diese selbständige Entwicklung auf einer sehr frühen Stufe abgeschnitten, so daß die Frage nach der Entwicklungsfähigkeit des Negers vorläufig nicht beantwortet werden kann. Hier gibt es also keine Sicherheit, sondern nur Mutmaßungen, die jeder nach seinem Geschmack und nach dem Maß seines Wissens ausgestalten mag. Anders aber liegt es bei der Geschichte der eigentlich kulturtragenden, eigentlich geschichtlichen Völker. Hier tritt die Rassentheorie mit dem Anspruch auf, ein Hauptschlüssel der Geschichtserklärung, eine Geschichtsphilosophie darzustellen. Nun kann man sagen, daß die Entwicklung der letzten Jahre den Rassentheoretikern des alten Schlages ihre Ernte bereits vollständig verhagelt hat. Denn sie haben immer mit Bestimmtheit erklärt, daß die gelbe Raffe niemals in Kulturb¬ und Staatsbildung den Standpunkt der weißen Raffe ersteigen könne, und dennoch zeigt die japanische Entwicklung uns ein Staatswesen von solcher Kraft und Geschlossenheit und eine industrielle Entwicklung von so rapidem Aufschwung, daß beide den höchsten Schöpfungen der weißen Raffe dreist an die Seite gestellt werden können. Aber wenn wir selbst davon absehen wollen: unter allen Umständen hat die Raffentheorie, wenn sie überhaupt wissenschaftlich etwas bedeuten will, die Weltgeschichte im engsten Sinne, die Geschichte des westeuropäischen Kulturkreises der weißen Rasse zu erklären. Das ist der Prüfstein, an dem sie ihren Wert zu erweisen hat. Alles andere, was in den Schriften der Rasientheoretiker einen so breiten Raum einnimmt, liegt tief unter dem Niveau wissenschaftlicher Betrachtung, nämlich der „Nachbarhaß'", der so alt ist, wie die Menschheit und nicht früher aufhören wird, als bis am Aequator der letzte Eskimo erfroren sein wird, Nachbarn haben sich immer geneckt, befeindet und verhöhnt. Schon zwischen zwei Nachbardörfern besteht gewöhnlich ein Gegensatz, der sich in Sticheleien und Raufereien der jungen Burschen austobt. Trotzdem werden die Angehörigen beider Dörfer, wenn sie beispielsweise dem Oberlande angehören, gemeinsam gegen die Angehörigen des Unterlandes Front machen; Ober- und Unterländer hacken als Süddeutsche gemeinsam auf den Norddeutschen; beide vereint empfinden sich als Deutsche gegen den Engländer; und Engländer und Deutsche gemeinsam wieder als Europäer beispielsweise gegen den Japaner. Das ist menschlich, allzu menschlich und fällt nicht in den Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung. In dieselbe Rubrik gehören die ebenso törichten, wie gewiffenlosen summarischen Urteile über ganze Stämme, Sprach- oder Religionsgruppen. Wenn der Preuße geneigt ist, zu behaupten, daß die Sachsen tückisch find, wenn die Protestanten erklären, daß die Katholiken falsch sind, wenn die Deutschen in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.