Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021724--16269-3041079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S?::e 224 Dr. Bloch's WocherrjchrM. Nr. 13 der Forschung, vereint mit den mannigfachen Fähigkeiten des Erfassens und Ausgestaltens, ermöglichen die Erfüllung der erhabenen Lebensaufgabe, die sich die früher mitwirkeude und seither nachstrebende Lebensgefährtin ihres unvergeßlichen Gatten gestellt: ihm Monumente, dauernder als Erz, in den H e rz e n der M e u s ch e n zu errichten und ihm auch jenen Rest von Gerechtigkeit zu gewinnen, der ihm vielleicht zeit- und stellenweise im Leben versagt geblieben. Und mit jedem Wort und jeder Schrift, ja mit jeglichem Erscheiuen, diesem Zwecke gewidmet, schafft diese ausgezeichnete Frau, diese hervorragende Literatin und hochbegabte Missiouärin zugleich sich selbst Anerkennung und Ruhm, zieht sie von Triumph zu Triumph und begeistert die Menschen und erobert deren Herzen — auch unsere Herzen, aus deren Tiefe wir ihr mit aller Innigkeit zurufen: „Dank und auf Wiedersehen!" (Allgemeine Bewegung und lebhafteste Zustimmung.) Nachher gelaugte eine Doppelphotographie von Lazarus uud seiner gefeierten Gattin zur Verteilung, welche mit freudigem Danke seitens der Anwesenden eutgegengenommen wurde, die nur langsam uud schier ungern den Saal verließen. Synagogen-Verein „Beth Israel". Am 24. März l. I. fand die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, zu welcher außer den Mitgliedern als Delegierter der israelitischen Kultusgemeinde Kultusvorsteher und Ehrenmitglied obigen Vereines Herr k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny, sowie als Ehrengast Herr Dr. I. S. Bloch erschienen find. In Abwesenheit des Obmannes eröffnete der Obmann- Stellvertreter Herr Mcw Rosenseld die Generalversammlung, konstatierte die Beschlußfähigkeit derselben und begrüßte die Erschienenen auf das Herzlichste. Vor Uebergang zur Tagesordnung erstattete der Vorsitzende folgenden Bericht: Hochverehrte Mitglieder l In Abwesenheit unseres hochgeschätzten Obmannes Herrn S. Landau der derzeit zu seiner Erholung im Süden weilt, wurde mir die Ehre zMeil, an seinerstatt einige Worte an Sie zu richten. . Ich ziehe es vor, meine erste Rede aus dem Manuskripte vorzulesen, weil ich den Wortlaut meiner Ausführungen von dieser Stelle festlegen will. Den Bericht über die internen Angelegenheiten unseres Vereines wird ihnen der geehrte Herr Schriftführer zur Kenntnis bringen. Dagegen ist es meine Aufgabe, Ihnen über unser Wirken nach außen hin Mitteilung zu machen. Unsere Beziehungen zur löblichen Kultusgemeinde sind andauernd gute, und wird es auch fernerhin unsere Aufgabe sein, dieselben zu pflegen und zu festigen. Unsere gewesenen geehrten Obmänner, vor welchen wir uns in Ehren beugen, haben es verstanden, die Anfeindungen, welche eine Reihe von Jahren hindurch von den sogenannten bevorzugten Glaubensgenoffen gegen uns erhoben wurden, zu beseitigen, so daß wir heute wenigstens teilweise als ebenbürtige Brüder gelten. Zu unserem Erstaunen wurden aber anläßlich eines Prozeffes, der sich im Wiener Landesgerichte abgespielt hat, am darauf folgenden Samstage von der Kanzel Aeußerungen getan, die unser Ehrgefühl aufs tiefste verletzt und gekränkt haben. Wir haben sofort nach Bekanntwerdung jener Rede durch Intervention unseres Obmannes und Kultusvorstehers die Initiative ergriffen und bei dem geehrten Herrn Präsidenten der Kultur gemeinde Protest eingelegt, was diesen veranlaßte, den Kanzelredner zu bitten, seinen Ausdrücken eine andere Deutung zu geben, ohne daß uns dadurch eine ausreichende Rehabilitierung zuteil geworden wäre. Erst nach der Interpellation im Reichsrate fühlte sich der Herr Kanzelredner bewogen, die verletzenden Worte zu revozieren, doch hat uns sein Widerruf, den zwei Präsidialdelegierte unseres Vereines anhörten, nur teilweise befriedigt, nachdem wir erwartet hatten, außer dem, was er uns über unsere Abstammung Schönes gesagt hat, eine weitgehendere Satisfaktion zu erhalten. Wie die vornehme Welt über l ie Gleichberechtigung der Völker denkt, zeigt die am 6. März im ungarischen Abgeordnetenhause geführte Debatte über die Schaffung einer Vertretung der jüdischen Konfession im Magnatenhause. Der von einer Seite erhobenen Einwendung, daß die Juden nicht organisiert seien und daß die zu ihrer Verttetung in Betracht kommenden Personen zumeist aus Galizien stammen, traten die ungarischen Abgeordneten Graf Batthyany und Gabriel Ugron entgegen, welche für die Annahme des Antrages plaidirten. Es dürfte ihnen auch jene Notiz in der Wochenschrift bekannt sein, wo es einem Tempelfunktionär gefallen hat. über die Bethausvereine und deren Organisationen sich auszulasseu. Wir haben dagegen sofort Protest eingelegt und entsprechende Satisfaktion erhalten. Aus alledem ersehen Sie, meine Herren, daß unsere Mission eine schwierige ist, die wir nur, durch ihre Unterstützung gestärkt, durchführen können. Bleiben wir stolz auf unsere Abstammung und sind wir unter uns einig, dann werden wir, wenn auch noch so große Stürme über uns kommen sollten, allen Anfeindungen die Spitze bieten können. Hierauf wurde vom Schriftführer Herrn Julius Brecher der Rechenschaftsbericht verlesen und von der Versammlung zur Kenntnis genommen. Herr Ignatz Zolles erbittet sich das Wort zum Rechenschaftsbericht, zollt dem Vorstande für sein ersprießliches Wirken Worte der Anerkennung und macht Anregungen zur Ausgestaltung des Vereines „Beth Hamidrasch", von welchen dankend Notiz genommen wurde. Herr Dr. I. S. Bloch anerkennt in einer ausführlichen Auseinandersetzung die Enunziatiouen des Vorsitzenden, äußert seine Befriedigung über das Zusammenhalten der Mitglieder dieses Vereines und empfiehlt die Einigkeit. Hierauf erstattete der Rechnungsrevisor Herr Isidor B e l f seinen Bericht und wurde dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde die Wahl xar acclamation vorgenommen. Es erschienen wieder- und neugewählt als Vorstandsmitglieder die Herren: A. M. O p p e r, Max R o s e n f e l d, Jakob W e i ch s e l b a u m, Ignatz Zolles, Dr. Karl Lifczis, B. H. Seinfeld; als Bethaus-Vorsteher die Herren: I. M. Bels, David K o l i e b. H. S p o r e r; als Rechnungs-Revisoren die Herren: Isidor B e l f, Jakob O b st, Sigmund Tischler; als Schiedsrichter die Herren: H. Flieg, Doktor Leo Landau, Jonas Reizes. In Erledigung des 5. Punktes der Tagesordnung wurden, auf Vorschlag des Vorstandes die Herren S. D e i ch e s und I. M. B e l f in Würdigung ihrer hervorragenden Verdienste um den Verein von der Generalversammlung einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Kolomea. Die Wahlbewegung, die in den ostgalizischen Städten und Städtchen kaum begonnen hat, ist hier im vollen Fluß. Seit Monaten hält der sozialistische Kandidat Dr. Schorr in den Vorstädten Wählerversammlungen ab. Bei der jüdischen Wählerschaft findet die Kandidatur des Dr. Schorr keinen Anklang, denn abgesehen davon, daß die jüdische Wählerschaft nur zum allergeringsten Teile aus Arbeitern besieht, wird dem Dr. Schorr fein eigentümliches Verhalten in speziell jüdischen Fragen mit Recht verübelt. Angesichts der bisherigen Untätigkeit der berufenen jüdischen Führer ist jedoch die Kandidatur des Dr. Schorr insoferne als eine sehr ernste anzusehen, als bei der Fortdauer der Indolenz das jüdische Mandat in Kolomea verloren gehen kann. Unter den Führern der Juden ist nämlich eine Spaltung eingetreten. Der überwiegende Teil der einflußreichen jüdischen Wähler ist fest entschlossen, diesmal mit aller Entschiedenheit jede ihnen von außen mit Hilfe der einheimischen erbgesessenen Wahlmacher aufgedrängte Kandidatur zu bekämpfen. In der Aera des allgemeinen Wahlrechtes, in dem künftigen Volks Parlamente muß das jüdische Volk auf Vertreter reflektieren, die in erster Linie die Interessen des jüdischen Volkes, selbstverständlich im Einklänge mit den Landesinteressen, zu vertreten gewillt sind und die ihr Herz für das Judentum nicht erst anläßlich der Wahlen und zum Zwecke, ein jüdisches Mandat zu erlangen, entdecken. Den berufsmäßigen, leider jüdischen Wahlmachern dürften diesmal weder die Zusammenstellung der Wählerliste, mit welchen die jüdischen Wähler dieser größten Judengemeinde in Galizien als Minorität erscheinen, noch andere von ihnen noch zugewärtigcnde, wahltechnische „Behelfe" und Ueberraschungen nützen. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Herren in solchem für die Judenschaft Galiziens wichtigen Momente die jüdische Einigkeit nicht stören, die jüdischen In-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.