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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-15 · 11 (15.3.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Dv. Lloeb's Moedenscvrin. Sette 183 sein, aber im allgemeinen hat sich die Tätigkeit des Hilfsvereines als eine wahrhaft segensreiche erwiesen, und besonders auf dem Gebiete der weiblichen Arbeitsförderung, in erster Reihe durch Einführung der Spitzenhäkelei, wurden höchst beachtenswerte Erfolge erzielt, über welche der soeben ausgegebene erste Teil des Jahresberichtes pro 1906 folgende überaus erfteuliche Aufschlüsse gibt: „Wie wir im Vorjahre mitzuteilen das Vergnügen hatten, haben wir diese Industrie, die Erzeugung irischer Spitzen, im März 1905 in Galizien einzuführen begonnen. Es ist uns nun gelungen, damit einen geradezu außerordentlichen Erfolg zu erzielen. Wir lassen, wie Sie wissen, in der Erzeugung dieser Spitzen Unterricht erteilen, während der k. k. Zentral-Spitzenkurs in Wien als Unternehmer fungiert. Diese Anstalt hat die Spitzenhäkelei nach Oesterreich gebracht und läßt in verschiedenen Kronländern irische Spitzen Herstellen, die sie an größere Händler und Exporteure verkauft. Da sie nicht darauf ausgeht, einen geschäftlichen Nutzen zu erzielen, so ist sie in der Lage, den Arbeiterinnen höhere Löhne zu zahlen, als es ein Privatunternehmer vermag. Der Zentral-Spitzenkurs gibt nun nach Galizien Bestellungen, übernimmt die dort fertiggestellten Waren und übersendet dorthin die hiefür entfallenden Arbeitslöhne. Er stellt uns auch die für die Einführung dieser Industrie erforderlichen Lehrkräfte zur Verfügung. Im Jahre 1905 war bereits an 6 Orten, und zwar in Sambor, Drohobycz, Neusandez, Gorlice, Neumarkt und Bolechow, die Spitzenhäkelei eingeführt, im Jahre 1906 sind die Orte Tlumacz, Nadworna, Gliniany, Wygoda, Stryj, Dolina, Dukla, Zolkiew, Magierow, Kulikow, Rawa ruska, Olpiny und Grybow dazugekommen, so daß im ganzen von uns 19 Orte industrialisiert wurden. An einem 20. Orte, Tuchow, entstand diese Industrie dadurch, daß ein Mädchen in Gorlice den Unterricht erhielt und nun in ihrer Heimat andere Arbeiterinnen unterrichtete. In diesen 20 Orten — es wird übrigens auch in der Umgebung dieser Orte gearbeitet — find derzeit 1200 bis 1500 Arbeiterinnen tätig. Die Waren, die aus Galizien einlangen, entsprechen im großen und ganzen den höchsten Anforderungen. Obwohl wir den Zentral-Spitzenkurs ersucht hatten, bei der Uebernahme der Spitzen, um die Arbeiterinnen an die Herstellung marktfähiger Waren zu gewöhnen, so streng als möglich vorzugehen und schlechte Waren entweder abzulehnen oder geringer zu bewerten, ist es bisher nicht vorgekommen, daß Spitzen überhaupt nicht übernommen wurden, und die Abzüge, die der Zentral-Spitzenkurs hie und da machte, sind ganz unbedeutend. Wir haben übrigens eine unserer Lehrerinnen, von der im ganzen 15 Orte industrialisiert wurden, während die zweite Lehrerin bloß an 4 Orten Unterricht erteilte, durch die von ihr industrialisierten Orte eine Rundreise zu dem Zwecke machen lassen, damit sie durch ihren Persönlichen Einfluß und dort, wo es nötig ist, durch Nachunterricht die Herstellung tadelloser Ware erziele. Die Arbeiterinnen sind mit den Löhnen, die sie sich erwerben, außerordentlich zufrieden. „Fleißige und geschickte Mädchen" — schrieb uns am 12. Oktober d. I. unsere erste Lehrerin von ihrer Rundreise — „verdienen sich K 10.— wöchentlich, können aber auch, wenn sie besser bezahlte Figuren arbeiten und dabei flink sind, auf K 16.— kommen. Einzelne Arbeiterinnen, die besondere Fähigkeiten besitzen und auch noch Nachtstunden zu Hilfe nehmen, haben sogar höheren Verdienst." Die Löhne, die im Jahre 1905 in der Spitzenhäkelei in Galizien verdient worden waren, hatten L 2364'92 betragen. Im Jahre 1906 wurde ein reiner Lohn, das ist nach Abzug des Wertes der Materialien, von rund K 89.500.— erzielt. Es muß jedoch bemerkt werden, daß es irrig wäre, den Gesamtarbeitslohn durch die Anzahl der Arbeiterinnen zu teilen, um daraus den Betrag, der auf eine Arbeiterin entfällt, zu entnehmen. Es wäre damit bloß eine mechanische Rechnungsoperation vollzogen, das Ergebnis würde jedoch einen Einblick in die wirklichen Verhältnisse deshalb nicht gestatten, weil die Arbeiterinnen der im Berichtsjahre industrialisierten Orte erst allmählich in die Reihe der Verdienenden eintraten. Es zeigt sich dies klar und deutlich, wenn die Nettolöhne der einzelnen Monate in Betracht gezogen werden. ES wurden ins Verdienen gebracht im Jahre 1906 Nettolöhne, und zwar: im Jänner und Februar K 195121, im März K 2674 97, im April K 411156, im Mai und Juni K 11.966 30, im Juli K 9249 34, im August 10.860°53, im September K 24.282 49, im Oktober bis Dezember K 33.456 87, zusammen K 98.553*27. Die Ziffern der letzten 4 Monate des Berichtsjahres bedürfen einer Erklärung. Das koloffale Anwachsen der Spitzensendungen aus Galizien traf den k. k. Zentral-Spitzenkurs sozusagen völlig unvorbereitet. Sein Absatz stand bis dahin im Verhältnis zu den fertiggestellten Waren; nunmehr bekam er Waren in solcher Menge, daß er sich genötigt sah, hiefür erst besondere Absatzwege zu suchen, und, um unterdessen die Anhäufung von Waren zu verhindern, mußte er sich entschließen, seine Bestellungen an irischen Spitzen einzuschränken. Er gab daher in den letzten 3 Monaten nach Galizien bloß Bestellungen im Betrage von je K 11000.—, während, wie der September gezeigt hatte, die galizischen Arbeiterinnen bedeutend mehr Waren Herstellen können. Wir sahen uns daher veranlaßt, einerseits ihm bei der Aufsuchung neuer Absatzwege behilflich zu sein, andererseits zu trachten, sein Lager an Spitzen zu verringern. In dieser letzteren Absicht veranstalteten wir in der Zeit vom 6. bis 10. Dezember 1906 in den Räumen der Wiener B'nai B'rith-Vereinigungen eine Ausstellung von Spitzen des Zentral-Spitzenkurses zum Zwecke des Verkaufes. Der Erfolg dieser Unternehmung übertraf alle Erwartungen; es wurden an diesen 5 Tagen Spitzen im Werte von rund K 30.000.— verkauft. Dieses Ergebnis veranlaßte uns, bei unseren Freunden in anderen Städten Oesterreichs und Deutschlands die Veranstaltung solcher Ausstellungen anzuregen, und es scheint Aussicht vorhanden zu sein, daß in der einen oder anderen Stadt ein derartiger Versuch gemacht werden wird. Die Wirkung, die der gute Verdienst in der Spitzenhäkelei in Galizien ausübte, zeigte sich darin, daß eine große Anzahl Orte an uns mit der Bitte herantrat, auch bei ihnen diese Industrie einzuführen. Wichtiger aber erscheint uns die Tatsache, daß der geregelte Verdienst auf die Arbeiterinnen einen fittigenden Einfluß ausübte und insbesondere, wie wir erst jüngst vernahmen, arme Frauen, die bisher auf Unterstützungen angewiesen waren, der Bettelei entriß und einem geordneten Erwerbsleben zuführte." Weniger erfteulich, aber allerdings auch nicht entmutigend find die Erfolge mit den anderen vom Hilfsvereine geförderten Industrien, wie Spitzenklöppelei, Kleiderkonfektion, Haarnetzerei, Fezquasten-Erzeugung, Wäschekonfektion und Weißstickerei rc. und ist auch hier auf Grund der gewonnenen Erfahrungen eine allmälige Besserung in Aussicht. Ueber die in den vom Hilfsvereine in Galizien eingeführten und zu Ende 1906 noch im Betriebe stehenden Industrien beschäftigten Arbeitskräfte und deren Jahresverdienste während des Betriebsjahres gibt nachfolgende Zusammenstellung Aufschluß: Es waren b-!ch°sti,t - A-beit-Iräftmit-in-mJ-dr-sn-rdienstin der Spitzenhäkelei 1200—1500 „ „ Spitzenklöppelei 120— 150 „ „ Kleiderkonfektion 60— 70 „ „ Haarnetzerei 600 „ „ Fezquasten-Erzeugung 40— 42 1420—2362 von Kronen 98.553 1.927 43.108 120.000 978 264.566 Unter diesen Arbeitskräften gab es ungefähr 50 männliche- Außerdem waren in der Weißstickerei 40—45 Mädchen durch fast 4 Monate beschäftigt, die zur Aneiferung Prämien im Betrage von K 1114 erhielten. Faßt man noch die weitere Tätigkeit des Hilfsvereines ins Auge, die der Lehrlingsfürsorge, der Förderung der Land-

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