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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Br. OLoch*» Wochenschrift. Seüe 319 der Bedeutung nicht nach meinem eigenen Empfinden, sondern nach dem Interesse des Judentums mich richte. 8alus Populi summa lex. Nun, lieber Freund, haben Sie auf Ihre wiederholten langen Briese einmal auch von mir ein langes Skriptum bekommen. Ich freue mich selbstverständlich über Ihre wohlverdienten Jubiläen und wünsche Ihnen ein langes, ebenso tatenreiches Leben im Dienste unseres Volkes wie bisher. Mit vorzüglicher Hochachtung und herzlichen Zionsgrüßen Ihr Dr. Kahn. Z«m Anstizslmndal Hilsner. Kürzlich stellte in einer Wählerversammlung von Leopoldstadt I. ein Redner die Frage: Ist denn derjenige Jude der bessere, welcher der lautere ist? Wir gestatten uns. dem hochgeschätzten Herrn darauf mit aller Entschiedenheit zu antworten: Der lautere Jude ist tatsächlich der bessere. Denn das Judentum verlangt ein Bekenntnis gleich einem Fahneneid: Es nicht zu verlassen und dafür zu kämpfen in aller Not und Gefahren. Das Judentum hat keine andere Waffe als das Wort und je lauter und schneidiger dieses ist, Umso größeren Wert hat derjenige für uns, der es führt. Unsere Beweise bestehen aus Tatsachen. Wann und wo hörte man denn das grollende, laute jüdische Wort in den letzten Zeiten des Parlamentes, wo in diesem Hause der Antisemitismus Orgien feierte? Wo war der leidenschaftliche Vorkämpfer und Redner, als Schneider die Allmacht im-Justizministerium war und von papierenen, blutlosen Interpellationen und Einwänden nicht daran gehindert wurde, die Hilsneraffaire heraufzubeschwören? Mit halbem Herz ist man ihm in den Arm gefallen, war leise, leise in frommer Weise, wo es nötig gewesen wäre, den terroristischen Stampiglienfälscher zu terrorisieren und eifrig und klug nach Hilfe zu suchen. Nein. Verehrtester Herr, Leisesprecher im Judentum sind Leisetreter, über die man zur Tagesordnung übergeht und die auch nichts ausrichten werden, wenn es sich darum handelt, für den österreichischen Ritualjustizmord Sühne zu schaffen. Dankden Leisesprechern befindet sich denn auch der unglückselige gemarterte Jude Hilsner noch immer im Kerker und seine Mutter im Unglück und uns bleibt bis zu besseren Zeiten nichts übrig, als für die beiden die jüdische Barmherzigkeit dringend zur Linderung des Elends anzurusen, das aus den folgenden Briefen der beiden spricht: Gross -Meseritsch, 18. März 1907, Mähren. Euer Hochwolgeboren! Ich erlaube mir und mus Ihnen auch anzeigen. Ich war in Trebitsch in Schpital ich habe müssen mich lassen operiren 4 Wochen war ich dort so kennen Sich denken Gnediger Herr Docktor wie leider ich unglücklich bin. und kann mir allein gar nichts machen, ich habe erhaben von Ihnen den Betrag, nur war ich Schuldig habe ich mir bezahlt, es komt die Osterfeiertage herann und mecht Ihnen Fusfellig bitten mir noch etwas eine Unterstüzung zukommen zu lassen, es sind ja brave Wohltetige Menschen in der Welt bitte mich noch in der Wochenschrift zu geben ich habe jetzt kein Monatgelt so verwende ich mich noch an Ihre Seite überhaupt kann ich gar nichts selbst mir was machen und liege zu Bette bin ich sehr schwach und brauch jetzt genert zu werden. So bitte ich Ihnen Himmelhoch auf die Ostern ein Unterstüzung zu erwürken, bin ganz und gar Leident ich habe jetzt gar keine Hilfe mir sind Sie der einziger mein Retter in der Notht und bitte alles mögliche thun und das ich Unterschtizt werde ich uns eine Bedinte haben und bin genzlich unfehig was zu thun und bitte Sich meiner Erbarmen und das Nothwendige für mich thun das ich leben kann zeichne mich in Untertehnikeit Ihre ergebenste Dinerin Maria Himmelreich vormals Hilsner, Gross-Meseritsch, Mähren, Judengasse 7* Stein an der Donau 15. Märtz 1907. Liebe, theuere Mutter! Es hatt mich leider tüf betroffen wie Ich die trauerige Nachricht vernommen habe, das du in Spithal wars, bei der Operazion, wann du sehr krank bist und kanst dich nicht flegen, so bitte dem Hern Dr. Bloch, er soll für dich eine, Unterstützung erwirken, damit du Leben kanst, schreibe sofort, nach Wien an Hern Dr. Bloch. Ich lasse Im vielmals bitten er soll sich deiner Erbarmen, das du eine Unterstützung bekomst. Liebe, theuere Mutter, wir sind sehr Unglücklich geworden, Sie haben mich Unschuldig gefangen, und du bist auch Unglücklich geworden, so wende dich an Hern Dr. Bloch er soll dich aufrufen in der Wochenschrift, das du eine Unterstützung bekomst und schreibe mir Antwort wie es dich nach der Operation geht, für heute schhesse ich mein schreiben und grisse dich vielmals bin, dein treuer Unglücklicher Sohn. Leopold Hilsner. K. u. k. Strafanstalt Stein. Liebe, theuere Mutter sei so gut und schreibe gleich an Hern Dr. Bloch, er soll sich unser anehmen, und auch für dich schritte machen, das du Leben kanst, du musst Unterstützt werden wann du sehr leidend bist und keinen bedinten hast, Bitte Im, Fussvelig, er soll sich Erbarmen, unser, Wir sind sehr Unglüklich geworden. Wirgeles. (Ein Beitrag zu den deutschen Kosenamen auf —eles.) Bekanntlich erfreuen sich die Namen auf —eles nicht der Gunst der Antisemiten, aber auch nicht der des größten Teiles der Prager und Wiener Juden. Diese Namen auf —eles find nämlich urdeutsch; den stark slavisierten Juden, die von der hebräischen Sprache keine blaße Ahnung mehr haben, klingen diese urdeutschen Namen — hebräisch. Seit Jahren bekämpfe ich diesen Wahn, der ein Beweis der fortschreitenden Slavifierung der österreichischen Juden ist. Denn wem ein normal gebildeter Name auf —eles undeutsch klingt, dem ist zweifellos das Gefühl für germanische Namen bereits verloren gegangen. Die Tiroler, Schwaben, Franken, Holländer und Friesen, deren rein germanisches Sprachgefühl wohl von niemandem bestritten werden kann, finden an den Namen auf — eles geradezu Wohlgefallen! *) Seitdem in Ungarn das Ministerium W e k e r l e am Ruder ist, ist die Genitivform „Wekerles" täglich in den Zeitungen zu lesen, dievon Wekerles Programm, von Wekerles Audienzen, von Wekerles Reden u. s. w. berichten. Nur das Wiener Antisemitenblatt, dessen Verfassern die Silbe — les nun einmal hebräisch klingt, wußte die ominöse Genitivform „Wekerles" zu umgehen. Man zog es vor, „die Audienz des Wekerle" (also 4 Worte!) statt „W e k e r l e s Audienz" (2 Worte) zu sagen, nur um diese ganz abscheuliche Silbe —les nicht ministerfähig zu machen. Als ich im „Neuen Wiener Tagblatt" vom 16. März 1907 im Leitartikel -nicht weniger als viermal die Wortform Wekerles las (nämlich: die Ausführungen Doktor Wekerles, die Rede Dr. Wekerles, die Erklärung Doktor Wekerles, Dr. Wekerles Maßstab), war ich neugierig, auf welche Weise das Antisemitenblatt an diesem heißen Wekerles-Tage der Wortform „Wekerles" ausgewichen sei. Ich traute meinen Augen kaum, als ich in demselben Blatte schwarz auf weiß las: „Zu Wekerles letzter Rede". *) In Württemberg gibt es viele Flurname», die mitAbele 8 zusammengesetzt sind, z. B. Abelesberg, Abelesgehren, Abeles Grieshalden. Abeles heißt nämlich der Nachkomme einer Apollonia (abgekürzt: Appel, Abbel, Abbele, Abele vgl. Wein hold die deutschen Frauen im Mittelalter Bd. I. S. 19). Unter den Vlämen kommt sehr häufig der Name A b e l o o s vor (in Brüssel 29 mal!). In Wien dagegen ist der Name Abeles verfehmt. Wer zur sogenannten „guten Gesellschaft" gehört, trachtet diesen Namen gegen einen „deutschen Namen" einzutauschen oder doch im Verkehre die Betonung des Namens auf der vorletzten Silbe (Aböles) durchzusetzen, statt auf der drittletzten Silbe (Abele s), wie es allein richtig ist. Gerade diese Aversion gegen den urdeutschen Daktylus (d. h. die Betonung auf der drittletzten Silbe) ist aber der sicherste Beweis der fortgeschrittenen Slavifierung, da der Slave im Gegensatz zum Germanen die Betonung auf der vorletzten Silbe liebt.

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