Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Llvcb's Mocbenscdrtk: Seite 371 zu nehmen. Gott erhalte, Gott segne Euer Exzellenz in Ihrem Wirken und Schaffen zum Wähle und Heile dieses nnseres teuren, engeren Vaterlandes!" Sodann verrichtete der Rabbiner vor der offenen Bundeslade das Gebet für den Kaiser, in das er auch den Statthalter eiirschloß und mit dem Absingen der Volkshymne endete die schöne, würdevolle Feier. Der Sieg der Gerechtigkeit. In Zitomir fungiert seit einer Reihe von Jahren als Rabbiner der bekannte Gelehrte und Sckriftstcller Dr. Skomorowski. Seitdem die Bureaukratie und ihre ..Schwarze Schar" den Kampf gegen Gelehrte als gemeinschädlich ausgenommen hatten, wurde auch Dr. Skomorowski in Verdacht gezogen. Er ist nämlich dreifach verdächtig: als Jude- Gelehrter und Schriftsteller. Man suchte ihn aus feiner Stellung als Rabbiner zn verdrängen, allein es gelang nicht. Die Vergangenheit dieses Mannes bot, trotz seiner vielseitigen öffentlichen Tätigkeit, keinen Anhaltspunkt dazu, gegen ihn irgend welche Beschuldigung zu erheben. Vor ungefähr drei Monaten befand sich Dr. Skomorowski in einer Elitegesellschaft von Staatsbeamten und dergl-; da erlaubte sich eine hochgestellte Persönlichkeit gegen die Juden loszuziehen. Dr. Skomorowski hielt es für seine Pflicht, dagegen zu protestieren und die Haltlosigkeit der Verleumdungen zu beweisen. Dies gefiel den noblen Herren nicht. Eine Deputation hoher Beamter, durchwegs Mitglieder des im Dienste der Bureaukratie stehenden „Verbandes russischer Männer", begab sich zum Gouverneur und legte ihm nabe, daß im kaisertreuen Zitomir ein gelehrter Jude wie Skomorowski als Rabbiner nicht geduldet werden darf. Der Gouverneur verfügte sofort „auf administrativem Wege" die Absetzung Doktor Skomorowskis vom Rabbinerposten. Keine Vorladung, keine Möglichkeit zur Rechtfertigung, ein despotisches ..Packe dich" — und der bewährte, allgemein nützliche und hochgeehrte Rabbiner ist über Bord geworfen! Der tief gekränkte Dr. Skomorowski begab sich sofort nach Petersburg, um bei der höheren Justiz Schutz gegen die unerhörte Willkür zu suchen. Die Petersburger Notabilitäten, Juden und Christen, empört über diesen Vorfall, boten dem Dr. Skomorowski die Hand, man wandte sich an den Premier, endlich kam die Sache vor den Senat zur Entscheidung. Diese höchste Instanz, es muß zu deren Ehren gesagt werden, war und ist stets der Hort der administrativ Verfolgten. wo diese Gerechtigkeit suchen und finden, mit Ausnahme der Fälle, wo diese hohe Instanz Ihre Urteile „auf Befehl" fällt. . . . Der Senat fand nun, daß die Absetzung Dr Skomorowski durch und durch auf Willkür beruht und ordnete an, denselben wiedereinznsetzen. Die Entrüstung der „Schwarzen Schar" ist unbeschreiblich! Zähneknirschen und Faustballen im Stillen — aber öffentlich muß ja die Senatsentscheidung geachtet werden! Wir russische Juden pflegen so selten über unsere Feinde zu triumphieren, daß wir diesen für sich unbedeutenden Vorfall mit besonderer Genugtuung verzeichnen. Es gibt doch Gerechtigkeit auch in unserem finsteren Rußland. Möge Dr. Skomorowski noch lange Jahre an der Spitze der vielgeprüften jüdischen Gemeinde zu Zitomir seine segensreiche Tätigkeit entfalten. A. M. Vermischtes. Wien. Die öffentliche Plenar-Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, findet Sonntag, 21. April a. c. 10 Uhr vormittags statt. Wien. (A d a ß I i s r o e l.) Am 1. April fand die Prüfung an der Privatreligionsschule der Adaß Jisroel statt. Der Gesamtvorstand der Schule des Vereines Adaß Israel und Thora Es Chajim, sowie zahlreiche Eltern der Schüler waren anwesend. Die offizielle Welt war durch Professor C. Kanitz vertreten. Der Kultusvorstand entschuldigte seine Abwesenheit wegen zu spät erhaltener Verständigung unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken der Anerkennung für die Leistungen der Schule. Die Prüfung nahm unter Leitung Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Fürst den gewohnten, glänzenden Verlauf und die Erfolge erhielten vollste Würdigung. Die stets steigende Frequenz zeugt am besten für die Qualität des Unterrichtes. Die Lehrer, Herren Braun und Oesterreicher, fanden uneingeschränktes Lob für die erzielten Unterrichtsresultate, besonders aber wurden die Erfolge des Herrn Oesterreicher allgemein als geradezu unübertrefflich bezeichnet. Herr Professor Kanitz, der der Schule durch öftere Inspektion seine Sympathie beweist, beglückwünschte die Leitung und den Lehrkörper in wärmster Weise. Wien. (Trauung.) Sonntag den 14. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Elsa Engel mit Herrn Rsmy Friedmann, Beamter der israelitischen Kultusgemeinde, eines Sohnes des verehrten Lektor Friedmann,statt. In dem von einem distinguierten Publikum dichtgefüllten Tempel bemerkte man u. a. den Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, den Vizepräfidenten Herrn Dr. Gustav K o h n, die Herren Kultusvorsteher Markus Spitzer, Emil Horner, Dr. Hermann L ö w i, S. St eine r, Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben mit den Beamten der Kultusgemeinde, Herrn Regierungsrat Dr. Schlag, den Präses des Tempelvereines IX. Herrn Gottlieb Bettelheim, Bethausvorsteher W a s s e r v o g e l u. v. a. Herr Rabbiner Dr. S.ch m i e d l hielt an das Brautpaar eine tiefempfundene Ansprache. Herr Oberkantor Guttmann besorgte den gesanglichen Teil mit der ihm eigenen Meisterschaft; der vorzüglich geschulte Chor unter Leitung des Dirigenten Herrn Julius H e i m a n n funktionierte präzise mit Orgel und Solo. Sch. Bildungsheim der Jüdischen Toynbee-Halle, Wien, XV., Herklotzgaffe 31. Vor einem Auditorium von mehr als 150 Personen hielt am 13. d. M. Schriftsteller Herr Leopold Spitzer einen mit außerordentlichem Beifalle aufgenommenen Vortrag über „Ibsen u n d d t e Franc n". In formvollendeter Sprache wußte der Redner die vom Dichter geschaffenen Frauencharaktere zu zeichnen nnd das Wesen seiner Kunst treffend zu beleuchten. Das folgende Konzert der jungen Pianistin Frl. Mizi Kahane löste einen wahren Beifallssturm aus, der die Künstlerin zu Zugaben zwang. Am 20. d. M. spricht Herr Hof- und Gerichtsadvokat Doktor Josef Jerusalem über die „E n t st e h u n g des Rechtes", welchem Vortrage sich Rezitationen der Vortragskünstlerin und ehem. Schauspielerin am Raimundtheater Frl. Marie Heller anschließen werden. Beginn der Vorträge 8 Uhr abends, Eintritt frei ohne Kartenzwang Ein wackerer Husarenzugsführer. Schmi im Vorjahre hatten wir Gelegenheit gehabt, über die bravouröse Rettung eines Kindes durch den Zugsführer Sandor Ungar vom Husaren-Regiment Nr. 4 zu berichten, und jetzt hatte die Wiener Polizeidirektion abermals Ursache, dem genannten Zugsführer ihre belobende Anerkennung auszudrücken. Der Zugsführer kam nämlich am 36. Februar dieses JahreS in der Fleischmanngaffe im IV. Bezirk gerade dazu, als ein Sicherheitswachmann mit einem äußerst gewalttätigen Exzedenten nicht mehr fertig werden konnte. Er griff sofort tatttäftigst ein und der Exzedent konnte zur Wachstube gebracht werden. Nun hat die Polizeidirettion dem Zugsführer, der bei dieser Affistenzleistung auch verletzt wurde, ihren Dank durch das Regimentskommando aussprechen und ihm eine Gratifikation zugehen lassen. Wie». (Trauung.) Am 14. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Heinrich R i e s e n f e l d mit Fräulein Stephanie Planer, Direktrice der Lehranstalt für Schnittzeichnen und Kleidermachen, statt. Zahlreiche Ehrengäste aus den besten Kreisen der Refidenz wohnten der Feier bei, u. a. der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfted Stern, der Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Vorstandsmitglieder Emil Horner, kais. Rat Wilhelm, Julius Wolf, S. A. W a s s e r v o g e l, Professor Dr. Pollak, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, die Inspektoren Kanitz und Langfelder, Sekretär Julius Braun, die Ortsschulräte kais. Rat Saborsky, Josef Fuchs, P o l l a k, der Berwaltungsrat der Internationalen Transportgesellschaft Josef Mittler, zahlreiche Beamte dieser Gesellschaft, Kollegen des Bräutigams. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Ad. Schmied! und Oberkantor Bola Guttmann.' Nach der Feier bildeten die Schülerinnen der von der Braut geleiteten Schule vor dem Tempelausgange Spalier. Wien. Der jüdische Bürgerverein „Jto" in Wien, XV., veranstaltet am 24. April 1907 eine „gesellige Zusammenkunft" in Straßers Mariensälen, XIV., Reindorfgaffe 3. Koscheres Buffet vom Restaurateur S. Littmann, VI., Webgaffe 45. Beginn */a9 Uhr abends. Eintritt frei. Damen willkommen.