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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Liocv s MlocbenscvrLN. Seite 268 gezwungen sei, einem Kampfe gegen den Vizc-Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde auszuweichen? Dr. Bloch gibt hierauf die dezidierte Erklärung ab, daß er zu dem Bvrstand der israel. Kultusgemeinde in keinem AöyaugrgkeiLsverhältuis stehe und daß er auch ihm gegenüber zu keinen besonderen Rücksichten verpflichtet ist. Wohl aber habe er Rücksicht zu üben aus sich selbst und auf seine Vergangenheit, welche ihm. durch die Gunst des Geschickes in den Gedenkbüchern der österreichischen Judenheit ein schönes Blatt gesichert hat, ein Blatt, welches er nicht durch ein unvorsichtiges, die jüdischen Interessen schädigendes Vorgehen verunzieren möchte. Es ist selvstverständlich, daß er sich dem Beschlüsse des Wahlkomitees unbedingt unterwerfen werde, mag dieser Beschluß wie immer ausfallen. Allein vor der Beschlußfassung möchte er eindringlich vor der Politik der Rancune und des Trotzes warnen, weil sie bloß zu gegenseitiger und allgemeiner Schädigung führen muß und reifer Männer unwürdig ist. Würden wir gegenüber der Kandidatur des Herrn Doktor Gustav K o h n, dessen Verdienste um die jüdische Gemeinde und dessen Popularität in Wiener jüdischen Kreisen unbestritten ist, auf den Justameut-Staudpuukt uns stellen, so würden wir zweifellos seine Wahl verhindern, aber auch ebenso zweifellos das Mandat in Gefahr bringen. Die Verantwortlichkeit für die Entscheidung ist eine allzu große und Redner erachte es als seine vornehmste Aufgabe, gerade diese schwere Verantwortlichkeit der Oeffeutlichkert und der Geschichte gegenüber allen seinen Freunden in diesem Komitee eindringlichst zu Gemüte zu führen. Die Redner, Komiteeobmaun Dr. Heinrich S chr eibe r ferner Dr. Carl Lifczis, die Herren Josias Gold-' s ch m i d t, Schriftsteller Kraus, Jakob März und Jakob Weiß plardieren mit großem Nachdruck für die Fortsetzung der Agitatronsarbeit rm Interesse der Kandidatur Bloch; sie halten die Chancen derselben auch angesichts der veränderten Situation nicht für ungünstig. In einer längeren, vielfach vom Beifall unterbrochenen Rede bemüht sich Herr Dr. Hermann Fi all a, einer Nüchternen Erwägung der Tatsachen Bahn zu schaffen. In gleichem Sinne spricht Herr Dr. Salo Rappaport, Herr Lehrer Schulhof und Herr Wolf P a p p e u h e i m. Schließlich gelangt der nachstehende, von dem Hof- und Gerichts - Advokaten Herrn Dr. Herm. F i a l l a gestellte Antrag zur Annahme: Angesichts der in den letzten Tagen eingetretenen Veränderungen 'in den Kandidaturen um das Reichsratsmandat des ersten Wahlkreises der Leopold ft adt faßt das zu Gunsten der Kandidatur des Herrn Dr. Jos. S. Bloch konstituierte Wahlkomitee nachfolgenden Beschluß. Ogleich lebhaft bedauernd, daß die kraft gesetzlicher Organisation berufenen offiziellen Führer der jüdischen Wählerschaft in Wien sich nicht rechtzeitig ihrer Pflicht und Alöglichkett bewußt geworden find, dieselbe, soweit sie dem ersten Wahlkreise der Leopowstadt angehört, auf unseren bewährten und hochverdienten Vorkämpfer, Herrn Dr. Bloch, zu vereinigen, obgleich von der Ueberzeugnug durchdrungen, daß kein anderer Kandidat oder Mandatar bestimmt oder befähigt erscheint, jene bedeutsame spezielle Mission zu erfüllen, zu welcher Herr Dr. Bloch als Reichsratsabgeordneter berufen und wie kein Zweiter prädestiniert wäre, beschlichen wir gleichwohl im Jutereffe der durch die obwaltenden politischen Verhältnisse dringend gebotenen tunlichsten Einheitlichkeit der Wahl, sonach behufs äußerster Einschränkung der durch die Auftechterhaltuug der Bewerbung des Gegenkandidaten ohnedies drohenden Spaltung der jüdischen Wählerschaft: die von dem Zentralwahlkomitee am gestrigen Tage ausgestellte Kandidatur des Herrn Dr. Gustav Kohn, welcher bereits seit zwei Dezennien im Dienste der jüdischen Oeffentlichkeir erfolgreich wirkt und welchem nicht auch die anderwärts vermißte Dankbarkeit versagt werden soll, nicht zu bekämpfen, zugleich aber als Waylkomitee für Herrn Dr. Bloch mit der Aufgabe vereinigt zu bleiben, die weitere Entwicklung dieser wichtigen Waylaugelegeuheit wachsam zu beobachte», um allen etwaigen Zwischenfällen gegenüber unsere Tätigkeit fortsetzeu und eventuell neuerlich für die Wahl des Dr. Bloch aktiv eintreteu zu können. Zur Kandidatur Dr. Ktochs. Herr S. K r a k a u e r in Nikolsburg, Stadtplatz 2 im Postgebäude, schreibt uns: Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Josef Bloch, Wien. Durch Zufall gelangte ich in den Besitz einer der letzten Nummern der „Oesterreichischen Wochenschrift" und ersah aus deren Inhalt, daß Herr Doktor über dringende Aufforderung des jüdischen Wahlkomitees sich dazu bestimmen ließen, eine Kandidatur für den Reichsrat wieder anzunehmen; ich ersah aber auch weiter aus dem Inhalte der Zeitung, daß es Juden in Wien geben soll, die an der Opferwilligkeit des Herrn Doktor, für die Interessen der Juden einzutreten, zweifeln. Gestatten Sie, Herr Doktor, daß ich eine kleine Reminiszenz aus Ihrer Abgeordnetentätigkeit an die Oeffentlichkeit bringe. Es war im Jahre 1888, ich weilte damals in einer kleinen Stadt in Steiermark, wo die Schönerer-Begeisterung die schönsten Blüten trieb, in Kondition und geriet mit einer Bezirksgröße der Deutschnationalen in einen bösen Konflikt. Die Sache stand für mich, obwohl ich im Rechte war, sehr faul. Als armer Teufel hatte ich nicht die Mittel, mir einen Advokaten aus Wien kommen zu lassen und zu den dortigen prononzierten Deutschnationalen hatte ich kein Vertrauen, ich wollte schon verzweifeln. Da kam mir der glückliche Gedanke anläßlich des israelitischen Neujahrsfestes um Urlaub anzusuchen, in Wien meine Reise zu unterbrechen, den Herrn Dr. Bloch, dessen Name damals allen Juden geläufig und uns jungen vorbildlich war, aufzusuchen und um Rat und Hilfe anzugehen. Ich brachte den Gedanken zur Ausführung, freundlich wurde ich empfangen und beruhigt begab ich mich nachhause. Trotz aller Machenschaften der Gegenseite wurde der Strafprozeß zu meinen Gunsten entschieden. Herr Doktor, Sie lehnten damals jedweden Dank meinerseits mit der Begründung ab, Sie hätten nur eine Pflicht erfüllt, ob ein anderer an Ihrer Stelle sich auch so warm des armen unbekannten Juden angenommen hätte, sei dahingestellt. Nachdem ich gelesen, daß anläßlich Ihrer Kandidatur ungerechtfertigte Angriffe gegen Sie, geehrter Herr Doktor, gerichtet werden, ja an Ihrer Selbstlosigkeit gezweifelt wird, fühle ich mich zur Veröffentlichung des Vorstehenden verpflichtet, umsomehr, als Herr Doktor bescheiden diese uneigennützige edle Handlung noch nirgends erwähnten. Gestatten, hochgeehrter Herr Doktor, daß ich jetzt nach 20 Jahren meinen wärmsten Dank für die viele Mühe, die sie sich mit meiner Sache gegeben, wiederhole. Mit dem Ausdrucke aufrichtiger Hochachtung verbleibe ich Ihr stets dankschuldiger Samuel Krakauer. Budapest, 11. April 1907. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Bloch! Sehr geehrter Herr Doktor! Als eifriger Leser Ihres sehr geschätzten Blattes ist es mir unbegreiflich, wie man Ihnen einen Gegenkandidaten entgegenstellen kann. Nach so vielen Dankesschreiben, die in Ihrem Blatte vom 12. d. M. enthalten sind, gehört eine große Verstocktheit dazu, Sie nicht e i n st i m m i g zum Abgeordneten zu wählen, es wäre eine Schmach für das ganze Judentum und eine Schande für die Leopoldstadt Mens insbesondere, wenn sie für einen für das Judentum so warmfühlenden und begeisterten Mann, wie es ein Dr. Bloch stets und immer war und auch sein wird, nicht mit Liebe und Begeisterung zur Wahlurne schreiten sollten mit der Devise: es lebe unser Abgeordneter Dr. Bloch. Genehmigen Sie, Herr Doktor, meine besondere Hochachtung, mit der ich bin Ihr ganz ergebenster Redlich M o r langjähriger Gemeinde-Repräsentant der israelitischen Gemeinde Budapest-Ofen.

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