Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021727--16318-3041131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 270 Nr. 16 Dr. jbiocd’s Mocvenscbrlrr. « machnug zustande kann, ist nicht bekannt; immerhin: Herr Dr. Kolischer kandidiert in Kolomea, und es kann keinesfalls schaden, die Wahlmacher zu erinnern, daß am 26. Jänner 1907, das Gesetz zum Schutze der Wahlfreiheit die Sanktion erhielt und daß in diesem Gesetze weder für Galizien im allgemeinen, noch für Kolomea im besonderen, passende Sonderbestimmungen enthalten sind. Wenn solche Vorkommnisse auch nicht auf ihre unbedingte Wahrheit kontrolliert werden können, wenn auch die Richtigkeit aller Details nicht ganz erwiesen ist, so beweist das .„on dit“ zur Genüge, wessen die Wahlmacher fähig find. ... Den verhängnisvollen Einfluß der Schlachzizen im Lande zu brechen, den bedrückten Massen das Recht der freien Wahl zu sichern und den „Nationalrat" zu lehren, daß alle Macht und Willkür eine Grenze findet, dies alles zu erwirken, ist nur bei einer Einigung aller oppositionellen Elemente möglich. Wenn nun die unter Führung des bekannten polnischen Schriftstellers und Publizisten Swientochowski stehende Partei der „Polnischen Demokraten", der sich in Warschau und Kongreßpoleu ein großer Teil der Judenschaft angeschlossen hat, auch in Galizien nach wie vor so mutig und unerschrocken die Willkür der heutigen Machthaber bekämpft, dann ist es opportun und nützlich, sich ihrer Freundschaft zu versichern. Die „Polnische Demokratenpartei" hat jetzt anläßlich eines Berichtes über die Kandidatur und Wählerversammlung des Zionisten Dr. T h o n zur Kolomeaer Kaudidateufrage Stellung genommen und im Interesse einer einheitlichen Bekämpfung K o l i s ch e r s dem Dr. Josef Z i p s e r ihre Unterstützung zugesichert. „X n r i 6 r L* w o w s k iM und „N o wa Refo rma“ befürworten in einer ihrer letzten Nummern die Kandidatur des Dr. Josef Zipfer aufs wärmste und finden sie, unter den heutigen Umständen als die aussichtsreichste und opportunste. Wenn es nun gelingen könnte, in diesem Sinne eine Einigung zu erzielen, dann ist es zweifellos, Dr. Kolischer niederzuringen und Leuten seines Schlages zu beweisen, daß selbst die imponierende Macht eines Betrages von 80.000 K nicht hinreicht, um den mächtigen Drang nach Befreiung von dem Terrorismus und der Korruption der Wahlmacher zu ersticken!... Ll. Sch. Auch Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Doktor M. Engel aus Kroat.-Kreuz richtet an die Freunde und Landsleute in Kolomea eine Zuschrift mit einer warmen Befürwortung der Kandidatur des Herrn Dr. Joses Zipfer. In derselben heißt es: „Ich glaube, daß unter den Kandidaten, die sich um das Reichsratsmandat in Ihrem Wahlkreise bewerben, der Wiener Advokat Dr. Josef Zipser der Einzige wäre, der diesen Platz ganz und voll ausfüllen würde." Linz. (Dekorierungsfeier.) Eine seltene und wahrhaft erhebende Feier war es, die Sonntag den 7. April 1907, ll*/4 Uhr vormittags, im festlich geschmückten Tempel zu Linz anläßlich' der Dekorierung des Rabbiners Fried mann, der durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet wurde, stattfand. Das im hellen Lichterglanze erstrahlende Gotteshaus war schon vor 11 Uhr in allen seinen Räumen von einem distinguierten Puplikum dicht gefüllt. — Vor Beginn des Gottesdienstes begab sich eine Deputatton des Vorstandes, geführt von dem Vorsteher Herrn Benedikt S ch w a g e r, in die Wohnung des Rabbiners, woselbst der Präsident die Glückwünsche im Namen des Gesamtvorstandes und der ganzen Kultusgemeinde anläßlich der verliehenen hohen Auszeichnung und des gleichzeüigen 25 jährigen Dienstjubiläums zum Ausdrucke brachte und dem Jubilar ein sehr wertvolles Ehrengeschenk überreichte, gewidmet von der israel. Kultusgemeinde Linz und einen prachtvollen seidenen Tallis gewidmet vom Vorstande. Freudig bewegt dankte der Rabbiner dem Vorstande für die Glückwünsche und Ehrengeschenke und versprach, auch fernerhin seine schwachen Kräfte in den Dienst der Förderung der hiesigen Kultusgemeinde, sowie des Gesammtjudentums zu stellen. Hierauf wurde er vom Vorsteher B. Schwager und vom Tempel- Vorsteher Herr Elias Pollak in den Tempel zu seinem Sitze geleitet. Knapp vor 11 '/« Uhr langte Statthalter Freiherr von Handel an und wurde vom Gesamtvorstande am Portal des Gotteshauses ehrfurchtsvoll begrüßt und unter den mächtigen Klängen der Orgel in den Tempel zu seinem Ehrensitze geleitet. Außer ihm hatten sich eingefunden: Hofrat Binder, Statthaltereirat Berger, die Landesschulinspektoren Doktor Ze.nz und Dr. Loos, die Direktoren der Mittel- und Bürgerschulen, Platzkommandant Major Steiner, die Mitglieder des Landes- und Stadtschulrates und viele andere Persönlichkeiten. Aus Steher erschienen Rabbiner Schön, Kultusvorsteher Reiß und H. Kronberger, Präses der Chewra-Kadischa. Eingeleitet wurde die Feier mit dem herrlichen Ma-towu von S u l z e r, das vom Tempelchore mit Orgelbegleitung unter der Leitung des Kapellmeisters S ch a n t l sehr exakt gesungen wurde, worauf Oberkantor Löwen sohn mit seiner klangvollen Stimme den Psalm 100 von Naumburg mit Chor- und Orgelbegleitung äußerst wirkungsvoll zum Vortrag brachte. Nun hielt Kultusvorsteher Benedikt Schwager an den Statthalter folgende Ansprache: Eure Exzellenz! Hochverehrter Herr Statthalter! Sehr verehrte Festteilnehmer l Dieses Gotteshaus, welches seit seinem mehr als 30jährigen Bestände der Verherrlichung des Allmächtigen, des Lenkers aller unserer Geschicke dient, hat heute seine Tore zum Zwecke der Ehrung eines Mannes geöffnet, der durch fast ein Menschenalter im Dienste des Judentums steht und sich durch die Verbreitung seiner Lehre unzweifelhafte Verdienste um dasselbe erworben. — Wenn Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann anläßlich seiner vor 25 Jahren erfolgten Antrittsrede gesagt hat: „Ein Rabbiner müffe sein, wie ein Fels im Meere, standhaft und unerschütterlich in der Erfüllung seiner Verufspflichten, nicht über und nicht unter, sondern zwischen den Parteien stehend, überall ausgleichend, überall versöhnend wirken", so hat er dieses Gleichnis an sich zu hohen Ehren gebracht. Manche Woge, manche Brandung hat im Laufe der Jahre diesen Fels umzüngelt, ohne ihn jedoch in seinen Grundfesten zu erschüttern. Rechtschaffenheit, Biedersinn und treue Pflichterfüllung, das waren die Grundpfeiler, auf die der Fels seine Position aufgebaut. Treue Pflichterfüllung als Seelsorger, treue Pflichterfüllung als Religionslehrer, treue Pflichterfüllung als Mitglied des hohen oberösterreichischen Landesschulrates, dem der Jubilar nahezu ein Vierteljahrhundert angehört. Diese seltenen Charaktereigenschaften dürften es auch gewesen sein, welche die allerhöchste Anerkennung fanden und durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josepb-Ordens zum sichtbaren Ausdrucke kam. In dieser allerhöchsten Auszeichnung ihres Seelsorgers, fühlt sich die gesamte Judenschaft der Kronländer Oberösterreich und Salzburg hochbeglückt und blickt dankerfüllten Herzens auf die erhabene Person Sr. Majestät, unseres Kaisers und Herrn, welcher allen seinen Völkern und Nationen ohne Unterschied ihres Klaubensbekenntniffes ein allgütiger, allgerechter Vater ist. — Sie dankt aber auch Ew. Exzellenz für die hohe Ehre der persönlichen Teilnahme bei der heutigen Festesfreude, sie dankt allen erschienenen Würdenträgern und Festteilnehmern für die Ehre ihres Besuches, sie dankt auch allen denjenigen, welche ihr Fernbleiben von der heiligen Feier entschuldigt haben. Indem ich mir nun noch gestatte, namens der israelitischen Kultusgemeinde Linz, die zu vertreten ich die Ehre habe, alle Anwesenden ehrerbietigst zu begrüßen, bitte ich, Euer Exzellenz belieben die Dekorierung vornehmen zu wollen." Vor der Dekorierung richtete der Statthalter an den Rabbiner eine tiefempfundene Rede, in welcher er auf die segensreiche vierzigjährige Tätigkeit desselben als Seelsorger und Religionslehrer im allgemeinen und auf sein fünfundzwanzigjähriges pflichttreues Wirken als Rabbiner und Religionslehrer der hiesigen Kultusgemeinde und als eifriges Mitglied des oberösterreichischen Landesschulrates insbesondere verwies und sagte, es freue ihn, hervorheben zu können, daß dessen segensreiches Wirken nickt nur seine, sondern auch die vollste Anerkennung seiner Amtsvorgänger gefunden hat, und es gereiche ihm zum Vergnügen, dem verdienstvollen Rabbiner dieses hohe Ehrenzeichen selbst überreichen zu können, mit dem aufrichtigen Wunsche, es möge ihm vergönnt sein, diesen Orden noch recht lauge tragen zu können. Sichtlich bewegt erwiderte der Dekorierte: „Eure Exzellenz, hochverehrte Versammlung! Es stürmen in diesem Augenblicke so viele Gefühle auf mich ein, daß ich kaum in der Lage bin, richtige Worte zu finden, um denselben nur einigermaßen Ausdruck zu verleihen. Ich halte mich nur an das eine: Ich fühle mich hochbeglückt darüber, daß meine bescheidene, seelsorgerische Tätigkeit auch an allerhöchster Stelle Anerkennung gefunden und so nehme ich denn das von Sr. Majestät unserem erhabenen Kaiser und Herrn allergnädigst mir verliehene Ehrenzeichen mit überströmendem Dankgefühl aus den Händen Euer Exzellenz. Wohltuend wirkt auf mich insbesonders das Bewußtsein ein, daß diese allerhöchste Gnade nicht nur für mich allein, sondern in gleicher Weise eine auszeichnende Ehrung bedeutet für meine liebwerte Gemeinde, in deren Mitte ich lange Jahre hindurch gelebt und gewirkt und die sich durch die auszeichnende Ehrung in ihrer patriotischen Diensttreue noch gestärkt und gehoben fühlt. Euer Exzellenz! Es ist mein heißestes Verlangen, daß es mir ehebaldigst gegönnt sein möge, auch an den Stufen des Thrones meine tiefste Ergebenheit alleruntertänigst zum Ausdrucke zu bringen. Einstweilen bitte ich Euer Exzellenz, und diese Bitte strömt aus der Tiefe meiner ergriffenen Seele, den Dank wohlwollend für die hohe,* auszeichnende Ehre, die uns, meiner lieben Gemeinde und mir selbst durch die persönliche Anwesenheit Euer Exzellenz bei diesem feierlichen Akte zuteil geworden war, entgegen