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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-05 · 14 (5.4.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
14 (5.4.1907)
Date
1907-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14 Seite Z3A Dr. Vlocb's Mocdenscbrifk. stoch im Jahre 1903 dem VI. Kongresse in Basel das ostäfrikänische Projekt der englischen Regierung vorgelegt hat. Das Projekt rief einen heftigen Protest seitens des radikalen Teiles der zionistischen Bewegung hervor, der darin die Verletzung der buchstäblichen Deutung des Baseler Programms, d. h. des Prinzipes der öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina sah. Jedoch die Mehrheit des Kongresses hat in Uebereinstimmung mit Herzl die Notwendigkeit einer Expedition in das projektierte Gebiet eingesehen. Eine leidenschaftliche Agitation xro und eoutra hatte zum Resultat eine kleine Reibung in der zionistischen Partei und infolge der feindlichen Stellung der zionistischen Führer dem ostafrikanischen Projekte gegenüber wurde dasselbe mit „Hilfe" des einseitigen und tendenziösen „Berichtes" auf dem VII. Kongresse in Basel 1905 zum Tode verurteilt. Der Kongreß tvüt nün zu einer völligen Ablehnung des Projektes vorbereitet und beschloß, sich an die praktische „Arbeit" in Palästina und „Nachbarländern" zu wenden. Die Opposition, aus 150 Delegierten und Gästen bestehend, verließ den Kongreß und bildete eine selbständige „Jüdische Territorialistische Organisation" unter der Führung des berühmten Schriftstellers und Herzl's Freundes Israel Zangwill. Die neue Organisation hat in Rußland eine breite Agitation begonnen. Die Sympathie seitens der jüdischen Massen hob sich immer mehr, besonders mit dem Wüchse der jüdischen Maffenemigration, da sich die „Jto" zur Aufgabe die Regulierung derselben durch ein besonderes „Departement" gestellt hat. Nach der mit Beifall aufgenommenen Rede von Doktor Rabinowicz sprach Redakteur Leo Paperin. Der Redner wies auf die zweifellose Möglichkeit der jüdischen Kolonisation hin, besonders in unseren Jahren, wo die Kolonisationsbewegung immer mehr an Kräften zunimmt, die zu einer Umwandlung der Karte der bisher schwach oder unbefiedelten Weltteile und zur Gründung von neuen wirtschaftlichen und staatlichen Gesellschaftseinheiten führt. Durch den starken Anteil an der Emigrationsbewegung find die Juden imstande, diesen Prozeß auszunützen. Dazu kommt noch das Interesse der Bevölkerung der Jmmigrationsländer, welche unter der jüdischen Wanderung leidet, bedeutungsvoll in Betracht. Die Regierungen müssen sich infolgedessen immer mehr mit dieser brennenden Frage befassen und auf diese Weise bekommt die jüdische Emigrationsftage einen internationalen Charakter. Die Autonomie, welche die „Jto" als Forderung aufstellt, ist aber nur dort leicht zu erlangen, wo dieselbe ein grundlegendes Prinzip ist. Die Form jener Autonomie ist natürlich von der Stellung der maßgebenden Regierung abhängig. Als Mitglied des „Jto"-Direktoriums betonte Paperin die wahre Begeisterung der Führer, die schon jetzt imstande find, uns zu versichern, daß das angestrebte Ziel nicht lange auf seine Realisierung zu warten hat. Der folgende Redner Dr. Epstein erklärte die Ursachen der jüdischen Massenwünderung. Sie sind in der Minoritätsstellung der jüdischen Massen zu suchen. Das Resultat dieser Tatsache ist, daß die Juden von den sie umgebenden Völkern ausgestoßen und zur Auswanderung gezwungen werden. Daher weisen die Juden das größte Perzent der Emigration auf, so daß selbst das des Bevölkerungszuwachses hinter jenem bleibt. Traurig ist es aber, daß die russischen Juden noch bisher nicht erwacht find Und noch nicht für die Schaffung einer Heimstätte sorgen, wo die Juden eine Majorität bilden sollen. Ein lehrreiches Beispiel einer energischen Initiative ist die mit kleinen Mitteln begonnene Kolonisation der „Ducheboxen" in Kanada. Wir können nun hoffen, daß die noch bisher herrschende leichtsinnige Auffassung des Judenproblems, durch den objektiven Gang der Zeit vernichtet, sich in den Territorialismus umwandeln wird, und dann ist die Bedingung der Realisierung desselben unzweifelhaft. Nach einigen Reden wurden die Organisationsfragen besprochen, das Komitee ausgewählt und die Versammlung mit Hochrufen auf Zangwill, der ein Begrüßungs-Telegramm gesandt hat, geschloffen. (Hilfsverein und Jto.) Dem soeben erschienenen Jahresbericht des Hilfsvereines der deutschen Juden entnehmen wir über die Kooperation zwischen der Jto und dem Hilfsverein folgenden Passus: „Neue Einwanderungsmöglichkeiten. Wie im vorigen Jahre so waren auch im Jahre 1906 unsere Bemühungen darauf gerichtet, die Auswanderungsmöglichkeiten für jüdische Auswanderer zu vervielfältigen, denn die Länder, nach denen jetzt der Hauptstrom der jüdischen Auswanderer geht, können auf die Dauer die Massen der Juden, die durch die Verhältnisse im Osten Europas gezwungen werden, ihre Heimat zu verlaffen, nicht aufnehmen. Die Vorsitzenden des Hilfsvereins, die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan, find aus diesen Gründen der geographischen Kommission, welche die Jewish Territorial Organisation (Jto) eingesetzt hat, beigetreten. Neben ihnen gehören dieser Kommission noch an Lord Rothschild, London, Oskar Strauß, New- Aork, und Profeffor Mandelstamm, Kiew. Ferner bilden unsere Vorsitzenden, die Herren James Simon und Dr. Nathan, mit Herrn Dr. Klee zusammen das Berliner Komitee der Jto, das die Arbeiten für den Plan, die jüdischen Einwanderer nach den Süd- und Weststaaten der Union zu lenken, in Deutschland zu leiten und zu überwachen hat. Eine große Zahl von Siedlungsprojekten lag uns auch dieses Jahr zur Prüfung vor; nicht alle konnten wir gutheißen, aber manche verdienen die sorgfältige Beachtung, die wir ihnen haben zuteil werden lassen. Die vielen Projekte, die in den Zeitungen austauchten, die Anpreisungen von Landagenten und Schiffahrtsgesellschaften mußten von uns auf ihren tatsächlichen Wert geprüft werden. In einer Reihe von Fällen haben wir durch unsere Auskünfte den Auswanderungslustigen neue Wege geöffnet, viel bedeutender ist aber die Zahl derjenigen, die wir rechtzeitig davor warnen müffen, falschen Gerüchten und aus Geschäftsinteressen von interessierten Kreisen veröffentlichten Informationen zu trauen und nach Ländern sich in Bewegung zu setzen, in denen sie kein Fortkommen hätten finden können." Professor Dr. Martin Philippsohn über die Jto. In dem soeben erschienenen Jahrbuch des nunmehr 209 Vereine umfassenden Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur gibt Profeffor Dr. Philippsohn wie alljährlich einen Rückblick auf das verfloffene Jahr. Er schließt mit der Begründung der Jto durch Israel Zangwill und widmet der Jto folgende warme Worte: „Ihren menschenfreundlichen Bestrebungen, die bei der englischen Regierung ein verständnisvolles Entgegenkommen gefunden haben, ist bestes Gelingen zu wünschen. Möchten die verfolgten Söhne Israels eine Scholle finden, die fie ihr eigen nennen dürfen." Im Verlage der „Jüdisch-territorialistischen Organisation für Oesterreich" ist die Rede Zangwills über die „Regulierung der Emigration" in Broschürenform erschienen. Ein kurz gefaßtes Vorwort erläutert in anschaulicher Weise die Ziele und die Bedeutung des Territorialismus. Die Broschüre ist gegen Einsendung von 25 Heller portoftei auch durch die Administration unseres Blattes zu beziehen. Vermischtes. Hilfsaktion der „Israelitischen Allianz" für Rumänien. Nachdem in der Moldau die Ruhe vollständig wiederhergestellt wurde, kehrten kurz vor den Feiertagen etwa 350 Familien von den in Jtzkany und Suczawa angesammelten Flüchtlingen in ihre Heimatsorte Burdujeni, Buceca und andere Städte zurück. Durch das von der „Israelitischen Allianz" eingesetzte und von Herrn Oberrabbiner Dr. Rosenfeld in Czernowitz im Verein mit Herrn Kultusvorsteher Dr. Finkler in Suczawa und Herrn Samuel' Hellmann in Jtzkany geleitete Hilfskomitee wurden den Aermsten dieser Familien zunächst für die Feiertage Unterstützungen in ausreichendem Maße gewährt. Diejenigen, welche noch etwas von ihrer Habe gerettet hatten,

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