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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-05 · 14 (5.4.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
14 (5.4.1907)
Date
1907-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Llocb's MocvenscvrM. Seite 335 Ew. Hochwolgeboren! Sehr geehrter Herr Doktor! Für Ihre ebenso ausgezeichnet sachliche, als humorvoll und kritisch glänzende Rede anlässlich der Debatte über die Errichtung von Aerztekammern fühle ich mich gedrängt, Ihnen meine unumwundene Anerkennung mit dem herzlichsten Danke auszudrücken. Wenn die Sache unserem Stande nur halb soviel nützte, als Ihre wahrhaft zündenden Worte allerseits grossartigen Eindruck gemacht haben, könnten meine Kollegen sich glücklich schätzen, jedenfalls werden Sie nicht ermangeln, Ihnen als Korporation ihren Dank zu übermitteln, wie ich indess persönlich in ausgezeichneter Hochachtung zeichne Ihr ergebenster Dr. Haase, Schriftführer des Vereines der Aerzte des II. Bezirkes. Gestatten Euer Hochwohlgeboren, für die mutige Verteidigung und Schutzgewährung der Jüdischen Aerzte im Parlamente meinen innigsten Dank zur Kenntnis zu nehmen mit der Versicherung meiner grössten Hochachtung und Bewunderung. Möge es Ihnen gegönnt werden, die Feinde unserer Glaubensgenossen zu einer besseren Anschauung zu bekehren — wenn dies möglich ist, doch den Kampf unverdrossen aufnehmen, der Wahrheit Geltung zu verschaffen, damit unseren Glaubensgenossen Gerechtigkeit geschehe. In ansgezeichneter Hochachtung Dr. meduniv. Leopold Neofeld. Delegierter an der österreichischen Aerzteversammlung in Troppau. Empfangen Sie auch meinen Dank für Ihr energisches, wunderbares und formvollendetes Eintreten für die Ehre des jüdischen Aerztestandes. Ich hoffe, die jüdischen Aerzte werden Ihnen das nie vergessen. _ Med. Dr. Jaegues König. Berlin, den 20. Februar 1890. Sehr geehrter Herr Doktor! Die kernige und schneidige Bede in der Judendebatte hat auch auf mich ihren Eindruck nicht verfehlt; deshalb möchte ich es mir nicht versagen, Ihnen zu diesem Haupttreffer Glück zu wünschen. Sie treffen den Nagel stets auf den Kopt durch Ihre knappe und gedrungene Redeweise und Ihren schlagfertigen Witz. So höre ich auch, dass die hiesige „Volkszeitung“ einen Auszug aus Ihrer trefflichen Rede gebracht hat. Die Jüdischen AefZtS werden Urnen zweifellos immer dankbar bleiben. Mit den besten Danksagungen für die Vergangenheit und den aufrichtigsten Wünschen für die Zukunft zeichne ich hochachtungsvoll und ergebenst _ Dr. I. Egers. Hochgeehrter Herr! Empfangen Sie meinen herzlichsten Glückwunsch zu Ihrer gestrigen Aktion im Parlamente. Als Arzt spreche ich Ihnen meinen Dank nnd meine Bewunderung aus für Ihre merkwürdige zündende Rede. Ihr treuer Verehrer Dr. 8 Hajek, II., Komödiengasse 3. In diesen wenigen Briefen, die verhundertfacht werden können, ist genügende Antwort auf alle böswillige Verleumdung und leichtsinnig unwahre Kritik. Und nun weiter gelogen, wer Lust dazu hat! Ihr Tröpfe Alle, tut Euch zusammen, beschimpft den Dr. Bloch; er hat sich es ja durch seine Arbeit reichlich verdient. . . . Die Uorgiinge in Rumänien Rumänien läßt sich von Rußland nicht beschämen, die edlen Wallachen wollen den Kazappen nicht nachstehen und haben auch ihre Pogroms inszeniert. Das treffen auch die Mamuligafteffer in der Moldau und Wallachei. Unter der schweigenden Zustimmung der Behörden und dem beifälligen Lächeln der Soldaten und Offiziere über wehrlose Juden herfallen, sich ihre Habe anzueignen, ihre Häuser anzuzünden, ihre Frauen zu schänden und ihre Kinder zu morden, diese Kourage besitzen auch die Landessöhne Carmen Sylvas, wie die juchtenledernen Söhne des heiligen russischen Reiches. Uns aber mögen diese neuesten, entsetzlichen Ausschreitungen der verwilderten Völker an der unteren Donau zur gesteigerten Tatkraft mahnen und dem Zaudern und Zagen ein Ende machen. Es ist wahrlich nicht die Zeit für Spaltungen und Parteihader innerhalb des Judentums, das jetzt mehr als je seine ganze ungeschmälerte Kraft braucht, um über die schweren Drangsale der Gegenwart wegzukommen. Zu was frommt es jetzt, mit dem Kopf durch die Wand rennen und Schwierigkeiten besiegen zu wollen, die nicht weichen wollen? Zu welchem Zwecke diese eigensinnige Beharrung, die von schwerster Not aus ihrer Heimat gepeitschten Juden an einen Ort bringen zu wollen, der unzugänglich ist und unzugänglich bleiben dürste, während breite Wege in viele Länder führen, die weite und fruchtbare Gebiete den armen, vom Schicksale arg zerzausten Flüchtlingen bieten? Die Judenverfolgungen haben im Jahre 1880 im Moskowiterlande begonnen, haben sich im Laufe von mehr als einem Vierteljahrhundert vielfach wiederholt, hie und da selbst in Ungarn und Galizien gespukt, in Rußland und Rumänien aber sehr intensiv grassiert. Die Entrüstung der kultivierten Welt, der Unwille Europas und Amerikas vermochte nicht der steigenden Verwilderung zu steuern und die betreffenden Regierungen aus ihrer Paffivität zu bringen, in der die Mordbrenner ihre Sicherheit fanden. Die depoffedierten Juden wurden immer mehr zusammengedrängt, in enge Gebiete gepfercht, der Existenzmöglichkeit beraubt und so mittelbar zur Auswanderung gezwungen. Da galt es schon, für die heimatslosen Brüder eine neue, außerhalb Europa gelegene Heimat zu suchen, groß genug, um Millionen Menschen aufzunehmen, fruchtbar genug, um sie zu ernähren, und billig genug, um erworben werden zu können. Da tauchte die bestrickende, glitzernde Idee auf, Palästina friedlich zu erobern. Diese Idee wäre realisierbar gewesen und fände die allgemeine Zustimmung, wenn es sich um die Errichtung einiger Ackerbaukolonien, um die Anfiedlung einiger Taufend expatriierter Juden gehandelt hätte. Die türkische Regierung hätte keine Schwierigkeiten erhoben, die erforderlichen Territorien hätten auf verschiedenen Punkten der Provinz erworben werden können. Aber es handelte sich bald nicht bloß um die Gründung einiger Dörfer, in denen einige Hundert oder selbst einige Tausend jüdische Ackerbauern untergebracht werden sollten; selbst Kurzsichtige mußten bald zur Einsicht gelangen, daß eine solche Aktion nicht genügt, daß man den drei oder vier Millionen bedrängten Juden keine Erleichterung verschafft, wenn man einige Tausend abzieht. Ein so kleiner Aderlaß wirkt auf den Gesamtkörper nicht im geringsten, verschafft den Millionen, die dennoch in ihrer entsetzlichen Heimat bleiben müßten, nicht die geringste Besserung, die nur möglich wäre, wenn große, sehr große Maffen abgeleitet würden. Für solche ist eine Unterbringung in Palästina absolut ausgeschloffen. Es fehlt die Zustimmung der Regierung, das Wohlwollen der katholischen Mächte; es fehlt an dem erforderlichen Landgebiete und an Geld zum Ankäufe des fruchtbaren Bodens, der dort sehr teuer und spärlich vorhanden ist oder zur Urbarmachung steiniger, steriler Terrains, auf denen kein Halm grünt. Viele nüchterne Leute haben dies eingesehen und rieten, von pietätvollen Reminiszenzen abzusehen und andere, verheißungsvollere Gebiete auszusuchen, groß genug, um einen gewaltigen Zuzug aufzunehmen, da nur ein sehr großer Abzug aus Rußland und Rumänien eine gründliche Hilfe für die Abziehenden und Zurückbleibenden bedeutet. Es war ein einiges, zielbewußtes Vorgehen zu hoffen; es stand zu erwarten, daß alle Kräfte konzentriert und nach einem Punkte gerichtet werden würden. Aber da kam die babylonische Uneinigkeit. Die gesamte Judenheit, die nur mit vereinten Kräften und Mitteln Ersprießliches leisten und eine große Aktion durchführen könnte, spaltete sich in Parteien und bildete feindliche Lager. Alle Parteien, jede nach ihrer Faeon, wollen den unglücklichen Brüdern in den barbarischen Ländern helfen; während sie aber miteinander über die Wegesrichtung streiten, gehen dort viele tausende Menschen und ungezählte Millionen zugrunde. Ein Raubzug folgt dem anderen, Existenzen werden vernichtet, Familien verschwinden, Jammer und Elend bedecken die Stätte ehemaligen Wohlstandes.

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