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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-26 · 17 (26.4.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 284 Dr. Llocvs MocbenscvrM. Nr. 17 Das Chreujahr des Hofrates Prof. Dr. Politzer. Eiu Komitee, bestehend aus Schülern und Verehrern des Herrn Hofrat Dr. Politzer, versendet den folgenden Aufruf: Mit Schluß des Sommersemesters 1907 tritt Herr Hofrat Professor Dr. Adam Politzer nach Erreichung der durch die österreichischen Gesetze bestimmten Altersgrenze von der Leitung der k. k. Universitätsklinik für Ohrenkranke in Wien und nach 46jähriger ruhmreicher akademischer Tätigkeit vom Lehramte zurück. Angesichts des weltumfassenden Rufes Politzers und der allgemeinen Verehrung, die er ganz besonders im Kreise seiner Schüler und engeren Fachgenofscn genießt, ist es überflüssig, hier auf seine Bedeutung für die Ohrenheilkunde und die Gesamtmedizin hinzuweisen. Die Gefertigten glauben daher, dem Wunsche der zahlreichen Schüler und Freunde Prof. Politzers zu entsprechen, wenn sie den Zeitpunkt, an welchem der gefeierte Meister die Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit verläßt, für geeignet erachten, den Gefühlen der Verehrung und Dankbarkeit ihm gegenüber Ausdruck zu verleihen. In voller Uebereinstimmung hatte das gefertigte Komitee ursprünglich für diesen Tag eine solenne Feier beschlossen, an welcher die in- und ausländischen Kollegen und Abordnungen der otologischen Gesellschaften zur Teilnahme eingeladen werden sollten. Prof. Politzer, der davon Kenntnis erhalten, hat jedoch, mtt Rücksicht auf mehrere in der letzten Zeit in seiner engeren Familie vorgekommene Todesfälle, dringend gebeten, von dieser geplanten Feier abzuseheu. Es wurde daher beschlossen, eine von Meister T e l c s entworfene Plaquette prägen zu lassen, die das Porträt Politzers tragen und allen an dieser Kundgebung Teil-- nehmenden zur bleibenden Erinnerung an seine Person und an den denkwürdigen Tag dienen, dem Gefeierten selbst aber, in Goü) ausgeführt, am Tage seines Abschiedes vom Lokalkomitee überreicht werden soll. Zugleich mit der Plaquette wird dem Meister eine Adresse überreicht werden, die die Namen aller derjenigen euchalten soll, welche sich an dieser Kundgebung beteiligen werden. Wir laden demnach sämtliche Kollegen ein, insbesondere die gewesenen Schüler Politzers und die Vertreter des otologischen Faches, ebenso aber auch alle, die dem berühmten Wiener Gelehrten Interesse entgegenbringen, ihre Anmeldungen zum Bezüge einer Plaquette an den Schatzmeister des gefertigte« Komttees einzusenden. Gleichzeitig mit der Anmeldung, welche den deutlich geschriebenen Namen, die Titel und die genaue Adresse enthalten muß, wird gebeten, den Betrag von K 24 (M. 20, Frcs. 24) für eine silberne, oder von K 12 (M. 10, Fes. 12) für eine Bronzeplaquette an den Schatzmeister Herrn Dr. D. Kaufmann in Wien, VI., Mariahilferstraße 37 einzusenden. Aus dem Ueberschuß der Beträge, der nach Deckung der Herstellungskosten verbleiben dürste, soll ein Fonds gebildet weÄen, der Herrn Hoftat Politzer zur Errichtung einer Süftung zur Verfügung gestellt werden soll. Wir bitten, die Anmeldungen sobald als möglich, längstens aber bis zum 15. Mai 1907 einzusenden, und zwar nur an die angegebene Adresse. Für d as Komitee : Prof. Dr. Josef Pollak-Wien. Doz. Dr. Hugo Frey-Wien. Doz. Dr. G. Alexander-Wien. Dr. D. Kaufmann-Wien, VI., Mariahilferstraße 37. Prof. Dr. Böke-Budapest, Prof. Dr. Demetriadis-Athen, Prof. Dr. G r a d e n i g o-Tuxin, Dr. C. L a g e r l ö f-Stockholm, Geheimrat Prof. Dr. A. L u c a e-Berlin, Prof. Dr. Urban Pritchard-London, Prof. Dr. Schmiegelow-Kopenhagen, Dr. Stanculeanu-Bukarest, Dr. Segura-BuenosAires, Prof. Dr. D e l s e a u x-Brüffel, Prof. R. F o r n s-Madrid, Prof. Dr. H. K n a p P-New-Aork, Dr. M. L e r m o y e z-Paris, Prof. Dr. Okada-Tokio, Prof. Dr. Rohrer-Zürich, Prim. Dr. Schraga-Belgrad, Prof. Dr. St. v. Stein-Moskau, Prof. Dr. Zwaardemaker-Utrecht. Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. Der Verein „Ferienheim", eine der größten und eifrigsten unter den Organisationen, die sich der Aufgabe widmen, arme Kinder die hygienischen und pädagogischen Vorteile eines gesunden Ferienaufenthaltes genießen zu lassen, versendet soeben den Bericht über seine Tätigkeit im Vereinsjahre 1906. Der Verein hat im abgelaufenen Jahre 562 arme, kranke Kinder in seine Kolonien ausgenommen, teilweise auch in Heilstätten untergebracht und mit Genugtuung konstatieren können, daß bei allen Kindern günstige, sanitäre Resultate erzielt wurden. In den 15 Jahren der Vereinstätigkeit haben 6117 Kinder die Wohltat des Landaufenthaltes genossen und der Verein hat hiefür nahezu eine halbe Million Kronen aufgewendet. Er hat seine Hauptkolonie in Tischnowitz (Mähren) in dem sein Eigentum bildenden Schlosse und Parke; ferner sind Kolonien in Darkau. Bad Hall, Petrau und Austerlitz eingerichtet; überdies wurden Kinder in Baden bei Wien und in Roznau untergebracht. An den Verein waren 1200 Gesuche um Aufnahme von Kindern in die Kolonien gelangt und von diesen wurden die Aermsten und Würdigsten ausgesucht. Die Kinder werden sorgfältig gepflegt und pädagogisch beschäftigt, damit Geist und Körper während des Landaufenthaltes gestärkt werden. Dem Vereins- Vorstände, an dessen Spitze die unermüdliche, aufopferungsvolle Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d steht und dem noch 18 Damen ihre eifrigste Mitwirkung widmen, dem auch 22 männliche Beiräte, darunter viele Aerzte angehören, hat sich ein Korps von fteiwilligen Helferinnen und ein Mädchenkomitee beigesellt, deren Tätigkeit sich in der Hilfeleistung zur sorgfältigen Auswahl der Kinder, in deren Beaufsichtigung und in der Beschaffung der Mittel kundgibt. Der Aufwand für die Kinder hat im Jahre 1906 über K 40.000 betragen. Ein solcher Aufwand konnte nur dadurch bestritten werden, daß einerseits die Vereinsleitung mit der größten Umsicht und Sorgfalt das Vereinsvermögen verwaltet, andererseits die Mitglieder opferwillig beitragen und endlich daß Wohltäter, das gemeinnützige Wirken anerkennend, durch reiche Spenden und Legate den löblichen Vereinszweck kräftigst fördern. Die Mitglieder haben K 10.000.— beigesteuert, an Spenden sind K 20.000.— an Legaten K 3000.— eingeflossen; das Mädchenkomitee hat K 5000.— geliefert, durch eine Handarbeitsausstellung wurden L 3000.— gewonnen. Die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen bestimmen den Verein, jetzt die Errichtung eines Seehospizes ins Auge zu fassen, da die Zahl der Kinder eine sehr große ist, für welche die Behandlung in einem Seehospize unentbehrlich ist, während die bestehenden Hospize nicht ausreichen. Auch für diesen Zweck sind dem Vereine bereits ansehnliche Mittel zugekommen und in weiten Kreisen gibt sich für diese neue Schöpfung des Vereines ein lebhaftes Interesse kund. Für die Aufnahme der Kinder in die Kolonien im Sommer des Jahres 1907 werden bereits die Vorbereitungen getroffen und der Verein gibt sich der Hoffnung hin, daß er in seinen Bestrebungen nach wie vor der Sympathien der Bevölkerung sich erfreuen und deren Unterstützung finden werde. „Eine Millionenspende für unheilbare und erwerbsunfähige Perfouen christlicher Konfession." Wenn je das bekannte Sprüchlein: „Do mortnis nil nisi bene" unberechtigt war, dann ist es im vorliegenden Falle. Gewiß, wir gönnen es den „Christen", daß sie ihre rein antisemitische Stiftung haben sollen — daß aber der durch die Unduldsamkeit der christlichen Mitmenschen vielleicht erwerbsunfähig gewordene jüdische Mitbürger derselben Stadt von der Schwelle des gastlichen Hauses weggeschickt werden solle, will uns nicht einleuchten. Für diese Engherzigkeit fehlt uns umsomehr das Verständnis, als so zahlreiche Stiftungen jüdischer Wohltäter bestehen, bei welchen ausdrücklich betont ist: „ohne Unterschied der Konfession!" Dem Stifter dieser neuesten Anstalt, dem ehemaligen Nordwestbahn-Jnspektor Wilhelm Brands e p h, blieb es Vorbehalten, seinen Antisemitismus über das Leben hinaus noch zu betätigen, obwohl er sehr genau wußte, daß die Gründung der Oesterreichischen Nordwestbahn, wo er fein Vermögen zusammenschaarte, das Werk dreier Juden war. Wir gönnen den Christlich-Sozialen diesen Edlen. Hier muß aber sofort das zweite Sprüchlein einsetzen : „non ölet", sonst müßte ja die Gemeinde Wien dieses herrliche Geschenk mit Entrüstung zurückweisen. Aus einem grenzensosen Geiz zusammengekratzt, ohne jeglichen schöpferischen Gedanken, ohne Wissen oder Bildung — bloß durch die Hintansetzung alles dessen, was man Anstand nennt, so kam dieses Geld zustande, so wurden die Häuser zusammengeschachert, die vor Schmutz und Verwahrlosung starren. Man sehe sich dieses „Stammhaus" im II. Bezirke, Novaragasse 8, an — von unten bis oben voll Dirnen der niedrigsten Sorte, mitten drin krank der Hausherr, unbekümmert um das Dekorum, das er als aktiver Beamter

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