Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-26 · 17 (26.4.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021728--16336-3041150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 17 Dr. Llocv's MocvenscvrlN. Seite 287 London. Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar an der berühmten Bodley-Bibliothek in Oxford, ein gebürtiger Ungar, ein naher Verwandter des Kurialrichters Dr. Ignaz Neubauer, ist vor einigen Tagen in London, 76 Jahre alt, gestorben. Er wurde in Nagybittse, Komitat Trencsin, geboren, hatte eifrige Talmudstudien getrieben und große Reisen unternommen, die er hauptsächlich zum Studium der Bibliotheken verwendete. Das Ergebnis dieser Reisen war zunächst ein Werk über die Geographie des Talmud. Nebst dem unlängst verstorbenen Dr. Steinschneider war er der größte Kenner hebräischer Manuskripte und hat für mehrere Bibliotheken, darunter auch für die Bodley'sche, einen Katalog dieser Manuskripte angefertigt. An dem letzteren Katalog, der sich als Monumentalwerk präsentiert, hat er 20 Jahre lang gearbeitet; derselbe enthält die eingehende Beschreibung von mehr als 2500 Manuskripten. Seit 1873 stand er in Diensten der genannten Bibliothek, eine der berühmtesten der Welt, für die er zahlreiche literarische Schätze zu erwerben wußte. Unter seinen Erwerbungen befindet sich unter Anderem das hebräische Original des Buches Sirach. Er hat eine lange Reihe hervorragender bibliographischer Werke verfaßt unter dem Titel „Les rabbins franQais“, welches die französische Akademie unter dem Namen Ernst Renan herausgab, weil sie statutengemäß nur Werke ihrer eigenen Mitglieder veröffentlicht. Etwa 20 Jahre lang hielt er auch Vorträge an der Oxforder Universität über die rabbinische Literatur. Er war Mitglied zahlreicher Gel>hrtengesellschasten, unter Anderem auch der ^.eaäemis äs8 Insorlxtions st Isttrss. Das geschwächte Augenlicht zwang ihn, in den Ruhestand zu treten: seine letzten Lebensjahre verbrachte er in London, wo er Samstag gestorben ist und Montag unter großer Teilnahme der Gelehrtenwelt sein Leichenbegängnis stattfand. Vermischtes. Verein zur Hebung der Gewerbe iu Wien. Am Samstag den 27. April d. I. um '^8 Uhr abends findet in Kuhner's Restaurant, I., Adlergasse 6, die XVII. ordentliche General-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Jahres-Bericht des Vorstandes. 2. Kassabericht. 3. Wahl des Präsidenten. 4. Wahl von 12 Vorstandsmitgliedern. 5. Wahl des Schiedsgerichtes. 6. Wahl von 2 Revisoren. 7. Aenderung der Statuten. 8. Anträge und Interpellationen. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 2. Mai l. I. um 5 Uhr nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräuleins Erna Lemberger, Tochter des kaiserl. Rates Herrn Paul Lemberger, mit Herrn Richard G o m b r i ch statt. Wien. Am 27. d. M. begeht Herr David Horwitz in voller Körper- und Geistesfrische sein achtzigstes Wiegenfest. Als Sohn des verewigten Talmudgelehrten und Oberrabbiners der Stadt Wien Herrn Lazar Horwitz s. A. genoß derselbe eine vorzügliche Erziehung und eignete sich frühzeitig nebst talmudischem Wissen eine bedeutende humanistische Bildung an, welche Kenntnisse er in ausgezeichneter Weise zu werten und zu nutzen verstand und noch versteht. In jungen Jahren nach Brody, dem damaligen galizischen Athen, kommend, wo er in eine Patrizierfamilie hineinheiratete, verstand es dieser sympathische Mann, die Herzen seiner Mitbewohner im Fluge zu erobern. Alle Ehrenämter, die die Stadt zu vergeben hatte, wurden ihm mit Begeisterung übertragen und er entledigte sich seiner Aufgaben stets mit wunderbarem Geschick und Verständnis. Nur ungern sahen ihn die dortigen Bewohner, die in ihm ihr Muster- und Vorbild erblickten, die Stadt verlassen, und bis auf den heutigen Tag wird seines ersprießlichen Wirkens im Interesse der Allgemeinheit lobend und anerkennend gedacht. Seit etwa vier Dezennien weilt Herr Horwitz in unseren Mauern, und wer Gelegenheit hat, diesem biederen Manne mit dem jovialen, von Bonhommie leuchtenden Gesichte näherzutreten, wird ob der Versatilität und Elastizität seines Geistes und der Liebenswürdigkeit seines Wesens in gleicher Weise erstaunt und entzückt sein. Wien. (Goldene Hochzeit.) Herr Hermann Schnürmacher und seine Gattin Franziska begingen am 20. d. M. das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaffe fand vormittags im israelitischen Tempel, II., Tempelgasse während des Gottesdienstes eine Feier statt, zu der in Vertretung des Bürgermeisters Gemeinderat Klebinder in Begleitung des Magistratsrates Asperger erschien, ferner Gemeinderat Seiler und die Bezirksräte Heß, Pöchhacker und Brill. Nach einer Einleitung der Feier durch Herrn Rabbiner Dr. S ch m i e d l, welcher eine herzliche Ansprache hielt, wurde das Jubelpaar vom Gemeinderate Klebinder namens der Stadt beglückwünscht und nahm das übliche Ehrengeschenk der Gemeinde entgegen. Bezirksrat Heß überbrachte dem greisen Ehepaar die Gratulation des Bezirksvorstehers und der Bezirksvertretung. Wien. (Promotion.) Freitag den 26. d. M., 12 Uhr mittags, wird an der Wiener Universität Herr Tony Lieben, Sohn des Herrn kais. Rates Dr. Theodor Lieben, zum Doktor der Medizin promoviert. Hilfsaktion für Rumänien. Der „Israelitischen Allianz" ist nunmehr eine vollständige Liste der durch die Exzesse geschädigten Orte unter Angabe der Höhe des Schadens zugegangen. Die Schätzungen wurden von den in Rumänien eingesetzten Komitees vorgenommen und von Vertrauensmännern geprüft. Darnach beträgt mit Ausschluß der mehrere Millionen betragenden Verluste der reichen jüdischen Pächter, welche naturgemäß bei der Hilfsaktion keine Berücksichtigung finden, der Schaden, den 3040 Familien an 26 Orten durch Verwüstung ihrer Wohnorte und Geschäfte erlitten haben, insgesamt 3,903.159 Francs. Verwundet wurden 45 Personen. Die meist geschädigten Orte find Alexandria, Bacesti, Botoschani, Bucecea, Burdujeni, Dorohoi, Jvesti, Negresti, Podul Jloici, Poungesti und Vaslui. Die Wiener „Israelitische Allianz" wird auf Grund der genauen Listen unter Berücksichtigung des Familienstandes und der Erwerbsverhältniffe der einzelnen Geschädigten im Einvernehmen mit den anderen Organisationen nach Maßgabe der verfügbaren Mittel über den Umfang und die Art der zu gewährenden Hilfe Beschluß faffen. Spendeneingänge. Bei der „Israelitischen Allianz zu Wien" find bis zum 23. d. M. insgesamt zirka K 122.000 eingelausen, darunter an größeren Spenden: Viktor v. Ephrussi K 400.—, Adolf Wechsler 300.—, Kurt v. Redlich 300.—, I. Eißler & Brüder 200.—, Frau v. Redlich 200.—, Kommerzialrat Wilhelm Hirsch 200.—, Josef I. Leinkauf 200.— u. v. a. Bon auswärtigen Gemeinden find an größeren Sammlungen eingelaufen: Teplitz X 3342.30, Humanitätsverein B. B. Bohemia, Prag 2000.—, Essegg durch Herrn Dr. Hugo Spitzer 1699.—, darunter isr. Essegg-Oberstadt 200.—, Effegg-Unterstadt 109.—, Beamten der Firma S. H. Guttmann in Belisce 110.—, Isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein OHerstadt 100.—, Sorger, Weiszmayer & Co. 100.—, „Union", Dampfmühlen-A.-G. 100.—, Sandekoes-Berein, Dr. Hugo Spitzer, Handels- und Gewerbebank, Erste Effegger Walzmühle. I. N. Schulhof, Otto Fellner je 50.— u. a. Olmütz durch Herrn A. Baumgarten 1340.—, K o m o t a u durch Herrn Rabbiner Dr. Emil Krakauer 792.—, Nikolsburg 750.—, Trebitsch 375.27, Linz durch Herrn Rabbiner M. Friedmann 306.—, darunter Brüder Albert und Max Tandler 20.—, Adolf Fürst 50.—, Frauenverein Linz-Urfahr 50.—, Sigmund Kafka 20.— u. a. Weitere Spenden werden erbeten und einzeln

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.