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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-15 · 11 (15.3.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 188 Dr. Zkmr^s Wochenschrift» artikel XX: 1848 und auf Grund der Rechtsgleichheit ebenso behandelt werde, wie die übrigen Konfessionen. Die Zeit ist aber noch nicht gekommen, daß die Seelsorger der jüdischen Konfession als amtliche Vertreter ihrer Konfession in das Magnatenhaus berufen werden konnten. Von Seelsorgern der jüdischen Konfession sind bis nahezu 70 Perzent nicht ungarische Staatsbürger- und sie beherrschen die ungarische Sprache nicht. Redner verweist darauf, daß bei der Regelung der Kongrua 65 Rabbiner eine Ergänzung ihrer Kongrua erhielten. Redner verlangte damals vom Minister einen Ausweis über jene jüdischen Seelsorger, die eine staatliche Unterstützung erhielten; der Minister verweigerte jedoch diesen Ausweis mit Berufung auf das Gesetz. Später wurde es klar, warum der Minister diesen Ausweis verweigert hat. Das Organ der Israeliten „Egyenlöseg" konstatierte nämlich mit Bedauern, daß nur 6 von den 65 Rabbinern, die eine Ergänzung ihrer Kongrua erhielten, ungarische Staatsbürger find. Die jüdische Konfession ist auch nicht einheitlich, die Juden zerfallen in Orthodoxe und in Neologen. Die Verwaltung macht nur soweit einen Unterschied unter diesen Schattierungen, als diese selbst eine separate Behandlung fordern. Die Regierung kann ja auch jetzt jüdische Rabbiner in das Magnatenhaus ernennen, aber dieselben können nicht als offizielle Vertreter ihrer Konfeffiou fungieren, weil sie nicht organisiert ist. Die jüdischen Gemeinden sollen den Gesetzen genügen, dann werden sie auch eine Vertretung im Magnatenhause erhalten können. Wenn die Vorbedingungen vorhanden sein werden, wird der Wunsch der Judenschast voraussichtlich ohne jede Einmengung des Parlaments in Erfüllung gehen. Redner bittet, den Antrag des Referenten anzunchmen. Graf Theodor Batthiany nimmt den Antrag Bakonyi's an. Eine große Differenz besteht zwischen den hier gehörten Auffaffungen nicht. Buzath bemängelt, daß die jüdischen Rabbiner zumeist Fremde sind. Das ist tatsächlich nicht zulässig. Nun hat Redner gerade jüngst erfahren, daß eine Bewegung im Zuge ist, wonach ausgesprochen werden soll, daß. alle Angestellten der israelitischen Religionsgemeinden Ungarn sein müssen, dann werden auch diese Klagen gegenstandslos sein und das Recht der Juden, Ln das Magnatenhaus Vertreter zu entsenden, wird ins Leben treten können. Karl Hencz: Dann brauchen wir kein Magnatenhaus! (Zustimmung bei der Volkspartei.) Graf Theodor Batthiany: Die Zeit ist wohl nicht geeignet, diese Frage jetzt hier zu erörtern. Redner hofft, daß mit der Schaffung der Organisation der Judenschast auch die Frage der Vertretung dieser Religion im Magnatenhause in günstigem Sinne gelöst werden wird. (Beifall.) Er nimmt den Antrag Bakonyi's an. (Beifall bei der Unabhängigkeitspartei.) Ladislaus Ratkay hält die Zeit nicht geeignet dafür, daß diese Frage aufgeworfen wird. Da sie jedoch zum Gegenstand der Erörterung gemacht wird, muß er erklären, daß seiner Ansicht nach keine einzige Konfession berechtigt ist, eine Vertretung im Magnatenhause zu verlangen. Was diese Petition betrifft, so nimmt er den Antrag Bakonyi's an, denn die Frage müffe nach dem Prinzip der Rechtsgleichheit behandelt werden. Es wäre des ungarischen Abgeordnetenhauses nicht würdig, wenn es gegen die Rechtsgleichheit verstoßen würde. Hoffentlich gibt es kein Mitglied des Abgeordnetenhauses, welches anderer Ansicht wäre. (Beifall.) Karl Hencz (Volkspartei) findet in dem Gesetzartikel XLVII:1895 keinen einzigen Anhaltspunkt dafür, daß den Juden das Recht eingeräumt werde, Sitz und Stimme im Magnatenhause zu erhalten. Die Vertreter der übrigen Koufeffionen find Mitglieder des Magnatenhauses auf Grund der historischen Rechte derselben. Auch Redner hält die einheitliche Organisation der Juden für notwendig, doch bis dahin ist die Behandlung der in der Petition aufgeworfenen Frage überflüssig. Graf Theodor Batthyany stellt seine vom Abgeordneten Hencz mißverstandenen Worte richtig. Er hält jedoch darcn stst, daß der Antrag Bakonyi's zur Annahme gelangen müsse. 11 Gabriel Ugron: Die Frage ist die, ob "diese Petition vollständig abgewiesen oder ob der Antrag Bakonyi's ange« nommen werden soll. Wir können keinen Unterschied zwischen den einzelnen Konfessionen machen. Wir müssen verlangen, daß alle jene Rechte, welche den übrigen rezipierten Konfessionen gebühren, auch den Juden eingeräumt werden. Sobald die Juden den gesetzlichen Forderungen Genüge leisten, dürfen wir sie von den Forderungen der Rechtsgleichheit nicht ausschließen. Der Antrag des Abgeordneten Bakonyi bezweckt nichts weiter, als daß die Führer der Judenschaft, wenn die Juden den im Gesetze vorgeschriebenen Bedingungen entsprochen haben, im Magnatenhause Sitz erhalten. Es gibt ja auch heute jüdische Mitglieder des Magnatenhauses, doch sind dieselben nicht Vertreter derjüdischenKonfession. Man könne von den Juden keine einheitliche Organisation verlangen, denn diese Forderung besteht auch gegenwärtig über den anderen Konfessionen nicht. Es sitzen ja im Magnatenhause auch die Vertreter der griechisch-unierten und der griechisch-nichtunierten Kirche. Redner ist der Ansicht, daß diese Frage gegenwärtig nicht aktuell ist. Dieselbe ist nicht vorbereitet, es ist keine Stimmung dafür vorhanden. Dennoch müffe die Petition zum Studium an die Regierung geleitet werden. Referent Hermann zieht seinen Antrag zurück und macht sich den Antrag Bakonyi's zu eigen. Das Haus nimmt den Antrag Bakonyi's an. Der Antrag des Petitionsausschufses wird abgelehnt. Gegen den Antrag Bakonyi's stimmten: die ganze Volkspartei, von der Unabhängigkeitspartei vier Mitglieder, und zwar der Abgeordnete des hauptstädtischen IX. Bezirkes, Aladär B a l l a g i, der klerikale Witzblattredakteur und katholische Geistliche Julius Markos, Emerich Miksa und Graf Theodor Somssich; von der Verfassungspartei: Stephan BernLth, Josef Emödy, Zoltän Szilassy, Aladär Szeredai und Wilhelm M e l c z e r. Der letztgenannte ist Siebenbürger-Sachse. '-^„Laziwus' SlS"'BAkkrpsyHologe"'. Donnerstag den 7. d. M. hielt Frau Geheimrat Nahida Lazarus im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines einen Vortrag über „Lazarus, der Begründer der Völkerpsychologie", der von dem zahlreichen Publikum mit Andacht und Begeisterung angehört wurde. Frau Geheimrat Nahida L a z a r u s hat das Bestreben, die Schöpfungen und das Wirken ihres Gatten aus seiner edlen Menschlichkeit zu erklären, und vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der ihren Vorträgen über Lazarus doppelte Anziehungskraft verleiht. Ist es doch oft mehr die Persönlichkeit, als ihr Wirken, was uns fesselt. Die Vortragende zeichnete in den Entwicklungsstadien des großen Gelehrten das Entstehen und die Entwicklung der neuen Wissenschaft der Völkerpsychologie. Deshalb soll es auch kein Vorwurf sein, wenn wir erwähnen, daß der Vortrag der Frau Nahida Lazarus mehr eine Schilderung der Persönlichkeit des Begründers der Völkerpsychologie, als eine theoretische Erläuterung derselben war. Sie gab uns ein Bild seiner Kindheit, die er in F i l e h n e verlebte, und schilderte, wie schon in dem Jüngling, angesichts der nationalen Reibungen, der Gedanke an eine Völkerpsychologie aufkeimte. In besonders fesselnder Weise wurde uns die Tätigkeit Lazarus' an der Universität Bern geschildert, wir vernahmen, mit welcher Liebe und Verehrung feine Schüler an ihm hängten. Noch viele Jahre später hat er wiederholt, daß die Tage die er in Bern verlebte, die schönsten seines Lebens waren. Er verließ die schöne Stadt, verließ die treue Schar seiner Schüler, weil sein hohes Pflichtgefühl es nicht zuließ, daß er sich in den stürmischen Tagen des Freiheitskampfes dem Vaterlande entziehe. Er stritt in den ersten Reihen jener, die für die Ideale „Freiheit und Gleichheit" kämpften, und schuf sich viele Feinde, deren Mißgunst aber all' die Zuneigung und Liebe seiner Freunde nicht aufwiegen konnte. Viele andere zogen aus den Wurzeln seiner Schöpfung die Quintessenz ihrer Leistungen. Selbst der große Virchow

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