Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Llocb's Mocdenscbrlrr Seite 185 Beide Autoren, jeder in seiner Art, argumentieren «x negativis sowohl, als auch 6X seilsntio und jede noch so geringe Abweichung in den einzelnen Büchern wird als Beweis erfaßt oder herbeigezogen und dem Positiven, welches geeignet wäre, das Gegenteil zu bezeugen, wird die Beweiskraft hinwegdisputiert. Bei Wellhausen stößt man bisweilen auf Aeußerungen, die wie Konzessionen aussehen. So zum Beispiel sagt er: „Wohl fehlt es auch im alten Israel nicht an gottgegebeuen Grundlagen für die Ordnung des menschlichen Lebens, nur waren sie nicht schriftlich fixiert." Oder: Jaives Autorität gab den ungeschriebenen Gesetzen der Sitte verpflichtende Kraft" und führt Beispiele hierfür aus dem T»xte der Thora an, die er für Allisrael negiert. Zitate aus der Thora und das Zugeständnis, daß solches „zur Begabung Israels" gehörte, ist aber eine Inkonsequenz, die der Autor nicht beachtet zu haben scheint. Denn wenn alles, was in der Thora geschrieben ist, erst aus nachexilischer Zeit herrührt, so müssen die bezogenen Sätze nicht notwendig jüdischen Ursprunges sein, sondern können ebenso gut aus babylonisch-assyrischer Quelle geschöpft und an passender Stelle der Thora beigefügt worden sein. Aber diese Inkonsequenz hat Methode. In der „Geschichte Israels", von demselben Verfasser, kommt jener Teil des Volkes, welcher im Jahre 722. a. CH. von Salmanassar nach Chalach und anderen Gebieten des assyrischen Reiches weggeführt wurde, nicht übel weg. Man lobt jene, welche nicht mehr sind, auf Kosten derer, welche sich und ihre Eigenart erhalten haben. Das ist christlich und gelehrt, weil auf diese Weise das Piedestal für den neuen Glauben höher gezimmert wird. Folgerichtiger sind die Ausführungen des Galizianers. Er bleibt konsequent bei der Ansicht, daß in der Wüste nichs ausgeschrieben wurde, hält daran fest, daß Josua das Deuteronomium geschrieben hat, weil für die aus der egyptischen Sklaverei Befreiten ein Gesetz nutzlos gewesen wäre, und daß Moses, der nicht kriegerisch gesinnt war, nicht daran denken konnte, das gelobte Land zu erobern. Die anderen Teile des Pentateuchs aber wurden erst von den nach dem Exil verfaßt und ausgeschrieben, weil die aus Babylon, der Stätte des Wissens, Zurück - gekehrten die Fähigkeit, ein Gesetz zu machen, sich erst dort angeeignet haben, eine Fähigkeit die den Vorfahren nicht zugemutet werden kann. Der Satz: »^b 'jts> pi 172x2 s'X» der in I. R. 8., 9. vorkommt und in 2. Ehr. 5., 10, wiederholt wird, hat genügende Beweiskraft, ebenso die TaNNudstelle: n'J2' 711*7: p*ijn i.i'pix Di*?: ri^nr *?x2ts>' 03? rvapn ntr; n"B pp s'2'i #n2’p weil angeblich diese mit Jechanja exilierten oberen Zehniausende die Eignung hatten, sich babylonische Weisheit und Gelehrsamkeit auzueignen und die hiuzugekvmmeuen Volksgenossen derselben teilhaft werden zu lassen. Hat aber der oben angeführte Satz, daß in der Lade nur die Steintafeln sich befunden haben, weil er wiederholt vorkommt, Beweiskraft, so sollte mau glauben, daß auch andere wiederholt vorkommende Sätze dieselbe Eigenschaft haben, nämlich zu erhärten, was sie besagen. Aber nein! Exod. 24., 4. heißt es: „'"-ci bz nx nwo mm" und Deut. 31., 19. heißt es: ,.n«n minn ns n»a 21N22". Dieses Zeugnis, daß Moses die Worte Gottes, daß Moses die Thora geschrieben hat, wiederholt sich in Josua I., 8. und Reg. 3., 3. in II. Reg. 14 , 9. Esra 3., 2 Nehemia 8., 2. Daniel 9., 13. Aber diesen Zeugnissen wird kein Gewicht beigemessen. Wenn man einer Talmudstelle, wie der oben zitierten, der man durch eine gewagte Interpretation einen Sinn beizulegen sucht, der in den Worten derselben nicht enthalten und nach meiner Ansicht unzulässig ist, die Kraft eines giltigen Beweises zugesteht, warum nicht anderen Stellen, die klar und deutlich das ausdrücken, was sie besagen wollen? So kommt in "b?p 711.2:2 und i"2 pp 2"2 eine poetisch schöne Stelle vor, die nicht herangezogen wird, weil sie dem Negationssystem wenig passend erscheint: pxvV *22 i'*?y 2'»n 2*22 tix mpr iax X1.11 .nrrx N18 icn min ibd 2V2X 722x1 7x22 <271121 221X .2®2i 221X mpn 1x2 23? x*?x?"n:n mnn "37222 27112 .2L>21 2218 .2"2p.2 1*7X1 Nach dieser Stelle hat Moses die Thora bis zum letzten Buchstaben nach dem göttlichen Diktate geschrieben, indem er jedes Wort zuerst mündlich wiederholt; nur die letzten Verse des Deuteronomiums hat er nicht erst mündlich wiederholt, sondern mit Tränen ausgeschrieben. Aber eine solche Stelle findet in dem Buche des Galizianers keinen Raum, weil auch er, wie der berühmte christliche Forscher, für die Negation arbeitet. Den Spuren der Autoren aus dem vorigen Jahrhundert folgen mit weniger Glück und Geschick so manche in neuester Zeit, und man ist versucht, zu glauben, daß sie bemüht sind, den prophetischen Satz: "lB’ivr 0*1: i'*?x« zur Wahrheit zu machen. Wir könnten uns füglich damit begnügen, daß die Thora so viele, die sie nicht verpflichtet, beschäftigt, daß über ihren Inhalt nicht gleichgiltig hinweggeschritten wird und daß noch keiner geleugnet hat, daß aus ihren ethischen und humanen Vorschriften echter jüdischer Geist spricht. Es wäre aber ein Irrtum, wollte man annehmen, daß die Bibelkritik erst dem 19. Jahrhundert Vorbehalten blieb. Der wiederholt im Talmud vorkommende Satz: px ".221112 2mxoi D2pio beweist, daß mau sehr früh mit der Bibelkritik angefangen hat. Die talmudischeu Aussprüche, wie i"E2"2 und 2"' sp 2"2 "2nDX 71*7:21 *?X':2 2t»y "71 p*?xT.2’ 12712 rrw die Verweisung Hiobs m das Reich der Mythe ober .2*72712" 27122 X2T>’ '2'2 2.2*7 rOW .227.2;p",2*72 »233? 27122 *7X22"*? .22171 slL>*71 nnitS* 2712 *7X22>'*7 2.2*7 121'3 "22X J12>*721 7>'21L»X? 71121'2.2 fX2 .'22rr ptr*?l »223; 2712 D'21'2.2*? M'l2l V21P.2 .2 "37 X": s'22.222 ."2"7112;x2cn 22 22X sind gewiß Zeugnisse vorurteilsloser Kritik. Nach letzterer Stelle wurde die Thora zur Zeit Esras ueu ediert und zwar für die Samariter in althebräischer Schrift, pjn und in aramäischer Sprache. Daß Esra die Thora aus dem Gedächtnisse ausgeschrieben hätte, ist nicht gut denkbar, vielmehr ist es sicher, daß er die vorhandenen hebräischen Rollen in die dem Volke damals geläufige assyrische Schrift transfkribiert und ins Aramäische übersetzt hat, um den im Lande seit zwei Jahrhunderten ansässigen Samaritern und jenen unteren Volksklassen, welche man im Lande belassen hatte, zu genügen. Aus dieser Uebersetzung und nicht aus dem hebräischen Urtexte wurde die griechische Uebersetzung „Septuaginta" hergeslellt. Sowohl die Targnmim als auch die Septuaginta weichen in manchen Stücken von dem hebräischen Texte ab, weil die Uebersetzer bemüht waren, dunkle Stellen zu erklären und zu ergänzen. So lautet der hebräische Text in Gen. 4., 8, *",222>2 2711222 \2'1 T.2X *72.2 *?X J'p 22X’l" während im Targum sowohl, als auch in LXX der Satz lautet : "i2X> ".12L>2 2711222 \T1 .22222 X3C3 .22*7 122X .22.2 *?X s'j, oder Deut. 32 , 8. und 9 lauten die Satze im hebräischen Texte: *?X2V' '22 2-222*7 ll'237 Nl*?31 227' ln^n: *72,1 2p37' 1237 " p*7,2 '2 während sie in der Septuaginta lauten: 2'.2l*?X '22 2222*7 2'237 711*722 2X' *7X2»’ 171*7.21 ^2.2 12-' " Es sei bemerkt, daß im Targum Genesis 6., 2. und 6., 4. a',2i*?x 'I3 nicht mit '^3 sondern mit x'2222 »53 übersetzt wird, das ist: Söhne von Gewaltigen odkr Dynasten.