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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-15 · 11 (15.3.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 11 Dr. Bloch’s ♦ fl 4 Zahr-au» XXIV ♦ Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wim, 15. März 1907. JErscöetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Mlen. IX/j„ Kerggasse 39. Telegramm-Adresse: JBlocb's IMocDenscdritt. Mlien. Inhalt: Leitartikel: Der Wahlkampf in der Leopoldstadt. — Galizischer Hilfsverein. — Rabbi Samuel Löw s.A.—Ungleiches Masj. — Korrespondenzen: Plenarsitzung der Kultnsgemeinde. Vertretung der jüdischen Konfession im ungarischen Magnatenhause. „Lazarus als Völkerpsychologe". Nikolsburg. Prag. Angelegenheiten der Kultusgemeinde. Berlin. — Vermischtes: Wien. Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterstützungverein „('bsssä sebsl emes“. Armenrat Josef Pollak. Tanzprüfung für Heranwachsende Jugend. Jüdische Toynbeehalle, XX., Othmargasse 46. Bildungsheim der Jüdischen Toynbeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Wiens. Humanitärer Verein der Mattersdorfer in Wien. Akademischer Sportklub der jüdischen Studenten in Wien. Tefillath ha-n’orim. Preßburg. Brünn. Tachau. Fiume.. — Feuilleton: Rouvke Arbel oder Ein Werk der Vorsehung.— Briefkasten — Notizen. — Inserate. » -3 K. ft. Postsparftsssen-Amt Gleatlng-lDerftebt Nr. 810.976. Bibahtlon und Administration: Wien IX/l, Lerggasse Nr. 39. Nr. 14.847. ©-* »---—-« Verugsprri« für Vesterrririz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Aiir's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Dis 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. W-K Der Mahlkampf in der Keopoldstadl. Die jüdischen Wähler des Wiener Leopoldstädter Wahlkreises werden sich bald und energisch für jenen Reichsratskandidaten aussprechen müssen, dem sie Vertrauen entgegenbringen. Denn nirgends so wie in diesem Bezirke ist Gefahr vorhanden, daß bei Mangel eines zielbewußten Vorgehens aus der Möglichkeit eine sonderbare Tatsache würde, daß ein so eminent jüdisches Mandat einem Christen zufällt. Ob dieser Christ mehr oder weniger antisemitisch oder antisemitelnd ist, braucht nicht erst langwierig erhoben zu werden. Ueber den Zweifel sind wir durch traurige Erfahrungen heraus, daß unser Vertreter nur ein Jude sein kann, der genug Wissen und KenntuiAuom Judentum besitzt, um es voll und ganz verteidigellMrköundn. Das wird im neuen Parlament sehr nötig sein. Iveun die Christlich-Sozialen auf ihrem letzten Parteitag au^^^l Hofratston angenommen haben, so taten sie es W^WI^^shalb, um jene weiten Kreise der Provinz, die dem Antisemmjsmus wohl gewogen sind, nicht aber den Rüpelton vom blauen Luchsen, für sich zu gewinnen und das Gebiet ihrer Herrschaft über die ganze Monarchie auszudehnen, wie sie es auch prahlerisch verkündeten. Der Vorsatz wird ihnen wohl zum großen Teil gelingen. Sie werden als die stärkste deutsche Partei im Parlamente einziehen, wie selbst die liberalen Blätter zugeben, die sonst in dieser Beziehung alles zu beschönigen pflegen. Da nun der Antisemitismus der Kernpunkt und Hauptinhalt ihres Programmes ist, so steht es wohl selbst für ein politisches Baby fest, daß sie ihn sowohl nach der moralischen als nach der wirtschaftlichen Richtung hin auf das Schärfste betonen werden. Die von keiner Vernunft unterstützte Behauptung also, daß in einem modernen Parlament ein rastloser und schneidiger Kampf gegen die Antisemiten nicht werde geführt werden müssen, muß mindestens als willkürlich hingestellt werden. Das neue Parlament mag vielleicht der Form nach als modern bezeichnet werden, der größte Teil seines neuen Inhalts, der Antisemitismus, wird höchstens den Fortschritt machen, daß er breiter und tiefer wird und daß der Kampf dagegen noch schwieriger wird geführt werden können. Das ist der erste und hauptsächliche Gesichtspunkt, von welchem aus die Wähler ihre Interessenvertretung einem Kandidaten werden übergeben dürfen. Man kann es niemanden verwehren, als Freiwerber aufzutreten, er wird sich aber wohl eine strenge Prüfung gefallen lassen müssen. In so schweren Zeiten sind nur Männer am Platz, deren Fähigkeiten offenkundig sind. Die Politik ist das einzige Gebier, auf dem der Befähigungsnachweis erbracht werden muß. Denn im neuen Parlamente werden unsere Vertreter wohl wenig durch ihre Zahl wirken können, wohl aber durch die Wahrheit, Geschicklichkeit und Wärme ihrer Ausführungen. Was sie Vorbringen, muß auf einem Fundament von Kenntnissen und Erfahrungen aufgebaut und von ehrlicher Ueberzeugung gestützt sein, um nicht umgestoßen werden zu können. Für all die gehässigen Verleumdungen und Rechtsattentate, unter deren Folgen wir Juden so bitter leiden und die nur deswegen in ihrer Schwere möglich waren, weil schwächliche Halbjuden ihnen entgegengetreten sind, müssen Männer vorhanden sein, an deren innerer Kraft die Zahlenmacht und die Herrschaftsgelüste der Christlich-Sozialen zersplittern. Im Bewußtsein dieser Kraft ist der Herausgeber der „Oefterreichischen Wochenschrift", ist Dr. Josef S. Bloch vor die Wähler getreten und hat sich bereit erklärt, auf den Kampfplatz zurückzukehren, auf dem er sich mit unseren Feinden so oft gemessen hat und ihren Gesetzesvorschlägen auf dem Wege vom Parlamente zu den Behörden so oft cntgegengetreten ist. Wo und womit er auch bekämpft worden ist, hat er bei diesem Schritte eine zweifache Genugtuung erlebt. Vor allem, daß die Antisemiten wie ein Mann gegen ihn aufgetreten sind und ihn entweder in der sattsam bekannten, brutalen Manier des „Deutschen Volksblattes" oder der sattsam bekannten, höhnenden Manier des „Kikeriki" bekämpften. Aber immer waren es zumindest Leitartikel in den antisemitischen Blättern, auf diese Art Ruhmesblätter für einen jüdischen Politiker, in denen Dr. Bloch erbittert bekämpft wurde, wohl Beweis genug, mit welchen Gefühlen ihn die Antisemiten entlassen haben und mit welchen Gefühlen sie ihn erwarten. Außer dieser großen Anerkennung von der Feindesseite hat aber Dr. Bloch noch Eines erlebt, das wohl für

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