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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-12 · 15 (12.4.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 ü)u Ltocv s Mlocdenscdrui. Seite 247 Rohling mit dem Nimbus eines „k. k. Professors" an der ältesten deutschen Universität, als Priester der katholischen Kirche auf; er erbot sich bei jeder Gelegenheit. seine Behauptungen gerichtlich mit dem Eide zu bekräftigen, überschüttete den Leser, der sie nicht kontrollieren konnte, mit einem wahren Wolkenbruch von erlogenen, gefälschten, verdrehten Zitaten und spekulierte mit wahrhaft teuflischem Behagen auf die niedrigen Leidenschaften des großen Haufens, der jederzeit schnell bereit ist, die praktischen Konsequenzen aus derartigen „wissenschaftlichen" Leistungen zu ziehen, er wurde bejubelt und gefeiert und verherrlicht als eine „wissenschaftliche Leuchte". Auf den österreichischen Gymnasien waren diese Schanduud Lügenschriften sozusagen die Modelektüre der Professoren geworden und ein jüngerer Philologe, der als Supplent au ein Gymnasium in Niederösterreich kam, ohne die Werke des großen Prager „Talmudisten" studiert zu haben, erzählte, daß er von seinen Kollegen wegen seiner Unwissenheit viel gehäuselt wurde; man beeilte sich, ihm ein Exemplar von R o h l i n g's neuester Schrift unentgeltlich zu überreichen. In den Wirtshäusern las man die „Tribüne" den Gästen laut vor und die Juden scheuten sich, die öffentlichen Lokale zu besuchen. Das Schlimmste war, daß auch zahlreiche Juden anfingen, den Verleumdungen Glauben zu schenken. War es möglich, gestattet, solchem Treiben länger schweigend zuzuschauen? In einer jüdischen Buchhandlung in der Praterstraße begegnete mir damals ein jüdischer Offizier, der vor Herrn Ch. D. Lippe das bittere Wort sprach: „Glauben Sie, daß es mit der Ehre meiner Offiziersuniform für die Dauer verträglich sein wird, wenn die ersten Rabbinen Oesterreichs den Vorwurf der „Schelmerei" ruhig hinnehmen, als wäre nichts geschehen?" Dieses Wort, das ich zufällig vernommen und eine Situation voll tiefer Beschämung, peinlicher Demütigung blitzartig offenbarte, trieb mich nach Hause, und nach 24 Stunden erschien ich wieder bei Herrn Lippe mit der nachher berühmt gewordenen Antwort gegen Rohling, betitelt: „Professor Rohling und das Wiener Rabbinat" oder „Die arge Schelmerei". So entstand denn — ohne jegliche fremde Anregung und Ermunterung — die in der „Wiener allgemeinen Zeitung", damals ein sehr großes Tagblatt, als Beilage erschienene Streitschrift, ohne daß auf deren Abfassung und Gestaltung irgend Jemand den geringsten Einfluß genommen oder von derselben auch nur Kenntnis erlangt hätte. Für einen unglücklichen Ausgang des unternommenen öffentlichen Kampfes sollte Niemand anderer als ich allein die Verantwortlichkeit tragen. Aus dem Inhalt dieser Streitschrift einen Auszug zu bieten, gestattet leider der Raum des Blattes nicht. Wer sich dafür interessiert und erfahren will, wie der Gegner, aus einer Position nach der andern verjagt, schließlich dazu gedrängt wurde, den Prozeßweg zu beschreiten, der lese das Werk: „Akten und Gutachten in dem Prozesse Rohling eontra Bloch" (Wien 1890, M. Breitensteins Verlagsbuchhandlung). Die Wirkungen aber, welche alle diese Streitschriften contra Rohling auf die eigenartige Stimmung einer nervös aufgeregten öffentlichen Meinung erzielten, spiegeln sich besonders in den hunderten und hunderten von Telegrammen und Zuschriften ab, welche aus allen Teilen der Monarchie nach Floridsdorf an den Verfasser gelangt sind. Eine Anzahl dieser Briefe mögen als Dokumente der Zeitgeschichte nachstehend aneinandergereiht werden. Von der Wiener Börse erschien eine Deputation und überbrachte eine Adresse, in der es unter anderem heißt: „Im Namen der Wissenschaft hat ein Mann, welcher die Aufreizung handwerksmässig betreibt, neuerdings einen Kampf gegen uns unternommen, einen Kampf, in welchem Unwahrheit sein Schild, Verleumdung seine Waffe war. Dieser Kampf musste auf genommen und ausgetragen werden. Sie, geehrter Herr Doktor, haben sich der Herausforderung gestellt und, indem Sie der beleidigten Wissenschaft Genugtuung verschafften, zugleich sich um das Judentum und jeden einzelnen Bekenner desselben ein hohes Verdienst erworben.“ „Möge nie wieder eine ähnliche Fehde entbrennen! Wird sie uns aber aufgedrängt, dann wünschen wir uos einen Sachwalter von Ihrer Kraft und ßesinnungstflehtigkeit.* Dr. Ad. Iellinek war über die Wendung der Dinge durch mein Eingreifen geradezu glücklich und er sagte: „Die Juden haben keine Ahnung, welch hohen Dienst Dr. Bloch ihnen erwiesen hat", und in der „Neuzeit" Nr. 52 vom Jahre 1882 berichtete er: „Der geheime Kirchenrat Professor Franz Delitzsch äußerte, daß die Erwiderung des Herrn Rabbiners Dr. Bloch gegen Rohling in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" das Beste sei, was bisher gegen Rohling geschrieben wurde." Am 14. Oktober 1892 richtete Dr. Adolf J ellinek „Ein offenes Schreiben an Herrn Reichsrats-Abgeordneten Dr. B l o ch", in welchem es heißt: „Seit Jahren haben Sie Ihre Tatkraft, Ihre Kenntnis des jüdischen Schrifttums, Ihren glühenden Eifer für die höheren Interessen unserer Glaubensgenossen zur rücksichtslosen und energischen Bekämpfung der antisemitischen Ignoranten und Sykophanten, Fälscher und Verführer, Hetzer und Schürer, Verleumder und Verfolger, Lügner und Lumpen, mit sichtbarem Erfolge gebraucht. Sie besitzen die Ausdauer und die Unermüdlichkeit, aeu Kampf gegen unsere Feinde zu führen und ihnen tüchtige schlage zu versetzen.“ Ein hoher adeliger Offizier in der königlich ungarischen Leibgarde schrieb: „In der Beilage der Wiener .Allgemeinen Zeitung vom 6. d. M. linde ich einen Artikel von Euer Hochwürden geschrieben: „Des Professor Rohling neueste Fälschungen. „Indem ich m der „Tribüne“ auch Behlings Artikel gelesen habe, so war es mir von sehr hohem Werte, die Widerlegung fachmännischerseits kennen zu lernen; umsomehr, da mir mein Gefühl sagte, dass Behlings Darstellung Entstellung sein müsse. .Nicht das ist der Grund, warum ich Euer Hoch würden angehe. Es drängte sich mir aber unwillkürlich die Frage auf: Haben denn die Juden nicht Mittel genug, um so eine Sehriit, die besonders bei der jetzigen antisemitischen Strömung die Besorgnisse der Unwissenden beheben, die christlichen Gelehrten zur angestrengten Forschung ermuntern möchte, aut die mannigfaltigste Art zu verbreiten? Ich suche vergebens in allen übrigen Journalen Wiens und Budapests, wo besonders in letzterem Orte wegen der noch immer Aufregung erzeugenden Tisza-Kaziar-Angelegenheit ein sehr grosser Teil selbst der sogenannten besseren Gesellschaft alteriert ist. obwohl es besonders notwendig wäre, Licht zu verbleiten in ähnlichen Beilagen wie in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“. Es würde sich meiner Ansicht nach sehr empfehlen, so vorzugehen, wie es die Antisemiten tun. Der Lieg Ihrer gerechten Sache kann nicht ausbleibe n. Lassen Sie B o h i i n g s Schriften mit Ihren Bemerkungen in die Landessprachen, btsonders ins Ungarische übersetzen und den Zeitungen beilegen; der ganze antisemitische Schwindel wird in kürzester Zeit aufhören“. Czernowitz: Israelitischer Kultuspräses Naftali T it t i n g e r: „Ich will nicht verabsäumen, mich all jenen herzlichen und wohlverdienten Danksagungen aus ganzem Herzen anzuschliessen, welche Ihnen von so vielen berufenen Vertretern der Intelligenz, Aufklärung und Toleranz in der ganzen zivilisierten Welt ahyestattet wurden, und auch meinerseits die Bewunderung des Mannesmutes und der geisIlgen Kraft auszudrücken, mittelst welcher Euer Ehrwürden im Interesse des Judentums einem verwegenen Widersacher desselben entgegengetreten sind.“ Eperies: Leo Holländer, Distriktspräses: „Dreifach sei Ihnen für die Mannestat Dank gesagt. Sie haben uns in schwerer Stunde einen unschätzbaren Dienst geleistet, einen Schimpf von uns abgewischt, unsere Ehre gerettet, und ich zittere bei dem Gedanken der Möglichkeit, dass eine solche Ruhmestat mit schnödem Undank von uns gelohnt werden sollte.“ Erlangen: Der Professor der Theologie und hebräischen Altertümer an der Universität, Dr. Köhler,

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