Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 182 Dr. Llocb s Mlocdenscvrltt. r. II Jeden, der fein Leben im Dienste des Judentums zugebracht hat, die höchste Freude bedeuten dürfte. Es hat sich gezeigt, daß breite Schichten des jüdischen Volkes ihren alten Vorkämpfer nicht vergessen haben, daß sie eingedenk sind des Umstandes, daß er, der Einzelne, übermächtigen, antisemitischen Quertreibereien hat endlich weichen müssen und daß sie deßhalb mit Dankbarkeit und Freude Dr. Blochs Rückkehr ins öffentliche Leben begrüßen. Es ist unmöglich, auch nur einen Bruchteil ihrer Zuschriften, in denen ihr Beifall zum Ausdruck kommt, im Wortlaut zu veröffentlichen. Vor allem aber sei mit großer Genugtuung auf das Telegramm einer der angesehensten, ungarischeu Gemeinden hingewieseu, das in dieser Woche au die „Oesterreichische Wochenschrift" gerichtet wurde und lautet: Gr.-Becskerek, 7. März 1907. Der Gemeiudebezirk Gr-Becskcrek begrüßt Herrn Dr. Bloch anläßlich seiner Kandidatur zum Reichsratsabgeordneten und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß uusere Glaubensgenosse« dieser Fahne zum Siege verhelfen werden. Dr. Moritz Klein Dr. Samuel Mangold Oberrabbiner. Präses. Außer diesem Telegramm sind fast aus sämtlichen Provinzen der Monarchie Zustimmungskundgebungen tiugelausen, aus deren Inhalt wir einige Sätze zitieren, wie: „Die jüdischen Wähler sollten es als heilige Pflicht betrachten die Ehrenschuld, die das Judentum seit langem au Sie hat, zu tilgen, seitdem Sie die Gegner mit den Waffen aus der Rüstkammer Ihres vielseitigen Wissens zu Boden schmetterten." „Wir Juden haben die Sicherheit, daß Sie mit voller Kraft nach wie vor für die Interessen des Judentums cintreten werden. Wären Sie nicht aus dem Reichsrat durch Machinationen verdrängt worden, so hätten wir heute keine Hilsneraffaire." „Warum Schneider und Genossen nicht mit voller Wucht bekämpfen, soll mau sie nach Belieben siegen lassen? Sie haben in dieser Beziehung gewissenhaft ihre Pflicht getan." „Sie sind jederzeit mannhaft für das Judentum eingetreten und Ihre Verdienste müssen von jedem Juden ohne Unterschied der Parteistellung anerkannt werden." „Es hieße an dem Ehrgefühl und an der Einsicht der Wiener Juden verzweifeln, wenn sie nicht einmütig für die Kandidatur Dr. Bloch's eintreten." „In diesen schweren Zeiten sind Sie der richtige Mann; Sie standen immer in der Bresche, wenn man gegen das Judentum Sturm lief, Ihr Name ist ein Programm." In allen diesen Kundgebungen offenbart sich die Erkenntnis für die Erfordernisse der Zeit und des ernsten Momentes. Ein Wiener Wähler ersucht uns um vollinhaltlichen Abdruck nachstehender Zuschrift: Zur Wahl in der Leopoldstadt. In der Leopoldstadt, der Hochburg des Wiener Judentums, erleben wir jetzt die tiestraurige und beschämende Tatsache, daß jüdische Kandidaten die Klingen gegeneinander kreuzen und sich gegenseitig aufs schärfste befehden, wodurch ein erbitterter Wahlkampf eingeleitet wird, der schließlich, wenn nicht inzwischen die Besonnenheit die Oberhand gewinnt, mit dem Siege unserer Gegn«^ zu enden droht. Anstatt daß die Juden dieses WahlbezhEE sich raillieren und auf einen einzigen Kandidaten sich einigen sollten, gewahren wir, daß mehrere mit verschiedenen von einander abweichenden Programmen auf den Plan treten, dadurch Verwirrung in die Rechen der Wähler bringen und Leidenschaften entfeffeln, die naturnotwendig zur Spaltung und Uneinigkeit im eigenen Lager fuhren müssen. Ich bin nicht berufen, über die Qualitäten der in Betracht kommenden Kandidaten ein Urteil abzugeben, aber so viel muß jeder objektiv denkende und nicht durch die Lupe der Parteizugehörigkeit blickende Wähler erkennen, daß unbeschadet der ausgezeichneten Eigenschaften, die ein jeder der Herren Kandidaten in sich vereinigen mag, kein einziger den Vergleich mit dem Dr. Bloch auszuhalten vermag, und daß Letzterem unbedingt die Palme zuerkannt werden muß. Es ist müßig, die Verdienste aufzuzählen, die dieser Mann im jahrzehntelangem zähen Kampfe gegen den Antisemitismus um das Judentum sich erworben hat. Wem wäre denn seine Wirksamkeit im Parlamente nicht bekannt? Wer wüßte nicht, wie er auf der Mensur stand, um kampfgerüstet die feindlichen Angriffe auf das Judentum mit Vehemenz und Erfolg abzuwehren? Wem ist es nicht erinnerlich, wie er den verleumderischen, ftivolen Insinuationen eines Schneider und Konsorten mit der ganzen Wucht seiner Beredtsamkeit und der Fülle seiner unumstößlichen Argumente entgegengetreten ist? Und diesem Manne, der wie kein zweiter zur Ehrenrettung des Judentums beigetragen hat, sollte man jetzt einen Kampf aufzwingen und ihm das Mandat streitig machen? Das wäre der Gipfel der Undankbarkeit und ich glaube nicht, daß ein warmer Jude, der jüdisch denkt und fühlt, zu solchen Quertreibereien sich hergeben würde. Ich glaube vielmehr, daß die bessere Einsicht unter den Wählern obsiegen wird, und daß am Wahltage alle wie ein Mann für den Dr. Bloch votieren werden, getreu der Devise: Dem Verdienste seine Krone. A. T. Schapire. Es würde zu weit führen, weitere Einsendungen gleichen Inhaltes zu publizieren. Sie sind alle ein Echo jener Reden und Taten, mit denen Dr. Bloch nicht erst deute, vor Dezennien schon und seit Dezennien schon seine Kandidatur begründete. Er hat den Beweis erbracht, daß in seinem rein jüdischen Programm nichts vom Ghetto steckt, das Verblendete und Böswillige den Wählern stets vormaleu, wenn von unbedingtem Judentum die Rede ist. Ghetto ist die feige Furcht vor den Feinden, Ghetto ist das Nachlaufen nach abweisenden fremden Parteien, Ghetto ist die Verleugnung des Blutes. In einem rein jüdischen Programm ist aber der ganze soziale Fortschritt der Menschheit enthalten, den die Juden stets angeregt und erhalten haben. In einem rein jüdischen Programm ist jeder ehrenhafte Freisinn erhalten, dessen ganzes Wesen Juden in dem Satze niedergelegt haben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Ein rein jüdisches Programm ist das beste und modernste, das es überhaupt gibt. Denn es ist eine Auslese der gerechtesten und besten Punkte aller übrigen Programme, die im letzten Wesen ja doch der großen Erkenntnis der 2'ibel entstammen. Auf Grund dieses Programmes, auf Grund der Art, wie er es vertreten hat, steht Dr. Bloch vor seinen Wählern, auf Grund des Vertrauens, das ihm jetzt schon schmeichelhaft von allen Seiten zuteil wurde. Und er verspricht in dieser Antwort für seine zahlreichen Freunde, diesen sowie besonders seinen antisemitischen Feinden, daß er sein rein jüdisches Programm aufrecht und mutig verfechten wird, jetzt und immer. Galizischer Hilfsvrrei«. Es ist eine im modernen Wirtschaftsleben vielfach bestätigte Tatsache, daß einzelne Familien und noch mehr große Volksmassen nicht durch Gewährung von Almosen, sondern nur durch Zuführung zu Arbeit und Erwerb aus Not und Elend in günstigere Lebensbedingungen gebracht werden können, und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat der „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" (Wien, IX., Berggasse 4) seit einer Reihe von Jahren sein Bestreben dahin gerichtet, durch Schaffung und Förderung von Hausindustrien die traurige materielle Lage der Juden in Galizien zu heben. Allerdings sind die diesbezüglichen Versuche nicht immer auf den ersten Wurf geglückt, bei den mannigfachen örtlichen, individuellen und kommerziellen Schwierigkeiten mußte man bei manchen Unternehmungen anfangs auch auf Mißerfolge gefaßt