Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Llocb's MocbenscbrM Seite 317 die allererste und allerwichtigste Voraussetzung für die Gleichberechtigung geschwunden, und es ist dann nur zu naturgemäß, daß der alte Judenhaß die günstige Gelegenheit wahrnimmt, um die Judenheit aus der gewonnenen Position hinauszudrängen. „Wenn Euer Sonderdasein zwecklos geworden, ohne ideale Aufgabe und Bestimmung, warum wollet Ihr nicht aushören und drängt Euch unter die Lebenden, da Ihr nach dem historischen Prinzip tot und begraben sein solltet?" Daher sehen wir den Kampf gegen den Jdeeninhalt des Judentums nicht bloß in den Niederungen und in den Sümpfen des Wiener Antisemitismus, sondern auch in den Sphären höherer und höchster Volksschichten, in den Kreisen der Wissenschaft, heftig entbrennen. Aeußerlich hüllt sich dieser Kampf in den Mantel der Wissenschaft, zum Scheine gilt er lediglich dem Judentum, in Wirklichkeit wird dieser Kampf gegen die Juden selber geführt, gegen ihre Stellung im Staate und in der Gesellschaft. Es ist ein furchtbarer, sündhafter Irrtum von Seiten der meisten Söhne des Judentums, die sich dem Wahne hingeben, daß sie ihre Position in der Gesellschaft umso mehr befestigen, je ostentativer sie sich vom Judentume lossagen. Je geringfügiger, wertloser sie die jüdische Idee für die Gesellschaft darstellen, desto winziger, desto unhaltbarer wird die Basis ihrer eigenen Stellung in der christlichen Gesellschaft. Hat je ein Tscheche den blödsinnigen Gedanken gefaßt, daß es für das Geschick seines Stammes in Oesterreich vorteilhafter wäre, wenn er seine Geschichte, seine Literatur und seine Geistesschätze verleugnet, verkleinert? Neben dem großen politischen Kampf führen in Oesterreich die einzelnen Volksstämme mit einander auch einen Wettkampf in der Literatur und Wissenschaft, für welche Adel und Bürgertum die größten Opfer bringen. Und unsere Vertreter im Parlament sollen stumme Hunde bleiben, wenn man unseren Glauben schmäht, unsere Religion lästert, unseren Namen beschimpft, unsere Geschichte entstellt, unsere Literatur fälscht, von dem Lehrinhalt des Judentums auf der Tribüne des Parlamentes ein Zerrbild entwirft, daß alles vor Entsetzen und ^Schaudern sich davon abwendet t Als Professor August Rohling, seine bekannten Schmähschriften über den Talmud veröffentlichte, sagte ein Prager Richter zu dem Professor Dr. Alois Zu ck er nach den Enthüllungen, welche er soeben gelesen, müßte er als Richter Bedenken tragen, einem Juden den Zeugeneid abzunehmen. Soweit reicht die Beeinflussung selbst der gebildetsten Volksschichten, der maßgebendsten Elemente des Staates durch antisemitische Verleumdungen. Nur wir Juden legen diesen Verleumdungen kein Gewicht bei in dem Wahne, daß das, was uns unangenehm ist, anderen lächerlich erscheint. Deswegen ist es ein Lebensintereffe des jüdischen Volkes, angesichts der in Oesterreich eingerissenen Unsitte, die Parlamentstribüne zu Verleumdungen gegen Juden und Judentum zu mißbrauchen, daß unter den Volksvertretern wenigstens ein einziger Mann sitzt, der, mit der Geschichte, der Literatur und dem Lehrinhalte des Judentums gründlich vertraut, auch in der Lage ist, dem Lästerer Israels auf Grund seines Wissens mit einem scharfen Wort zu begegnen. VII. Der gute Wille, den Juden als Jude zu dienen, ist noch nicht die genügende Empfehlung. Der Zufall der jüdischen Geburt macht noch nicht den richtigen Kandidaten, die Leidenschaftlichkeit, die eifervolle Glut macht ihn. Der Jude, wie wir ihn im Parlament brauchen, muß sein Juden-- tum im Herzen tragen; hier muß er es brennend fühlen, daß das Faustrecht, daß die Unterdrücker gegen die Juden wüten, weil diese anderen Stammes und Glaubens sind. Nur ein solcher wird dann auch aus der Tiefe seines Gefühles jenes Wort und jenen Ton herauszuholen wissen, die allein geeignet sind, die richtige Wirkung hervorzurufen. Diese Stimme der Wahrheit wird es immer sein, die im Hause sowohl wie im Audienziaal der Minister gehört und von denjenigen befolgt werden wird, die unter antisemitischer Hülle noch einen Kern von Menschentum haben, das wir immer anrufen, sie wird diejenigen ergreifen, die noch eine schlummernde Empfindung für Gerechtigkeit besitzen. Nur laut und unermüdlich muß sie fein. Im Schlachtgetümmel übersieht und übertönt man den Kraftlosen und den am Unrechten Orte Bescheidenen. Wir Juden haben keinen Grund, uns im Hintergund zu halten, in Geduld zur Kenntnis zu nehmen, was man über uns beschließt und höchstens mit sanften Klagen zu antworten. Wir haben keinen Grund, das Verbrechen nicht als Verbrechen, die Lüge nicht als Lüge laut vor aller Welt zu kennzeichnen, wir brauchen nicht mit dem zitternden kleinen Finger auf die Staatsgrundgesetze zu zeigen, wir können mit geballter Faust darauf pochen. Der starke Mann, der seines Wertes voll bewußt ist, schreit. Und doch macht man dem Zorn des in seinem ganzen VolkeBeleidigtenVorwürfe. Aus dem ängstlichen Ghetto heraus noch stammt der Grundsatz, daß wir Juden uns ruhig halten sollen, ein Grundsatz, der einem Zugeständnis gleichkommt, als wären wir wirklich Staatsbürger zweiter Klaffe. Ja, wenn wir wirklich den Kampf begonnen hatten! Aber wir taten nichts, als auf die Angriffe zu antworten und da finden sich statt lauter Beifallspender noch Tadler deswegen, weil ich mit entschlossener Energie geantwortet habe. Angegriffen habe ich nie. Weder im Parlament noch in meinem Blatte, aber unzählige und scharfe Antworten gegeben auf unzählige und scharfe Verleumdungen gegen uns alle oder gegen Einzelne. Ich gestehe, daß ich mich durchaus nicht bessern werde, daß ich derselbe bin und bleibe. Ich kann nicht anders. Es ist mir unmöglich, ungerechte Angriffe auf das Judentum, auf seinen Glauben, auf seine Sittlichkeit ruhig oder mit Sanftmut hinzunehmen. Es ist mir unmöglich, zu schweigen, wenn in der Versammlung der Vertreter aller Völker Oesterreichs die Ehre unseres Namens angetastet, das Andenken unserer Väter verunglimpft wird. Wer mir darob zürnt, wer meine Fähigkeiten und meine Methode nicht anerkennt, der wähle mich nicht. Ich bitte aber um die Stimmen derjenigen, welche die Angriffe gegen uns mit Erbitterung fühlen und mit Kraft zurückweisen wollen. Zionistische Stimme« «der die Kandidat«» Dr. Stoch». Herr Dr. K. Lippe in Jaffy ist derzeit wohl der Nestor der zionistischen Bewegung. Schon der selige Doktor Rulf zählte ihn zu den „Vätern des modernen Zionismus". An der Spitze seiner rumänischen Gefinnungsgenoffen hat er die ersten zwei Kolonien in Palästina, Sichron Jakob und Rosch Pinah, gründen helfen. Er war einer der gelehrtesten Köpfe auf den Baseler Kongreßen. Die von ihm verfaßten Bücher genießen pnit Recht hohes Ansehen. Herr Dr. Lippe wandte sich an den Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Leopold Kahn, welcher Mitglied des großen, zionistischen Aktionskomitees ist, mit einem Schreiben, in welchem er seiner Betroffenheit. seinem schmerzlichen Befremden darüber Ausdruck gibt, daß von berufenen Parteifaktoren die schädliche Kandidatur Dr. S ch a l i t s gegen Dr. Bloch nicht verhindert wurde. Als Antwort erhielt Herr Dr. Lippe nachstehenden Brief, den er uns zur Verfügung stellte und der auch unsere Leser zweifellos interessieren dürste. Wohlgeboren Herrn Dr. Karl Lippe, Jaffy. Sehr geehrter Herr Gefinnungsgenoffe! In Erwiderung aus Ihr Geschätztes, in welchem Sie mir nicht unberechtigte Vorhälie machen und meine Ansichten zu erfahren wünschen, muß ich Ihnen ebenfalls mit einem Hinweise auf die Rechtsmaxime unserer alten juristischen Literatur antworten. „Urteile über Deinen Genoffen nicht eher rin prt löpö«? jrcnw ny “i“an als bis Du Dich in seine Lage versetzt hast!" Wir, die alten Zionisten, haben an der gegenwärtigen Bewegung, am Eingreifen in die innere Politik als Zionisten, welche sich im letzten Ziele an der Ergatterung einiger Mandate