Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 14 (5.4.1907)
- Date
- 1907-04-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Vr. Bloches Wochenschrift. Seite 3d7 an ddm Prinzips einer momentanen Austragung des Klassenkampfes festhalten, so erscheint die Frage nach der Möglichkeit und Opportunität eines Klaffenkampfes in Palästina unter den heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen wohl nicht unberechtigt? Dem stimmt Oppenheimer völlig zu und erklärt: „Bei einer ausbeuterischen Bourgeoisie und klassenbewußten Arbeitern wird es natürlich zu Kämpfen kommen. Da kann das Land kein Hindernis sein. Ich gebe aber zu, daß unter den heutigen Verhältnissen der Klassenkampf eine Schädigung unseres Einheitszieles bedeutet. Ich habe das Mittel, es zu verhindern. Aber natürlich, ich werde es keinem Menschen mitteilen, denn, wenn ich heute sage, ich habe die Lösung der sozialen Frage gefunden, so werde ich einfach als Irrsinniger eingesperrt. Und mit Recht. Daher werde ich auch meine diesen Punkt betreffenden Gedanken bei mir behalten ..." Ich kann, aufrichtig gesprochen, nicht recht verstehen, wie Sie das ändern konnten. Der Gedanke ist doch von einer erschütternden Komik, daß ich Herrn Schacherl als Interviewer Geheimnisse meiner Seele zur Veröffentlichung anvertrauen sollte, die ich im selben Momente mit so starken Gründen zur Veröffentlichung als nicht geeignet bezeichne. Ich habe auch in der Tat natürlich nichts dem ähnliches gesagt. Ich besitze keine Geheimmittel zur „Lösung der sozialen Frage". Was ich in Bezug auf die Ursache der sozialen Verwicklung und in Bezug auf ihre „Tendenzen", d. h. auf den wahrscheinlichen Gang ihrer weiteren Entwicklung gefunden zu haben glaube, habe ich, der Pflicht eines Forschers getreu, ohne Hinterhältigkeit veröffentlicht. Und in diesen Veröffentlichungen findet sich (Großgrundeigentum und soziale Frage. Berlin 1898, p. 490) wörtlich der folgende Satz: „Es braucht kein glücklicher Entdecker zu kommen, um die „soziale Frage zu lösen". Sie ist kein Problem für einen „Heros" des Witzes, sondern die Krankheit eines gewaltigen Körpers, der heilt sich selbst, ohne Arzt, ohne Heros." Ich meine, das ist wohl unzweideutig und dürfte genügen, um darzutun, daß Herr Schacherl, dem ich nur wenige Minuten bewilligen konnte, mich gründlichst mißverstanden hat. „Autosuggestion der Interviewer-Phantasie?" Die Sache wird sich derart aufklären, daß ich gesagt habe, ein Klassenkampf sei in Palästina nicht zu befürchten, wenn die von der zionistischen Partei empfohlene genossenschaftliche Grundeigentumsordnung zur Einführung gelange. Ich sei aber nicht in der Lage, in meinem Vortrage darauf einzugehen, weil die Begründung dieser Behauptung viele Stunden erfordern würde. Würde ich aber nur behaupten — ohne es zu beweisen — daß wir die Organisation zu besitzen glaubten, um den sozialen Klassenkampf nicht zur Entstehung kommen zu lassen, dann würde man mich einsperren. Auf die anderen Punkte will ich nicht eingehen. Mit hochachtungsvollem Gruße Dr. Franz Oppenheimer. Erwiderung. Vorstehende ..Berichtigung", die übrigens keine ist und in keiner Weise den usuellen Normen einer solchen entspricht, scheint mir etwas zu weit zu gehen. Wollte ich sie auf ihr richtiges Maß reduzieren, so mußte ich Herrn Dr. Franz Oppenheimer entgegnen, daß er mit seiner Begründung, weshalb „Herrn Schacher! Mißverständnisse leicht zuzutrauen sind," — entschieden irrt. In seinem, vor kurzem in Wien für den „Kolonisationsverein" gehaltenen Vortrag behandelte Herr Professor Marburg, sowohl die wirtschaftliche wie i nd u st r i e l l e Entwicklung P a l ä st i n a s, ja, er besprach sogar die industriellen Voraussetzungen recht ausführlich, was eine Lektüre des in Broschürenform erschienenen Vortrages deutlich beweist. Im übrigen aber neige ich mich gerne vor dem Fachmanne Dr. Franz Oppenheimer und halte es trotz des oben erwähnten Vortrages für leicht möglich, daß Herr Professor Marburg keine fachmännische Autorität für die industrielle Entwicklung Palästinas ist. Was nun den nach Ansicht des Herrn Dr. Franz Oppenheimer nicht „druckfähigen" Passus betrifft, so wird er nach nochmaliger Durchsicht meines Interviews sicherlich zur Ansicht gelangen, daß dieses Mißverständnis durch das Fehlen eines Satzes entstand. Nachträglich konstatiere ich nämlich aus meinen Notizen, daß vor dem Satze „Ich habe das Mittel" . . . usw., ein Passus käme: „d a s wäre Sache einer Vororganisatio n." Mit der Zusammenziehung dieser beiden Sätze ergibt sich offenbar der richtige Sinn und deckt sich nun im ganzen und großen mit den nunmehrigen Ausführungen des Herrn Dr. Oppenheimer. Ich kenne sein Buch „Großgrundeigentum und soziale Frage" und konnte schon deshalb weder unter Einfluß der „Autosuggestion der Interviewer- Phantasie", noch unter dem einer anderen suggestiven Erscheinung diesen Lapsus, der nicht einmal ein Mißverständnis ist, begeben . . . Schließlich wird Herr Dr. Franz Oppenheimer keinen Augenblick daran zweifeln, daß es mir in einem Interview mit einem Nationalökonomen niemals um die Erforschung von „Seeleugeheimnissen" zu tun ist und halte ich den naivsten Leser nicht für fähig, diesem Passus zu entnehmen, daß sich Herr Dr. Franz O p p e n h e i m e r im Besitze eines „Gehelm.nittels zur Lösung der sozialen Frage" befinde. Max S ch a ch e r l. Wien. An den Vorstand des Vereines „Beth Israel" hat der israelitische Kultuspräfident Herr Dr. Alfred Stern nachstehendes Schreiben gerichtet: An den geehrten Vorstand des Synagogen Vereines „Beth Israel" Wien. Aus der letzten Nummer von Dr. Blochs „Wochenschrift" entnehme ich den von dem sehr geehrten Obmann-Stellvertreter Ihres Vereines, Herrn Max Rosenfeld, in Ihrer Generalversammlung vom 24. März verlesenen Bericht. In demselben findet sich ein Vorfall reproduziert, welcher zur Zeit der Wahlen in den Kultusvorstand vielfach besprochen wurde und auch Anlaß zu einer Intervention von meiner Seite bot. Dasjenige, was nun in dieser letzteren Beziehung seitens Ihres Obmann- Stellvertreters Herrn Roscnfeld berichtet wurde, entspricht nicht den Tatsachen. Ich ersuche Sie höflich, dies zur Kenntnis nehmen zu wollen. Wien, 1. April 1907. Hochachtungsvoll Der Präsident: Dr. Alfred Stern m. p. Hilfsvereitt für die notleidende jüdische Bevölkernng in Galizien. Sonntag, am 24. d. M., fand die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in den Räumen der B'nai B'rith-Vereinigungen, IX.. Universitätsstraße 4, statt. Nachdem der Vizepräsident Herr Lederer in Vertretung des Präsidenten Herrn Sigmund Mayer die Versammlung eröffnet und die Anwesenden, insbesondere aber die Delegierten der Ortsgruppen und die Gäste begrüßt hatte, teilte er mit. daß Begrüßungsschreiben und -Telegramme, dann Entschuldigungsschreiben einlangten vom Hilsskomitee sür die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., von der Jewish Colonisation Association in Paris, vom Verband der österreichischen B'nai B'rith-Vereinigungen, von den Kultusgemeinden Wien und Mähr.-Ostrau, von den Ortsgruppen Jungbunzlau, Linz. Mähr.-Ostrau und Reichenberg, und von einer größeren Anzahl Mitglieder der Vereinsleitung, des Schiedsgerichtes und der Ortsgruppen. Der Vorsitzende hielt sodann dem im letztverfloffenen Jahre verstorbenen Mitglieds der Bereinsleituno, Herrn Dr. Emil Byk, Präsidenten der isr. Kultusgemeinde Lemberg und Reichsratsabgeordueten, einen warmen Nachruf, in dem er die stete Bereitwilligkeit des Verblichenen bervorhob, mit Rat und Tat die Interessen des Vereines zu fördern, und die Versicherung gab, daß das Andenken dieses Mannes vom Vereine in dankbarer Erinnerung werde behalten werden. Hierauf erteilte der Vorsitzende dem Sekretär des Vereines, Herrn Dr. Wilhelm L ö w y, das Wort, um über die Tätigkeit des Vereines einen Bericht zu erstatten. Mit Rücksicht darauf, daß der erste Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverfloffene Jahr sich bereits seit längerer Zeit in den Händen der Bereinsmitglieder befindet, beschränkte sich der Sekretär darauf, bloß das zu erwähnen, was seit Beginn des neuen Jahres ausgeführt wurde.