Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021727--16309-3041122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
llr. 16 Dl*. Bloch’s Jahrgang XXIV Zentralorgan kür die gesamten Unterdessen des Judentums. Wim, 19. April 1907. - LrsMetnt jeden Freitag. - Brief-Adresse: Miien. IX/J, Lerggasse 39. Telegramm-Adresse: Llocb's Miocbenscdrtkt. Mlten. M----« VeMgsprris für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars Sv Heller. Für'» Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzetle 24 Heller. »-* »-« A. ft. Voflsparftassen-Amt Lleartng-V erk ebr Mr. 610.976. Drdsklion und Administration: w irn IX/i, Kerggasse Mr. 39. Telefon Nr. 14.847 »-fc Inhalt: Leitartikel: Zur Reichsratswahl im fünften Wahlkreise (Leopoldstadt I). — Zur Kandidatur Dr. Blochs. — Ausblicke auf das kommende Parlament. — Ein Hort des Judentums im Wiener Westen. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung deS Kultusvorstandes. Salo Landau. Wien. Gedungene Markthelfer als «Ordner" in einer Judenversammlung. Zur Wahlbewegung. Linz. Der Sieg der Gerechtigkeit. — Vermischtes: Wien. Ein wackerer Husarenzugsführer. Witwen-und Waisen-Verein. Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein. Hilfsaktion für die rumänischen Juden. Prag. Pohclitz. Budapest. Auszeichnung Dr. Bendieners. — Feuilleton: Geschichte des Ordens Bnei Briß in Deutschland 1832 — 1907. — Neue Bücher — Briefkasten. — Inserate. Zur Reichsratswahi im fünfte« Mahlkreis (Leopoldstadt I). Dienstag den 16. d. M., abends 8 Uhr, fand im Saale des „Hotel Guth", II.. Stefaniestraße, eine zahlreich besuchte Versammlung des Wahlkomitees zur Förderung der Kandidatur des Dr. Josef S. Bloch statt, um zu der vom Zentralwahlkomitee proklamierten Kandidatur des Landesschulrates Herrn Dr. Gustav K o h n Stellung zu nehmen. Außer dem Obmanne Herrn Dr. Heinrich Schreiber und seinen beiden Vizeobmännern, den Herren Oberinspektor Engel und Heinrich Rosenblatt, waren erschienen: die Herren Hof- und Gerichtsadvokat Doktor Hermann Fialla, Dr. Marcell Hossmann, Doktor Ad. H e r z f e l d, Dr. Karl L i f c z i s, Dr. Salo R ap ap o r t, Dr. Josef Z i p s e r, Simon B u ch w a l d, David Kolieb, Philipp Keleti, Wilhelm Kleppner, Schriftsteller Jakob K r a u s z, Isidor Grobtuch, Josias G olds chmidt, I. Fris ch, Fischer, Jakob März, W. Pappenheim, Julius Philipp, Kommunallehrer Leopold Schulhof, Julius Schick, Max Schick, Hermann Plaschkes, Jakob Weiß u. a. Der Vorsitzende des Wahlkomitees, Herr Dr. Heinrich Schreiber, begrüßte die Versammlung, charakterisierte in kurzen Strichen die neue Situation, vor welche das Wahlkomitee sich gestellt sieht, und erteilte das Wort zunächst Herrn Dr. Josef S. Bloch, welcher der Versammlung über eine längere Unterredung mit dem Herrn Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, welche Sonntag den 14. d. M. stattfand, referierte. Nach dieser vom Herrn Dr. Gustav K o h n erteilten Information hat sich derselbe zur Annahme der Kandidatur nach langem Widerstreben entschlossen, um das Mandat vor dem Verluste zu retten. Nach dem jetzigen Stande der Dinge sei es zweifellos, daß nicht Dr. Ofner, sondern Dr. Bloch mit dem Kandidaten der christlichsozialen Partei in die engere Wahl gelangen werde. Der Ausgang der Stichwahl sei aber dadurch gefährdet, weil die sozialdemokratischen Stimmen für die Kandidatur Dr. Blochs auch im Falle der Stichwahl absolut nicht zu haben seien. Der Kandidatur Dr. Ofners stellen sich entgegen mit aller Entschiedenheit die deutsch-fortschrittliche Partei des Bezirkes sowohl, als auch das Zentralwahlkomitee, nicht minder aber auch ein großer Teil der jüdischen Wählerschaft selber. Infolge dieser eigenartigen Situation wurde er von verschiedenen Seiten bestürmt, ans den Antrag der Komitees, welche ihm die Kandidatur anboten, einzugehen und, da dies tatsächlich der einzige Ausweg scheine, das Mandat der Leopoldstadt zu retten, Hab: er sich diesem Wunsche fügen müssen. An diese Mitteilungen knüpfte sich eine sehr eingehende, zum Teil überaus erregte Debatte, an welcher nahezu sämtliche Konserenzmitglieder teiluahmen. Allgemein wurde dem Befremden und dem Erstaunen Ausdruck gegeben, daß diese Kandidatur Plötzlich in dem Momente aufgetaucht ist, in welchem gerade die Chancen Dr. Blochs dermaßen erheblich gestiegen sind, daß man auf seinen Erfolg mit großer Zuversicht hätte rechnen können. Die Befürchtung, daß bei einer eventuellen Stichwahl zwischen Dr. Bloch und dem antisemitischen Kandidaten die sozialdemokratische Partei mit der christlichsozialen stimmen könnte, wurde von allen Seiten als kaum ernst zu nehmend zurückgewiesen. Vielfach wurde der Betrübnis Ausdruck gegeben, daß in den leitenden Kreisen der Israel. Kultusgemeinde uneingedenk der Erfolge und Verdienste des Dr. Bloch in der Vergangenheit, dessen Wert und Bedeutung für die Zukunft zum Schaden der jüdischen Aufgaben und Interessen unterschätzt und der Ernst der politischen Situation im kommenden Parlament nicht gehörig gewürdigt wird. Der bei weitem überwiegende Teil der Redner appellierte an Dr. B l o ch, den Kampf nicht aufzugeben, vielmehr auch nach den neuen Fronten zu eröffnen und stellten sich ihm für diesen Zweck unbedingt zur Verfügung. In diesem Sinne sprach sich der Obmann-Stellvertreter des Wahlkomitees Herr Oberinspektor Engel mit aller Entschiedenheit aus und nach ihm erklärte Herr Hermann Plaschkes, daß er für seine Person entschlossen ist, für die Kandidatur Dr. Blochs mit äußerster Energie einzutreten; er wendet sich mit der Anfrage an Dr. Bloch, ob er nicht vielleicht durch persönliche oder Familienrücksichten