Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 15 Vr. Nlvrtz^s WvüLLnMzrtft. Seite 355 Generaloerlammlimg des Frauen- MohllatigkeitsVeeeines „Dusincht". Dienstag den 9. d. fand die 6. Generalversammlung des Vereines statt, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Nebst vielen Mitgliedern waren erschienen: Frl. Bondy („Bikur- Chaulim"), Frau Frankl-Schreiber („Wohlfahrtsverein"), Herr Dr. G l o g a u („Frauenhort"), Frau Berta Käs („Lehrmädchenhort"), Herr Sekretär Josef K o h n und Frau, Frau Dr. Emilie Weiß („Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeitsverein"), Herr Kultusvorsteher Ad. S ch r a m e k, Herr Dr. Stein („Elisabeth-Lehrmädchenhekm"), Herr Dr. Winternitz (Obmann der Bezirkskommission) rc. rc. Den Vorsitz führte die Präsidentin Frau Laura Goldschmidt, die einleitend der dahingeschiedenen Frau kais. Rat Berta Krüger gedenkt. Sie schildert ihr edles und humanes Wirken, ihre wahrhafte Menschenliebe. (Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) Nachdem Frau Reiß das Protokoll der letzten Generalversammlung zur Verlesung gebracht, erstatten Frau Dr. R a p p a- Port und Frau Dr. Hopfinger den Rechenschafts-, bezw. Kassenbericht, worauf nach Antrag des Herrn Berthold F i g d o r dem Vorstande das Absolutorium erteilt wird. Es entwickelte sich nun eine sehr anregende Debatte. Herr Dr. Salo Rappaport hebt vor allem die Verdienste des Frl. Selma Kurz um den Verein hervor und erwähnt die „Selma Kurz-Stiftung". Dem Frl. Selma Kurz, die durch ihre Bühnenpflicht am Erscheinen verhindert ist, gebühre der innigste Dank des Vereines. (Lebhafter Beifall.) Mit lebhaftem Applaus begrüßt, ergreift Herr Kultusvorsteher S ch r a m e k das Wort. Redner zollt den Bestrebungen und dem Wirkungskreise des Vereines volles Lob und gedenkt in warmen Worten des Vorstandes, der sicherlich nach wie vor seine Pflicht erfüllen werde. (Stürmischer Beifall.) Herr Redakteur Hirsch bespricht die aufopfernde Tätigkeit der Vorstandsdamen, von der sich die Mitglieder des Vereines, die schon mit der Zahlung des üblichen Beitrages ihre Pflicht erfüllt geglaubt zu haben, kaum eine Vorstellung machen können. Neben den Damen des Vorstandes sind es aber in erster Reihe die Herren Beiräte Dr. Rappaport und Marburg, die mit Hingebung an der Arbeit find. (Lebhafter Applaus.') Herr Professor Max Guttmann erinnert an eine sehr erfreuliche Post im Kassenbericht. Sie steht unter Rückzahlungen. Eine „arme Familie" hat dank der Hilfe des Vereines wieder eine Existenz gefunden und hat — ein Ausnahmsfall! — diese Hilfe nicht vergessen! Dies müsse jedenfalls mit Befriedigung erfüllen. (Allseitige Zustimmung.) Namens des „Brigittenauer Vereines" spricht Herr Sekretär Joses K o h n, den die Erfolge des Vereines mit tiefster Befriedigung erfüllen. Nachdem Redner noch des Hinscheidens der Frau k. Rat Berta Krüger gedenkt, richtet er an alle wahren Freunde der Humanität die Bitte, wo es nur angeht, an eine Konzentrierung der Armenpflege zu denken und dieses Ideal der Armenpflege zu fördern. Die Versammlung spendete diesen eindrucksvollen Ausführungen Beifall. Nach Herrn Dr. Winternitz, der der Präfidentin Frau Laura G o l d s ch m i e d t für die Worte aufrichtiger Teilnahme dankt, die sie hier und am Grabe der Frau Berta Krüger gesprochen, schließt die Präsidentin mit einem Appell an alle Mitglieder, auch fernerhin die Tendenzen des Vereines zu unterstützen, die glänzende Versammlung. Sämtliche Redner des Abends haben der Leitung des Vereines „Zuflucht" uneingeschränktes Lob gezollt und die Verdienste der unermüdlichen und tatkräftigen Präsidentin Frau Laura G o l d s ch m i e d t hervorgehoben. Und damit ist für jeden Kenner der Vereinsverhältnisse gewiß nicht zu viel gesagt. Dem interessanten Reckenschaftsberichte entnehmen wir. daß der Verein im Jahre 1906 K 8644.04 an Unterstützungen ausbezahlte gegen K 3750.60 im ersten Vereinsjahre. Dies ist ein sprechender Beweis für die erfreuliche Entwicklung des Vereines, dessen zielbewußte Leitung gewiß auch fernerhin bei der Arbeit für die vielen Armen zu finden sein wird. M. Sch. * * * Die Wahlen in den Vorstand ergaben folgendes Resultat: Ersatzwahl: Frau Clara Borger, Frau Therese Blüh, Frau Hermine Gerber, Frau Professor Sabine Guttmann, Frau Dr. Kamilla Hirsch, Frau Dr. Berta H o p f i n g e r, Frau Ernestine März. Neuwahl: Frau Anna Herzog, Frau Regina Lackenbacher, Frau Berta N u ß b a u m, Frau Irma Frau Johanna Schlesinger. Revisoren: Herr Berthold F i g d o r, Herr Ludwig Taub, Herr David Gold. Beiräte: Herr S. Blüh. Herr Professor Max Guttmann, Herr Gustav Marburg. Herr Dr. Salo Rappaport, Herr Adolf Reiß, Herr Adolf S ch r a m e k, Herr Ignaz Stern, Herr Dr. Alfred G l o g a u, Herr Josef Borger. Kontrollor: Herr David Kolieb. Korrespondenzen. An jüdische Mädchen nnd Frauen! Im Anschluß an das Spital der israelitischen Kultusgemeinde in Wien wird eine Schule zur Heranbildung von Krankenschwestern für Spitalsnnd Privatpstege errichtet werden. Mädchen und Frauen im Alter von 20—35 Jahren, welche mindestens Bürgerschulbildung besitzen, der deutschen Sprache vollkommen mächtig find und Lust zum Pflegerinnenberufe haben, bietet sich dadurch Gelegenheit zu humanitärer Tätigkeit, sowie auch zu dauernder Versorgung. Bewerberinnen müssen sich nach dem ersten Lehrjahre verpflichten, mindestens 3 Jahre gegen Entlohnung dem Schwestern-Jnstitute anzugehören, können aber auch nach dieser Zeit im Verbände desselben verbleiben und nach einigen Jahren Pensionsberechtigung erlangen. Bewerberinnen, die bereits im praktischen Pflegedienst gestanden sind, werden bei der Aufnahme nicht bevorzugt. Selbst geschriebene Gesuche (mit Angabe des bisherigen Lebenslaufes) find zu richten an die Humanität s-B ereinigung „Eintracht" B B („Pstegerinnercheim"), Wien, IX., Univerfitätsstraße 4, woselbst auch auf schriftliche Anfragen genauere Auskunft erteilt wird. Zur Anti-Duellbewegnng. Hochgeehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie, mir eine Erwiderung auf eine Bemerkung in einer ihrer letzten Nummern, die mich zu lebhaftem Widerspruch herausfordert, zu gestatten. Sie warnen die Juden, sich an der Antiduellbewegung zu beteiligen. Sie hätten lange genug den lügnerischen Vorwurf der Feigheit getragen. Nun, die Duellgegncr werden heutzutage noch so heftig angegriffen, daß mehr Mut dazu gehört, sich nicht zu schlagen, als sich zu schlagen. Von jenem moralischen Mut nämlich, der den Stolz eines Volkes ausmachen kann. Und ist es wirklich mutiger Männer würdig, aus Furcht vor dem Vorwurf der Feigheit gegen ihre Ueberzeugung zu handeln? Ich will hier nicht die Gründe für und wider das Duell untersuchen. Ich will nur jene Juden, die das Duell verurteilen, gegen den Vorwurf verteidigen, daß sie durch die Aeußerung und Betätigung dieser Verurteilung ihren Glaubensgenoffen schaden. Es ist auch nur eine oberflächliche Behauptung, das Duell schütze vor Beleidigungen. Welchen Schutz gibt das Duell gerade den Juden gegen Beleidigungen, insbesondere gegen Beleidigungen ihres Glaubens? Hat nicht gerade das