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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-12 · 15 (12.4.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 L>v. Blocb’s Mocdenscvrin. Seite 257 stand fast ausschließlich aus Landtags-Abgeordneten und diese waren zumeist konservative Großgrundbesitzer. Es ist selbstverständlich, daß diese Clique bei der bäuerlichen Bevölkerung unpopulär und verhaßt wurde und die Bauern nun eigene Kandidaturen erwirkten. Dies führte zur Gründung der „P o lnischen Volkspartei". Im polnischen „Nationalrat" hat gegenwärtig die „A l lpolnische Partei" die Oberhand. Das ist jene Sippe, die bei den D u m a w a h l e n in, K o n g r e ß p o l e n mit dem Antisemitismus operierte und der es wohl in erster Reihe zu danken ist, wenn in Kongreßpolen kein einziger Jude in die Duma gewählt wurde. Aber die „Allpolen" gehen nicht immer nach auswärts antisemitisch agitieren. Manchmal bleiben sie im Lande und nähren sich unredlich. In Ostgalizien, wo sie schon auf starke Massen von Ruthenen und Juden stoßen, werden sie allmählich — „Philosemiten". Denn sie wollen doch ins österreichische Parlament und nicht in die russische Duma kommen! Und es ist ihnen bis jetzt noch immer gelungen, von der numerisch starken jüdischen Bevölkerung Ostgaliziens Mandate zu erlangen. Mit dieser demagogischen Clique gehen nun die „Juden" Dr. K o l i s ch e r, Dr. Löwenstein, Dr. S e i n f e l d, Dr. G o l d, Edler v. Horowitzrc. Hand in Hand. Sie geben dem polnischen „Nationalrat" das „Relief" : sie sind die „Juden", die man den Juden präsentieren — will ... Und wo sind nun diejenigen, die mit diesem System brechen wollen? ' Wo sind diejenigen, die immerwährend geschrieen, daß man das jüdische Volk Galiziens dem verderblichen Einflüsse der „Kolo Polskie“ entziehen müsse; und wie stellen sie sich zu dieser schweren Aufgabe?? . . . Die Z i o n i st e n tappen noch im Dunkeln und stehen der gewöhnlichen Maffenflucht galizischer Neuerscheinungen ratlos gegenüber. Nach wie vor haben sie große Neigung, mit den Ruthenen zu marschieren, und man munkelt, daß Fühlung vorhanden ist. Eine solche Verbindung könnte den Juden Galiziens zum größten Nachteile gereichen, denn man schafft damit für W e st g a l i z i e n das antisemitische Agitationsmittel: „Sehet, Juden und Ruthenen marschieren vereint gegen das polnische Volk!" ... Aber die ganze Praxis der Zionisten in Galizien ist total verfehlt. Diesmal, wo die Juden selbst in den Bezirken, wo sie in verschwindender Minorität sind, das entscheidende Wort zu sprechen haben, wtue eine andere Politik erfolgreich gewesen. Wie in W i e n-L eo p o ld st ad t, so haben sich die Zionisten auch hier auf den Parteistandpunkt gestellt, haben sie auch hier das Parteiinteresse dem allgemein jüdischen Interesse übergeordnet. Anstatt mit den Juden aller politischen Schattierungen zu unterhandeln, haben sie in Lemberg die Aufteilung Galiziens besorgt, ohne auf gewisse Lokalverhältnisse nur irgendwie Rücksicht zu nehmen. Ein Fehler um den anderen wurde begangen, deren viele heute leider irreparabel find. Und anstatt, daß man Vertreter der Juden sucht und unterstützt, hat man sich darauf beschränkt, zionistische Vertreter zu kandidieren. ... Besonders in K o l o m e a tritt dieser Umstand deutlich hervor. In diesem Wahlbezirke kandidiert der Wiener Advokat Dr. Josef Z i p s e r. Man sollte doch meinen, daß Dr. Josef Z i p s e r, den „Befähigungsnachweis" als Jude, wie ihn die Zionisten jedem abverlangen, längst erbracht hat. Zumindest läßt sich dies aus dem Verhalten der Zionisten selbst erklären, denen Dr. Josef Zipfer bei den Wiener Kultuswählen ein willkommener Bundesgenosse war. Damals war man auf der Suche nach zugkräftigen Namen, und da war Dr. Josef Z i p s e r. dessen Name bei den Juden Wiens wirklich zieht, der rechte Mann. Heute allerdings sucht man nach Mandaten; da ist der Prediger Dr. Thon mit einemmale jüdischer, als der echte Jude Dr. Josef Z i p s e r. Allgemein ist man erstaunt, daß die Zionisten Dr. Z i P s e r einen Gegenkandidaten gegenüberstellen und solcherart den Kampf gegen den Sozialdemokraten Dr. S ch o r r und dem „jüdischen Polen" Doktor Kolisch er erschweren. Dr. Josef Zip ser hat wie kein zweiter die innere Berechtigung, sich um das Kolomeaer Mandat zu bewerben. Er ist ein „Kolomeaer Kind"; schon als junger Student hat er in Kolomea Unterricht in den Elementarfächern, in jüdischer Geschichte erteilt, und es war sein Bemühen, den Bildungsgrad des armen, galizischen Juden zu heben. Aus den Zuschriften vieler Juden Kolomeas liest man immer wieder die Frage, warum die Zionisten ihrem einstigen Bundesgenossen den Kampf erschweren, gerade jetzt, wo es sich um die Bekämpfung des gemeinsamen Feindes handelt . . . Jedenfalls aber wird diese sonderbare Art von „Obsorge" für die Juden Galiziens bald gebührende Würdigung finden. Wenn das der ernstliche Kamps gegen die Schlachzizen ist, dann braucht der Schlacht« noch lange nicht bange zu sein! M. Sch. Vermischtes. Wien. Sonntag den 14. April 1907, 10 Uhr vormittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengaffe 4, II. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Präfidialbericht. 2. Bericht des Vertreter-Kollegiums betreffend die erfolgte Einverleibung des XXI. Gemeindebezirkes (Floridsdorf) zur Kultusgemeinde Wien. 3. Berufung von 6 Vertrauensmännern für den XXI. Bezirk. 4. Eventualia. Wien. (Verleihung des Adelsstandes.) Der Kaiser hat dem kaiserlichen Rat Bernhard P o l l a ck, Kultusvertreter in Wien, den Adelsstand verliehen. Wien. (Auszeichnungen.) Der Kaiser hat dem Generaldirektor des „Gisela-Vereines zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen" Arnold Marek und dem Direktor dieses Vereines Richard Königsberger in Wien den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Wie». Erzherzog Rainer besuchte unlängst das Atelier des Malers David K o h n, um dem Künstler zu einem Porträt zu sitzen. Das Porträt wird in Zweikreidetechnik ausgesührt. Der Erzherzog verweilte fünf Viertelstunden im Atelier des Künstlers. Wien. (Goldene Hochzeit.) Samstag den 13. d. M. feiern der nun im 40. Jahre im Dienste unserer Kultusgemeinde stehende Tempeldiener Alois T a u s s i g und seine Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Bei der großen Beliebtheit des wackeren Mannes ist in weiten Kreisen eine rege Teilnahme zu erwarten. Wien. (Goldene Hochzeit.) In seltener geistiger und körperlicher Frische begeht das Ehepaar Hermann Schnürmacher, gebürtige Trebitscher. das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Das Jubelpaar blickt an diesem Ehrentage auf ein arbeitsreiches Leben zurück und sieht seine Kinder in angesehenen, sozialen Stellungen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 7. d. M. fand im Tempel, XX., Kluckygasse, die Trauung des Fräuleins Madelaine Schreiber, Tochter des Herrn Adolf Schreiber, mit Herrn Dr. Maximilian Brunner statt. Der schönen Feier wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Man bemerkte u. A. die Herren Kultusvorsteher Ad. S ch r a m e k, Dr. H. Löwi und Frau, Sekretär kais. Rat Dr. Th. Lieben, den Vorstand des Tempelbauvereines Brigittenau mit seinem Obmanne Herrn Herm. E l t b o g e n an der Spitze rc. rc. Den Trauungsakt vollzog Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Reich in würdiger Weise, die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor B a s s e r mit dem Chor. Wien. („I t o".) An die Mitglieder der sozialistischen Gruppe ergeht die Einladung, sich Samstag den 13.d. M., 8 Uhr abends, im „Cafe Reitthoffer", XX., Mathildenplatz, ernzufinden. Herr M. Schmidt wird über den gegenwärtigen Stand der Bewegung referieren. Wien. Der Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein veranstaltet die erste Generalversammlung Sonntag den 14. April d. I., 6 Uhr nachmittags, im Hietzinger Ottakringer Bräu.

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