Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. 12 Seite 206 Vr. Mocd's MwcbenscvrLN. vereinigte im Trauerhause eine Elite von Leidtragenden, unter denen man hervorragende Repräsentanten der Großindustrie, Vertreter vieler Wohltätigkeitsvereine rc. bemerkte. Nach Hunderten zählten die Kranzspenden, nach Tausenden die der trostlosen Familie aus den angesehensten Kreisen zugekommenen Beileidskundgebungen. Auf dem Zentralfriedhofe würdigte Ehrwürden Rabbiner Dr. Taglicht in gedankenvoller, die Entschlafene trefflich charakterisierender Rede Leben und Wirken dieser ausgezeichneten Frau, die ihre edle Gesinnung auch in ihrem letzten Willen zugunsten vieler Humanitätsvereine dokumentierte. Sie ruhe in Frieden! B . . . y. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" in Wien. Im abgelaufenen Semester wurden im zionistischen Seminar 43 Vorträge abgehalten, die folgende Disziplinen behandelten: Zionismus 5mal. Palastinakunde llmal, hebräische Literatur 9mal, jüdische Literatur in deutscher Sprache Imal, jüdische Literatur 9mal, jüdische Geschichte 8mal. Die Vereinsbibliothek wuchs in diesem Semester um ca. 100 Bände und zählt gegenwärtig an 700 Bände meist jüdischen Inhaltes. Im Verein lagen 20 jüdische Zeitungen auf. Nach außen betätigte sich der Verein weniger. Es wurde eine Rosenfeldfeier veranstaltet, die in der Presse glänzend besprochen wurde und einen Reinertrag von 420 Kronen zu Gunsten des Dichters brachte. Einzelne Mitglieder waren im jüdischen Bildungsverein tätig, einige hielten Vorträge unter den Mittelschülern. Außerdem wurde die Redaktion Md Administration der Monatsschrift „Unsere Hoffnung" ganz von Vereinsmitgliedern besorgt. Für den Nationalfond war die Selbstbcsteuerung eingeführt und außerdem konnten durch Sammlungen ca. 100 Kronen abgeliefert werden. . DaS Resultat der Ausschußwahlen für das Sommersemester ist: exp. Artur Holzer, Präses; teebu. Artur Felix, Vizevräscs; phil. Emil Pollitzer, Schriftführer; exp. Adolf Beer, Kassier; meä. Hugo Eben, Bibliothekar. Olmütz. Herr Otto Friedländer, Kantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, hat sich mit Fräulein Gisela Jellinek aus Olmütz verlobt. Mahrisch-Schöuberg. Bei der hier stattgefundenen Rabbinerwahl wurde Herr Dr.Rosenmann aus Andrychau mit Stimmenmehrheit zum Rabbiner unserer Kultusgemeinde gewählt. Unserem bisherigen Rabhinatssubstituteu Sr. Ehrwürdeu Herrn Dr. I. Günzig in Lo sch i tz wurde für seine Vertretung und Erteilung des Religionsunterrichtes an der hiesigen Schule während der Dauer der Rabbinervakanz vom Gemcindeausschuffe der wärmste Dank ausgesprochen. L. Kollefchowitz. Am verflossenen Samstags beging^der hiesige Kultusvorsteher Hetr Großkaufmann David K o h n seinen 50. Geburtstag. Beim Gottesdienste würdigte Herr Rabbiner Büßgang in einer kurzen Ansprache die Verdienste des Herrn Kultusvorstehers um die hiesige Kültusgemeinde, die er bereits in zwei Wahlperioden vertritt, sowie sein ideales, echt religiöses Familienleben. Biku. (P u r i m f e i e r.) Am 10. d. M. fand im Saale des Hotels „Hohes Haus" ein vom hiesigen israelittschen Frauenverein veranstaltetes Purimfest statt, das am Nachmittag als Kinderfest begann und wobei die Kinder mit Kaffee und Backware bewirtet wurden und das am Abende seine Fortsetzung fand. Der Verlauf war in jeder Beziehung ein glänzender, die Darstellungen ausgezeichnet und der Besuch ein so massenhafter, daß der geräumige geschmackvoll dekorierte Saal überfüllt war. Es wechselten humoristische Vorträge mtt Rezitationen und Gesangsvorträgen. Nach Abwicklung des Programmes wurde bis zum Morgen dem Tanze gehuldigt. Um das Gelingen des Festes, zu dem auch zahlreiche Damen und Herren aus Dux, Teplitz, Aussig. Brüx und Komotau gekommen waren und das allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird, machten sich besonders Frau Elsner und Herr Heller, sowie die Komiteedamen Frau Rabbiner Brock. Frau Heller, Frau Lederer, Frau Müller und Herr Rabbiner Brock sehr verdient. Dem Wohltätigkeitsverein, an dessen Spitze Frau Luise Klein als Prästdenttn wirkt, floß ein Reinertrag von etwa 200 Kronen zu. Boskowitz. (Maehazith-haschekeI-Feier.) Anläßlich des hundertsten Sterbetages des Rabbi Samuel Löw s. A., des Verfassers des IlaedaLitk-UaaeksksI. veranstaltete der Vorstand der Kultusgemeinde im Vereine mit dem Vorstande der Chewra-Kadischa eine äußerst würdige Gedenkfeier. Um 2 Uhr nachmittags zog eine große Schar, festlich gekleidet, zu jener stillen Stätte, welche einer großen Zahl von Geistcsheroen zur Stätte der Ruhe und des ewigen Friedens geworden. Der Vorstand der Brünner Kultusgemeinde hat seine Vertreter entsendet, die Rabbiner waren durch den Vorstand des Rabbinerverbandes Dr. Freimann (Holleschau) und Dr. Oppenheim (Olmütz) vertreten. Anknüpfend an das Schriftwort: „Und er sprach, was ist das für ein Grabdenkmal, welches ich sehe? Und die Leute der Stadt antworteten: Es ist das Grab des göttlichen Mannes", entwarf der ehrwürdige Redner, Rabbiner Tr. Funk, ein treffendes Bild vom Leben und vom Wirken des großen Mannes, der vor einem Jahrhundert heimgegangen, dessen Geist aber noch in der Schule und im Gotteshause der Gemeinde lebt und waltet. Mit einem hälachischen Vortrage und mit dem Kckchdischgebete schloß diese würdige Feier. Um 4 Uhr fand dann die eigentliche Gedächtnisfeier statt. Der Kantor leitete diese mit dem Jom kippur katan-Gebete weihevoll ein. Der Herr Rabbiner nahm nun abermals das Wort und beleuchtete die Zeitverhältnisse, in welchen Rabbi Samuel Löw s. A. seinen Machazithhaschekel geschrieben und welche ein solches Werk dem Verfasser als Bedürfnis erscheinen lassen mußten. Diese Zeit bildete einen Wendepunkt im Leben unseres Volkes. Die Zeit, in welcher fast jeder Jude einige Stunden des Tages dem Thorastudium widmen konnte, näherte sich ihrem Ende. Das Neue fing an, sich Bahn zu brechen. In Frankreich, wo ein politischer Sturm alles Alte, Hergebrachte erschütterte, wie in Deutschland, wo über die Bibelübersetzung Mendelssohns ein Kampf entbrannte, Werke großer Männer, die bei allen Israeliten die Kenntnis den Urquellen voraussetzten, mußten darum kommentiert werden. Der Machazith-haschekel war zum Verständnisse des Mögen Abraham ebenso notwendig, wie die Gemara zu dem der Mischna oder wie das Xssek Llisebua zum Jod chosaka. Die eben so formvollendete, wie gehaltvolle Rede machte einen tiefen Eindruck und wird allen Teilnehmern an der würdigen Feier unvergeßlich bleiben. Feuilleton. R»,wkejArket oder Gin Merk der Uorschimg. Aus dem Englischen von Amelie Steinhaus. (Fortsetzung.) Choson ist die Bezeichnung für einen jüdischen, jungen Mann, so lange sein Name am Heiratsmarkt genannt wird bis zur Abhaltung der Hochzeitsfeierlichkeit. Es ist ein Unterschied zwischen einem Choson und einem gewöhnlichen, ledigen Mann, dem nur die Bezeichnung Bocher gebührt. Reb Feive hatte gleich einem Zauberer aus dem einfachen Bocher Rouvke einen Choson gemacht. Und so erfreulich deuchte Rouvse diese Wandlung, daß er bester Stimmung war, als der Schadchen sich entfernt hatte, ^r fühlte es, daß eine Aenderung in seinem Leben eingetreten sei, ganz abgesehen von dem Gedanken an Hanele. Es erschien ihm doch undenkbar, daß sie einwilligen könnte, seine Frau zu werden. Und er begann schon, sich für alle Fälle im Vorhinein zu trösten ,* angenommen, sie sage ja, so war es doch eine Dummheit, ein Mädchen ohne die geringste Mitgift zu heiraten! Wenn er sich entschließen würde, noch ein bis zwei Jahre zu warten (es wäre ihm zwar nicht angenehm), so würde er inzwischen der Besitzer eines eigenen Geschäftes sein und könnte dann darauf Anspruch erhebend die Tochter eines Kaufmannes der Divifionsstreet zur Frau zu bekommen, die ihm sicher einige tausend Dollars mitbrächte. So zwang er sich, den Gedanken an Hanele als einen außer Betracht kommenden fahren zu lassen, und war bemüht, sich selbst davon zu überzeugen, daß er auch als Choson eines amerikanischen Mädchens glücklich sein könnte.. Aber es war vergebliche Mühe. Das Bild des Kropowetzer Mädchens l hatte seine Einbildungskraft ganz gefangen genommen. Schließlich entschloß er sich, das Projekt Reb Feives noch einmal genau zu überlegen. Der Kaufmann auf der Divisionsstreet als^Schwiegervater kam ihm in Vergleiche zu Reb Peretz vulgär vor. Diese New-Iorker Kaufleute waren ja, wie er selbst, von sehr bescheidener Herkunft, dagegen schien es ihm, daß sein einstiger Dienstherr von der Höhe eines hochgebornen Geschlechtes herabsehe. Und Reb Peretz war als Talmudgelehrter bekannt und war ein angesehener Mann. So war die alte Ehrerbietung und Bewunderung, die er stets für Reb Peretz empfunden, wieder in ihm erwacht. Welches Glück wäre es, Reb Peretz Schwiegervater nennen zu dürfen! Welches Aufsehen hätte es unter seinen Bekannten hervorgerufen, sowohl in Kropowetz, wie auch in New-Iork! Und diese amerikanischen Mädchen jagten ihm, im Grunde genommen, eine wahre Angst ein. Sie schauen gar nicht aus wie Judenmädchen und verstehen es nur,