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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-05 · 14 (5.4.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
14 (5.4.1907)
Date
1907-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S«te 236 Dr. Llocb's MocdenscbrlN. Nr. 14 Ich will den Zionismus nicht angreifen; seine Idee ist geradezu prickelnd für jedes Jndenherz und hat dazu beigetragen, das durch so viele Widerwärtigkeiten erschütterte Judentum zu festigen, aber das Beharren, die Verfolgten nur nach Palästina zu führen, wohin der Weg mit tausend Schwierigkeiten verrammelt ist, ist für sie ein Unglück. Hätte man sich in Argentinien ausgebreitet, hätte man doch den von den Engländern angebotenen Teil Afrikas angenommen, wäre man nach Babylonien in die Euphratgegend gegangen, es würde längst das große Gebiet umfriedet sein, das zur Aufnahme der Heimats¬ und existenzlos gewordenen Juden geeignet wäre! Wohin nun mit ihnen?! Und wer weiß, was noch kommt, da in Rußland und Rumänien die Gesetzlosigkeit, Raub und Mord herrschen und die Regierungen teils nicht die Macht, teils nicht den Willen haben, die zur Zielscheibe menschlicher Bestien gewordenen Juden zu schützen? Meran. Leo Herzberg-Fränkel. Die Gvolutiovs- und Deszendenztheorie und die jüdische Religionsxhilofophie. Von Dozent Dr. D. H e r z o g in Prag. Herr Rabbiner M. Stark hat in seinem in der vorigen Nummer der „Wochenschrift" unter obigem Titel erschienenen Artikel zu zeigen versucht, daß die ersten Anläufe zur „modernen Evolutions- und Deszendenzlehre" schon bei einem jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters zu finden sind. Sowohl das eine als auch das andere ist vollkommen unrichtig. Denn ein auch nur flüchtiger Blick in die zwanzigste von den einundfünfzig Abhandlungen des jetzt in der Kairenser Ausgabe vollständig vorliegenden und sehr leicht zugänglichen Kitäb Diwan as-safä wa-hollän al-wafä’ (vgl. übrigens die Uebersetzung dieses Kapitels auch bei Diesterici „Die Naturanschauung und Naturphilosophie der Araber im X. Jahrhundert". Posen 1864, S. S. 161 ff. und Kaufmann „Die Sinne". Budapest 1884, S. 53, 3. Z. v. u.) hätte den gelehrten Verfasser des Artikels überzeugen können, daß nicht der ungefähr um das Jahr 1420 (vgl. Graetz, „Geschichte der Juden", VM, S. S. 168 ff.) schreibende Josef Albo, der, nebenbei bemerkt, nur ein sehr mittelmäßiger Philosoph war, der Erste gewesen ist, der eine gewiffe Art der Entwicklungslehre aufgestellt hat, sondern daß er dieselbe (ob unmittelbar oder mittelbar durch Chisdai ibn Kreskas bleibe dahingestellt) wortgetreu den Ihwan as-safä’, 5)ic ihreArbeitbereitsungefähr um das Iahr 980 n. d. g. Z. beendigt haben (vergl. Brockelmann, Geschichte d. arab. Lit., Absch. Philosophie) entlehnt hat, daß er also auch da, wie auch sonst fast immer, auf fremden Stelzen einhergeht. Zudem aber hat, und da komme ich auf die zweite Unrichtigkeit, auch diese von den Diwan as-safä’ behandelte Lehre, deren Wurzeln, wie mir fichere Spuren zeigen, in der griechischen Philosophie zu suchen sind, auch rein gar nichts mit der „modernen Evolutions- und Deszendenzlehre" zu tun, wie dies schon so oft und in letzter Zeit wieder von de Boer in seiner „Geschichte der Philosophie im Islam", Stuttgart 1901, S. 85, richtigerweise hervorgehoben worden ist. De Boer sagt: Man hat sie (die Diwan as-safä’) als Darwinisten des zehnten Jahrhunderts hingestellt. Nichts ist weniger richtig. Zwar ergeben die verschiedenen Reiche der Natur, nach der Encyklopädie, eine auffteigende und zusammenhängende Reihe. Aber nicht nach der Körperbildung wird das Verhältnis bestimmt, sondern nach der inneren Form oder der Seelensubstanz. In mystischer Weise wandert die Form vom Niederen zum Höheren und umgekehrt, nicht nach inneren Bildungsgesetzen oder durch Anpassung an das Aeußere modifiziert, sondern nach den Einwirkungen der Gestirne und, wenigstens beim Menschen, nach praktischem und theoretischem Verhalten. Eine Entwicklungsgeschichte im modernen Sinne zu geben, lag den Brüdern ganz fern. Genau dasselbe ist auch bei Albo. der Fall, wie sich Stark aus den folgenden Ausführungen Albos im 1. Abschnitte des 3. Teiles (vgl. Ed. Sadilkow, 1835, S. S. 130 f. und Schlesinger „Das Buch Jkkarim", Frankfurt a. M., 1844, S. S. 215 ff.) mit Leichtigkeit hätte überzeugen können. Ueberhaupt sollte man im Allgemeinen bei Problemen aus dem Gebiete der Naturphilosophie den jüdischen Religionsphilosophen als primären Quellen recht skeptisch begegnen, weil sie uns, wie wir dies bereits seit Munk und Renan her wissen, auf diesem Gebiete äußerst selten eigene Gedanken produziert und übermittelt haben. Allerdings um die Spuren der Entlehnungen aufzudecken, muß man neben der Kenntnis der jüdischen Religionsphilosophie auch eine gründliche Kenntnis der Geschichte der griechischen und arabischen Philosophie besitzen. Dann wäre auch die Darstellung der Philosophie Albos, wie sie uns Schlesinger, a. a. O., in der Einleitung; Grätz, a. a. O.; Sam. Back in seinem: Josef Albos Bedeutung in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie. Ein Beitrag zur genaueren Kenntnis der Tendenz des Buches „Jkkarim", Breslau, 1869; Eisler, Vorlesungen über die jüdische Philosophie des Mittelalters, Wien 1883 (der übrigens auf S, 217, der 3. Abt., bereits die von Stark zitierte Stelle bespricht); Tänzer, Die Religionsphilosophie Josef Albos u. s. w., Frankfurt a. M., 1896 und Hamburger, Real-Encyklopädie, Strelitz in Mecklenburg, 1901, Abt. 3, Suppl. 6, S. S. 106—11 gibt, eine wesentlich andere geworden sein, als wie es dies in der Tat der Fall ist. Denn meine auf diesem Gebiete angestellten Studien zeigen mir, daß wir das ohnehin schon sehr eingeschränkte Urteil über die selbständige Denktätigkeit Albos noch mehr als dies bislang geschehen (vgl. Joel, Don Chasdai Kreskas' religionsphilosophische Lehren, Breslau 1866, namentlich die Noten 1 und 3 und die oben angeführte Arbeit Eislers) werden einschränken müssen. Ja, eine kritische Untersuchung über die Quellen in Albos „Jkkarim", zu der ich schon in meiner Studentenzeit manches wertvolle Material gesammelt habe, wäre meiner Ansicht nach noch immer eine lohnende Arbeit, sie ist sogar ein Desideratum. Zur Wahlbewegung. Wieliezka. (Telegramm der „Oesterr. Wochenschrift".) In einer am 1. April stattgefundenen jüdischen Versammlung unter Vorsitz des Kultus Präsidenten und in Anwesenheit der Rabbinen aus Wieliezka und Podgorze wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, an alle Freunde, Gesinnungsgenossen und Landsleute, sowie an alle Anhänger des gesetzestreuen Judentums im V. Wiener Wahlkreis den eindringlichen Appell zu richten, wie ein Mann im Interesse der Erhaltung des Judentums für die Kandidatur Dr. Bloch's einzutreten. Der Kultuspräsident: Pinkas Zimmels. Berichtigung. Sehr geehrte Redaktion! Soeben geht mir Ihre Nummer 10 zu, die ein Interview Ihres Herrn Max Schacherl mit mir enthält. So dankbar ich auch für die Freundlichkeit zu sein habe, mit der ich hier behandelt werde, kann ich doch nicht umhin, gegen einige Sätze der Niederschrift zu protestieren. Daß Herrn Schacherl Mißverständnisse zuzutrauen find, beweist der auf meinen verehrten Freund Professor Marburg bezügliche Passus. Er wird als fachmännische Autorität für die industrielle Entwickelung Palästinas bezeichnet. Der Botaniker und Tropenpflanzer! Natürlich habe ich ihn als die Autorität für landwirtschaftlich-technische Dinge genannt. Dieses Mißverständnis ist aber harmlos ein Vergleich zu demjenigen, welches der folgende Passus enthält: „Im Verlaufe unseres Gespräches kommen' wir auf die palästinensischen „Poale-Zion" zu sprechen, und ich stelle die Frage: „Da die Gruppen jetzt eine lebhafte Propaganda für die Auswanderung nach Palästina entfalten, gleichzeitig, aber

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