Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 14 (5.4.1907)
- Date
- 1907-04-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 238 Dr. JSlocb’s MocbensebrLN. Nr. 14 WaS die einzelnen, von dem Vereine in Galizien eingeführten Industrien betrifft, so erklärt er deren Stand als einen befriedigenden. Irische Spitzen wurden seit Neujahr um 37—38.000 K geliefert. Bei dieser Bewertung wird bloß der Arbeitslohn, nicht aber düs Material in Rechnung gezogen. Da im Fahre 1906 im ganzen irische Spitzen im Lohnwerte von 98.500 K eingesendet worden waren, so ist vorauszusetzen, daß das Ergebnis des Jahres 1907 daS des Vorjahres wahrscheinlich übertreffen wird. Der im Dezember 1906 veranstalteten Wiener Spitzenausstellung folgte im Jänner 1907 eine ähnliche Ausstellung in Prag, bei der ein überraschend hoher Erlös erzielt wurde (19.000 K). In Brünn, Krakau und Lemberg dürsten solche Ausstellungen in den nächsten Monaten veranstaltet werden und die Vereinsleitung hat sich auch mit reichsdeutschen Städten zu dem gleichen Zwecke bereits in Verbindung gesetzt. Die Spitzenklöppelei macht sehr ersteuliche Fortschritte. Während im Jahre 1906 der Wert der fertiggestellten Klöppelspitzen im ganzen 1900 K betragen hatte, beläuft er sich für die ersten zwei Monate des Jahres 1907 bereits auf 1174 K, eine Tatsache, die umso angenehmer ist, als es fich hier nicht um einen Mode-, sondern um einen Bedarfsartikel handelt. Die Vereinsleitung bemüht sich in der letzten Zeit, Mittel und Wege zu finden, durch welche die Haarnetzerei einen neuen Auffchwung erhalten könnte. Die Besprechungen, die hierüber mit den beteiligten Personen gepflogen werden, find noch nicht abgeschloffeu. Dagegen ist der Vertrag mit einem Unternehmer in Przemysl, durch den eine Anzahl jüdischer Mädchen mit der Herstellung von Krägen, Manchetten rc. außerhalb seiner Fabrik beschäftigt werden soll, dem Abschluffe nahe. Von den anderen, vom Vereine eingeführten Industrien ist nichts Neues zu berichten. Nach den Feiertagen wird nach und nach an mehreren Orten Galiziens eine neue Spitzenindustrie (Filet- Guipure) eingeführt werden; es werden dies solche Orte sein, Mo bereits -die Spitzenhäkelei besteht. Die Ursache, warum gerade diese Orte ausgewählt werden, liegt darin, daß die Vereinsleitung die Abficht hat, einen Teil der mit der Spitzenhäkelei beschäftigten Arbeiterinnen von dieser Industrie abzuziehen und der neuen zuzuwenden. Was die Frage der Zuführung der galizischen Juden zur Landwirtschaft betrifft, so wurden die seinerzeit von einer Reche fachkundiger Personen eingeholten Gutachten einem Komitee von drei in Galizien seßhaften, der Landwirtschaft kundigen Herren zur Stellung von Anträgen zugewiesen. Daneben beschäftigt fich die Vereinsleitung infolge eines dahingchenden Ansuchens einer galizischen Kultusgemeinde mit der Frage der Errichtung einer Gartenbau schule, die mit einer Korbflechtereischule so in Verbindung zu bringen wäre, daß die Schüler auch im Winter eine Beschäftigung finden. Der Sekretär gibt auch einige finanzielle Daten aus dem II. Teile des Jahresberichtes pro 1906, der noch nicht ausgesendet wurde, bekannt. Es zeigt fich daraus, daß es dringend notwendig ist, die Zahl der Vereinsmitglieder und damit auch die Höhe der Jahresbeiträge zu steigern, damit das so ersprießlich begonnene Werk fortgesetzt und die Tätigkeit der Bereinsleitung eine immer ausgedehntere werden kann. Der Obmann des Auffichtsrates, Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher, erstattet hierauf Bericht über die Gebahrung der Vereinsleitung und beantragt, ihr das Absolutorium zu erteilen, ein Antrag, der einstimmig angenommen wurde, Bei dem Punkte der Tagesordnung „Anträge der Ortsgruppen" entwickelt fich eine kurze Diskuffion. Herr Bruck, Obmann der Ortsgruppe Teplitz-Schönau, gab die Anregung, in Teplitz ein Spitzenlager zu errichten oder eine Ausstellung zu veranstalten. Herr Bacher, Obmann der Ortsgruppe Prag, gibt bekannt, daß möglicherweise in kurzer Zeit von dem Künstlerinnenklub eine zweite Ausstellung unserer Spitzen veranstaltet werden wird. Herr Wilhelm Pappenheim gibt als Vertreter der Jsr. Allianz in Wien die Erklärung ab, daß dieser Verein gerne bereit sei, den Galizischen Hilfsvereiu in seinen Bestrebungen auch materiell zu unterstützen. Der Vorsitzende dankt den Obmännern der Ortsgruppen Teplitz und Prag für ihre Mitteilungen und letzterem insbesondere für die außerordentliche Tätigkeit, die von ihm der Prager Ortsgruppe, dann von den Mitgliedern der dortigen B'nai B'rith-Vereinigungen und deren Damen anläßlich der Spitzenausstellung entwickelt wurde, mit herzlichen Worten und nimmt die Erklärung des Herrn Pappenheim zur befriedigenden Kenntnis. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, u. zw. in die Bereinsleitung die Herren: Jur. Dr. Edmund Kornfeld, Gottlieb Lederer, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, Jur. Dr. Wilhelm Pappenheim, David Rotter, Otto Janovski (neu), Hugo Tugendhat, sämtliche aus Wien, Jur. Dr. M. Hammerschlag, Prag, Direktor Alois Schwarz, Mähr.- Ostrau (neu), S. von Horowitz, Lemberg, Dr. Nathan L ö w e n st e i n, Landtagsabgeordneter, Lemberg (neu); in den Auffichtsrat die Herren: Julius Granichstädten, Jnr.Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Nsä. Dr. Leopold Kohn, Ferdinand Löwy, Wilhelm Pappenheim, illeä. Dr. Jfidor Samuely, Theodor Wantoch, sämtliche aus Wien; endlich in das Schiedsgericht die Herren: Wilhelm A n n i n g e r, kaiserl. Rat, Michael Benies, Jur. Dr. Julius Hermann, k. k. Notar, Phil. Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner, Jur. Dr. Alois Klemperer, Jfidor Popper, kaiserl. Rat Leopold Sachs, Jur. Dr. Alfred Stern, Julius Wolf, Josef Zucker. Zu bemerken ist, daß die in die Vereinsleitung gewählten erstgenannten zehn Herren nur den dritten Teil dieser Körperschaft ausweisen, da jährlich bloß eine Drittel-Erneuerung derselben stattfindet. Hierauf wurde die Generalversammlung geschloffen. Unter den Anwesenden bemerkten wir außer den bereits früher als Teilnehmer genannten die Herren: Dr. Arnold Ascher, Notar Dr. Julius Bermann, Gottlieb Bettelheim, Professor Feuerstein (Bielitz), Franz Frankl, Josef Freudenberg, Julis Granichstädten, Dr. Adolf K a p r a l i k, Jaques Karpeles, Karl Klemperer, Dr. Edmund Kohn, Dr. Edmund Kornfeld, Dr. Albert Kuh, Redakteur Dr. S. R. Landau, Siegfried Lemberg er, Redakteur Dr. M. Löwy, Dr. Wilhelm Pappenheim, Adolf Pick, Heinrich Po llak, Professor Dr. Josef Po llak, Hugo Popper, Baurat Wilhelm S t i a ß n y, Richard T e w e l e s rc. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugefichert wird, werden diese unsere Glaubensgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen fich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit der Vereinsleitung, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu. fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich K 4.—; Beitrittserklärungen find an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggaffe 4 zu richten. Konstituierende Versammlung der Odessaer Territorialisten. Am Sonntag den 17. d. M. veranstaltete in Odessa die hiesige, unlängst legalisierte „Jüdische Territorialistische Gesellschaft" ihre konstituierende Versammlung. Anwesend waren zirka 500 Bürger. In der Eröffnungsrede gab Dr. Rabinowicz einen kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der territorialisti^ch-n Bewegung seit der Zeit, als der verstorbene Dr. Herzl