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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-26 · 17 (26.4.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Dr. JSlocb s Mocbenscbrltt. Seite 389 wieder stärken und sammeln. Wohlan! Schenken Sie unserer Bitte Ohr und Herz! Widmen Sie unserem Unternehmen Ihre Hilfe! Tragen Sie nach Kräften mit bei, und jedes Schärflein soll uns willkommen sein zu unseren Sammlungen zu jüdischer Volkskunde! Ueberraschend schnell gingen Geschenke ein, verschiedene Ankäufe wurden gemacht, und der erste Katalog im Jahre 1897 konnte schon von einer reichhaltigen Sammlung berichten. In 6 Abteilungen wurden die Sachen eingereiht. 1. Graphische Darstellungen, Gemälde und Abbildungen; 2. Plastische Darstellungen, Inschriften, Modelle, Nachbildungen; 3. Gegenstände für rituelle Zwecke; 4. Münzen und Medaillen; 5. Handschriften; 6. Bücher über Judentum, jüdische Geschichte und Literatur, Zeitschriften, Publikationen von jüdischen Gemeinden und Vereinen und schließlich Mufikalien. Dazu kommen noch Aufsätze über einschlägige Materien von Dr. David Kauffmann, z. B. die Geschichte der Kunst in der Synagoge. — Die praktischen Erfolge planmäßiger Sammlung für jüdische Volkskunde schildert ihr geistiger Urheber Dr. Grunwald- Hamburg in einem Vortrag am 26. Februar 1898. Sie -sammelt jüdische Kindermärchen, um der jüdischen Mutter für die ersten Jahre des Kindes ein treffliches und schönes Erziehungsmittel in die Hand zu geben. Eben dasselbe gilt von den jüdischen Volksmelodien. Auch das Studium der jüdischen Namenskunde ist von wesentlicher Bedeutung für die politische und soziale Gestaltung. Die wissenschaftliche Behandlung der jüdischen Kunst näher zu treten. — So groß war der Eindruck, den der Vorgang der Hamburger Brüder hervorbrachte, daß schon im Jahre 1898 auf Betreiben von Stuttgart und Frankfurt a. M. sich eine Gesellschaft zur Schaffung jüdischer Kunstdenkmäler bildete. Es steht fest, daß das Judentum, wie schon aus den bisherigen Funden und Forschungen ersichtlich, auch auf künstlerischem Gebiete, wie auf jedem anderen, von dem man es nicht gewaltsam ferngehalten, sehr Bedeutendes geleistet. Zumeist liegt die Kunsttätigkeit auf dem Spezialgebiete der Architektur und des Kunstgewerbes. So ist auch dort eine würdige Stätte für jüdische Volkskunde erstanden. Am glänzendsten gestalteten sich die Sammlungen in Wien unter sachkundiger Begründung und zielbewußter Leitung des Br. Stiaßny, wo ein vollständiges Museum jüdischer Altertümer und Kunstgegenstände in wenigen Jahren eingerichtet ist. Sind auch die deutschen Logen nicht dabei beteiligt, so find es doch unsere Brüder in gleicher Gesinnung und gleichen Zielen, die aus dem Geist des Ordens heraus das herrliche Werk geschaffen." Anfangs 1903 geht man daran, die vorhandenen Dokumente, Privilegien, Urkunden und andere schriftliche Denkmäler zu sammeln. „Gezwungen, den schweren Kampf mit der Gegenwart zu führen," heißt es in der Begründung. „besorgt um seine unsichere Zukunft hat der Jude immer mehr das Interesse für die Vergangenheit und ihre Denkmäler verloren. Was nützte es viel, von Königen und Fürsten erteilte Privilegien aufzubewahren, wenn die erkauften und verbrieften Rechte durch einen neuen Federstrich so leicht wieder aufgehoben werden konnten und man den ungläubigen Juden gegenüber sich auch moralisch nicht für verpflichtet hielt, das zu halten, was man ihnen durch Brief und Siegel versichert hatte. Als die Juden in der Neuzeit wieder frei geworden und sich auch zu besseren Positionen emporgearbeitet hatten, war ein Ahnenstolz bei ihnen nicht zu finden, an die unerquickliche Vergangenheit wollte man nicht erinnert werden und gern ließ man den Vorhang fallen und sich immer mehr verdichten, der die häßliche Vergangenheit von der bester erhofften Zukunft schied. Die durch die Umgebung jahrhundertelang den Juden suggerierte Nichtachtung ihres Stammes hat sich in der Tat den Juden selbst eingeimpft und bei ihnen das Interesse für die inneren eigenen Verhältniffe, für ihr spezifisches Selbst ertötet. So ist es gekommen, daß die Juden nichts von dem aufbewahrt haben, was an schriftlichen Dokumenten ihres aktiven und passiven Seins im Lause der Zeiten entstanden ist. Dieses den Juden augenblicklich noch fehlende Bewußtsein der Verantwortung für die Rettung und Sammlung alles besten zu wecken, was trotz der Ungunst der Verhältniffe an spärlichen Ueberresten von schriftlichen Dokumenten aus älterer Zeit sich noch auffinden läßt und besonders für die sachgemäße Aufbewahrung desjenigen, was die Verwaltung von Gemeinden, einzelnen Verbänden, Korporationen, Stiftungen und Gesellschaften an wichtigen schriftlichen Aufzeichnungen hervorgebracht, mit anderen Worten die Begründung eines allgemeinen Archivs der deutschen Juden herbeizuführen, ist eine Aufgabe, die den hohen Zielen der Bnei Briß-Logen entspricht, und die Großloge sollte diese würdige Aufgabe ins Werk setzen." Schon am 22. Jänner 1905 wurde bekannt, daß die Berliner jüdische Gemeinde auf Anregung der Großloge, die Angelegenheit bestens unterstützen wolle und eine Archiv- Kommission sich gebildet habe, die auch mit Erfolg arbeitet. Ein umfangreiches und glänzendes Kapitel bildet der Bericht über die sozialen Leistungen der Großloge. U. a. wurde zur Bekämpfung des Mädchenhandels ein Komitee eingesetzt. Die Geschäftsstelle wurde nach Hamburg verlegt, Gustav Tuch die Leitung übertragen. Das Komitee hat vor allen Dingen sich über den Umfang des Mädchenhandels, die Agenten, die Schleichwege, welche die Händler begehen, die Mittel, mit denen sie operieren, zu informieren gesucht und ein großes Tatsachenmaterial zu Tage gefördert. Unter anderem hat Tuch ein vollständiges, zusammenhängendes, aus Polizei-Quellen bearbeitetes Werk „Rio und Buenos-Aires", wohin die meisten Mädchen gebracht werden, über die dortigen öffentlichen Häuser und Agenten kommen lasten, ins Deutsche übertragen und den mit der Sache sich beschäftigenden Vereinen übermittelt. Sodann wurde eine zweckmäßige Organisation eingeleitet, Tuch setzte sich mit dem jüdischen englischen Komitee, das zu gleichem Zwecke sich schon früher gebildet hatte, in Verbindung. Der englischen Jewish Assoziation ist das Verdienst beizumeffen, auf die Einsetzung des Londoner Komitees eingewirkt und die Einberufung des ersten Londoner Kongresses mit veranlaßt zu haben. . Es wurden in mehreren Städten, namentlich Hafenstädten, z. B. in Bremen, Komitees eingesetzt, die Frauenvereine mobil gemacht. Die Allemannia-Loge stellte sich zuerst zur Verfügung. Später ist die Leffing-Loge hinzugetreten. Bon der größten Wichtigkeit war es, daß die Loge in Krakau ein Komitee zur Bekämpfung eingesetzt hat. Gerade ein galizisches Komitee sollte großen Vorteil bringen, Galizien ist das Zentrum der Händler, von dort geht der größte Export. Als erste notwendige Tat erachtete das Komitee die Belehrung der galizischen Bevölkerung, und die Verbreitung einer in hebräischer Schrift abgefaßten Aufklärung und Warnung war ein unerläßlicher Schritt. Der Aufruf, in dem die Sachlage ungeschminkt dargestellt ist, das Verbrecherische der Händler, das grenzenlose Elend, das körperliche und geistige Siechtum, in das die verschleppten Mädchen geraten, lebhaft geschildert wird, trug die Unterschrift namhafter Rabbiner von Deutschland, Paris, Holland und Lemberg, wendet sich an die Rabbiner und Vorstände der galizischen Gemeinde mit der Bitte, diesen Auftuf in den Synagogen anschlagen zu lasten. Die Krakauer Loge versandte 500 Exemplare, nachdem sie auch ihrerseits ein eindrucksvolles Sendschreiben hinzugefügt hatte. Inzwischen gelangte die Bekämpfung des Mädchenhandels in das breite Fahrwaster der öffentlichen Meinung Europas. Die Londoner National Vigilance Astociation, die schon mehrere Jahre zuvor eine rastlose Wirksamkeit zum Schutze auswandernder Frauen und Mädchen betrieb (in einem Jahre wurden 364unbeschützte Mädchen angetroffen), erkannte sehr richtig, daß eine wirksame Verfolgung der Händler und Rettung verkaufter Mädchen nur mit internationalen Mitteln sich erreichen läßt. Das hatte zur Folge, daß ein Abgesandter des Londoner Vereines, Mr. Coote, im Frühjahr 1899 nach Paris, Berlin und Petersburg reiste und die maßgebenden Kreise auf diese traurigen Zustände aufmerksam machte. Dieser Appell fand einen lebhaften Widerhall. Es bildeten sich in diesen, und anderen Ländern nationale Komitees zur Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels und ein Kongreß wurde nach London für den 21. Juni 1899 einberufen. Auch das Komitee der Großloge wurde dazu mit gleicher Berechtigung eingeladen, und Tuch nebst zwei Begleitern reiste

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