Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Blocb’s Moebenscvrin. Seite 385 schon immer auf das gröblichste verletzte. Sein Schmutz war längst auf der ganzen Nordwestbahn sprichwörtlich geworden — nicht nur der moralische, auch der Physische —. Alle in den Bereich seiner Abhängigkeit Geratenen wurden auf die unglaublichste Art ausgesogen.Das hinderte den Ehrenmann niemals, die Juden einem vernichtenden Urteil zu unterziehen. Diese sonderbare Persönlichkeit, die sich von einem ehemaligen Kellner — ohne jedes Genie — bis zum Vorstand der Materialabteilung „hinaufgearbeitet" hatte, verdient jedenfalls in der Galerie der christlichsozialen Größen einen Ehrenplatz! Hoffen wir, daß die rettende Tat dieses edlen Verblichenen — dem schon zu Zeiten seiner Aktivität jeder anständige Kollege im weiten Bogen ausgewichen war — wenigstens den künftigen Wohltätern jüdischer Konfession eine Lehre sein werde. Glücklicherweise hinterläßt er nur lachende Erben. — — F. Aus dem Gerichtssaal. Vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt fand dieser Tage eine Ehrenbeleidigungsklage ihre Erledigung. Es war die erste Verhandlung, die als Folge der Wahlbewegung entstand. In einer Wählerversammlung der Zionisten im „Hotel Central", von welcher später zionistische Zeitungsberichte zu melden wußten, daß sie von 1400 Wählern besucht war, äußerte sich Herr Isidor G r o b t u ch zu einem Bekannten, daß in dieser „Wählerversammlung" wohl kaum 40 Wähler, dagegen lauter junge Leute anwesend find. Wegen dieser Konstatierung beschimpfte das Mitglied der „P o al e Zion", Rechtspraktikant Karl Hahn, Herrn Grobtuch in einer Weise, für die nur Unbesonnenheit und Fanatismus als Milderungsgrund gelten können. Der Beklagte erklärte, sich an eines der inkriminierten Schimpfworte nicht erinnern zu können. Die übrigen Worte habe er allerdings gebraucht, aber damit nur die politische Haltung des Klägers kritisieren wollen, denn es liege ihm ferne, deffen Person nahezutreten. Da der Kläger als guter Zionist sich im Wahlkampfe der Partei des Dr. Josef Bloch angeschlossen habe, während die Zionisten einen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, erblickte er in der Unterstützung des Doktor Bloch, der seinerzeit den Zionismus bekämpfte, einen Verrat an der Partei. Duch die im „Hotel Central" laut gesprochenen Worte über die zionistische Wählerversammlung habe der Kläger ihn provoziert. Der Kläger, Herr G r o b t u ch, gibt dem Richter zunächst einige Aufklärungen über die politische Haltung der Zionisten. Er war gewiß als Zionist berechtigt, den Dr. Bloch als jüdisch-nationalen Kandidaten zu betrachten, denn der zionistische Kandidat entspreche dieser Voraussetzung in keiner Weise. Er beruft sich übrigens auf ein hochverdientes Mitglied des A. C., der höchsten zionistischen Instanz, auf Herrn Dr. Leopold Kahn, der sich gleichfalls gegen diese zionistische Kandidatur wandte. Seine Bemerkung im „Hotel Central" war den Tatsachen vollkommen entsprechend, denn es waren bestimmt keine 40 Wähler dabei. Der Richter meint: „Nach meinen Informationen über die zionistische Partei halte ich dies für leicht möglich, denn es begeistern sich naturgemäß junge Leute für den Zionismus." Den eifrigen Bemühungen des Richters gelingt es endlich, einen Ausgleich herbeizuführen. Herr Karl Hahn leistete de- und wehmütige Abbitte (juridisch heißt das Ding „Ehrenerklärung") und entrichtete gemäß dem Wunsche des Herrn Grobtuch 15 Kronen an den jüdischen Nationalfond. Aus dem Wahlkreise Nikolsburg—Lundeuburg— Göding. Unser Kandidat Herr Gustav K o h n setzt die Bereisung des Wahlkreises fort und man möchte fast das Ergebnis als einen Triumphzug des Mandatswerbers bezeichnen. Ueberall fesielt die Beredtsamkeit des Wahlwerbers die Zuhörer, überall wecken seine überzeugenden. von der Kraft der Wahrheit durchdrungenen, Fortschritt, Freiheit und Gleichheit verkündenden Worte die Zögernden und Zweifelnden aus ihrer Untätigkeit und Hoffnungslosigkeit, daß sie sich freudig und kampfesmutig anschließen dem Vertreter des wahren und echten Judentums, das in derNäch st enliebe und der Anerkennung der Menschenwürde sei n en Au s d ruck fi nd et. Am 7. April l. I. hielt Herr Gustav Kohn in Kanitz eine Wählerversammlung ab, der auch viele unserer Glaubensgenossen beiwohnten. Am 13. April sprach er in Auspitz vor einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung; unter den Anwesenden sind hervorzuheben Herr Bürgermeister Schleimayer, Herr Kultusvorsteher Beris ch, Herr Rabbiner Dr. B ö ck, Herr Oberkantor Kreisky, Herr med. Dr. Rieß und viele andere. Sämtliche Zuhörer zollten den lichtvollen Ausführungen des Redners stürmischen Beifall; sogar in das herz des Apostaten Herrn Gerichtssekretär Dr. B r ü g e l drangen die warm empfundenen Worte des Wahlwerbers. Den Glanzpunkt der bisherigen Versammlungen aber bildete die am 20. Slpril l. I. in Lundeuburg adgehaltene Versammlung. Der große Saal des Gasthofes „zur Krone" war buchstäblich überfüllt. Mann an Mann gedrängt, saßen und standen der schlichte Arbeiter neben dem Beamten, dem Kleingewerbetreibenden und Fabrikanten, der strenggläubige Jude neben dem Deutschnationalen, kurz Angehörige aller Stände und Parteirichtungen lauschten in atemloser Stille, die nur zeitweilig von wahren Beifallsstürmen unterbrochen wurde, den Ausführungen des Wahlwerbers, der in nahezu dreistündiger Rede sein Programm» das Programm der Menschlichkeit, des Fortschrittes und der Aufklärung, entwickelte. Der. Beifall steigerte sich zum Jubel, als der Kandidat gegen Schluß seiner Rede, nach Besprechung der Ausgleichsfrage sich unmittelbar andiejüdischen Wähler wendete und sie vor dem „kurzfristige« Ausgleiche" warnte, den die Wahlwerber anderer ParteienwährenddesWahlkampfes mitihnen schließen, um sie sofort nach der Wahl wieder mitFußtritten zu regalieren und anzufeinden; deshalb, sagte Redner, sei es Pflicht der Juden, ihre Stimme ihm als Juden und als Angehörigen jener Partei zu geben, die tatsächlich für die volle Gleichberechtigung der Konfessionen und Nationen eintrete. Möge der Beifallssturm, der diese mannhaften, in Gegenwart zahlreicher Andersgläubiger ausgesprochenen Worte lohnte, i n d i e Ohren allerjüdischenWählerunseresWahlk reifes schallen und es den Schwächlichen und Indifferenten, den Furchtsamen wie den Kriechenden klar mach en, w as am 14. Mai 1907 zu tun ihre Pflicht ist! Nach Schluß des Referates interpellierte der getaufte Jude Herr Dr. Markus den Wahlwerber, wobei er auch eine Lanze für den getauften Juden Herrn Dr. Redlich brach. Trotz seiner fast dreistündigen Rede erwiderte Herr Kohn unter immer erneutem Beifalle in so glänzender Weise, daß der Interpellant selbst nicht nur sich vollkommen befriedigt erklärte, sondern auch dem Redner für die ihm in manchen Punkten gewordene schätzenswerte Aufklärung dankte. Am 28. April l. I. wird Herr Kohn. wie wir vernehmen, Nachmittags i« Kostel und Abends in Göding sprechen und wünschen wir ihm allerorts vom Herzen denselben glänzenden Erfolg. Wir Inden des 5. mährischen Wahlkreises wünschen uns aber im kommenden Parlamente keinen anderen Vertreter als eben Herrn Gustav Kohn Soeben teilt man uns mit, daß in Kostel (ll) angeblich „Juden" für Redlich und gegen Kohn agitieren. Wir schenken diesem Gerüchte selbstverständlich keinen Glauben, verzeichnen es aber dennoch, um zu zeigen, welche Unmöglichkeiten im Wahlrummel behauptet werden; vielleicht erhalten wir noch die Nachricht, daß die Juden korporativ für den christlichsozialen Wahlwerber eintreten. 1 . . r . . . . Wien Hier hat sich aus der Mitte der in Wien lebenden, gebürtigen Kolomeaer ein Komitee zur Förderung der Kandidatur des Dr. Josef Zipfer in Kolomea gebildet. In einer vor kurzem stattgehabten Sitzung des Komitees wurde der einhellige Beschluß gefaßt, mit allen Mitteln für den Kandidaten einzutreten und eine rege Agitation einzuleiten. Vorerst wurde der Bürgermeister von Kolomea, Herr Funkenstein, auf telegraphischem Wege von der Bildung des Komitees in Kenntnis gefetzt; ferner ging ihm ein mit vielen Unterschriften