Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Heile 286 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Nr. 17 versehener Brief zu. In diesem Schreiben geben die in Wien lebenden, gebürtigen Kolomeaer Juden bet Erwartung Ausdruck, daß Herr F u nk e nst e i n die Kandidatur Zipsers nachdrücklich unterstützen werde. Mit großer Warme ist das öffentliche Wirken des Dr. Josef Z i P s e r in diesem Schreiben hervorgehoben; »jeder Kolomeaer", heißt es weiter, »wird Freude empfinden, wenn es gelingt, diesen tüchtigen und fähigen Mann Lus Parlament zu bringen!" — Die Chancen des Dr. Josef Z i p s e r find recht gute. Er weilt gegenwärtig in seinem Wahlbezirke und wird Samstag den 27. d. M. seine große Wähler- Versammlung abhalten. Die »Demokratische Partei" unterstützt kräftig diese sympathische Kandidatur. Zur Rabbinerwahl in Budapest. Die Besetzung der Rabbinerstelle im Rombachgasse-Tempel will die Geister auch jetzt noch nicht zur Ruhe kommen laffen, da der Altofener Rabbiner Elias Adler nach dem viel kommentierten Rücktritt der anderen drei Bewerber als alleiniger Kandidat der Generalversammlung vorgeschlagen werden soll. Die endgiltige Lösung der Rabbinerfrage wird ganz besonders dadurch erschwert, daß das theologische Wissen und überhaupt die Bildung des genannten Favoriten einer schon seit Jahren mchr als rührigen Koterie als sehr tief stehend befunden werden. Beweise hiefür hatte schon vor Wochen eine Kritik von Adlers Abhandlung über die Kabbala geliefert, welche wohl ganz verblüffende Unwissenheiten des gelehrt sein wollenden Rabbiners aufzeigte, dennoch aber nicht die erhoffte Wirkung erzielte. Nun aber ist dieser Tage eine Flugschrift zu demselben Zwecke erschienen unter dem ironischen Titel: »Der prädestinierte Rabbiuerkandidat der Pester Gemeinde als Kabbala-Forscher." Der Berfaffer nennt sich Juda Makkabi und es find in der Tat Hammerschläge, welche ganz erbarmungslos auf die sehr zweifelhafte Gelchrsamkeit Adlers uiederfahren. Der Flugschrift geht ein widmungartiges Schreiben an das Pester Rabbiner-Kollegium, voran, in welchem dessen Mitglieder ermahnt weü>en, fich mit Entschloffenheit und Mut dagegen zu wehren, fdaß ein völlig unberufener Mann fich in ihre Mitte dränge. Hierauf wird auf das verdächtig mysteriöse Dunkel hingewiesen, welches die Adlerische Kabbalaschrist seit ihrem Erscheinen umgibt, da hinlänglich gesorgt dafür war,^ daß dieselbe kein einziger Fachmann zu Gesicht bekomme und mit ihrer Beschenknng nur während der Wahlbewegung die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz bedacht wurden. Dem Buchhandel wurde fie bis heute noch nicht anvertraut. Eine Musterkarte von groben Schnitzern im Deutsch des religionsphilosophierenden Rabbiners und der unrichtige Gebrauch von lateinischen und griechischen Fremdwörtern — wie: des Radix, der Tetragrammaton (konstant) — bilden den Inhalt eines weitern Kapitels. Und nun folgt die Angabe der Quellen, die Herr Adler weidlich ausgeschöpst hat. Es find dies: I. Franck-Jellinek, Die Kabbala oder die Religionsphilosophie der Hebräer. Leipzig 1844, 294 S. 2. Dr. I. Spiegler, Geschichte der Philosophie der Hebräer (ungarisch), Budapest 1893. II. Auflage, 160 S. 3. Derselbe, Geschichte der Philosophie des Judentums, Leipzig 1890. XIII. und 369. Adler erwähnt wohl diese Quellen, aber nur so beiläufig und nebenher, während er auf jeder Seite seiner Schrift hiezu Gelegenheit gehabt hätte. Dann aber hätte das ganze Opus zwischen Gänsefüßchen gesetzt werden müssen, wie die Flugschrift im letzten Kapitel — betitelt »Elias Adler als literarischer Dieb" — aus den Abschnitten über das Sefer Jezirah und den Sohar (es find deren 11 an der Zahl) schlagend nachweist. Mit einem Appell an sämtliche Rabbiner Ungarns, die literarische Gewissenlosigkeit eines ihrer Kollegen nicht ungeahnt zu laffen, schließt die kurz und bündig gehaltene Flugschrift, welche, wenn die Mitteilungen richtig find, unmöglich verfehlen kann einen mächtigen Eindruck hervorzurufen. Dover-EmeS. Aus der territorialistischen Bewegung. Paris. Eine zahlreich besuchte Versammlung des Volksvereines »Jto" hat in Paris am 7. April unter dem Vorsitz des Pariser Richters Mr. Kahn stattgefunden. Das Referat über die Ziele und Aufgaben der „Jto" erstattete Professor Slousch. Baku (Kaukasus). Auf der Jahresversammlung des »Jto"-Vereines in Baku, welche massenhaft besucht war, wurde dem Präsidenten der ,,Jto"-Bewegung Mr. Zwangwill das Vertrauen ausgedrückt und auf telegraphischem Wege übermittelt mit den besten Wünschen für seine Gesundheit, damit er sie zur Realisierung ihrer heiligen Ziele führe. Das Telegramm war gezeichnet von den Herren Ing. Tropp und Dr. Georgenburger. Paris. Die neu gegründete Ortsgruppe der „Jto"- Sektion, Osutrals äs Paris, hat am 9. April eine Massenversammlung abgehalten, in welcher die Herren M. Eben und Dr. Slousch Referate über die „Jto" erstatteten. Den Vorsitz führte der Präsident der Pariser „Jto" Mr. Kahn. In einem Briefe, welchen Dr. Nordau an den Ehrensekretär Mr. Scherle gerichtet hat, drückte er sein Bedauern darüber aus, daß es ihm leider nicht möglich sei, der Versammlung beizuwohnen und zwar wegen Halsschmerzen, die er fich auf einer vorherigen Versammlung geholt hat; er wünscht aber dem Unternehmen, welches den ewig wandernden Juden rasche Hilfe bringen will, den vielverdienten Erfolg. In der Versammlung wurde einstimmig ein Vertrauensvotum für Zwangwill und seine Mitarbeiter sowie für die Mitglieder der geographischen Kommission der „Jto" beschlossen. Leeds. In der Herzl-Jto-Hall fand eine größere literarische Veranstaltung zu Ehren und zu Gunsten des leider noch immer schwer kranken und in äußerst dürftigen Vermögensverhältnisfen fich befindenden jüdischen Dichters Morris Rosenfeld statt. Es wäre herzlich zu wünschen, daß dem teilweise gelähmten und halberblindeten Dichter Gaben zuflößen, damit wenigstens die drückendste Sorge von ihm genommen würde. Aus Johannisburg wird gemeldet, daß Max L a n g e r m a n n, der Präsident der Israelitischen Gemeinden von Transvaal, ins Oberhaus berufen wurdet Langermann ist Mitglied des großen Rates der Jto und seit Jahren neben seiner umfangreichen politischen Tätigkeit, die jetzt durch den König von England so glänzende Anerkennung gefunden hat, ein warmherziger Förderer aller jüdischen Angelegenheiten Transvaals. Sofia. Die Territorialisten Bulgariens haben die Rede Israel Zangwills über das neue Emigrations Departement der Jto als separate Broschüre in spaniolischer Sprache herausgegeben. B. London. Uns wird geschrieben: Bei der Jahreskonferenz der Zionisten von Texas wurde eine Unterstützung der territorialistischen Bestrebungen angeregt und lebhaft diskutiert. Es wurde empfohlen, das Programm in dem Sinne zu modifizieren, daß es einschließen solle die Zentralisation der Emigration und die Schaffung eines autonomen Zentrums, aus den zwei Erwägungen heraus, daß zunächst die Gesamtlebenslage des jüdischen Volkes dadurch gehoben würde und daß das Endresultat, die Heimstätte in Palästina, dadurch gefördert werden würde. Der Antrag wurde mit einer kleinen Majorität abgelehnt. Es würde aber eine Resolution angenommen, nach welcher die Ansiedlung jüdischer Farmer in Texas mit Freuden begrüßt wird. S. London. Die letzte Sitzung der Anglo Jewih Association lehnte einen Antrag des Odeffaer Komitees zur Unterstützung ackerbautreibender palästinenscher Juden ab, den für den Vorsitzenden des Odeffaer Komitees, Ingenieur Ussischkin, der Chief-Rabbi Dr. Gaster lebhaft befürwortete und der zum Ziel hatte, die Einwanderung von Juden nach Egypten zu unterstützen. Die I. A. habe, wie der Vorsitzende Mr. A. Monteftore ausführte, für diese Zwecke keine Fonds zur Verfügung. In russisch-orthodoxen Kreisen soll übrigens diesen Bestrebungen gegenüber heftige Opposition bestehen, da ein biblisches Verbot die Rückkehr nach Egypten verbiete. S,