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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-22 · 12 (22.3.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 12 Seite 208 Dr. Mocb's Mocbenscbrlrr. verbrachte. Umso mehr hatte das wiederholte Erscheinen nnd Verschwinden des Chosons ihr die bisherige Ruhe des Gemütes geraubt und sie in einen Zustand des Unzufriedenseins versetzt. Sie hatte fich in keinen der jungen Männer verliebt, der ihre Hand und Mitgift genommen hätte, denn einem alten Gebrauche folgend, hatte fie mit keinem ihrer Bewerber ein Wort wechseln dürfen. Doch als ein Monat vorüber war, ohne daß ein Schadchen erschienen wäre, blickte fie auf, so oft die Türe ging, in der Hoffnung, ein Mitglied dieses Gewerbes zu sehen. In ihren Träumen gedachte sie der Mädchen, die sich.von Kropowetz fort verheiratet hatten und ihre Seele sehnte sich und wußte nicht wonach. Trotz der Zärtlichkeit, die sie für ihre Familie und für die heimatliche Umgebung hatte, wurde sie dieser überdrüssig und sehnte sich nach der weiten Welt. Sicherlich war fie zuerst entsetzt von der Mttteilung, Rouvke Arbel heiraten zu sollen, und als sie die ganze Bedeutung dieses Anerbietens erfaßte, ließ sie den Kopf auf des Vaters Schulter fallen und brach in Tränen aus. Aber Reb Peretz strich ihr über das Haar, während er die Sache in dem Lichte darstellte, wie es Feive getan, und nach und nach brachte er fie in eine freundliche Sttmmung und sie rief sich Rouvkes Photographie ins Gedächtnis, mit der seine Mutter so oft geprunkt hatte. Die Partte schien ihr auf einmal im rosigsten Lichte. Ihre Einbildungskraft führte fie in ein fernes Land, wo sie sich selbst mtt Gold und Perlen geschmückt an der Seite einer männlichen Gestatt sah. Es war ein bezauberndes, ergreifendes Biü>, das nur ein wenig gestört von den Umrissen Rouvkes in Röhrenstiefeln und Schafpelz war. Ach, wie schade war es, diesen Flecken auf dem so reizenden Bilde zu sehen! Und um dieses unangenehmen Eindruckes los zu werden, versuchte Hanele fich Rouvke in elegantem Anzuge, mit weißem Stehkragen und Kravatte, so wie er auf der Photographie war, vorzustellen. Dank dieses Versuches erschien ihr Rouvke Arbel in Röhrenstiefeln und Schafspeh als ein anderer, als ein Fremder, und fie gedachte nur des eleganten Herrn auf dem Bilde. Nun, es ist ja nicht Rouvke, den man ihr angetragen hat, sagte fie sich. Es ist ein ganz anderer. Uebrigens wer kann sagen,, was geschehen wird? Lassen wir fie vorerst nach Amerika gehen, und wer weiß, ob sie dort nicht einen urtten, jungen Mann finden wird, der nie bei ihrem Vater gedient hat. Und Hanele fühtte, daß es so kommen werde. Uebrigens hatte nicht Baske, des Mehlmessers Tochter, einen einstigen Schmied geheiratet und war die nicht trotzdem glücklich geworden. „(Sage ja oder nein. Sprich, du kleine Taube!" . sagte Reb Peretz, als sie zum zweiten Male die Sache besprachen. „Es ist nicht mein Schicksal, das entschieden werden soll. Es geht Dich an," fugte er hinzu, fühlend, daß Hanele bejahend antworten werde. „Ja," flüsterte fie und ließ den Kopf weinend sinken. (Fortsetzung folgt.) Literat««. Der «errefte Kolportageroman im Londoner Ghetto der deutschen Juden. Am 19. oder 20. Februar wurde in den Londoner Judeuviertelu ein Reklamezettel ausgeboten, wie auch wir sie kennen. Sein Jnhatt ist nicht ohne Interesse. Rechts oben zeigt er einen Gigerl, der auf die hebräischen Lettern deutet. Die Entzifferung dieser Lettern spottet solange jedes Versuches, i bis man dahinter kommt, daß es sich weder um Hebräisch noch um Jiddisch noch um Englisch handelt — eine englische Zeitung mit hebräischen Lettern ist zum Beispiel Brils Jewish Special — sondern um ein nur ganz wenig verderbtes Schriftdeutsch. Als solches betrachtet,' ist die Lesung ohne jede Schwierigkett und ergibt folgenden Inhalt des Reklamezettels: „Schon da! Das erste Heft vun (f. von) dem neuesten interessantesten un (f. und) besten Roman: Zar Nikolai der Zarowiter oder Kampf fir (f. für) Freiheit — erscheint 2 Heften jede Wock (f. Woche) — is (f. ist) schon raus (f. heraus) vun (f. von) Druck, un (f. und) is (f. ist) zu bekummen (f. bekommen) in alle Papier-Schäfs (f. Geschäften), Barbier-Schäfs (Geschäften) un (und) Nius (f. News)-Agenten, wie auch beim Verleger: I. Gerinstein, 69, Niu (f. New)-Road, East. Preis 1 Penny. Besorgt sich was schneller mit (wohl — die schnellere Bezugsweise geschieht durch Kauf von je) 1 Heft. Es is (ist) höchst interessant. Gedruckt bei I. Nradizki 48, Mill End, Road E." Vorstehende Notiz entnimmt man der „Neuen Züricher Zeitung", die daran noch folgende bemerkenswerte Bemerkung knüpft: Man vernimmt gewiß ganz gern durch ein solches Reklameblatt, daß London in so großer Zahl deutschredende Juden hat, daß für sie eigens Kolportageromane gedruckt werden, wie, daß sich das Interesse auch dieser deutschen Juden Londons dem Kampf für die Freiheit im Reich von Zar Nikolai dem Zarowiter aufmerksam zugewendet hat. „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde". Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Herausgegeben von Dr. M. G r u n w a l d. Heft 22. Berlin. S. Calvary & Co. 1907. A. Chachanow, Direktor des Lasarew'schen Institutes für orientalische Sprachen in Moskau, behandelt in einem sehr unterrichtenden Aufsatz die „grusischen Juden". In den grundlegenden Ausführungen wird die Ehrlichkeit der armen beklagenswerten jüdischen Händler hervorgehoben. — Prof. Bacher bietet eine weitere Variante zu einem schon wiederholt von ihm bearbeiteten Simchath-Thora-Liede.— Dorothea Weißenberg übersetzt die höchst sinnige Falascha-Legende vom Tode Moses aus dem Französischen des Jacques Faitlovitch. — „Aus Kindermund" liefert Dr. Zeitlin einen kleinen Beitrag. — Heft XII ergänzt Dr. Heckscher durch eine Notiz über die Hamburger Judengemeinde. — Prof. Boris Schatz beschreibt einige seiner Werke im Hamburger jüdischen Museum. — Die Hamburger Gesellschaft gibt ihren Jahresbericht und das Verzeichnis der Eingänge. Eine ausführliche Bücher- und Zeitschriftenschau, sowie Nekrologe auf Albert Wolf und Pauline Emden beschließen das an Inhalt reiche und durch gelungene Illustrationen verzierte Heft. Mitglieder der Wiener jüdischen Museumsgesellschaft erhalten die „Mitteilungen" statt für Mk. 4.— zum Vorzugspreise von K 3.— jährlich. F. S. Deutsch, Dr. Aladär. Die Zigeiner-, Großenhof- und Neusynagoge in Prag. Denkschrift, herausgegeben anläßlich der Erbauung des aus diesen Gotteshäusern hervorgegangenen Kaiser Franz Josef Jubiläums-Tempels. Prag 1907. Es ist der erste Versuch einer Monographie über diese denkwürdige Geschichte der Prager Synagogen, ein Versuch, der sich durch fleißige Benützung der einschlägigen Quellen auf unsere volle Anerkennung ein Recht erworben hat. Dankenswert sind kleinere historische Exkurse, wie der über die Familie Bassewi. Die gedankenreiche Predigt, die der Verfasser bei der Schließung der alten Zigeinerschul am 6. Mai 1906 gehalten hat, ist auch als Sonderabdruck erschienen. Druck und Ausstattung, insbesondere die gelungenen Illustrationen tragen dazu bei, die Schrift zum Ankauf zu empfehlen, zumal das Reinerträgnis dem Israel. Lehrerpensionsverein in Böhmen zufließt. Wir sprechen zum Schluß den Wunsch aus, daß auch die von S. H. Lieben vorbereüete Geschichte der Pinkassynagoge recht bald erscheinen möge. M. G-.

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