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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blocb s Mocvenscvrin. Seite 333 sandten und anderen mächtigen Personen in der Schweiz, in Paris und an andern Orten, durch Beschaffung von Dokumenten, durch Korrespondenzen und unzählige telegraphische Depeschen gelang es Lazarus, den Dichter zu retten und ihn seiner Familie zurückzugeben. Zu Ostern 1896 verließ Lazarus Berlin, um nach Meran zu übersiedeln, von wo er im Frühling 1897 dem Ruse des Herrn Dr. F i a l l a als Präsidenten des Politischen Volks- Vereines nach Wien folgte, um hier in der unvergeßlichen Lazaruswoche der letzten öffentlichen Ehrungen sich zu erfreuen, wofür Rednerin noch jetzt ihren erneuerten Dank ausspreche. In Meran widmete sich Lazarus seinem letzten großen Werke, der „Ethik des Judentums", deren zweiten Band jedoch zu vollenden ihm nicht mehr gegönnt war. Frau Geheimrat Lazarus beschrieb nun in Kürze, wie sie sich zur Lebensaufgabe gemacht habe, in den „Lebenserinnerungen" (1906 erschienen) und in einer Geschichte des Lebens Lazarus dem großen Denker und Gelehrten ein geistiges Monument zu setzen und sie schloß mit den Worten: „Wenn die anderen schweigen, will ich reden, reden davon, welch ein Mensch unter den Menschen gelebt hat." Begeisterter, durch Minuten anhaltender Beifall folgte den poesievollen Ausführungen der Rednerin. Das ganze Publikum, unter welchem sich der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, die beiden Vizepräsidenten des „Israelitischen Museums" Adolf von Sonnenthal und Hofrat Profeffor Politzer, dann die Mitglieder des Kuratoriums Professor Dr.- E h r m a n n, Maler David K o h n und Dr. Bela T a u s s i g, ferner der englische Botschaftspfarrer Reverend Hechler, Herr Doktor Fialla, der Militär-Superintendent Prof. Dr. Sebereny und viele andere Notabilitäten befanden, hatte sich erhoben, um der Rednerin zu danken und sie zu beglückwünschen. Nunmehr ergriff der Präsident des Jüdischen Museums, Baurat Stiaßny, das Wort zu folgender Ansprache: Meine hochgeehrten Anwesenden! Unter den zahlreichen weisen Sprüchen, welche aus den Zeiten des Mittelalters auf uns gekommen find, nehmen die Meister- oder Steinmetzsprüche einen hervorragenden Platz ein. Von einem solchen Meisterspruche lassen Sie mich am heutigen Abend sprechen. Zwar reiht er fich nur dem Werte und Wesen nach würdig an seine uralten, berühmten Vorbilder an, doch der Zeit nach ist er jung, nur etwa ein halb Jahrhundert alt, doch rührt er von dem hohen Meister Friedrich Rückert her und lautet wie folgt: Willst du, daß wir mit hinein In das Haus dich bauen, Laß es dir gefallen, Stein, Daß wir dich behauen. In den „Lebenserinnerungen", einem so rasch zur Berühmtheit gelangten Buche unserer verehrten Rednerin, finden Sie in dem Abschnitte Rückert diesen schönen Spruch. Hochverehrte Frau! Ein solcher Stein, der fich würdig in den hehren Bau der Wissenschaft aller Völker und Zeiten einfügt und der von allen Seiten, von Berufenen und Unberufenen, behauen worden ist, war Ihr verewigter Gatte, das war ein gar mächtiger und prächtiger Block und der hat, wie wir Bauleute sagen, ein „schönes Gesicht" bekommen, das er mit Selbstbewußtsein den kommenden Geschlechtern zeigen darf. Aber ich will unserer lieben Frau einen anderen, noch schöneren Spruch sagen; der rührt von einem der größten, edelsten Dichter aller Völker und Zeiten, von unserem Dichterkönig David, dem Sohne Jsai's her und lautet wie folgt: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, Er ward zum Eckstein des Baues." Wie viel Trost und Zuversicht hat dieser Vers seit 3000 Jahren allen Wissenden und Denkern eingeflößt! Und diese Zuversicht hat auch Moritz Lazarus besessen, der sich als einen der prächtigen Eck- und Schlußsteine in dem stolzen Bau der Wissenschaft gefühlt hat, in jenem ewig heiligen Tempel, in dem kein Meiselhieb und kein Hammerschlag mehr vorgenommen werden darf. Die Bedeutung und den Wert des großen Mannes der Mitwelt und der Nachwelt vorzuführen, haben Sie, verehrte Frau Geheimrat, zur Aufgabe Ihres Lebens gewählt. Daß Sie unserer Gesellschaft und den sämtlichen Anwesenden einen Teil Ihrer Geistesarbeit mitgeteilt, daß Sie uns allen einen unvergeßlichen Genuß bereitet und uns zur Begeisterung und Bewunderung für den großen Mann und die ihm ebenbürtige Gefährtin hingerissen haben: dafür sprechen wir Ihnen unseren innigsten und wärmsten Dank aus. Kaum hatte Herr Baurat Stiaßny unter dem lebhaften Beifalle des Auditoriums geendet, ergriff Herr Dr. Herrmann F i a l l a das Wort zu der nachfolgenden Improvisation, welche den tiefsten Eindruck auf die Zuhörer machte und deren rhetorische Vollkommenheit und schwungvoller Vortrag allgemeine Begeisterung weckten. Dr. Fialla sprach: Geehrte Versammlung! Noch einem Worte des Dankes sei Raum gewährt, bevor wir diesen Saal verlassen, in welchem uns soeben geistige Erhebung und innige Gemütseindrücke in reichem Maße zuteil geworden sind. Gestatten Sie mir, verehrte Frau und — wie ich mit Genugtuung hinzufügen darf — verehrte Freundin, vorerst den Ausdruck des Dankes für die gütige Aufmerksamkeit, mit der Sie jener mit meinem bescheidenen Namen verknüpften Veranstaltuugen gedachten, die unter der populär gewordenen Bezeichnung der „Lazaruswoche" in allen Teilnehmern bleibende Erinnerungen und herzliches Gedenken zurückgelassen haben. Lassen Sie es mich an dieser Stelle aussprechen, daß zu den innerlich befriedigendsten Ereignissen meines mit der Oeffeutlichkeit zusammenhängenden Wirkens jenes gehört, durch welches es mir vergönnt war, dem Manne persönlich näher zu treten und den Mann den großen breiten Schichten unserer Gemeinschaft näher zu rücken, dessen philosophischer Forschergeist, dessen universelle Gelehrtheit und dessen mächtig anziehende Persönlichkeit vorlängst Gemeingut aller Völker und Gebildeten geworden waren, dessen Gesamtwesen und eigene Psyche jedoch, dessen edles Menschentum bis an sein zu frühes Lebensende im I u d e n t u m e wurzelten, dem er noch im Abendsonnenglanze seines reichen Daseins wie einen prophetischen Sehergruß sein Werk der „Ethik des Judentums" als kostbares Erbe vermachte. So war und bleibt Lazarus, obgleich ein Bürger aller geistigen Welten, speziell uns ein Quell der Lehr', ein Hort der Ehr' und ein Schild der Wehr! (Stürmischer Beifall.) Doch wenn, verehrte Frau, über Ihre Erinnerungen an jene lichtvollen Tage Ihres gemeinsamen Wiener Aufenthaltes, zu welchem namens des PolitischenVolks- Vereines Sie beide zu berufen ich die besondere Ehre hatte, heute noch — begreiflicherweise — die Wehmut des Witwenschleiers gebreitet ist, so freuen wir uns desto lebhafter, daß die Triebkraft des Gedankens der Gemeinnützigkeit Sie wiederum dem bloß literarischen Kultus Ihres großen Toten und der Einsamkeit des durch ihn geweihten Witwensitzes einigermaßen entzogen und zur Wiederaufnahme der hehren Mission bestimmt hat, welche darin besteht, persönlich unter uns zu treten als die lebendige Verkünderin seiner Größe, als der berufene kongeniale Herold seiner Gedanken und als seines vielseitigen Wesens geistvolle, gemütreiche und herzenswarme Darstellerin und Nachbildnerin, als welche Sie sich auch heute in Linienführung und Farbengebung, in Natnrtreue und Lebenswahrheit, im Gesamteffekt wie in der Einzelwirkung meisterhaft bewährten. (Rauschender, langandauernder Beifall.) Nur ideale Liebe, mit eigener schöpferischer Kraft vereint, nur hingebungsvolles Untcrgehen in dem Gegenstände

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