Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 222 Dr. Llocb's MocbenscbrtN. Nr. 13 beteiligte, daß ein rumänischer Soldat auf österreichischem Territorium mit geraubtem Silber betreten wmde, daß jene Burdujenier Juden, welche ihr Eigentum gegen die Bauern verteidigen wollten, von den rumänischen Soldaten mit Erschießen bedroht worden find, daß der rumänische Postamtsleiter von Burdujeni und sein Briefträger, ein Lehrer und ein Raseur die Anführer der plündernden Bauernhorden waren, daß der Primär von Burdujeni Herr Tutureanu, welcher diesem Treiben entgegentreten wollte, von den revoltierenden Bauern persönlich bedroht, selbst nach Suczawa flüchten mußte. Der Postamtsleiter von Burdujeni verweigerte sogar dem Primären die Aufnahme eines an die Regierung gerichteten Telegrammes wegen Schaffung der nötigen Abhilfe. Auch wurde festgestellt, daß die rumänischen Behörden den österreichischen, mit ordentlichen Pässen versehenen Untertanen den Wiedereintritt nach Burdujeni verweigerten, wenn sie nicht vorerst eine Erklärung fertigen, daß sie auf ihre Schadensersatzansprüche gegen den rumänischen Staat verzichten. Mit Rücksicht auf diese Umstände wurde seitens des Komitees der Beschluß gefaßt, mit der Repatriierung der Flüchtlinge vorzugehen, sobald die nötigen Bürgschaften für deren unbeanstäudete Rückkehr als gegeben erachtet werden können und die hiezu nötigen Mitteln für den einstweiligen Unterhalt und Beschaffung der Existenzbedingungen der Flüchtlinge nach ihrer Rückkehr vorhanden sein werden, zu diesem Zwecke daher die nötigen Geldmittel zu sammeln. Es werden daher alle Menschenfteunde gebeten, ihre Unterstützung diesem Zwecke zu gewähren und die Spenden entweder an die Israelitische Allianz in Wien, I., Weihburggasse 10, oder an das hiesige Hilfskomitee derselben zu Händen des Obmannes Kultusvorsteher Herrn Dr. Adolf Finkler in Suczawa einzusenden. Ein weiteres Schreiben aus Suczawa lautet: An die geehrte Redaktion der „Österreichischen Wochenschrift" in Wien! Die unbeschreibliche Not und das Elend vieler Tausende unserer Glaubensbrüder, die hier und in dem benachbarten Orte Jtzkany in Massenquartieren zusammengepfercht wohnen, drückt mir die Feder in die Hand, um Hilfe für die ihrer Heimat und ihres Vermögens Verlustigen, welche, um ihr nacktes Leben zu retten, alle ihre Habseligkeiten den Räubern zu überlasten gezwungen, zu erbitten. Allerdings leisten der Kultusvorstand, die Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde und in Jtzkany über ihre Kräfte hinaus, insbesondere beteiligen sich an dem humanen Werke, viele Hochschüler, edle Damen und Herren widmen den ganzen Tag ihre Kräfte dem Hilfswerke. Aber angesichts des jeder Beschreibung spottenden Elends erscheint doch diese Hilfe unzulänglich. Mögen unsere Glaubensbrüder sich dieses haarsträubende und tief erschütternde Ereignis vor die Seele führen und in ausgiebiger Weise ihr Schärflein zur Linderung dieses unbeschreiblichen Unglückes beitragen. Ich ersuche daher die löbliche Redaktion, für die bedauernswerten Emigranten aus Rumänien Spenden entgegennehmen zu wollen. Hochachtungsvoll Dr. Abraham L ö w y, Oberrabbiner. Korrespondenzen. Die Reichsrats-Kandidatur im Kai-Biertel. Eine Reihe angesehener Firmen und Wähler des Kai- Viertels hat zugunsten der Kandidatur des Herrn Dr. Heinrich Schreiber an das fteisinnige Wahlkomitee folgende Zuschrift gerichtet: An das geehrte Fortschrittliche Wahlkomitee für die Reichsratswahl im I. Wiener Wahlkreise (Kai-Viertel) Wien. Nach reiflicher Erwägung der speziellen Verhältnisse unseres Wahlkreises und der Programme, welche die verschiedenen Mandatswerber in wiederholten Versammlungen der freisinnigen Wählerschaft entwickelt haben, sind wir zu der Ueberzeugung gelangt, daß Herr Dr. Heinrich Schreiber, Prokurist der Internationalen Elektrizitäts-Gesellschaft in Wien, I., Wipplingerstraße 30 der berufenste ist, unseren Wahlkreis als Reichsratsabgeordneter zu vertreten. Er ist gleich bekannt durch seine Beredsamkeit, wie durch seine hervorragende wissenschaftliche Bildung und er verfügt, was für unseren Wahlkreis von nicht minderer Bedeutung ist, über eine reiche kaufmännische Erfahrung, die er in seiner langjährigen Berufsstellung im Dienste einer unserer wichtigsten Industrien erfolgreich betätigt. Vor allen anderen aber zeichnet in unseren Augen unseren Kandidaten sein freimütiges und feierlich abgelegtes Bekenntnis aus, sich in erster Linie seiner jüdischen Mitbürger anzunehmen, ihnen ein eifriger und unerschrockener Sachwalter zu sein, da es gilt, die unablässigen und gehässigen Angriffe auf ihre Ehre, ihre Existenz und ihre bürgerlichen Rechte abzuwehren. Diese Vertretung im Parlamente hat uns zu unserem Schaden bisher gefehlt; sie in einem Volkshause zu beanspruchen, ist ein Gebot der Selbsterhaltung. Dabei steht Dr. Heinrich Schreiber auf streng freiheitlichem Boden; er ist und bleibt unentwegt zugetan den unveräußerlichen Prinzipien eines echten, menschenfreundlichen Liberalismus. In dieser Erkenntnis treten die gefertigten Firmen und Wähler des Kai-Viertels an das geehrte Fortschrittliche Wahlkomitee mit dem Wunsche und der nachdrücklichen Bitte heran, als Kandidaten für das Reichsratsmandat im I. Wiener Wahlkreise Herrn Dr. Hein'rich Schreiber aufzustellen. Eine solche Entschließung wird dem von uns hochgehaltenen Freisinne, wie dem Wahlerfolge am wirksamsten dienen, zumal mit uns zahlreiche gleichgesinnte Wählerkreise des festen Willens sind, ihre Stimmen auf Dr. Heinrich Schreiber zu vereinigen. - In vorzüglicher Hochachtung (folgen die Unterschriften). Wien, am 27. März 1907. Lazarus als Menschenfreund. Einer Einladung des Kuratoriums des „Jüdischen Museums" Folge leistend, hielt Frau Geheimrat N a h i d a Lazarus am 14. d. M. im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines einen Vortrag über: „Lazarus als Menschenfreund." Ein zahlreiches, den gebildeten Kreisen Wiens angehöriges Publikum folgte den Ausführungen der gefeierten Rednerin mit großem Interesse. Diese sprach frei, mit schönem wohlklingenden Organe und feiner Pointierung der markantesten Stellen. Die Vortragende kennzeichnete die hingebungsvolle Tätigkeit, mit welcher sich Lazarus trotz seiner rastlosen Tätigkeit in der Wissenschaft einer großen Anzahl von Wohltätigkeitsvereinen für Witwen und Waisen, Krankenhäuser und Stiftungen hingab; in einem Jahre bekleidete er gleichzeitig 35 Präsidentschaften, und in allen diesen Stellungen war er intensiv tätig. Wie Lazarus in zahllosen Fällen seine Liebe zu den Kindern betätigte, so nahm er auch an Freud und Leid der Greise werktätigen Anteil. Den Mittelpunkt für seine humanitäre Tätigkeit bildeten die Bemühungen für seine Glaubensgenossen. „Die Veranstaltung der Synode, die westruffische Not, die rumänischen Verfolgungen (!) stellten an seine Fürsprache und seine Fürsorge übermenschliche Anforderungen." Die Vortragende erzählte eine interessante Episode, die sich im Jahre 1871 während des Deutsch-französischen Krieges zugetragen hat. Theodor Fontane, als Berichterstatter auf den Kriegsschauplatz entsendet, wurde an der französischen Grenze verhaftet und war von der Gefahr bedroht, als Spion erschossen zu werden. Durch seinen Einfluß bei Ministern, Ge-