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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-22 · 12 (22.3.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Dlocb's Mocdenscvrm. Seite 201 unter dem derzeitigen tüchtigen und rührigen Präsidenten Herrn Adolf Popper wurde das neue Statut geschaffen, dessen einzelne Paragraphe für die Mitglieder von besonderem Wert und großer Bedeutung sind. Und so schreitet dieser altehrwürdige Verein mit blankem Schilde und der alten Devise „Odssaä sedsl em6s“ in gewohnter Bahn — aber mit den Geboten des Fortschrittes und der Neuziit Schritt haltend, wacker vorwärts und es wäre nur zu wünschen, daß sich hier das Wort des Dichters bewahrheiten möge: „Das alte stürzt — und neues Leben blüht aus den Ruinen" und zwar in dem Sinne, daß — nachdem der alte Stamm, dem unabweislichen Naturgesetze folgend, langsam äbstirbt, neue, junge und gesunde Mitglieder dem Vereine gewonnen werden, damit derselbe weiter seine segensreiche Tätigkeit und sein wohltätiges Wirken noch viele Jahre fortsetzen könne zum Wohle und zum Heile seiner Mitglieder. Das walte Gatt. Julius Wottitz. Nikolsburg. In der vorwöchentlichen Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift wird aus Nikolsburg berichtet, daß, falls für die bevorstehende Reichsratswahl kein jüdischer Kandidat in unserem Wahlbezirke auftritt, der christliche Kandidat, Schuldirektor Karl Prinz, einem Konvertiten vorzuziehen sei. Ohne über die Richtigkeit dieser Ansicht zu polemisieren, will ich nur erwähnen, daß der Berichterstatter entweder mangels genügender Information oder mit Absicht es unterließ, auch den bereits angemeldeten jüdischen Kandidaten namhaft zu machen. Es ist dies der Advokatursbeamte Herr Gustav Kohn, der wohl auf ein sozialistisches Programm kandidiert, dessenungeachtet vermöge seiner glänzenden Rednergabe als Abgeordneter sich bestens qualifizieren würde, da er überdies Mut nud Energie genug besitzt, etwaige Angriffe, Schmähungen und böswillige Verleumdungen gegen die Bekenner jüdischen Glaubens entschiedenst zurückzuweisen. Ich richte daher den Appell an die Herren jüdischen Wähler unseres Wahlbezirkes, in ihrem eigenen, wie auch im Interesse des Gesamtjudentums diesem trefflichen Kandidaten ihre Stimme geben zu wollen. Amiti. Pressburg. (Ahawat Z i o n-V erein.) Der hiesige Ahawat Zion-Verein hat Sonntag den 17. d. M. im großen Saale des Etablissements „Bellevue" einen jüdisch-literarischen Abend veranstaltet, dessen glänzender Verlauf eine wirksame Propaganda für die zionistische Sache geworden ist und der Vereinigung viele neue Freunde erwarb. Zur anberaumten Stunde hatte sich ein ca. 600 köpfiges Publikum, in welchem die besten Kreise der Preßburger Judenheit vertreten waren, eingefunden. Der Abend wurde mit der Begrüßungsrede des Präses A. C.-Mitglied I. Bettelheim eröffnet. Die ungarische Festrede hielt Herr Prof. A. Sebestyen, der mit hinreißendem Schwünge darauf hinwies, daß die zionistische Idee, weit entfernt, mit dem Patriotismus zu kollidieren, gerade von jedem wirklich patriotisch fühlenden Juden mit Begeisterung als das der Vaterlandsliebe parallele Gefühl der Liebe und der Treue zu seinem Stamme erfaßt werden müsse. Der deutsche Festredner A. C.-Mitglied Dr. Leopold Kahn-Wien war in liebenswürdiger Weise für den bedauerlicherweise erkrankten Herrn Baurat Oscar Marmorek eingetreten. Herr Ar. Kahn legte mit gewohnter Meisterschaft die Phasen der Entwicklung des zionistischen Gedankens dar und schloß mit einem erhebenden Ausblicke auf die mächtigen sittlichen und kulturellen Konsequenzen, welche die Verwirklichung des zionistischen Gedankens auch für die Gesamtmenschheit haben werde. Hierauf entwickelte Frau Sidonie Kahn, dem stürmischen Zurufe des Publikums Folge leistend, in einer distinguierten, geistvollen Rede die Gedanken, welche das bevorstehende Paffahfest in jedem Juden wachrufen solle. Die mit lautloser Spannung angehörte Rede entseffelte einen Sturm des Beifalles. Dem literarischen Teile des Programmes folgten die äußerst bravourösen Gesangsleistungen des Wiener Oberkantors Herrn M. B a s s e r sowie des Sängers Herrn E. K ü s ch n e r. Die heitere Muse war in trefflichster Weise durch das Mitglied des hiesigen Stadttheaters Herrn I. Safrany vertreten. An dem Erfolge des Abends partizipiert auch der unter der Leitung des Herrn Kijevsky stehende Vereinschor. Das Arrangement lag in den bewährten Händen des Nationalfondkommiffärs Herrn S. Komlosi, dem die Herren M. Freund, S. S z a m e k und I. L i p k o v i c s zur Seite standen. Ein darauffolgender Festkommers, bei welchem Herr und Frau Dr. Kahn und Andere sprachen, vereinigte die Gäste bis in die späte Nachtstunde in gehobener Stimmung. Prag. Eine erschütternde Trauerkunde durcheilte am 15. März, mittag, unsere Stadt: der Großindustrielle und Großkaufmann Gottlieb B o n d y ist heute vormittags nach kurzem Krankenlager verschieden. Der Heimgegangene, der im 75. Lebensjahre stand, spielte im kaufmänischen und politischen Leben unserer Stadt eine hervorragende Rolle und war zumal als tatkräftigster Förderer aller humanen Jntereffen eine allgemein beliebte und verehrte Persönlichkeit. Sein edles Herz war geradezu sprichwörtlich. Im Jahre 1859 übernahm der Verblichene nach seinem Vater ein Eisen-ou-Fros-Geschäft, das er durch seine kaufmännischen Kenntniffe und Fähigkeiten auf ein imponierendes Niveau zu heben verstand und das er bis zum letzten Augenblicke leitete. Im Jahre 1863 wurde Gottlieb Bondy in das Stadtverordnetenkollegium gewählt, dem er 20 Jahre lang angehörte, 1877 erfolgte seine Wahl in die Prager Handels- und Gewerbekammer. Als die tschechische Partei in der Kammer die Majorität erlangte, wurde Bondy zum ersten tschechischen Kammerpräsidenten gewählt. Der Verblichene gehörte auch als Delegierter der Kammer dem Landes- und Staats- Eisenbahnrate an. In dieser Eigenschaft hat er sich große Verdienste erworben. Bondy war auch Gründer des Kunstgewerbe- Museums, dem er sehr wertvolle Schenkungen machte. Im Jahre 1883 wurde er in den Landtag gewählt, wo er der alttschechischen Partei angehörte. Mit dem Heimgegangenen verliert das Prager Judentum eine seiner schönsten Zierden und kräftigsten Stützen. Vor etwa Jahresfrist veröffentlichte Bondy den ersten Band eines großangelegten Werkes: „Geschichte der Prager Juden", der allenthalben Auffehen erregte und für die wissenschaftliche Gründlichkeit des Verfassers das beste Zeugnis ablegte. Der Verblichene gehörte einer großen Zahl von Korporationen und Vereinen als Vorstands- und Ehrenmitglied an und war u. a. Hauptmann beim k. k. priv. bürgerl. Jnf.-Korps. In dieser Eigenschaft wurde ihm im Jahre 1866 die silberne Medaille für die patriotische Haltung während der Okkupation Prags durch die Preußen verliehen. Außerdem war der Verblichene Komtur des Franz Joseph-Ordens mit dem Stern, Ritter des Ordens mit der Eisernen Krone 3. Klaffe, Besitzer des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und der Militär-Jubiläumsmedaille. Gottlieb Bondy, dem die Gattin vor Jahresfrist im Tode vorangegangen, hinterläßt zwei Söhne, die Herren Leon Bondy, Vizepräsident der Handels- und Gewerbekammer, und Otto Bondy. Die letzte barmherzige Tat seines Lebens war eine munisizente Stiftung für ein Prager Waiseninstitut. Ueber das Leichenbegängnis wird gemeldet: Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Trauergästen aus allen Kreisen der Bevölkerung fand am 17. d. M. vormittags um '/z ll Uhr das Leichenbegängnis vom Trauerhause Graben Nr. 14 aus statt. Der einfache Brettersarg war im schwarz drapierten Sterbezimmer unter herrlichen Kranzspenden aufgebahrt. Nachdem Kantor M i r s k y Trauerpsalmen rezitiert hatte, wurde der Sarg in den Hausflur getragen, wo der Gesangverein „Smetana" einen Trauerchoral vortrug. Hierauf wurde der Sarg in den bereitstehenden sechsspännigen Galaleichenwagen gehoben und der imposante Zug setzte sich in Bewegung. Ihn eröffneten Deputationen sämtlicher Veteranen-Vereine, des bürgerl. Infanterie- und Grenadierkorps, die mit drei Mufi*kapellen ausgerückt waren, sowie viele andere Vereine und Innungen, denen der Verblichene als Ehrenmitglied angehört hatte. Im ganzen waren an 40 Vereine mit 26 Fahnen ausgerückt. Vor dem Leichenwagen und zu beiden Seiten desselben wurden Prachtvolle Palmen getragen. Hinter dem Sarge schritten die beiden Söhne des Verblichenen, die nächsten Angehörigen und die übrigen Trauergäste in langem Zuge, unter ihnen: Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d mit sämtlichen Rabbinern Prags und der Vororte, ferner Minister a. D. R a n d a, in Vertretung des Statthalters Vizepräsident D ö r f l, der Staatsbahndirektor Hoftat Marek, Hofrat Generaldirektor Dr. Böhm, Statthaltereirat Strachotinsky, Polizeirat Zidlieky,

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