Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021723--16246-3041055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr. Dlocb's Mocvenscbrttt. S«tte 202 OberbauraL Rityr, der Präsident der Handelskammer R i v n a c mit den Vizepräsidenten Nemec, dem Sekretär Regirungsrat Hotovec und nahezu sämtliche Kammerräte, der Präsident der Produktenbörse K a l b e r g mit dem Vizepräsidenten F a n t a und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. F i s ch e l, die Herrenhausmitglieder W oh an k a und Oberdirektor M at t us, die beiden Vizebürgermeister Prags mit zahlreichen Stadträten, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Rosenb a ch e r, der Direktor des Nächstenliebevereines Dr. B endien e r, Großindustrielle, Fabrikanten, Mitglieder zahlreicher Wohltätigkeitsvereine, Künstler und viele andere. Der Kondukt bewegte sich über den Graben und Wenzelsplatz nach dem israelitischen Friedhofe in Straschnitz, wo die Beisetzung in die Familiengruft erfolgte. Am offenen Grabe widmete Magistratsrat Dr. Stein dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der auf alle Anwesenden eine nachhaltige Wirkung ausübte. In allen Straßen, die der Zug paffierte, brannten die Straßenlaternen und nach Tausenden zählendes Publikum bildete Spalier. Ein Brief vom Lande. In Budweis erscheint seit einiger Zeit ein Blatt, namens „Hlas lidji“ (Volksstimme), das in jeder Nummer das Judentum und dessen Anhänger in der unflätigsten Weise besudelt. Unlängst verfiel es deshalb der Konfiskation. Man kann sich denken, daß der betreffende Artikel gegen die Juden mit Blut geschrieben sein mußte, sonst hätte die Staatsanwaltschaft nicht zu dem angeführten Mittel gegriffen. Der Bischofssitz in Budweis ist gegenwärtig vakant. Hoffentlich wird der neu zu ernennende Oberseelenhirt dem aus der bischöflichen Druckerei hervorgehenden und unter klerikaler Patronanz stehenden Blättchen einen anderen Kurs vorschreiben, gab es doch sonst viele geistliche Würdenträger in Böhmen, die sich dessen jederzeit bewußt waren, daß der Stifter der katholischen Religion dem Judentume entsprossen, daß Christus in erster Reihe Frieden und Milde gepredigt. Mit Wehmut gedenke ich bei dieser Gelegenheit des im Jahre 1892 verschiedenen Bischofs Johann Josef Hais von Königgrätz, der sogar einen Hirtenbrief gegen den Antisemitismus erlassen. Ich kannte diesen erhabenen Kirchenfürsten persönlich und war einmal Augen- und Ohrenzeuge seiner toleranten Gesinnung. Der Bischof firmte damals in Rabi und Schüttenhofeu, weil der Bischofssitz in Budweis verwaist war. In Rabi, dem historisch denkwürdigen Orte, wo der Hussitenführer Zizta bei der Belagerung im Jahre 1421 auch das andere Auge eingebüßt, sprach er zu dem damaligen Kultusvorsteher Arnstein: „Ich danke Dir und Deinen Glaubensgenossen für die Aufwartung und den Empfang. Ich erinnere mich Deiner als meines Kameraden aus der Volksschule sehr wohl. Ich werde die Juden immer in Schutz nehmen, wo sie unschuldig verfolgt werden. (Bischof Hais stammte aus Budßtic bei Rabi.) In Schüttenhoftn wurden auch der Kultusvorsteher und der Zündwarenfabrikant Fürth zur bischöflichen Tafel geladen. Was sagen die Skribler des „Hlas lidu“ zu obigen Tatsachen? Im Klattauer Kaffeehause „Slavia“ lag dieses herrliche Organ ebenfalls auf. Wir Israeliten erklärten aber dem Kafetier Maschl, daß wir seine Lokalitäten meiden würden, wenn er die genannte Zeitung weiter hielte. Der Wirt ließ das Blatt sofort entfernen und gab das Abonnement auf. Mögen die Glaubensgenossen in anderen Städten in ähnlichen Fällen geradeso Vorgehen! Dies ist der Wunsch Ihres allezeit getreuen Mitarbeiters Klattau, im März 1907. Alexander Baum. Krakau. (UnentgeltlichesStellenvermittlungsbureau.) Wir geben hiemit der Oeffentlichkeit bekannt, daß wir den Bestimmungen unserer Verbandsstatuten gemäß ein „Unentgeltliches Stellenvermittlungsbureau" ins Leben gerufen haben. Die Zentrale wurde in Krakau errichtet und find schon in Galizien selbst Filialen unseres Bureaus in Brody, Drohobycz, Jaroslau, Rzeszow, Kolvmea, Lemberg, Neu- Sandez, Stanislau, Sanok, Tarnopol, Tarnow, Zloczow und 15 anderen Ortschaften gegründet. Außerhalb Galizien funktioniert unser Stellenvermittlungsbureau durch seine Filialen in Czernowitz, Sereth, Radautz, Brünn, Prag, Bielitz, Wien. Wir erachten es als überflüssig, auf die Beschreibung der Notwendigkeit einer solchen Institution näher einzugehen — es genügt, wenn wir auf das plötzlich wachsende, arbeitslose Proletariat und auf die schändliche Ausbeutung seitens verschiedener Vermittler Hinweisen, um schon die Wichtigkeit unseres Bureaus zu beweisen. Wir hoffen durch eine groß und stark angelegte Organisation unserer Institution vieles zum Wohle der Arbeitsuchenden leisten zu können, aber selbstverständlich hängt die Ersprießlichkeit unserer Arbeit viel von der moralischen Unterstützung der an der Sache Interessierten ab. Wir glauben daher annehmen zu dürfen, daß uns sowohl die Arbeitgeber, wie die Arbeitsuchenden alle offenen und gesuchten Posten angeben werden. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverband Oesterreichs in Krakau, Sebastyanagasse 27. Jglarr. (W a h l e r g e b n i s.) In der am Montag den 11. März l. I. abgehaltenen konstituierenden Sitzung des am 24. Februar neugewählten Ausschusses der hiesigen Chewra- Kadischa wurde die Neuwahl des Vereinsvorstandes vollzogen. Es wurden gewählt die Herren: Gabriel Hellmann zum Vorsteher; Max W u r m s o h n zum 1. Vorsteher- Stellvertreter; Heinrich Weißen st ein zum 2. Vorsteher- Stellvertreter; Ignaz Kohn und Karl Bondi zu Beiräten; Moritz Bretschneider zum Friedhofsinspektor. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren: Eduard Breth, Josef 'Grünfeld, Samuel Kraus, Ignaz Lang, Wilhelm Oestreicher, Moritz Schwarzkopf, David Suchy, Simon Weiß, Ignaz Weiner. — m— Die Erfindung eines jüdischen Ingenieurs auf musikalischem Gebiete. St. Petersburg. In den hiesigen künstlerischen Kreisen erregt großes Aufsehen die Erfindung eines gewissen Ingenieur K. Koenmann, die berufen^zu sein, scheint, eine-Umwälzung in der Herstellungsweise der Violine und der einschlägigen Instrumente herbeizuführen. Der Erfinder, ein talentvoller Ingenieur-Technolog, hat eine Reihe von Jahren dazu verwendet, die chemische Beschaffenheit des zur Violine verwendbaren Holzes genauest zu untersuchen und nach zahlreichen mühevollen Experimenten gelang es ihm, ein Violinenmaterial herzustellen, das dem der alten Italiener den Rang abzugewinnen droht. Der Erfinder befaßte sich nämlich mit der Aufgabe, worin eigentlich das Geheimnis zu suchen wäre, daß die Violine der alten Italiener unerreichbar dasteht, während es doch viel ältere Instrumente gibt, die jedoch an Qualität der Italiener beiweitem nachstehen. Das Geheimnis dürfte demnach nicht im Alter des Instrumentes liegen. Auch die technische Fertigkeit dürfte hier nicht die Hauptrolle spielen, denn der gegenwärtige Zustand der Technik läßt an Feinheit und Exaktheit der Ausführung nichts zu wünschen übrig, nichtsdestoweniger gelang es noch bis heute nicht, die Qualität einer alten italienischen Violine auch nur annähernd zu erreichen. Der Erfinder schloß nun, daß die italienische Violine aus einem Holze angesertigt sein dürfte, das besondere akustische Eigenschaften besitzt. Es dürfte eine eigenartige chemische Bearbeitung des Materials in Verwendung gekommen sein, die nach dem damaligen Zustande der Wissenschaften wohl recht primitiv sein mochte. Acht Jahre hindurch arbeitete Ingenieur Koenmann unermüdlich und des Erfolges sicher an den chemischen und technologischen Untersuchungen des Holzes; er schonte keine Kosten noch Zeit und Mühe, um ans Ziel zu gelangen. Auch der Lack wurde von ihm peinlichst untersucht und auf seinen Einfluß auf die Reinheit der Töne geprüft. Die Undurchdringlichkeit des Koenmannschen Materials steht unerreicht da; ein 2'/z mm starkes Brettchen läßt das Licht einer elektrischen Lampe nicht durch. Das Resultat dieser Experimente überstieg alle Erwartungen. Ingenieur Koenmann legte unlängst der großen Kunst-