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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Dr. JBlocb’s MocbenscdrL^. Seite 321 Mischer Beifall.) Sodann wurde die Einsetzung eines Komitees beschlossen, das für die Opfer der Exzesse eine umfassende Hilfsaktion einleiten solle. Der Vorschlag wurde unter lebhafter Zustimmung sofort angenommen. Aufruf. Wieder ist es dem verbrecherischen Treiben einzelner Wühler gelungen, eine sonst indolente friedfertige Masse zu unbezähmbarer Wut aufzustacheln. Wieder büßen es Tausende von Wehrlosen mit ihrer Habe, mit ihrer ganzen Existenz, ja mit ihrer Gesundheit und dem Leben, daß Gesetzeslücken und Einrichtungen bestehen, an welchen sie gerade so unschuldig sind wie ihre Verfolger. Wie bei jeder gewaltsamen Auflehnung gegen ein unerträgliches Joch, schlägt auch der rumänische, bis zur Sinnlosigkeit berauschte Bauer zunächst den armen kleinen Dorfjuden, der genau wie er selbst unter dem eisernen Drucke des Latifundien-Besitzes schmachtet, beraubt ihn seiner geringen Habe und zerstört, was nicht wegzuschleppen ist. Absichtlich falsch von den gewissenlosen Demagogen belehrt, kann er nicht erkennen, daß er durch die Vernichtung dieser emsigen, nüchternen Geschäftsvermittler, die ja vor allem seiner Hände Arbeit in Geld umzusetzen berufen, aber auch allein befähigt sind, sich selbst und seine Nachkommen in nur noch tieferes Elend stößt. Es gilt nun rasch einzugreifen, um das grenzenlose Unglück wenigstens in einer Hinsicht zu mildern, u. zw. bei jenen unsäglich Armen, deren einziges Verbrechen wohl nur darin besteht, von jüdischen Eltern geboren worden zu sein. Allein wenn sie selbst tatsächlich Vergehen begangen hätten, so würden diese alle zusammen nicht einem einzigen der furchtbaren Gewaltakte die Wage halten, wie solche gegenwärtig wieder in so barbarischer, dem Christentum hohnsprechender Weise, namentlich an Frauen und Kindern, zahllos verübt werden! Die Unterzeichnete Vereinsleitung appelliert — indem sie sich gleichzeitig mit einem Beitrag von 500 Kronen an die Spitze einer Hilfsaktion stellt — au alle Edelgesinnten, durch Beisteuern einer Gabe nicht nur die unsagbare Not lindern zu helfen, sondern zugleich gegen diesen entsetzlichen Rückfall in das dunkelste Mittelalter Protest einzulegen. Alle zu diesem Behufe einlangenden Beträge werden veröffentlicht werden. März 1907. Verein zur Abwehr des Antisemitismus Wien, II., Castellezgässe 1. F. R. Engel Univ.-Prof. i. R. Dr. I. Szeberiny Oswald Hohen sinne r. Aus Suczawa wird uns geschrieben: Am 19. März d. I. vormittags verbreitete sich in der Stadt Suczawa die Kunde von den grauenvollen Verwüstungen, welche die rumänischen Bauern im benachbarten Grenzorte Burdujeni verübt haben und daß beinahe die gesammte jüdische Bevölkerung von Burdujeni nach Jtzkany und Suczawa geflüchtet sei. Die Not der Flüchtlingen, welche kaum ihr nacktes Leben gerettet haben, sei groß, deren Anzahl beträgt weit über 2000, es müsse für deren Unterkunft und Beköstigung sofort gesorgt werden. Es traten sofort die hiesigen Mitglieder der „Alliance Jsraölite" Herr kaiserlicher Rat Schaje Langer und Kultusvorsteher Herr Dr. Adolf Finkler zu einer Beratung zusammen, wie den armen Flüchtlingen geholfen werden könne. Das Resultat dieser Beratung war, daß beschlossen wurde, ein Aktionskomitee der „Alliance Jsraelite" zu bilden, alle Suczawaer wohltätigen Vereine und ebenso alle Kultusgemeinden und wohltätigen Vereine der gesamten Monarchie um deren Unterstützung anzusuchen. Am selben Tage votierte der vom Kultusvorsteher einberufene Suczawaer Kultusrat den Betrag von 400 Kronen zum Zwecke der Beschaffung der Mittel für die momentane Beköstigung der Flüchtlinge. Der Damenverein „Ruth" veranstaltete eine Sammlung von Lebensmitteln und Kleidern, der Theodor Herzel-Verein stellte seine Lokalitäten zur Beherbergung eines Teiles der Flüchtlinge bei; ein anderer Teil derselben wurde in verschiedenen Bethäusern untergebracht. Am 20. März wurde eine Versammlung zum Zwecke der Bildung eines Sammelkomitees und eines Verpflegskomitees einberufen. In das Sammelkomitee wurden gewählt: die Herren' Advokat Dr. Adolf Finkler, Kultusvorsteher, Advokat Dr. Joachim Sachter, kaiserlicher Rat Schaje Langer, Advokat Dr. Dische, kaiserlicher Rat Hermann Deiner, Advokat Dr. Lupul, welchem Komitee auch Grundbesitzer Herr Varteres Ritter von Prunkul beitrat. In das Verpflegskomitee wurden gewählt die Herren: Stadttierarzt Karl Scherzer, Gemeinderat Rubin Heitel, cand. jur. Gabriel Scherzer, Kultusrat Rollig und Advokaturskandidat Adolf Schreiber. Nachdem jedoch die große Mehrzahl der rumänischen Flüchtlinge sich im Bahnhof Jtzkany befindet und sofort nach deren Eintreffen die nachbenannten Herren aus Jtzkany: als, kaiserlicher Rat Samuel Hellmann, Dr. Hermann Peretz, Adolf Goldberg, Spediteur, Max Dische, Spediteur, Adolf Hellmann, cand. jur., Adolf Grünberg cand. jur. und Lederfabrikant Abraham Rößler, sich in hervorragender Weise an der Unterbringung und Beköstigung der in Jtzkany befindlichen Flüchtlinge betätigt hatten, so wurden dieselben eingeladen, dem obigen Komitee beizutreten und ihre sehr ersprießliche Tätigkeit demselben weiter zu widmen. Der Kultusvorsteher Herr Dr. Adolf Finkler wandte sich sofort auf telegraphischem Wege an die Israelitische Allianz in Wien und an zahlreiche Kultusgemeinden um Gewährung von Unterstützungen. Das für Suczawa gewählte Sammelkomitee begann am 21. März seine Tätigkeit in der Stadt Suczawa und brachte sofort durch seine Sammlung einen Betrag von zirka 1800 Kronen zusammen. Die Sammlungen werden fortgesetzt und werden nach Beendigung derselben die Namen der edlen Spender veröffentlicht werden. Außerdem find bereits von auswärtigen Kultusgemeinden und Wohltätigkeitsvereinen bedeutende Spenden an den Kultusvorsteher Dr. Finkler eingesendet worden: Von der Prager Kultusgemeinde der Betrag von 600 Kronen; von der Krakauer Kultusgemeinde der Betrag von 300 Kronen; von der Lemberger Kultusgemeinde 300 Kronen; von der Storozynetzer Kultusgemeinde 300 Kronen; von der Zastawner Kultusgemeinde 100 Kronen; von der Kultusgemeinde Sadagora 50 Kronen; Hilfskomitee Radautz 100 Kronen; S. Weisglas sandte namens des Zastawner Zionvereines den Betrag von 140 Kronen; .jüdischer Frauenhilfsverein in Kimpolung 200 Kronen; die Großgrundbesitzer Herr Varteres Ritter von Prunkul 100 Kronen und Herr Andreas Aritonowicz in Skeja 50 Kronen. Am 20. März wurde das hiesige Hilfskomitee der Israelitischen Allianz verständigt; daß der Leiter der Filiale in Czernowitz Herr Oberrabbiner Dr. Rosenfeld, ferner der Sekretär der Israelitischen Allianz in Wien Herr Dr. Kaminka hier eintreffen und über die von der Alliance durchzuführende Aktion die nötigen Besprechungen mit dem hiesigen Komitee pflegen werden. Tatsächlich langte Herr Oberrabbiner Dr. Rosenfeld schon am 20. März in Suczawa ein, traf mit dem Kultusvorsteher Dr. Finkler und den anderen hierortigen Mitgliedern der Israelitischen Allianz die nötigen Vereinbarungen; am 22. März langten ferners in Suczawa ein: Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Armand Kaminka, Sekretär der Israelitischen Allianz in Wien und Herr I. Astruc, Offizier der Akademie, Delegierter der Israelitischen Alliance von Paris; auch ist das Eintreffen des Herrn Dr. Wilensky, Vertreters des Hilfsvereines deutscher Juden aus Berlin, telegraphisch avisiert. Am 22. März nachmittags fand im Rathaussaale eine Versammlung zwecks definitiver Konstituierung des von der Israelitischen.Allianz zu bildenden Hilfskomitees statt. Außer den früher genannten Herren wurden in dasselbe noch gewählt: Stadtvorsteher Herr Franz Ritter Des Loges, Primarius Dr. Max Wurzel, Gremialvorsteher H. Sperber, Gutspächter Isidor Eisenberg, Großgrundbesitzer Simon Tropp, Kaufmann Pinkas Horowitz, Dr. Kaminka und Herr I. Astruc, so daß das Komitee derzeit aus 25 Mitgliedern besteht. Den Gegenstand der Erörterungen dieses Komitees bildeten die Art und Weise des Vorgehens der rumänischen Behörden, sowie die Beschaffung der nötigen Mittel zwecks Repatriierung der Flüchtlinge. In ersterer Hinsicht stellte Stadtvertreter Herr Franz Ritter Des Loges fest, daß er gelegentlich seiner Anwesenheit in Burdujeni sich persönlich überzeugt habe, daß es den rumänischen Behörden mit der Unterdrückung der Unruhen nicht ernst gewesen sei; daß das rumänische Militär mit den plündernden Bauern fraternisierte, sich selbst an den Plünderungen

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