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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S68 Dr. Llocb's Mocbenscdrm. Nr. 16 sektion der Mener Börse gewählt wurde. Die Stellung, die er sich erobert, hinderte ihn aber nicht daran, offen und ehrlich für jüdische Institutionen tätig zu sein und rein jüdische Ehrenämter zu bekleiden. Er unterschied sich hiedurch in vorteilhafter und auffallender Weise von andern, sogenannten Finanzgenies, welche, kaum zu Vermögen gekommen, gerne vergeflen machen wollten, daß sie Juden, geschweige denn — polnische Inden waren. Der polnisch-jüdische Synagogenverein wählte ihn daher einstimmig zu seinem Präsidenten. Getragen durch das Vertrauen aller Juden, wurde Salo Landau in den Kultusvorstand gewählt und galt dort stets als Vertreter der polnischen Judenschaft, um deren Jntereffen er sich stets wärmstens annahm. Dabei vertrat er nie separatistische Bestrebungen in der Judengemeinde. Sein Leitstern war stets: Friede und Einigkeit in der Gemeinde! Wenn Mißverständniffe austauchten, versuchte er es immer mit Erfolg, die stürmischen Wogen zu glätten und die Differenzen mit Tickt und Feingefühl, jedoch mit Energie in der Sache selbst, zu beseitigen. Er wußte ganz genau die Verschiedenheit der Strömungen und Weltanschauungen unter den Gemeindemitgliedern zu beachten, stets hatte er die Gegensätze zu mildern gewußt. Durch seine Herzeusgüte entwaffnete er die Gegner, durch sein konziliantes Wirken hat er gefahrvolle Zwiste für die Gemeinde oft beseitigt. In den von ihm übernommenen jüdischen Ehrenämtern zeigte er einen riesigen Fleiß; sterbenskrank, präsidierte er noch Mittwoch den 10. d. M. abends einer Sitzung im „B e t h Israel", griff lebhaft in die Debatte ein. Noch am Freitag hatte er in einer Sache des „Beth Israel" Konferenzen. Er starb mitten in der Arbeit. In seiner Tätigkeit leitete ihn stets die Liebe zu seinem Volke. Anläßlich der Pogroms sah ich ihn selbst Tränen vergießen. Er war ein Gefühlsmensch durch und durch. Daß er stets eine offene Hand für die Armen hatte, ist, wiewohl er immer nur im Stillen Gutes tat, allbekannt. Das Glück war ihm in den letzten Jahren seines Lebens nicht hold. Hintereinander in kurzen Zeiträumen starb ihm seine Gattin, ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigender Sohn, Dr. Landau, wurde ihm jäh entriffen. Trotz seines gebrochenen Herzens hat er an seine Pflichten der Allgemeinheit gegenüber nie vergeffen. Ein guter Sohn unseres Volkes ist mit Salo Landau dahingegangen. Sein Andenken wird uns unvergeßlich sein! Dr. Karl Lifezis. Leichenbegängnis Dienstag den 16. d. M. nachmittags UM 3 Uhr wurde die Leiche des am 14. d. M. verstorbenen Bankiers Salo La u d a uaufdemZentralfriedhofeim eigenen Grabe beigesetzt. Die zahlreiche Beteiligung an der Leichenfeier gab Zeugnis von dcr besonderen Achtung und Beliebtheit, deren sich der jäh Verblichene nicht nur in den Kreisen der Finanzwelt, sondern auch in der Wiener Gesellschaft zu erfteuen hatte. Im Trauerhause, Alsergrund, Ferstelgaffe 4, hatten sich vor 3 Uhr die Familienmitglieder des, Verstorbenen eingefunden. Ferner waren anwesend: Universitäts-Professor Hofrat Dr. David Heinrich Müller, Hofrat Bernhard Frankl, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat Theodor Ritter v. G o lösch m i d t, dem Sekretär kais. Rat Dr. L i e b e n, den Vorstandsmitgliedern Salo Cohn, Dr. Markus Spitzer, Emil Horner, kais. Rat I. Weil, Dr. Alfred Berger, Architekt Baurat DSlar Marmorek, Dr. Hermann L ö w i, Adolf S ch r a m e k, kais. Rat Leopold Sachs und S. Steiner, sowie mit den Bethausvorständen S. A. Wasservogel und Julius K o p st e i n, der Vizepräsident der Börsekammer Leopold von Lieben mit dem Generalsekretär Franz Lick und dem Kaffenvorstande Inspektor Franz H o r a k, die Börseräte K olisch, Sobotka und Steinhübel, Großindustrieller Bernhard von P o l l a ck, kais. Rat Wilhelm P o l l a k, Stadtbaumeistcr Drr.at Zifferer, Direktor L ö w y von der Kreditanstalt, die Schriftsteller Wilhelm Frey, Dr. Josef S. B l o ch, Siegftied L ö w y, Bernhard Münz, Jakob Kraus und Dr. M. L ö w y, die Advokaten Dr. Adolf Stein, Dr. Josef Pick, Dr. Jakob K v h n, Dr. S e l l d o r f und Dr. Adler, die Bankiers Edler von Hofmannsthal, Jacques Weiß und Johann Klein, Oberkantor I. Bauer, Erster Kantor I u r b e r g e r, die Vorstandsmitglieder des Vereines „Beth- Jsrael" die Herren S. Deiches, Max R o s e n f e l d, Ignaz Zolles, Alexander Landau, David K o l i e b, Josef Silbermark, Julius Brecher, Dr. Karl L i f c z i s, A. M. O p p e r, I. M. B e l f, der Obmann des Vereines „Einheit" Herr S. M e i s e l s, eine Deputation der Vereine „Machsike Hadas" und „Liwias Chen", eine Deputation der israelitischen Kultusgemeinde in Baden, bestehend aus den Herren: Simon Mandl, Alois F l e i s ch m a n n und Ludwig L a ck e n b a ch e r rc. — An der Bahre widmete Herr Rabbiner Mayersohn dem Andenken des Verblichenen Worte wärmster Anerkennung, worauf Oberkantor S ch o r r die Trauergebete zum Vortrage brachte. Der Sarg wurde dann auf den Zentralfriedhof geführt. In der Zeremonienhalle des Friedhofes widmete nach der Rezitierung der Trauerpsalmen durch Oberkantor S ch o r r Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Sodann trat der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern an die Bahre heran, um im Namen des israelitischen Kultusvorstandes dem Verblichenen für sein segensreiches Wirken im Dienste der jüdischen Gemeinde den Dank auszusprechen. Im Namen des Vereines „Beth Israel" sprach sodann Worte des Abschiedes das Vorstandsmitglied Herr Ignaz Zolles, worauf der Sarg in die Gruft gesenkt wurde. Gedungene Markthelfer als „Ordner" in einer Judenversammlung. Für den 11. April war in den Saal des „Hotel Guth" eine Versammlung einberufen, welche allenthalben für eine allgemein zugängliche jüdische Versammlung galt, einerseits wegen der Person des Referenten Herrn Dr. Ofner, der z. B. zwei Tage vorher eine jedermann zugängliche Versammlung von Eherechtsresormfreunden veranstaltet hatte, andererseits auf Grund der Nachrichten, welche die Einberufer in die Bevölkerung dringen ließen. Natürlich erschien aus Interesse an dem Referate — Dr. Ofner sollte zeigen, daß er auch „singen", d. h. als „Israelit" sprechen könne — eine große Anzahl von Leuten, aber die wenigsten fanden Einlaß; nämlich nur die, bei denen jüdisch-nationale Gesinnung nicht vermutet wurde. Das wäre ja schließlich nicht so gefährlich! Es bedeutet ja nur ein schmähliches Fiasko des von Ofner und seinen Busenfreunden fortwährend betonten Freiheitssinnes und ganz besonders eine offenkundige Einschränkung der Versammlungsfreiheit, die in jüdischen Kreisen ganz unerhört ist und worüber die Herren in ihren nächsten Versammlungen sicher noch manches vernehmen. werden. Es zeigt außerdem, wie wenig Glauben die Worte derjenigen verdienen, welche Dr. Ofner, der solches Vorgehen schweigend (vielleicht sogar — darüber wird noch zu reden sein — mit Genugtuung) duldete, auf Plakaten und in Versammlungen als überzeugte Kämpfer für Recht und Wahrheit hinstellen möchten, denselben Mann, der es zuläßt, ruhige, anständige Leute von seiner Versammlung auszuschließen, bloß weil sie anderer Meinung sind als er. Schon das ist des Traurigen leider zu viel. ' Aber solche Vorgänge, wie sie sich an dem Abend abspielten, konnte nur die wahnwitzige Angst der Ofner-Klique vor echten Juden heraufbeschwören und die Sucht, mit Gewalt eine Zustimmungskundgebung zu Ofners Ausführungen zu erzielen, wofür sich eine allgemeine Judenversammlung niemals entscheiden wird und darf. Daher griff der Einberufer, ein gewisser Neustadtl, zu folgendem Mittel: Er, der Hauptstörer in der ersten Versammlung Dr. Blochs und noch mancher anderen warb etwa 20 Markthelfer, Packer und Hausierer gegen hohes Entgelt zu „Ordner"diensten rknter der Bedingung, daß sie ohne alle Rücksicht mißliebige Leute entfernen. So wurde denn eine

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