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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 13 L>r. JBiocb’s Mlocdenscvrm. Seite 227 Gaya. Frau Leopoldiue T o n e l o, Restaurateurin in Wien, übermittelte dem israelitischen Kultusvorstande in Gaya als Kcanzablösungsspende für den verstorbenen Herrn Josef Mandl in Gaya einen Betrag per 40 Kronen zum Zwecke der Verteilung an hiesige israelitische Arme. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Gaya fühlt sich angenehm verpflichtet, der Spenderin für die Spende auf diesem Wege öffentlich den Dank zum Ausdruck zu bringen. Slatina. Samstag den 23. März d. I. hielt Herr Franz Fried mann, Kantor aus Lipto-Szent-Miklüs. im hiesigen Tempel einen Probevortrag. Mit seiner klangvollen Tenorbariton-Stimme und seiner gediegenen Vortragsweise erzielte er großen Effekt. Am Samstagabend sang er mehrere Kompositionen und begleitete sich selbst mit der Orgel, wobei er sein musikalisches Wissen bezeugte. Bei der am 24. März stattgefundenen Sitzung wurde Herr Friedmann von 36 Petenten einstimmig zum Oberkantor dieser Gemeinde gewählt. Danksagung. Den zahlreichen Freunden und Gönnern, die mir anläßlich der Verlobung meines in der hochachtbaren israelitischen Gemeinde Olmütz als Kultusbeamten wirkenden Sohnes Otto mit Fräulein Gisela Jellinek, Beweise der innigsten und aufrichtigsten Teilnahme geliefert, insbesondere meinem sehr verehrten Kollegen, dem rsihmlichst bekannten Rabbiner Herrn Dr. B. Oppenheim, der dem Verlobungsakte beigewohnt und ihm durch eine herrliche, wahrhaft herzliche Ansprache die rechte Weihe verliehen hatte, gestatte ich mir auf diesem Wege meinen tiefgefühlten Dank auszudrücken. Pisek, März 1907. Friedländer. Feuilleton. Rouvke Arkel »der Gin Merk der Uorsehuug. Aus dem Englischen von Rmelie Steinhaus. (Fortsetzung und Schluß.) Der Schadchen gönnte sich inzwischen keine Ruhe und Briefe flogen dutzendweise über den Ozean. In seiner ersten Antwort hatte Reb Peretz sich den Anschein gegeben, noch unentschlossen zu sein. Im zweiten Briefe gestattet er sich die Anspielung, daß Hanele immer Neigung für Rouvke empfunden hatte und ihn immer zur Familie gezählt hatte. Dann schrieb Reb Peretz einmal, daß Hanele Geld für die Ueberfahrt und zur Anschaffung der notwendigsten Kleidungsstücke brauchen werde. Und je öfter Reb Peretz schrieb, desto mehr glaubte er daran, daß seine Tochter in Amerika glücklich sein werde und daß diese Heirat ein Werk der Vorsehung sei. Auf Rouvke wirkten diese Briefe wie köstlicher Balsam auf eine Wunde und trotz der Anspielung auf Geld, die der Fliege in der Salbe glich, fühlte er sich glücklich. Er dachte an Hanele; er träumte von ihr, und vor allem dachte und träumte er von der Sensation, die ihre Abreise in Kropowetz Hervorrufen werde. „Viel Glück," gratulierten die Hausierer. „Hat es Euch je geträumt, der Schwiegersohn von Reb Peretz zu werden?" Und Robert stand mit verklärtem Lächeln da. In Castle Garden lief alles geschäftig hin und her. Mehrere überseeische Dampfer waren angelangt und der Landungsplatz und die große Halle waren von den neu angelangten Reisenden gefüllt. Draußen standen große Wagen zur Beförderung der Einwanderer bereit, nur zwei Wagen waren elegant, ein seltsamer Anblick auf dem Emigrantenplatz. Rouvke war es, der diese beiden Wagen gemietet hatte. Er war mit Feive in einem derselben hergefahren und am anderen waren einige Landsleute zum Empfange Haneles erschienen. Rouvke hatte sein Feiertagsgewand angelegt, einen neuen Hut aufgesetzt und hielt auf Anraten eines der galanten Hausierer einen Rosenstrauch in der Hand. Die Luft in der Halle war von ekelhaften Dünsten erfüllt. Es roch nach Karbolsäure und menschlichem Elend. Gegen das Gitter gelehnt oder auf ihren Gepäcksstücken fitzend, sah man eine Menge ungewaschener und ungekämmter Männer und Frauen. Sie hielten ihr armseliges Gepäck umklammert und starrten verloren, ermüdet, in dumpfer Resignation vor sich hin. Das Geschrei kleiner Kinder tönte zusammen mit den scharfen Befehlen der uniformierten Beamten und dem allgemeinen Summen und Surren. Das Ganze war gleich unangenehm für Auge, Ohr und Nase und bot das Bild tiefster Trostlosigkeit und menschlichen Elends. Rouvke biß nervös an seinen Fingernägeln, putzte immer wieder seinen Hut und zog die Kravatte zurecht. Reb Feive zog die Seitenlöckchen durch die Finger, während die nächsten Freunde Rouvkes der Situation angepaßte Witze riffen. Unser Choson war von allen möglichen Empfindungen bestürmt. Er war bemüht, sich zu sammeln und ein paffendes Wort des Willkomms zu finden. Er stellte sich Haneles Erscheinen vor, er wollte sich die nächste Zukunft ausmalen, doch seine Gedanken flatterten umher, kaum hatte er einen erfaßt, als ihm etwas anderes einfiel. Doch plötzlich begann sein Herz heftig zu pochen; er hatte Hanele erblickt! Sie war schöner und reizender denn je. Anstatt des mageren, kindisch aussehenden Mädchens, das er in Erinnerung hatte, sah er ein stattliches, junges Weib von fünfundzwanzig Jahren. „Ha-Ha — — Hanele," brachte er heraus, doch alles kaum hörbar und plötzlich empfand er wieder ganz wie Rouvke Arbel und nicht wie Robert Friedmann. Hanele wandte ihm voll das Gesicht zu, doch ohne ihn zu sehen. Sie ging weiter und er verlor sie für einige Augenblicke aus den Augen. Plötzlich wurde ihr Name zusammen mit anderen aufgerufen und sie trat aus einem Strom von Auswanderern heraus. Mehr tot wie lebend stürzte Rouvke ihr entgegen, aber kaum war er zwei Schritte weit gegangen, als seine Füße den Dienst versagten und er bleich wie ein Schatten wurde. Denn man stelle sich vor. Fest in Hanele eingehängt, schritt ein junger Mann in der grauen Uniform russischer Hochschüler an ihrer Seite. Das Paar marschierte auf Rouvke los, sie mit zu Boden gesenktem Haupte, er mit hoch erhobenem Haupte. „Wie geht's Euch, Rouven?" fing sie an. „Das ist der Gospodin Lorinski, mein Choson. Nimm es nicht übel, Rouven. Ich bin dafür nicht verantwortlich zu machen, so wahr ich ein Kind Israels bin. Du siehst, es ist mir so bestimmt gewesen und ich konnte es nicht ändern," fügte der junge Mann mit zitternder Stimme wie ein Schüler, der seine Lektion hersagt, hinzu: „Ich werde Ihnen jeden Kopecken zurückzahlen, dessen können Sie sicher sein. Ich habe in Buffalo einen reichen Bruder." Hanele hatte den jungen Mann am Deck des holländischen Dampfers kennen gelernt und sie hatten die vierzehn Tage der Ueberfahrt zusammen verbracht, indem sie am Schiff herumstiegen oder nebeneinander saßen und den Zauber der Wellen und das einschmeichelnde Lächeln des Mondes — dieses geschicktesten aller Ehestifter überhaupt — in sich aufnahmen. Kurz, der ehestiftende Himmelskörper hatte Feive um sein Geschäft gebracht. Haneles Auseinandersetzung hatte Rouvke für den ersten Augenblick so verblüfft, daß er wie blöd und stumm dastand. Doch als er seiner Sinne wieder Herr geworden war, wurde er feuerrot und indem er ein Gesicht machte wie ein kleines Kind, dem man ein Spielzeug raubt, schrie er mit wutheiserer Stimme: „Ich will meine 150 Dollars zurückhaben, ich hole einen Schutzmann, ich muß mein Geld zurückhaben!" „Ai, Ai, Mörderin," schrie Reb Feive Hanele zu. „Ich habe Deinen Vater veranlaßt, Dich heiHuschicken, ai, ai," lamentierte er. Zuerst weinte er in ohnmächtigem Zorn, dann kam er einschmeichelnd: „Folge mir, Hanele, ich weiß. Du bist ein gottesfürchtiges Judenmädchen, lass diesen abscheulichen Bettler. Ich meine es ja gut mit Dir? Rouven ist Dir von der Vorsehung beschieden. Blick ihn an, diesen Prinzen! Du würdest es wie eine Königin haben. Du würdest in Gold und Juwelen gekleidet sein, Hanele."

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